Alle Zeit der Welt

Unser lieber älterer Kunde, der sich gerne mit uns über dies und das unterhält (speziell die „guten alten Zeiten“), kommt 10 Minuten vor Ladenschluss in die Apotheke, kauft etwas kleines und bleibt dann hängen.

Er erzählt uns von seiner Zeit in der Papeterieabteilung eines Kaufhauses, wie er auf den Job gekommen ist – ein Quereinsteiger. Eigentlich war er Vertreter – ja, diejenigen, die so von Tür zu Tür gingen – für Aktenkoffer und Taschen. Das muss schon eine Zeitlang her sein … in meinem Erfahrungsschatz gibt es das schon seit (vor?) meiner Geburt nicht mehr.

Jedenfalls erzählt er uns von seiner Arbeit im Kaufhaus … und wie nervig die Kunden waren, die ein paar Minuten vor Ladenschluss noch unbedingt etwas haben mussten …

Meine Kollegin und ich schauen uns an, sagen aber nichts.

…. und die anscheinend alle Zeit der Welt haben … ohne Rücksicht auf die Verkäufer, die „ja auch irgendwann Feiereabend wollen.“

Jetzt fangen wir beide an zu grinsen und schauen auf die Armbanduhren.

Das bemerkt er.

Dann schaut er selber auf die Uhr, meint: „Oh – ich wollte nie so jemand sein. Entschuldigt mich, meine Damen!“ und macht einen Hut-winkenden Abgang.

:-)

Süss.

Fertig Mottenkugeln

Ja, ganz fertig. Das Ende der Mottenkugeln habe ich vor etwa 2 Jahren schon einmal bedauert, als diese grünen Packungen mit nach Veilchen riechenden eckigen Dingern ausser Handel gegangen sind. Bald danach haben wir aber einen Ersatz gefunden: bei unserem Chemikalienlieferant konnten wir noch Naphtalinkugeln – das sind die klassischen (stinkenden) Mottenkugeln bestellen.

Ein Jahr darauf hat das Chemikalienrecht sich verschärft in dem Sinn, dass Biozid-Produkte … und darunter fallen Mottenkugeln als Insektizide auch – nicht mehr vermarktet und verwendet werden – es sei denn, sie wurden vorher zugelassen bzw. registriert.

Die Chemikalie Naphtalin hat keine solche Zulassung. Und wie gesagt: Mottenkugeln sonst gibt es auch keine mehr hier.

Da begibt man sich denn also in eine rechtliche Grauzone. Für uns hatte das die Folge, dass wir Naphtalin nur noch auch Nachfrage in der ganzen Packung verkauften und nicht mehr abgefüllt haben – und dass wir es auch nicht als Mottenschutz verkauft haben. Statt dessen empfehlen wir eigentlich immer die neuen Mittel von Gesal – die stinken auch nicht so übel. Aber es gibt immer noch Leute, die wollen unbedingt Naphtalin.

Jetzt wollte ich das bei unserem Chemikalien-lieferant nachbestellen. Keine Chance mehr.

Die Frau am Telefon erzählt mir die Geschichte, dass offenbar ein Kunde, der das (auf Verlangen, anders kann ich mir das nicht vorstellen) gekauft hat, sich danach telefonisch beim Kantonschemiker beklagt hat, weil die Dinger so stinken – das sei ja unmöglich! Da wurde der Beamte natürlich hellhörig. Worauf dem Lieferant behördlich verboten worden ist, Naphtalinkugeln auszuliefern … für was auch immer das dann gebraucht würde …

Nein, mir fällt sonst keine gescheite Anwendung sonst dafür ein, aber … ehrlich: Der Mann hat mit Sicherheit Mottenkugeln verlangt und … bekommen.

Und beklagt sich dann.

Ich schaue nur noch ein bisschen …

50 Minuten lang – über Mittag – stand die Drogistin etwa einen Meter neben der Kundin, die sie verschiedenes fragte „Wo haben sie das?" und "Haben sie dies?“ und dazwischen immer wieder meinte: „Ich schaue gerne selber ein bisschen" und „Sie können ruhig helfen gehen!“

Meine Kollegin liess sich nicht beirren und blieb auf ihrem Platz.

Der Rest von uns war in der Zeit seeehr beschäftigt – eigentlich meine Mittagszeit, die ich so halt zu 2/3 unten im Laden „verbracht“ habe. Obwohl meine Kollegin eigentlich die „Erlaubnis“ der Kundin hatte, andere bedienen zu gehen.

Wieso die Hartnäckigkeit?

Die Kundin – tatsächlich hat sie auch eine Kundenkarte bei uns – klaut.

Wenn man die auch nur eine Minute aus den Augen lässt, verschwindet (wieder) eine der teureren Lauder Cremen.

Das lohnt sich nicht – auch wenn die Drogistin in der Zeit andere bedienen und Sachen hätte verkaufen können.

Wir haben es herausgefunden, weil eine genaue Korrelation zwischen Besuchen von ihr bei uns und dem Verschwinden einer speziellen Lauder Creme besteht. Einmal mag Zufall sein, aber nachdem der Verdacht auf sie gefallen ist, ist das tatsächlich Rückverfolgbar.

Ich denke, sie hat gemerkt, dass wir sie jetzt im Auge behalten. Sehr gut im Auge behalten. Hoffentlich kommt sie das nicht so bald wieder versuchen.

:-(

Wie kommt ihr nur auf den Preis?

Immer wieder haben wir in der Apotheke Diskussionen wegen dem Preis von Produkten. Es gilt nicht für alles, aber: Ja, die Schweiz ist teurer. Tut mir auch leid. Ja, ich verstehe, wenn Sie das jenseits der Grenze günstiger bekommen, dass Sie das lieber dort holen wollen. Das ist ihre Entscheidung. Danke, dass Sie bei uns waren.

Und im stillen Kämmerlein nerve ich mich darüber. Denn – ich kann nichts dafür, dass das so ist, selbst wenn das (oft ungesagt) mitschwingt.

Nur ein Beispiel: Beim Besuch in einem grossen Markt in Deutschland kam ich hieran vorbei:

welsanddorn

Weleda, Sanddorn Duschmittel (das finde ich übrigens, schmeckt wirklich toll). Weleda – Schweizer Firma, anthroposophischer Hintergrund, macht aber noch nette Kosmetikprodukte. In Deutschland kämpfen sie offenbar etwas … was mich nicht mehr so wundert – das ist ja ein wirklich niedriger Preis! Wie rechtfertigen die das? Am liebsten hätte ich die grad alle eingepackt.

Warum? Guckst Du hier:

welsandorn2

Das ist von unserem Compi in der Apotheke. Man beachte den Verkaufspreis: CHF 13.90 – das wären 11.33 Euro. Einkaufspreis: CHF 8.58 – das sind 7 Euro ! Ich kaufe das also von unserem Grosshändler (oder auch von Weleda selber, nochmal: Schweizer Firma!) teurer ein, als das in Deutschland den Endverbraucher kostet.

So ist es.

(Nein, natürlich ist das NICHT bei allem der Fall – aber bei genug vielem, dass ich das nicht für verständlich erklären kann. Es liegt nicht nur an den Unterschieden von Währung und Lebensstandard. Es ist auch keine Aufforderung deswegen über die Grenze einkaufen zu gehen – bitte denkt an die kleinen Geschäfte hier, die gehen nämlich ein, wenn das alle machen und wie gesagt: die Preisgebung ist oft nicht die Schuld von denen).

Nichts für Kinder

Keine Sorge, der Inhalt ist absolut jugendfrei.

Medikamente gehören nicht in Kinderhände – da sind wir uns wohl alle einig. Zu gefährlich, dass da etwas falsch angewendet wird – oder dass es überhaupt genommen / angewendet wird. Kinder sind nicht einfach kleine Erwachsene. Es gibt physiologische Unterschiede  und dann fehlt bei vielem noch das Verständnis.

Aber mir ist letzthin wieder aufgefallen, wie häufig das auf Produkten auch draufsteht.

Beispiel 1: Ein Medikament gegen Husten. Inhaltsstoff Codein. Leider auch noch gerne missbraucht – weshalb hier sogar auf der Packung steht: „Nicht für Kinder und Jugendliche geeignet.“ – Bedeutet: Abgabe erst ab 18 Jahren. Finde ich noch verständlich. Besser noch, als das sie es rezeptpflichtig machen.

hustensirup

Beispiel 2: Haarfärbemittel. Darüber habe ich schon berichtet. Das Problem hier: häufig Allergien, speziell die dunklen Farben. Abgabe: ab 16 Jahren – und bitte vorher auf allergische Reaktionen testen – wie oft steht das jetzt in unterschiedlicher Formulierung drauf?

haarfarbe

Beispiel 3: Duschmittel. Was? Duschmittel?!? Wiesoooo?  Keine Ahnung wieso, aber hier zum Beispiel auf dem neusten Produkt von Biotherm zu finden:

duschmittel

Was als nächstes?

Packungsdesign-Wechsel

Daylong ist einer der Marktleader was Sonnencreme in der Schweiz angeht.

Dieses Jahr haben sie beschlossen, ihre Verpackungen zu ändern:

Foto-1

Die orange-gestreifte Packung ist das alte Design, das weisse mit farbigem Strich am Rand das neue.

Ich bin etwas hin- und hergerissen, was das neue Design angeht. Es ist klarer, sicher – aber … jetzt sieht es aus wie – so ziemlich jedes andere Produkt. Der Wiedererkennungseffekt ist vollkommen dahin.

Was meint ihr? Top oder Flop?