Ich hatte das schon einmal hier!

Die Pharmaassistentin holt mich zum Patienten. Standardprozedur, wenn jemand etwas rezeptpflichtiges verlangt und kein Rezept (mehr) hat.

Der Patient hier wünscht eine Wiederholung eines Schmerzmittels, das er nach einem Unfall verschrieben bekommen hat. Problem: das war vor über einem Jahr. Ein einfaches Rezept ohne Wiederholungsangabe. Seitdem war er nicht mehr hier.

Ich schaue mir die Sache an, aber eigentlich ist mir schon klar – so geht das nicht. Es ist zwar keines der Mittel, die unter das Betäubungsmittelrezept fallen, aber auch dann ist ein Rezept nach Ausstellungsdatum maximal ein Jahr gültig.

Er hat das Medikament seit diesem ersten Mal nie mehr gebraucht – es ist zweifelhaft, dass er es immer noch für dasselbe Problem braucht. Und wenn es ein neues Problem ist, gibt es entweder andere Schmerzmittel, auch rezeptpfreie oder aber er muss zum Arzt.

Das geht nicht auf die Unfallversicherung, die ihm das das letzte Mal bezahlt hat und auch nicht die Krankenkasse.

Pharmama: „Das einzige, was ich Ihnen anbieten könnte wäre eine Abgabe ohne Rezept, nach vorheriger Abklärung durch mich, ob das immer noch angezeigt ist. Dann können sie eine Packung haben … wenn Sie die selber zahlen.“

Oh, doch nicht mehr nötig? Na dann.

(Und das noch bevor ich mir überlegt habe, ob ich für den Aufwand etwas verlangen will).

Ja – es geht schon wieder gegen Ende Jahr. Da häufen sich so Anfragen.

Mein Rezept ist bei einer Versandapotheke gelandet …

Grrrrr.

Man sollte denken, nach der Niederlage und dem Verbot der Praktiken der Zur Rose Versandapotheke kommt sowas nicht mehr vor, aber: Nö!

Wir haben einer Patientin, die die Pille braucht und noch kein neues Rezept vom Arzt besorgen konnte, einen Vorbezug gemacht. Sie hat versprochen, das Rezept zu organisieren und uns zu bringen.

Statt dessen ruft sie an, dass das mit dem Rezept noch etwas dauern kann. Sie hat es telefonisch vor einer Woche vom Arzt verlangt, der versprochen hat, das zu schicken … und bekommt nun ein paar Tage später Post von der Pharmapool – einer Versandapotheke. Im Päckchen: eine Packung eben der Pille.

Der Arzt hat das Rezept (ohne sie zu fragen) statt ihr gleich der Versandapotheke geschickt. Und die haben ihr eine Packung geschickt. Wenn sie Pech hat, respektive nicht Einspruch einlegt könnte es sogar sein, dass das ein „Pillenabo“ ist, also die Versandapotheke ihr regelmässig und bis das Rezept abläuft Packungen zuschickt. Auf Rechnung natürlich.

Hoppla? Oder volle Absicht?

Wenn ich im Internet diese Versand-Apotheke suche, lese ich, dass auch die für eingeschickte Rezepte den Ärzten Rückvergütungen angeboten hat … früher direkt, heute wohl eher über Umwege indem sie für „Werbeplatz“ in der Praxis zahlen oder mit ähnlichem Unfug.

Als Apotheke kann ich da wenig machen – die Patientin muss selber aktiv werden und bei Versandapotheke und Arzt intervenieren.

Schön ist ja (zumindest in der Schweiz), dass die Gesetzgebung hier am Ball ist. Diese „Rückvergütungen“ wurden nämlich verboten. Genauso wie die Umgehung der Selbstdispensation auf diese Weise: Ärzte, die nicht selber Medikamente verkaufen dürfen, dürfen das auch nicht indirekt, indem sie die Rezepte selber an eine Versandapotheke schicken, mit denen sie einen Vertrag haben. Und OTC Medikamente gehen in der Schweiz auch nicht (mehr) via Versandapotheke, da ein direkter Kontakt mir dem Patienten dafür notwendig ist … und dazu reicht ein ausgefüllter Multiple-choice Fragebogen und dann von einem Arzt der Versandapotheke ausgestelltes Rezept auch nicht aus.

Dennoch – es gibt immer Schlupfwege und Leute, die diese ausnutzen werden.

Habt ihr auch schon Erfahrungen mit so etwas machen müssen?

Apotheken aus aller Welt, 746: Colonia de Sacramento, Uruguay

Das Foto aus Uruguay stammt aus der gemütlichen Stadt Colonia de Sacramento, das man mit einer Fähre von Buenos Aires aus erreichen kann. Uruguay wird übrigens grade für Apotheker recht interessant, denn der Besitz von Marijuana als Rauschmittel wurde legalisiert. Der ganze Prozess ist noch ein heilloses Durcheinander, weil man illegalen Handeln und Schmuggel in die Nachbarländer unterbinden will. Ziel ist es, dass wohl „nur“ 40 g pro Monat an volljährige Staatsangehörige abgegeben wird. In der Diskussion steht auch, ob die Angabe durch Apotheken koordiniert werden soll. Du kannst Dir sicherlich vorstellen, dass das einen großen Verwaltungsaufwand mit sich bringen würde.
Ich habe hier aber nur einige lokale Zeitungen gelesen, bin also gar nicht so wirklich tief im Thema drin, zumal die Zeitungen hier auch gerne politisch eingespannt werden und die Legalisierung höchst umstritten ist.

uruguay

Tobias (von dem das Bild ist) hat übrigens selber einen Blog: Save yourself. Besucht ihn mal – gerade da kann man einen netten Kommentar brauchen.

Apotheken aus aller Welt, 745: Ciudad del Este, Paraguay

Tobias verbringt sein Sabbatjahr in Südamerika und schickt uns diese Apotheke aus Paraguay:

Das erste ist aus Ciudad del Este, einem furchtbaren Ort im Dreiländereck von Brasilien, Argentinien und Paraguay. Paraguay an sich hat wunderbare Landschaften, ist aber deutlich günstiger als die Nachbarländer, so dass es zu einem starken Einkaufstourismus kommt. Ciudad del Este existiert nur zum Verkauf von Waren und sieht dementsprechend ungemütlich aus. Das Foto ist aus dem fahrenden Auto heraus entstanden. Leider habe ich nirgendwo eine andere Apotheke gesehen.

paraguay

Heh, die erste Apotheke aus Paraguay! Da werde ich mich nicht beklagen :-)

Dr Kund‘ heisst dorum Kund‘ will …

„Dr Kund‘ heisst dorum Kund‘ will er wieder-kund.“

(Schweizerdeutsch für: Der Kunde heisst darum Kunde, weil er wieder-kommt). Daran musste ich letzte Woche ein paar Mal denken. Man kann in der Apotheke zu Recht darüber diskutieren ob das jetzt Kunden oder Patienten sind – ich sehe das als „je nachdem“ an. Patienten sind sicher die mit den medizinischen Problemen, aber wir haben ja nicht nur die und auch die haben das nicht immer …

Jedenfalls hatten wir da gleich ein paar Fälle von wieder-kehrenden Kunden (oder Patienten):

Frau: „Ich habe einen furchtbaren Fehler gemacht! Ich habe das Rezept nach dem Arztbesuch gerade in der Apotheke dort eingelöst und nicht hier …“ – und fährt fort sich dafür zu entschuldigen (Heh, sie dürfen das. Wirklich!) und uns zu versichern, dass das nicht mehr vor kommt, sie weiss (jetzt?) dass es bei uns besser ist. (Danke!)

Andere Frau: „Und ich habe meinem Sohn gesagt, er soll unbedingt hier sein Rezept einlösen gehen. Und was macht er? Geht in die Apotheke grad neben dem Arzt. Aber ich habe das Rezept von dort gerettet. In Zukunft kommt er zu ihnen.“ Und bringt mir die Rezeptkopie vom Dauerrezept des Juniors. Offenbar ist auch sie überzeugt von uns. (So schön!)

„Ich möchte wieder meine Rezepte bei ihnen einlösen. Darf ich das? Ich wohne jetzt aber in ….“  Das war der Stammkunde, der erst vor 3 Monaten weggezügelt ist. Ich erinnere mich noch, wie er sich verabschiedet hat. Wir haben auch seine Dauerrezepte transferiert, Jetzt kommt er wieder (und die Dauerrezepte auch), obwohl mindestens 5 andere Apotheken näher liegen.

„Ich habe sie vermisst!“ Meint die Kundin zur Begrüssung, als sie nach einem halben Jahr wieder bei uns vorbeischaut. Sie ist weggezogen und wohnt jetzt woanders, aber da sie noch zum Arzt in der Nähe geht, kommt sie bei uns vorbei. Anscheinend auch wieder häufiger, denn ich habe sie inzwischen noch mal gesehen.

Und auch der langjährige Dosettpatient kommt immer noch sein Dosett bei uns richten, obwohl er inzwischen auf der anderen Seite der Stadt wohnt. Wöchentlich. Auch andere Apotheken können seine Medikamente richten – aber darüber beklagen wir uns sicher nicht :-)

Ich finde es grundsätzlich schön, Patienten und Kunden wiederzusehen und so Aussagen wie oben sind ein wunderbarer Ansporn für alle von uns, weiter zu machen und uns weiterhin für die Patienten und Kunden einzusetzen. Das machen wir nämlich. Ich mag mich hier gelegentlich negativ über manche Kundenbegegnungen auslassen, aber eigentlich mag ich meinen Job – und auch meine Kunden und Patienten – wirklich.

Apotheker auf dem Weg zum Impfen, 5: Kurs Injektions- und Blutentnahmetechniken

Auf-dem-Weg

Der letzte Kurs, der (mir) noch gefehlt hat für den FPH Impfen. Nach viel Theorie jetzt wieder Praxis – und wie! Für den Kurs wird, da mit Blut gearbeitet wird und ein Kontakt nicht ganz ausgeschlossen werden kann ein Nachweis des Hepatitis-B Ak Titers verlangt, also der Nachweis, dass man dagegen geimpft ist. Der Hausarzt hat hat dafür Blut genommen und es eingeschickt – Ergebnis bei mir 329 UI, also bestens.

Das lernt man in diesem Kurs:

Theorie
  • Parenterale Arzneimittel
  • Risikogruppen, bei denen Kontraindikationen bestehen
  • In der Apotheke zugängliche Hilfsmittel
  • Schwere unerwünschte Wirkungen der Injektabilia
  • Pharmacovigilance: Meldeverfahren bei vermuteten, unerwünschten Arzneimittelwirkungen
  • Bedingungen für die Kostendeckung durch Versicherungen
  • Rechtliche Aspekte (Grundlagen, Anforderungen an Raum, Dokumentation)
  • Notfallmassnahmen bei anaphylaktischen Reaktionen
  • Anatomische und physiologische Grundlagen für Blutentnahmen
Praktische Übungen
  • Materialkunde
  • Hygienevorschriften und Desinfektion
  • Kommunikation und Umgang mit Patienten
  • Vor- und Nachbereitung einer Injektion
  • Subkutane und intramuskuläre Injektionen (am Modell und am lebenden
  • Menschen)
  • Kapillare und venöse Blutentnahmen (am Modell und am lebenden Menschen)
  • Notfallmassnahmen bei anaphylaktischen Reaktionen

Cool, nicht? Obwohl ich zugeben muss, dass ich vor diesem Kurs am meisten Angst hatte. Wie sie immer wieder betont haben: so eine Spritze ist schon ein kleiner „Eingriff“. Ich hab’s nicht so mit Spritzen. Doch ich hatte Glück – mit im Kurs sass eine Apothekerin, die da gar keine Hemmungen hatte … Familienmitglied mit Diabetes Typ 1 sei Dank. Also wurden wir instruiert, übten am Plastikarm und dann an uns selber. Spritzen für eine Impfung ist das kleinere Problem … Blutentnahme etwas mehr. Aber das können wir jetzt auch – brauchen tu ich das im Gegensatz zum Spritzen aber weniger. Sorry an meine wohl mitlesende Kollegin, der ich da noch einen blauen Fleck verpasst habe!

Das Chaos auf dem Tisch sollte nicht zu sehr irritieren. Es fällt beim üben halt viel Verbrauchsmaterial-Abfall an. In der Apotheke wird das dann alles schön ordentlich vorbereitet und sauber verabreicht. Und für den Fall, dass doch mal jemand umfällt sind wir auch gerüstet.

Das war es mit der Ausbildung – ich darf mich, nachdem ich auch das Papier erhalten habe „Trägerin des Fähigkeitsausweises FPH Impfen und Blutentnahme“ nennen. …. und alle 2 Jahre einen Refresher machen, damit ich den behalte.

Und: darf ich jetzt in der Apotheke impfen? Jaein …. kommt auf den Kanton an in dem die Apotheke steht. Und auch dann nicht alles. Mehr zur ständig wechselnden Situation findet man hier: https://www.impfapotheke.ch/

Apotheker auf dem Weg zum impfen: 1. Gesetzliches

Apotheker auf dem Weg zum impfen: 2. Fähigkeitsausweis

Apotheker auf dem Weg zum impfen: 3. BLS AED Kurs

Apotheker auf dem Weg zum impfen: 4: Kurs Impfungen