Apotheken aus aller Welt, 265: Winningen, Deutschland

und nochmals von Mathias:

Das Schild der Schlickum-Apotheke in Winningen hat ebenfalls Weintrauben als Schmuck. Die Familie Schlickum war/ist so bekannt, dass nicht nur ein Hinweisschild am Nebenhaus angebracht wurde, sondern es wurde auch eine Straße nach ihr benannt wurde (ebenfalls in Winningen).

 

Interessanterweise findet sich nicht einmal ein Wiki-Artikel über die Schlickum Apotheker. Aber zumindest Oscar Schlickum war sehr aktiv und hat eine Menge Bücher geschrieben, die man heute noch findet. Unter anderem „über die Ausbildung des Apothekenlehrlings und seine Vorbereitung zum Gehilfenexamen“ …

Zu teuer. Was nun?

Ein Mann kommt in die Apotheke mit einem Rezept für Schmerzmittel und Antibiotika.

Das Rezept ist vom Spital. Das Problem ist, dass der Kunde eine Versicherung hat, wo er direkt in der Apotheke bezahlen muss. Und das vom Arzt ausgewählte Antibiotikum – für das es noch kein Generikum gibt – ist sehr teuer.

Als der Mann hört, wie teuer, will er es nicht haben. Ich erkläre ihm, dass es wichtig ist -sonst hätte der Arzt es nicht aufgeschrieben- und versuche eine Lösung zu finden. Soll ich es ihm auf Rechnung nehmen? – aber er meint, das verschiebt das Problem nur um ein paar Wochen. Ich rufe also im Spital (Notdienst) an und – nach einigem Verbinden- erwische ich den verschreibenden Arzt. Ich erkläre ihm die Situation und dass der Kunde nicht in der Lage ist, das Antibiotikum zu bezahlen. Ob es nicht möglich ist, ein anderes zu wählen, vielleicht eines, wo es Generika gibt, die günstiger sind?

Sagt der Arzt: „Ich weiss, dass das teuer ist, aber unser Gesundheitswesen ist halt so.“

Pharmama: „Und was schlagen Sie stattdessen vor, zu machen?“

Arzt: „Dann muss der Patient halt nochmals vorbeikommen“.

Und hängt auf.

So eine Situation frustriert mich und ich habe wirklich Mitleid mit dem Patienten.

Wirklich, ich weiss, wie wichtig es ist, das richtige Antibiotikum für eine Infektion auszusuchen. Ich versuche auch nicht die Autorität des Arztes zu unterminieren mit meinem Telefonanruf und der Frage nach einem Ersatz. Ich versuche es nur für den Patienten einfacher zu machen.

Wenn Sie sich weigern etwas günstigeres aufzuschreiben und der Patient sich die Behandlung wirklich nicht leisten kann, dann … raten Sie mal? Er wird es nicht nehmen. Ganz einfach.  Dann wird die Infektion schlimmer und der Patient landet vielleicht wieder im Spital.

Also … etwas aufzuschreiben, was der Patient sich nicht leisten kann ist wahrscheinlich schlimmer als etwas aufzuschreiben, das nicht ganz so gut wirkt. Oder?

Wenn jemand wirklich kein Geld hat und es so weit geht, dass er zwischen Medikament und Essen wählen müsste wird er immer das Essen wählen. Die einzige Ausnahme dabei sind vielleicht noch Schmerzmittel.

Sein Verhalten trägt auch nicht wirklich zum Vertrauen des Patienten in das Gesundheitswesen bei.  Das ist der Moment, wo Patient denkt es gibt ein Zweiklassen-System. Und dass er definitiv in der zweiten Klasse ist.

Wochenende!

Zu Versuchen am Freitag um 10 vor 5 Uhr einen Arzt per Telefon zu erreichen … das ist so ähnlich, wie wenn man das Licht im Hotelzimmer anmacht und versucht die davoneilende Kakerlake zu erwischen!

Praktisch unmöglich.

Wochenende!

(P.S. ich entschuldige mich bei allen hart arbeitenden Ärzten für den bösen Vergleich. Aber .. manchmal ist das so.)

zum Thema verschwindende Kakerlaken:

Apotheken aus aller Welt, 263: Osnabrück, Deutschland

Danke vielmals Kay, für diese Bilder!:

Wenn ich richtig sehe, hast Du die Hirschapotheke in Osnabrück noch nicht. In dem Gebäude begann Rudolph Brandes (vielleicht ein Begriff, ich weiß nicht, wie relevant die Geschichte des Deutschen Apothekerverbandes in der Schweiz ist) quasi seine Karriere.
Hier gibt es noch ein paar Infos: http://osnabrueck.alte-werte.de/index.php?set=61&bild_osnabrueck_alte_werte=78

Auf der verlinkten Seite steht: „In dem herrlichen klassizistischen Gebäude von 1797/98 ist die älteste Apotheke der Stadt Osnabrück, die 1545 gegründete Hirschapotheke untergebracht.“

Rudolph Brandes sagte mir bisher noch nichts – aber das war  noch interessant, wenn jemand das nachlesen will: http://de.wikipedia.org/wiki/Rudolph_Brandes

 

Geschlechterspezifische Medikamente (2)

Kunde:  „Ist das ein Schmerzmittel für Frauen oder für Männer?“

Das besagte Medikament wird als Frauen-Schmerzmittel vermarktet, speziell gegen Periodenschmerzen  (sieht man auch etwas an dem Dreieck hinter dem Namen), aber es enthält auch „nur“ Ibuprofen in der gleichen Dosierung wie andere Schmerzmittel auch. 200mg in dem Fall. Neu gibt es die auch als 400mg (forte) – von denen ich aber keine Packung gefunden habe – die wären nämlich noch deutlicher: die Packung ist grell-rosa.

Eigentlich ist die Frage aber nicht so daneben.

In der Zukunft wird es geschlechterspezifische Medikamente geben, aber so weit sind wir noch nicht ganz.

Man weiss, dass es deutliche Unterschiede gibt im Stoffwechsel von Frauen und Männern. Man weiss, dass sich manche Krankheiten bei Frauen anders äussern als bei Männern – man denke nur an den Herzinfarkt mit den häufiger atypischen Symptomen – aber auch dem selteneren Auftreten. Auch haben Medikamente teilweise unterschiedliche Wirkungen (Blutdruck- und Schmerzmittel) und man weiss, dass manche Medikamente bei Frauen anders dosiert werden müssen als bei Männern (z.Bsp Psychopharmaka).

Ursprünglich wurden die Medikamente hauptsächlich an (jungen, gesunden) Männern getestet – und Frauen sind halt keine „klein geratenen Männer“. Frauen im gebärfähigen Alter waren ausgeschlossen von Studien, weil man negative Folgen fürchtete, wenn sie während den Studien schwanger würden. Das Risiko ist da – trotzdem steht seit 1993 die Aufforderung, dass bei der Arzneimittelentwicklung Patienten beiderlei Geschlechts einzubeziehen sind und sowohl bei der Wirksamkeit als auch Unbedenklichkeit nach signifikanten Unterschieden zwischen Frauen und Männern zu suchen ist.

Seitdem vergrössert sich das Wissen über geschlechterspezifische Medikamente, aber es ist noch viel zu tun in diesem Bereich.

Und dann sicher auch noch in der Öffentlichkeitsarbeit, sonst haben wir noch mehr von diesen hier:

https://pharmama.ch/2010/09/16/geschlechterspezifische-medikamente/