Wenn’s juckt und beisst …

Mann um die 50 in der Apotheke:„Haben Sie Salbe gegen beissende Haut?“

Pharmama: „Ja, haben wir. Suchen Sie eine bestimmte?“

Mann: „Gegen beissende Haut.“

Ich bringe ihn zur richtigen Stelle: „Hier sind unsere Salben gegen Juckreiz: Fenistil, Dermacalm, oder …“

Mann: „Da steht aber nicht drauf gegen beissende Haut.“

Pharmama: „Ja, aber da steht drauf: gegen Juckreiz. Alle diese Produkte sind dafür geeignet.“

Mann: „Ich nehme nur eine, wo genau das auf der Schachtel steht. Danke.“

Blogparade: Ohne Apotheke*r fehlt Dir was

Das wollte ich schon lange einmal machen, aber jetzt hat mich die Seite ohne Apotheke*r fehlt dir was auf die Idee gebracht: machen wir doch eine Blogparade!

Ohne Apotheke_r(3)

Ihr hört von mir ja (immer) die Apothekenseite, aber ich fände es enorm spannend auch einmal die andere (nämlich Eure) Seite zu sehen.

Erzählt / Beschreibt / Zeichnet etc. die eindrücklichste Erfahrung, die ihr oder jemand, den ihr kennt in einer Apotheke gemacht habt. Gut oder (vielleicht) auch schlecht.

Das kann von jeder Seite sein: sei es als Patient mit einem Rezept, normaler Kunde mit einem Problem oder Produktewunsch oder auch als Arzt oder als selbst Angestellte in der Apotheke (Apotheker, Patient, PTA, Pharmaasistentin).

Da kann es gehen um einen speziellen Einsatz, den die Apotheke geleistet hat, die treffende Beratung, den kreativen Lösungsansatz, den entdeckten Fehler, die widerspenstige Krankenkasse, das kann aber auch ein Problem in der Apotheke selber sein und wie damit umgegangen wurde.

Das darf aktuell sein oder Ferienerlebnis oder Erinnerung von früher. Es besteht keine Beschränkung darin, wo die Apotheke war. Wer schon einmal darüber geschrieben hat., darf das auch überarbeiten und dafür noch einmal veröffentlichen.

Um an dieser Blogparade teilzunehmen gibt es verschiedene Möglichkeiten:

Du bist selber Blogger? Dann schreibe deinen Artikel auf Deinem Blog und verlinke ihn unten in den Kommentaren.

Es ist auch möglich, den Post auf facebook zu schreiben … dort finde ich einfach etwas schade, weil das mit der Zeit untergeht.

Du hast keinen eigenen Blog? – dann schicke mir dein Erlebnis per mail (an pharmama08(at)gmail.com) und ich veröffentliche es auf pharmama.ch

Unter den Teilnehmern der Blogparade verlose ich am Ende je Zwei signierte Bücher von mir: „Haben Sie diese Pille auch in grün?“ und „Einmal täglich“.

In die Blogparade (samt Auswertungs-Artikel und die Verlosung) werden die Beiträge aufgenommen, die entweder als Trackback unter diesem Artikel auftauchen oder in den Kommentaren genannt werden. Das Bild oben darf dafür gerne kopiert werden. Falls das wahnsinnig guten Anklang findet, besteht die Möglichkeit, die Beiträge am Ende in einem ebook zusammenzufassen.

Enddatum der Blogparade ist in 4 Wochen (am 5. Mai 2016)

Ich bin gespannt auf Eure Erlebnisse und Gedanken!

Honigsüsse Nachfragen

„Für was braucht man Palmhonig?“

Fragt mich der ältere Mann in der Apotheke.

„Mein Enkel hat mir das aus Jamaica mitgebracht und das soll gut sein.“

Pharmama: „Ich muss zugeben, ich kenne das gar nicht. Aber wenn sie einen Moment warten, mache ich mich schlau.“

Google hilft.

Palmhonig: Aus dem eingedickten Zuckersaft einer Palmpflanze.

… Anwendung … ich suche nach medizinischer Anwendung und finde: nichts.

Ich gehe wieder nach vorne. Die Kurzrecherche muss reichen.

Ich erkläre ihm, wo Palmhonig herkommt, dass das also kein wirklicher Honig von Bienen ist, und dass man ihn zum kochen brauchen kann wie normaler Honig. Medizinische Anwendung habe ich nichts gescheites gefunden, was ich noch einmal betone – immerhin fragt er hier in der Apotheke, also …?

„Ach – das habe ich auch nicht erwartet. Ich verwende das also in der Küche wie normaler Honig, ja?“

„Ja.“

„Danke, wiedersehen!“

Ummm … und dafür geht man in die Apotheke? Also … ich bin ja für Rezepte zuständig, aber nicht für die Küche.

Andererseits betreibe ich hier echt Grundlagen.. naja -bildung.

Letztens hatte ich eine, die kam in die Apotheke um zu fragen, ob wir Honig haben. Hatten wir tatsächlich – ich zeige ihn ihr. (ja, wir haben nur eine Variante, nicht den medizinischen, den man für Wundpflege einsetzt, sondern stinknormalen)

Frau: „Da steht drauf Akazienhonig. Haben Sie denn keinen richtigen?“

Pharmama: „Wie meinen Sie richtig?“

Frau: „Na, Bienenhonig. Auch im Kaufhaus nebenan, da haben sie nur Waldhonig oder Blütenhonig oder eben Akazienhonig.“

Pharmama: „Aber … das ist alles Honig – das zeigt nur, wo die Bienen dafür gesammelt haben.“

Frau: „Wirklich? Oh. Dann kann ich den auch nehmen?“

„Ja.“

Mission impossible

Passend zum 1. April – Rerun von 2010. Es schreibt Leserin Christine aus Katalonien:

Am Samstag kam zu mir einer in die Apotheke und wollte Glycerol in
Pulverform kaufen. Das wäre für ein Rezept, um etwas zu kochen.
Kennst du Glycerol (was ich als hygroskopische Flüssigkeit kenne) in
Pulverform? Oder meinte der Nitroglycerin? Aber damit kocht man ja nun
auch nicht. Ich hab ihn dann gefragt, ob sich jemand mit ihm einen
Scherz erlaubt hat. Abgeben konnte ich natürlich nichts.

Naja, es gibt immer wieder Lehrchefs, die sich mit den Auszubildenden Scherze erlauben, indem sie sie losschicken, etwas zu besorgen, was es offensichtlich nicht gibt.

Wir hatten in der Apotheke auch schon solche Anfragen:
Nach Curryblüten – Curry ist eine Gewürzmischung (aus Kurkuma, Koriander, Kardamom, Ingwer, Nelken, Zimt und mehr) das kommt nicht von einer Pflanze mit dem Namen.
Owidum-Tropfen – einmal laut sagen, dann weiss man, dass es das nicht gibt.
Mückenfett – ja, klar.
Wasser in Pulverform oder Kristallwasser ist auch etwas nettes. Kristallwasser  ist in Kristallen gebundenes Wasser. Beispielsweise beim Kupfersulfatpentahydrat.

Von meinem Mann mit Mechanikerausbildung kenne ich folgende Besorgungen:
Feilen-Fett– für besonders glatte Oberflächen
Kolbenrückzugsfeder
Zündfunken

Und bei meinem Computer-techniker-Freund wollte jemand ein W-LAN Kabel haben ..

Wer in der Apotheke seine Pharmaassistentin oder den Apotheker im Praktikumsjahr verarschen will, dem empfehle ich dieses Rezept (von Stefan. Merke: die besten Rezeptefälscher sind Apotheker selber, wir wissen, wie die Dinger aussehen müssen)

Doch, doch. Pasta Theobromae gibt es. Steht schliesslich auch im Wichtel :-)

Und auf was für „Mission impossible“ seid ihr als Auszubildende geschickt worden?

Vor Medikamentenspenden ist zu bedenken

immer wieder treffe ich in diesem Internetz auf Spendenaufrufe für Medikamente für Flüchtlinge: diverseste Mittel gegen Schmerzen, Pilzbefall, erhöhten Blutdruck,  außerdem (orale) Antidiabetika, Antibiotika, Gerinnungshemmer, cortisonhältige Cremen, usw., sogar diverse Injektionen/Infusionen wie z.B. starke Schmerzmittel, Medikamente mit erhöhtem Suchtpotential: Tramal-Tropfen (explizit), aber auch Psychopharmaka wie Valium, Antidepressiva, etc.. Auch hier in der Umgebung habe ich neuerdings ein paar Zettel affichiert gefunden (sogar mit Abreiß-Kupons) auf denen zum Spenden von Medikamenten aufgerufen wird. Ebenfalls explizit: auch abgelaufene Medikamente nehmen wir gerne …
Da fände ich es sehr hübsch, wenn jemand wie Ihr die Leute einmal darauf aufmerksam machten, dass das nicht so einfach ist.

Danke kelef – das ist wirklich etwas, was diskutiert werden muss.

Ja – es ist lobenswert und eine gute Sache, dass geholfen werden will und man vielleicht auch sieht, was benötigt wird.

Aber. (ich muss das immer wieder mal sagen): Medikamente sind keine normalen Konsumgüter. Medikamente sind Stoffe, die einen direkten Einfluss auf den Körper ausüben und deshalb mit einer Vielzahl von Vorschriften, Regelungen und Gesetzen unterstehen, die sicherstellen sollen, dass dabei niemand zu Schaden kommt.

Dazu gehört eine Einschränkung in der Verordnung (durch die Fachperson Arzt), eine Einschränkung in der Abgabe (durch die Fachperson Apotheke) und auch eine Einschränkung im Handel (das über die Grenzen nehmen in Mengen, die den Eigenbedarf übersteigen ist verboten und grössere Mengen gelten gar als Export von Sonderabfall).

Da ist das Problem der Beschaffung:  Woher sollen diese (oft) verschreibungspflichtigen Medikamente denn kommen? Aus der Hausapotheke der Spender, oder sollen die sich das Zeug selber verschreiben lassen unter Vorspiegelung irgendwelcher Beschwerden? Oder der Erbtante (die ist eh schon über 90 …) den Apothekenschrank ausräumen? Im Krankenhaus klauen oder eine Apotheke überfallen? Woher weiß man, dass das Zeug, das abgegeben wird, richtig gelagert wurde, und nicht irgendwer damit herumgepfuscht hat, schlimmstenfalls sogar absichtlich? Ganz abgesehen von den rechtlichen Konsequenzen wenn was passiert.

Auch wenn die Medikamente in Ordnung sind, kann man sie nur illegal ausführen: ansonsten bräuchte man nämlich eine offizielle Genehmigung für jede einzelne Packung, so mit Name, Wirkstoff, Chargennummer, Ablaufdatum, etc., und das gleiche gilt auch für die Einfuhr in andere Länder.

Dann die eigentliche Anwendung: Wenn nun solche wild zusammengesammelte Medikamentenspenden in deutscher / schweizer / österreicherischer Aufmachung und mit unbekannter Herkunft nach Griechenland (und wie schaut das mit den Transport- und Lagerbedingungen aus?) gebracht werden, um dort von wem auch immer in einem der überfüllten Lager an Menschen verteilt zu werden, dann KANN das nicht gutgehen. Ein verantwortungsbewusster Arzt würde derlei Spenden übrigens gar nicht verabreichen, weder hier noch dort. Wer diagnostiziert, und wer überwacht die ordnungsgemäße Anwendung, wer übersetzt im Zweifelsfall – und da ist das nächste Problem: eigentlich darf das nämlich nur ein geprüfter Übersetzer, wie soll sonst sichergestellt sein dass der Patient resp. die Angehörigen verstehen, worum es geht. Und wer stellt sicher dass bei Verlegungen an einen anderen Standort die weitere Therapie und die Kontrolle gesichert sind? Und wer hinterfragt mögliche Unverträglichkeiten oder Allergien, die möglicherweise gar nicht bekannt sind? Dazu kommt noch, dass die Medikamente je nach Herkunftsland sehr unterschiedliche Namen haben.

Dazu kelef (die einen Hund hat und Erfahrung in der Pharmaindustrie):

Ich muss leider den Tiervergleich heranziehen, auch Tierärzte „verwechseln“ Markennamen und Wirkstoffnamen und behandeln dann gegen eine Sorte Würmer zweimal, und an der zweiten Sorte stirbt das Tier. Ist dem Verein, für den ich tätig war, tatsächlich mehrfach so passiert, ditto mit Antibiotika. Und dann stellen wir uns einmal vor, da laufen ehrenamtliche Helferlein durch ein überfülltes Flüchtlingslager und verteilen fröhlich Antibiotika, Wurmmittel, Cortisonpräparate etc., ich will nicht wissen was da schon alles passiert ist, nur können die Patienten weder genau hinterfragen noch erklären oder erklärt bekommen.

Den Leuten ist einfach nicht klar, dass sie sich auf diese Weise ganz leicht ins Kriminal katapultieren können: Sozialbetrug oder Körperverletzung sind keine Kavaliersdelikte, und abgelaufene Medikamente können durchaus, müssen aber ganz und gar nicht noch in Ordnung sein, bestenfalls wirken sie nicht, schlimmstenfalls schaden sie noch zusätzlich massiv.

Es gibt gute Gründe weshalb die grossen und professionellen Organisationen wie Ärzte ohne Grenzen, Apotheker ohne Grenzen, das Rote Kreuz etc. keine solchen Medikamentenspenden entgegennehmen. Wir in der Apotheke haben das früher übrigens gemacht und sie an ein so ein Hilfswerk weiter gegeben, können das aber (aus den genannten Gründen) heute nicht mehr.

Aber – es gäbe legale Lösungen.

Es gibt ja grundsätzlich z.B. die Möglichkeit, dass Herstellerfirmen Ware spenden oder mit entsprechenden Rabatten an Ärzte oder Ärztezentren, die sich für Flüchtlinge einsetzen, liefern resp. über den Großhandel liefern lassen (auch der Großhandel könnte da auf die Marge verzichten): Das wäre mal eine gute Werbekampagne für die Herrschaften. Finanziert werden könnte das dann über Spenden. Das wäre eine saubere und gesetzeskonforme Lösung.

Also, liebe Leser: Wenn ihr solche Medikamentenspenden-Aufrufe lest, dann bedenkt das, bevor ihr die Hausapotheke ausräumt.