Anwendungs-diskussion

Es folgt ein Gespräch, das ich letzthin genau so in der Apotheke mit einer Kundin geführt habe.

Kundin: „1 Flasche Bisolvon und ein Resyl plus bitte.“
Ich hole die beiden Medikamente und stelle es vor die Kundin.
Pharmama: „Man soll es die beiden aber nicht gleichzeitig nehmen, das wissen sie? Das Bisolvon ist ein Schleimlöser und wenn man das zusammen mit dem Hustendämpfer Resyl plus nimmt, dann bleibt der gelöste Schleim einfach liegen und bildet einen schönen Nährboden für Bakterien.“
Kundin: „Ja – ich weiss schon. Ich nehme es nicht zusammen. Ich nehme das Resyl plus am Tag und das Bisolvon auf die Nacht.“
Pharmama: „Auf die Nacht?? Normalerweise macht man es genau umgekehrt: Tagsüber 2-3 x den Schleimlöser und den Hustendämpfer nachts, damit man schlafen kann.“
Kundin: „Aber wenn ich den Schleimlöser am Tag nehme – dann huste ich doch dauernd!“
Pharmama: „Nur, bis der Schleim jeweils draussen ist. Ausserdem: Nachts beim schlafen husten sie ja auch nicht, wenn sie ihn dann nehmen, bleibt der Schleim doch auch einfach liegen.“
Kundin: „… Aber ich huste nicht gerne die Leute an!“
Pharmama: „Das ist löblich, aber ich denke auch, wenn sie es so nehmen, wie sie gesagt haben, könnte es allgemein länger gehen, bis der Husten wieder weg ist.“
Kundin: „Ach, geben sie es mir einfach.“
Pharmama: „Und wie wäre es, wenn sie tagsüber bei Hustenreiz einfach ein Hustenbonbon lutschen würden?“

Irgendwelche Gedanken dazu?

30 Kommentare zu „Anwendungs-diskussion

  1. Die Menschen meinen heute einfach, dass alles, was einem „unangenehm“ ist, durch irgendetwas, ivF ein Produkt modernerer Pharmatechnologie, abgeschaltet werden kann.
    Und dabei sind sie noch so ignorant (um nicht zu sagen „einfach dumm“) und bedenken nicht, dass der Körper auf Umstände reagiert und das dahinter Mechanismen liegen könnten, die zu blockieren, nicht zwangsläufig vorteilhaft ist.

    Was anderes: Du sagst, man hustet währen dem Schlaf nicht? Ich weiss auch, dass man während dem Schlaf keinen Rauch riecht und man deshalb im Schlaf im Rauch ersticken kann (darum sind Rauchmelder Sinnvoll!). Grosse Frage: Was noch funktioniert im Schlaf nicht? Wäre doch auch mal ein interessantes Thema.

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    1. Im Schlaf ist allgemein die Reaktion auf äussere Reize vermindert, dazu wird noch der körpereigene Stoffwechsel, Puls etc. heruntergefahren, selbst bewegen kann man sich dann viel weniger … es gibt allerdings Ausnahmen, wie beim Schlafwandeln, da scheint das irgendwie nicht so zu funktionieren.

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  2. Kopf >>> Tisch
    Wetten, die Dame kommt dann nach ner Weile wieder, weil sie immer noch krank ist und ein weiteres Medikament haben möchte…

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  3. da fällt mir vor allem ein, dass schleimlöser prinzipiell not evidenced based medicine sind – und stets entbehrlich. eine kanne tee löst den schleim genauso effektiv.
    hustenstiller sind mal ok für die nacht, dass man ruhig schlafen kann, aber – wie du schreibst – tut es da auch mal ein pfeffi-bonbon.
    sorry, pharmama: bei uns sind es leider oft die apotheken, die bei jedem husten das gute prospan oder mucosolvan abgeben.

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    1. Wusste ich doch, dass das irgendjemand noch bringen würde :-) – ich glaube das Problem ist, gewisse Leute zum trinken der „Kanne Tee“ zu bringen … ich empfehle aber immer, wenn ich einen Schleimlöser verkaufe, dazu „viel zu trinken“ (doppelt hält besser).

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      1. Man sollte die placebo-Kraft des Hustenlösers a la Prospan etc. nicht unterschätzen.

        Durch die dreimalige Gabe des Saftes trinken die Patienten einfach auch schon mal mehr als sonst. Und generell ist es doch oft so, dass Patieten eben etwas in der Hand haben müsen, damit sie wissen und auch sehen, dass ihnen geholfen wird.

        Daher sehe ich keine Probleme, Hustenlöser zu empfehlen und dazu zu sagen, dass viel getrunken werden soll.

        Meine Frage jedoch an die Fachkräfte: wenn Mucosolvan, Prospan, ACC und Co NICHTS bringen, warum gibt es dann werden sie dann zugelassen? Muss infolge einer Zulassung nicht der Nachweis der Wirksamkeit gebracht werden, (neben der Unbedenklichkeit)? Ich dachte, dieser Wirksamkeitsnachweis ist für eine Zulassung als ARZNEIMITTEL zwingend notwendig oder irre ich mich da?

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      2. Ich bin auch kein Fan der Schleimloeser, Tee hilft mindestens genauso gut. Tagsueber gibts Hustenbonbon. Hustenstiller nachts nur, wenn es Reizhusten ist, sonst kann man ja gar nicht schlafen.

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    2. Aus Neugierde: Schleimlöser bringen nichts?
      Ganz allgemein oder nur bei Erkältungen, bei Asthma, etc?

      Hast Du Quellen?

      Falls ja, spar ich mir die nämlich in Zukunft…

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      1. Ich würde es mal so formulieren: Die Resultate der Studien zu Schleimlösern sind widersprüchlich, die Wirksamkeit nicht eindeutig erwiesen. Es gibt Studien mit positiven Resultaten und solche, die keinen Unterschied zu Placebo zeigten. Hochdosiert zeigt z.B. Acetylcystein (ACC) positive Effekte z.B. bei der Mucoviszidose – in Studien belegte Wirkung. Weil die Medikamente aber im Normalfall gut vertragen werden, kann man es zumindest mit ihnen versuchen.

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  4. Ja, ich hab da auch Gedanken zu (ich lese Ihren Blog, ich bin nur schrecklich kommentarfaul…) allerdings mal wieder von den Viechern ;)
    Mein Tierarzt wird während meines Praktikums zu einem Pferd mit Husten gerufen, untersucht es und lässt ACC für Pferde da. Die Standartfrage der Besitzer ist dann immer, ob sie nicht das für Menschen geben könnten, das wäre doch bestimmt billiger. Nun ja, Wenn sie dem Pferd dann 10 – 15 Tabletten geben, das für Pferde ist nun mal höher dosiert (komisch ne? Wo so ein Pferd an die 600 kg wiegt ;) )
    Tja und dann kommt sein Standartsatz: „Und bewegen, bewegen, bewegen!“ Natürlich nur leicht, aber das Pferd soll unter Bewegung Abhusten können. Aber die Bewegung ist wichtig!
    Leider gibt es viele Leute, die ihr Pferd dann wegstellen, denn es ist ja krank…
    Und dann wundern sie sich, dass ihr Pferdchen dann irgendwann chronisch hustet…
    Genauso Kopf –> Tisch. Ja er erklärt es ihnen, nein, sie wollen auch nicht glauben, was man ihnen sagt.

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    1. 10-15 Tabletten? Das wäre dann praktisch 1 Päckchen für Menschen pro Mal – ich schätze da ist das Tiermedi doch günstiger.
      Und auch bei den Menschen ist es wichtig, dass sie nicht einfach nur zuhause sitzen bleiben, frische Luft und Bewegung brauchen auch wir -(gilt natürlich nicht für schwere und super-ansteckende Krankheiten – da ist eine Quarantäne vielleicht besser).

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      1. Es gibt doch so Tablettenspaltgeräte für zuhause, womit man eine Tablette sauber in zwei Hälften teilen kann.

        Gibts die auch für 1/15 oder 1/10??? Da könnte die Krankenkasse richtig satt Geld sparen.

        Recherchehergang (eines nicht ernst zu nehmenden pharmaziphoben Hypochonders):
        – Dr. Google findet ACC: super-smart.eu, N-Acetyl Cysteine 600 mg, 100 Vegi-Kaps (gehen die in der Pillenspalter… egal, die krieg ich klein….) zu € 24.00
        – Sucht Dr. Googel nach „acetylcystein pferd“, kriegt man das bei vitabay.net 120 600mg Tabletten für € 9.99 !!! :-)
        – Unter http://www.equivetinfo.de/Hustenprintversion4.pdf gibts ne Doku zum Husten von Pferden…
        – bei homeovet.eu findet man das ACC für Pferde, nennt sich Equimucin, 100 Säckchen à 2g für € 149.95
        – Rechne – Humandmedizin: 120 * 0.6 g = 72g ; € 9.99 / 72g = ca. 14 €ent / g
        – Rechne – Pferd: 100 * 2 g = 200g; €149.95 / 200g = 75 €ent / g

        Wäre das Resultat nicht so niederschmetternd für meine (zugegeben dämliche) Idee, ich bin mir sicher irgendeiner würde das machen.

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        1. Noch besser:
          Analysenwaage kaufen und dann Acetylcystein als Reinsubstanz im 100g-Pack kaufen.
          500 mg jeweils auf der Analysenwaage abwiegen, in Wasser auflösen und runter damit.

          Ist noch billiger!

          So und jetzt eine mathematische Frage:
          Wie oft muss man eine Erkältung gehabt haben, damit sich auch die Analysenwaage für 3500 Euro – 10.000 Euro amorisiert hat? ;-)

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    2. Und dann fällt mir noch was ein: Es gibt doch den Spruch „ich habe schon Pferde vor der Apotheke kotzen sehen.“.

      Jetzt weiss ich auch warum: da war wohl das ACC schlecht… ;-)

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  5. Also mir wäre es ja wichtiger, den Husten schnell weg zu haben, als wenn andere sich über meinen Husten aufregen. Im Zweifelsfall bleibe ich dann halt zuhause, damit ich niemanden mit meinem Gehuste nerve.
    Dass zB im Kino ein Husten-Kranker stört, ist verständlich, aber ansonsten bringen die meisten Leute dafür Verständnis auf, solange man ihnen nicht ins Gesicht hustet.

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    1. Wobei ich es genauso dreist von manchen Leuten finde, wenn sie sich lauthals über jemanden mit Husten beschwerden. Eine gute Freundin meiner Mama hat Leukämie und muss wegen der Medikamente viel und stark husten. Dass sie trotzdem weiter am Leben teilnehmen möchte, finde ich mehr als nachvollziehbar. Aber was ich schon an Kommentaren ahnungsloser Leute gehört habe, geht auf keine Kuhhaut. Vielleicht sollte man sich mal Gedanken machen, BEVOR man sich aufregt. :) (Das bezieht sich jetzt nicht speziell auf dich!)

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  6. Mir hat man mal in der Apotheke erklärt, dass man Hustenstiller nur in Kombination mit Hustenlöser nehmen sollte. Aber ich wollte den Hustenstiller nur für einen ganz speziellen Anlass, ich hatte Theaterkarten und mich die ganze Woche schon so auf die Vorstellung gefreut. Nur habe ich einen Tag vorher angefangen, mir die Seele aus dem Leib zu husten und der Gedanke während der Vorstellung die ganze Zeit lautstark vor mich hin zu kläffen war mir extrem unangenehm.
    Ich habe den Hustenstiller aber nur alleine bekommen, nachdem ich ihr hoch und heilig versprochen hatte, ihn wirklich auch nur diesen einen Abend zu nehmen und nicht länger.

    Grüße Floore

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    1. „dass man Hustenstiller nur in Kombination mit Hustenlöser nehmen sollte.“ … WAaaaah?
      Da schmeissen sie alle Kombinationspräparate vom Markt genau, weil man das nicht soll … und in der Apotheke wird sowas behauptet?
      Sprachlos.

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      1. Na ja, vielleicht war ja gemeint „abends Hustenstiller, morgens Hustenlöser“ – anders gesagt, „nehmen Sie abends keinen Hustenstiller, wenn Sie morgens nicht Hustenlöser nehmen“.
        Was zumindest einen Ansatz von Logik in sich trägt – unter der Voraussetzung natürlich, daß Hustenlöser auch wirken.

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  7. Das gibts auch noch in ganz anderen Kombinationen… Entwässernde Tabletten sind blöd, weil man davon ständig zur Toilette muss. Deshalb nimmt man die nur, wenns einem grade in den Zeitplan passt. Dafür landet man dann bei dem Wetter in der Klinik, mit Wasser in der Lunge. Super Idee.

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    1. Oder man nimmt sie … und trinkt nichts mehr, damit man nicht ständig auf die Toilette muss … und landet dann dehydriert auf der Notfall. Auch gut.

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  8. Auch auf die Gefahr hin, daß es wie Werbung klingt: Ich bin ganz begeistert von Isla Cassis! Ich bin Student, und wenn ich huste, versteht in einem Hörsaal niemand mehr auch nur ein Wort. Deshalb habe ich in einer Apotheke mal nach etwas gefragt, was ich machen kann, damit die Vorlesungen und Seminare nicht alle paar Minuten gestört werden – und es wirkt! Solange ich diese Bonbons lutsche, huste ich fast gar nicht. Ich habe mich extra erkundigt, daß man davon nicht „zuviel“ nehmen kann – sind eben Bonbons. Allgemein andere Bonbons lutschen hatte bei mir nichts gebracht.

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    1. Isla = Lutschtabletten mit Isländisch Moos?
      Ich persönlich finde auch, dass Lutschtabletten tagsüber ziemlich gut gegen Hustenanfälle nutzen – das beruhigt und befeuchtet den Hals – und im übrigen mag ich persönlich Hustensirupe überhaupt nicht.

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  9. Ich finds nicht richtig, wenn man sagt, Schleimlöser bringen „nichts“. Sie verkürzen die Krankheitsdauer vielleicht nicht, aber ich finde, sie beschleunigen das Schleimabhusten schon ziemlich. Sprich, man hat schneller Ruhe vom Husten. Von dem her hab ich kein Problem damit, Schleimlöser zu empfehlen(ausser vielleicht bei ganz kleinen Kindern).

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