Sturm im Wasserglas

Seit wir aus den Ferien zurück sind geht es mir tatsächlich besser. Vorher hatte ich mit Burnout-Symptomen zu kämpfen und nicht „nur“ psychische Probleme sondern auch einige körperliche Symptome. Ich weiss nicht, an was es liegt. Vielleicht die Kombination von „worst-case szenario“ in den Ferien und zusammen einigermassen gut überstanden sowie die Erleichterung wieder zurück in der Schweiz zu sein, die trotz aller Mankos „daheim“ ist, so engstirnig, sicher, langweilig und bekannt.

Ich habe mir die Erlebnisse vom Leib geschrieben, was gut tat. Sie haben einen kleinen Shitstorm auf Twitter ausgelöst. 2 Mal wurde der Beitrag der Rückkehr gemeldet bei Twitter, beide Male hat Twitter entschieden, dass er nicht gegen die Richtlinien verstösst. Wegen der Anfeindungen habe ich dann trotzdem gelöscht und den Account für meine psychische Gesundheit auf privat gestellt.

Für diejenigen, die es verpasst haben die Kurzfassung: Mann und ich (und eventuell Junior) haben auf unserer (lang geplanten, verschobenen, dann doch möglichen und für mich bitter nötigen) Reise in Namibia Covid bekommen (selbstdiagnositiziert) und aufgrund der Umstände beschlossen das nicht zu melden. Statt dessen haben wir die Selbstfahrer- und halbe Camping-Reise mit maximalen Sicherheitsvorkehrungen um andere nicht anzustecken fortgesetzt. Namibia hat (bis auf die grossen Ortschaften) kein gut funktionierendes Gesundheitssystem, wenig Bevölkerung auf eine weite Landfläche verteilt, wir waren sehr abseits unterwegs. Alle geimpft, alle mit wenig bis keinen Symptomen – ohne den Selbsttest, den ich dabei hatte und die Nachricht dass unser Transfer zum Flugplatz (2 Tage vorher) positiv getestet wurde, hätten wir es vielleicht nicht einmal bemerkt. Mit den Sicherheitsmassnahmen um eine Übertragung zu verhindern bin ich als Apothekerin gut vertraut. Natürlich: keine Empfehlung an andere, das zu tun. Nichts worauf ich stolz bin. Dennoch: in derselben (wirklich speziellen) Situation würde ich wahrscheinlich wieder so handeln.

Wir haben vor und auch nach der Reise alle Vorgaben der verschiedenen Länder erfüllt. Auf keinem Formular gelogen, alles eingereicht und gemacht. Wir sind alle doppelt geimpft. Wir haben die Zertifikate. Wir haben den PCR Test zur Einreise in Namibia gemacht (max 72 h vorher, er war negativ). Wir haben alle Vorsichtsmassnahmen im Land selber beachtet – nach dem Verdacht, dass wir positiv sein könnten noch viel mehr als nur die vorgeschriebenen. Nur uns nicht gemeldet.

1 Monat nach Rückkehr. Wie sieht es aus?

  • die Zahlen in Namibia sind viel besser als die in Europa und immer noch am sinken. Sie sind so niedrig, dass man es tatsächlich sehen würde, wenn jemand das Virus aktiv verteilen würde. Hier die Statistik von google (Einreise Anfang Oktober, Rückreise Mitte Oktober).
    Der Peak vom 23. Oktober der die Inzidenz während der nächsten Tage rauf gehen liess ist auffallend – woher der kommt ist allerdings unklar, vor allem weil die offizielle Seite der Namibianischen Gesundheitsbehörden auf fb an dem Tag (und auch dem vor- und nachher) Zahlen um die 20 Neuinfektionen nennt. Am 17. Oktober melden sie nur 25 Infektionen und nicht 89 – Nachmeldungen? Doppelterfassung? Auch wenn man jetzt schaut ist die Situation gut und die Zahlen weiter niedrig.
    Von keiner der Unterkünfte und auch vom Mietauto mit denen wir auch nachher Kontakt hatten, haben wir Rückmeldungen von irgendwelchen Ansteckungen erhalten.
  • die Zahlen in Deutschland (und der Schweiz) sind leider immer noch (exponentiell) steigend. Das waren sie schon vor unserer Reise. Hier kann man nicht erkennen, wenn wir tatsächlich jemanden angesteckt hätten. Das wäre aber gewesen im Flugzeug, 10 Tage nach möglichem Infektionsbeginn, ohne Symptome und (bis aufs stille Essen) ständig mit Maske. Natürlich: jeder ist einer zuviel. Nur, nachdem wir zu Beginn der Infektion und auf der Reise in Namibia wohl niemand angesteckt haben ist es so viel später, als geimpfte und symptomlos sehr unwahrscheinlich.
  • Junior geht wieder zur Schule. Der Lehrer wurde über die mögliche Infektion (er hatte nie Symptome) informiert und hat zugestimmt. Positiv ist, dass sie dieses Mal gelernt haben und nach den Ferien die Maskenpflicht für alle wieder eingeführt haben. Die Tests im Pool, die einmal in der Woche durchgeführt werden sind seitdem alle (4) negativ gewesen. Auch der erste, 2 Tage nach Rückkehr.
  • Ich gehe wieder normal arbeiten. Der Arbeitgeber und meine Mitarbeiter habe ich informiert. Wir halten uns in der Apotheke seit März 2020 sowieso alle an das Hygienekonzept, das gelegentlich angepasst wird, arbeiten durchgehend mit Maske, hinter Plexiglas, mit regelmässiger Oberflächendesinfektion und anderer Pausenregelung. Inzwischen sind auch alle (!) geimpft. Innerhalb der Apotheke hatten wir keinerlei Ansteckungen. Ich bin erst die zweite Mitarbeiterin, die Covid bekommen hat.
  • Mein Mann geht wieder arbeiten, nachdem er sich vom Arzt (auch informiert über die mögliche Ansteckung) durchchecken liess. Sein Hautausschlag ist eine Infektion für die er Antibiotika bekam und ist jetzt weg. Seine Übelkeit/ Durchfall war offenbar wirklich eine Lebensmittelvergiftung – ihm wird immer noch schlecht, wenn er an das Trockenfleisch denkt und ist nicht wieder aufgetreten.
  • Obwohl da ein paar auf Twitter anscheinend die Sache in die Hand genommen haben uns zu melden (wo?), haben wir nichts mehr davon gehört. Weder von irgendwelchen Gesundheitsbehörden noch von der Fluggesellschaft.

Auch diesen Artikel habe ich hauptsächlich für mich geschrieben und behalte mir vor, ihn wieder auf privat zu setzen.

7 Kommentare zu „Sturm im Wasserglas

  1. Das verstehe ich nicht ganz. In Deinem früheren Blogeintrag schriebst Du, wie schlecht es Deinem Mann auf der Reise ging und jetzt in diesem, dass Ihr so wenig Symptome hattet, dass Ihr es gar nicht bemerkt hättet ohne Test?
    Ich lese Deinen Blog sehr gerne. Nur das ist gerade etwas befremdlich zu lesen. Ich wünsche Euch alles Gute!

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    1. Meine Antwort scheint verloren gegangen zu sein, deshalb noch einmal.
      Ja, mein Mann hatte keine gute Zeit. Ein Hitzeschlag auf dem Campingplatz mit wenig Schatten. Ein Hautausschlag, der dann erst zu Hause mit Antibiotikum wegging (also auch eine Infektion, der Auslöser war eine Hautwunde und das wohl nicht sehr saubere Wasser, dass ich zum kühlen vom Hitzeschlag benutzen musste. Und dann noch eine Lebensmittelvergiftung vom Trockenfleisch mit Erbrechen, Durchfall und Kreislaufproblemen zum Schluss. Letzteres hatte ich auch … allerdings, da ich weniger gegessen habe auch viel weniger. Nicht alle Beschwerden sind auf Covid zurückzuführen. Auch wenn das teils wirklich so seltsames macht.

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