ungünstige Aktion

Eine Frau mit 2 kleinen Kindern, eines davon neugeboren kommt in die Apotheke und legt mir einen Karton auf den Tisch.

„Ich war gestern schon hier und man hat mir gesagt, sie können Ersatzteile besorgen für die Milchpumpe!“

Ich beäuge den Karton. Wir vermieten und verkaufen Milchpumpen. Für unsere ist die Aussage richtig. Vielleicht auch noch für die von den Marken, die ich hier bekomme, aber die hier … noch nie gesehen. Chicco. Machen die nicht Spielzeug?

Pharmama: „Haben Sie die von hier?“

Frau: „Nein, die habe ich beim ersten Kind gekauft – ich weiss nicht mehr wo, aber es war eine halb-Preis Aktion. Ich habe sie dann nicht gebraucht, aber jetzt brauche ich eine Milchpumpe und da habe ich die wieder hervorgeholt und beim auspacken habe ich gemerkt, dass da Teile fehlen. Sehen Sie (sie holt die Bedienungsanleitung heraus und öffnet den Karton): da fehlt der Teil, der an die Brust kommt.“

Pharmama: „Ja. Ich sehe. So können Sie sie gar nicht benutzen.“

Frau: „Man hat mir gesagt, wenn ich weiss was, können sie Ersatzteile bestellen.“

Pharmama: „Ich kann es versuchen. Das ist leider keine von unseren Marken, aber ich rufe bei der Firma an und versuche sie zu bekommen.“

Frau: „Wie lange dauert das?“

Pharmama: „Kommt darauf an. Wenn die mit unserem Grossisten zusammenarbeiten schnell. Wenn nicht, kommt es per Post und dann dauert es ein paar Tage … zusätzlich wird wahrscheinlich Porto fällig.“

Frau: „Das wäre mir noch egal. Hauptsache ich kann die Milchpumpe dann benutzen, so bringt sie mir nichts.“

Pharmama: „Nein. Das sehe ich. Geben Sie mir ihre Telefonnummer, dann rufe ich ihnen an, wenn ich Bescheid weiss.“

Frau: „Wann?“

Pharmama: „Heute im Verlauf des Tages?“

Frau: „Ich brauche die Milchpumpe bald.“

Also setze ich mich hin und telefoniere mit der Firma – das heisst, Nein, nach dem ersten Versuch organisiere ich Donna, die italienisch kann, denn die reden dort italienisch und nicht gut deutsch.

Donna kommt nach kurzer Zeit etwas irritiert zurück.

„Das ist mal eine Firma. Erst wurde ich aus der Leitung geworfen, dann haben sie mich drei mal weiterverbunden und das obwohl sie niemanden suchen mussten, der auch deutsch kann … und das beste: die haben keine Ersatzteile.“

Pharmama: „Gar keine?“

Donna: „Nein. Wenn ich sie richtig verstanden habe nicht nur für ältere Maschinen, wie das eine ist, auch nicht für die neueren. Wenn Du also eine solche Machine hast und etwas geht kaputt … dann kannst Du nur eine neue kaufen.“

Das wird die Kundin jetzt wohl müssen. Die Halb-Preis Aktion war wohl doch nicht so eine gute Aktion …

Interessanterweise habe ich (leider danach) dann gesehen, dass man via Internet und Kaufhauswebsite vielleicht doch noch an ein Ersatzteil kommt. Vielleicht nimmt das Kaufhaus die selber auseinander dafür? Oder die am Telefon der Firma wollte uns einfach rasch loswerden. Service ist anders.

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Über Pharmama

Wie bringt man die Arbeit in der Apotheke und die Familie unter eine Haube? Mit viel Humor natürlich! Ich bin Apothekerin aus der Schweiz schreibe über Interessantes und lustiges in und um die Apotheke. unter: Pharmama.ch

Veröffentlicht am 11/07/2016 in Apotheke und mit , , getaggt. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. 10 Kommentare.

  1. Wie hat die Kundin denn auf die Nachricht reagiert?

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  2. wieder ein Beispiel für den Unterschied zwischen preiswert und billig 😦

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  3. Interessanterweise habe ich (leider danach) dann gesehen, dass man via Internet und Kaufhauswebsite vielleicht doch noch an ein Ersatzteil kommt. Vielleicht nimmt das Kaufhaus die selber auseinander dafür?
    Dies bezweifele ich sehr. Vorausgesetzt, die Milchpumpe hat die Zulassung als „Medizinprodukt“ – und ohne solche sollte sie eigentlich nicht in den Handel gebracht werden dürfen – ist die Änderung an der Milchpume und auch am Verkaufsbündel eine „Herstellung“, und der „Hersteller“ wird dann wird dann haftungspflichtig. Ich denke nicht, dass sich eine Warenkette hier bei eventuellen Problemen mit ihrer Haftpflichtversicherung anlegen möchte, weil die „Herstellung“ von Medizinprodukten (und derenb Folgen daraus) garantiert nicht von ebenjener Versicherung abgedenkt wird.

    Selbiges Problem bekommt jeder andere Zeitgenosse (und auch jede Apotheke), wenn gewerblich an Medizinprodukten „rumrepariert“ wird. Ansonsten wäre vermutlich eine Saugglocke einer anderen Milchpumpe mal eben mit Gaffertape festgemacht… Oder, – aber nur für Eingeweihte – mit einer Büroklammer, einem Kaugummi und einem Schweizer Offiziersmesser (btw. Sackmesser) das Problem gerichtet. Voraussetzung ist aber ein Fokuhila! 😉

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  4. Sie hat eben zum halben Preis auch nur ein halbes Gerät bekommen. Sehr ärgerlich trotzdem.

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