Es gibt keine dummen Fragen …

Es gibt keine dummen Fragen. Aber es gibt Leute, die fragen nur, damit gefragt ist. Scheint mir jedenfalls so. Beispiel?

Die Pharmaassistentin (PA) berät eine Kundin. Ich höre mit halbem Ohr zu.

Kundin: „Was ist der Unterschied zwischen diesen?“ (legt verschiedene Schmerzmittel mit Ibuprofen auf die Theke)

PA: „Sie haben alle den selben Wirkstoff, es sind einfach unterschiedliche Hersteller.“

Kundin: „Warum ist dieses hier günstiger als das da?“

… Ich bekomme selber einen Kunden und kann darum nicht weiter zuhören, aber als ich fertig bin – etwa 10 Minuten später, ist die PA immer noch an derselben Frau.

„He, und was ist das?“ Zeigt das Fläschchen Betadine, das sie mitgebracht hat.

PA: (ich merke, dass sie langsam genervt ist): „Das ist ein Desinfektionsmittel für Wunden.“

Kundin: „Kann ich das auch in den Mund machen oder schlucken?“

PA: „Nein, es ist nicht für die Anwendung für Schleimhäute gedacht und auch nicht zum einnehmen.“

Kundin: „Dann ist es nicht gegen Bakterien? Ich habe eine Infektion.“

PA: „Wenn sie das im Mund anwenden oder einnehmen, könnte es ihnen schlecht werden.“

Kundin: „Und was könnte sonst noch passieren?“

Die PA zählt ein paar Dinge auf

Kundin: „Ach, ich rufe einfach beim ToxZentrum an und frage die. Haben eigentlich Kleider einen Einfluss auf Zahnschmerzen?“

PA: “Was?“

Kundin: „Kleider – unterschiedliche Kleider.“

PA: „Ja … vielleicht.“ (ich glaube im Moment will sie sie nur noch loswerden)

Kundin: „Danke!“

15 Kommentare zu „Es gibt keine dummen Fragen …

  1. Auweia – wir hatten gestern die geballte Ladung, so jemand war auch dabei. Bloss weiss ich bei „unserer“, dass sie etwas (sehr) eingeschränkt ist.
    Aber nach dem 10. Mal „Muss ich etwas bezahlen?“ (innerhalb von 90 Sekunden, wohlgemerkt) bewundere ich wieder mal alle, die in der (psychiatrischen) Pflege arbeiten.

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  2. Interessant… Was es nicht alles für Leute gibt.

    Und: Danke, danke, danke, dass es deinen Blog gibt. So dachte ich wenigstens jeden Abend daran, mein Antibiotikum zu nehmen *lach*

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  3. Ich hatte mal einen dementen Kunden, der bei mir immer seine Zigaretten kaufen wollte und SEHR böse (und aggressiv und randalierend) wurde, wenn ich ihn enttäuschen musste. Ich arbeite in einem Laden für Computerbedarf…

    Die Heimleitung brachte mir irgendwann mal eine Packung seiner bevorzugten Sorte und ich kaufe jetzt an der direkt nebenan liegenden(!) Tanke immer eine neue von dem Geld, dass ich für die vorige von ihm bekommen habe. Selbst eine Preiserhöhung haben wir problemlos hinbekommen und er ist sehr nett, wenn er kriegt, was er will.

    Ich könnte mich jetzt ganz modern darüber aufregen, dass mir keiner die Zeit, die dafür draufgeht entlohnt, aber ich freu mich lieber über die Zeit, die ich spare, weil er ja schnell wieder raus ist und die Tanke halt wirklich angrenzt. Außerdem habe ich immer mal eine Geschichte zu erzählen. Und auf meinem gute-Taten-Konto kommt das sicher auch gut.

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    1. Das finde ich ganz toll von Dir! Außerdem holst Du die Zeit ja spätestens dann wieder rein, wenn Du nicht ewig lange erklären musst, daß Du eben keine Zigaretten verkaufst.
      Definitiv gutes Karma!

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    2. Naja, ein alter Mann in Schlappen, der auch ähm…nach altem Mann riecht. Dass der kein Ipad kaufen will, ist eigentlich klar. Die wenigsten Kunden wundern sich sichtbar oder fragen nach. Ein Vater hat mal zu seinem fragenden Kind gesagt „wird schon seinen Grund haben“. Und wenn doch jemand fragt, erklär ich es halt schnell und alle Leute freuen sich immer. Ich wurde halt so erzogen, dass kranke Menschen Hilfe und Verständnis brauchen und so. Und wenn ich damit effektiv sogar noch Zeit spare (und Nerven), wäre ich doch dämlich es nicht zu machen. Der Mann kann ja nichts dafür, dass er krank ist. Und da alle in der Gegend wissen, dass er nicht mehr so fit ist, passen auch alle auf. Es hat sich halt rumgesprochen, dass er bei mir Zigaretten kaufen kommt und ansonsten nichts auf der Straße zu suchen hat. Wenn er bei der Mangel oder beim Bäcker vorbei läuft, rufen die auch schnell beim Heim an, dann hat er sich wieder verlaufen und dann muss irgendwer los und ihn abholen. Man kennt sich halt im Viertel und passt auf sich auf.

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  4. Auch wenn mir aufgrund der Schilderung die Person nicht so wirklich klar vor Augen ist – es gibt im Rahmen von zwanghafter Persönlichkeitsstörung bzw. Zwangsstörung durchaus das Phänomen des Fragezwangs. Und insbesondere gerne in Bezug auf Gesundheitsthemen. Das wirkt für Außenstehende in der Regel irgendwo zwischen nervig und skuril, ist für Betroffene aber extrem schwer zu regulieren.
    Das soll jetzt keine Ferndiagnose sein – die geschilderte Kundin ist wahrscheinlich einfach nur etwas nervig, aber gerade im Apothekenumfeld dürfte die Chance auf jemanden mit Gesundheitsängsten und Zwängen in Kombination zu treffen doch durchaus gegeben sein :)

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  5. Aber natürlich … Kleidung hat viele Auswirkungen … nicht nur auf Zahnschmerzen, aber auf die Haarfarbe, das Horoskop und vieles anderes..

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