Endlich draussen!

Letzte Woche waren wir alle Nachmittags auf dem Spielplatz. Während Junior herumraste und neue Freunde suchte, unterhielten sich mein Kuschelbär und ich auf einer Sitzbank. Einer hölzernen Sitzbank. Bis zu dem Moment, wo mein Kuschelbär sich seitlich verschob – und sich einen Sprießen holte. Direkt in den Oberschenkel.

Zuhause holte ich mit der Pinzette erst mal einen kleineren Sprießen aus der Haut (2mm) dann suchte ich dort, wo es ihm am meisten weh tat. Dort war kaum etwas zu sehen, aber mein Kuschelbär beharrte darauf, dass da etwas sein musste. Also machte ich, was ich in der Apotheke niemandem empfehlen würde … ich schnitt (mangels Skalpell) mit dem Vorderteil einer dicken Kanüle die Haut auf und ein. Dort fand ich nach viel Mühe, nachdesinfizieren und Blut wegwischen ziemlich tief in der Haut noch 2 weitere Sprießen, beide etwa 3mm lang. Aber mein Kuschelbär war überzeugt, da wäre immer noch etwas drin – es steche, wenn er drauf fasse. Noch tiefer getraute ich mich nicht zu schneiden, also pappten wir Zugsalbe drauf und banden es ein. Täglich wechselte ich den Verband und beobachtete die Stelle – wenn da wirklich noch etwas drin ist (speziell Holz), besteht nämlich eine gute Chance auf eine dicke Entzündung und Infektion.

Die Wunde sah immer ziemlich gut aus, aber fühlte sich … fest an, fast hart. Heraus kam nichts. Ich fürchtete es war zu tief unten und wir würden doch noch zum Arzt müssen, das Ganze aufschneiden.

Dann heute kommt aus dem Schnitt etwas Eiter. Ich drückte vorsichtig und sah auf einmal etwas dunkles – der Sprießen? Mit der Pinzette bekam ich ihn zu fassen und zog. Und zog … und zog ein über 2cm langes Holzstück heraus.

Ich hoffe sehr, das war es jetzt. Kuschelbär meint „Ja“, jetzt sei es viel besser.

.. und damit ist er fast eine ganze Woche lang herumgelaufen! Brrr.

31 Kommentare zu „Endlich draussen!

  1. Spriessen = Splitter bei uns in D;-)
    Die finde ich auch immer besonders fies. Bisher war ich mit Wund-Salbe und Pinzetten bzw. mit desinfizierten Nähnadeln (ja, eigentlich weiss ich, dass man sich nicht selber operieren sollte) ganz erfolgreich im Heraus“pulen“. Aber das Gepiekse ist kaum auszuhalten – da hat Dein Mann schon Recht.

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    1. „Spriessen = Splitter bei uns in D;-)“

      Ich glaube, das versteht wirklich so ziemlich jeder aus dem Zusammenhang.

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  2. Aua, das tut wirklich weh! Ich kenne das auch.
    Mir passiert so was immer an den Fingern im Garten.
    Schon ein winziger Himbeerstachel nervt bis er raus ist.

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  3. Ich pflastere solche Splitter mit Jodsalbe zu. Die färbt der Eintrittskanal rotbraun, so dass man ihn gut erkennt und besser stochern kann.
    Früher habe ich Jodtinktur genommen, aber die gibt es anscheinend nicht mehr.

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      1. Betaisodona heißt die Salbe. Ich fand die Tinktur zum auftupfen besser, weil sie schnell antrocknet und nicht zugepflastert werden musste. Man reißt sich ja ständig was in die Finger, da ist ein Pflaster immer blöd zu kleben.

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        1. Es gibt aber immer noch Betaisodona Lösung. Frag einfach in Deiner Apotheke danach. Wenn Sie es nicht da haben, so kann man es innerhalb weniger Stunden bestellen.
          LG
          Boreal

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  4. Uah, erinnert mich daran, dass mir die Mutter mal ein etwa 5 mm grosses Steinchen aus der Ferse operiert hatte.

    Ich sprang eben mal barfüssig auf feinkörniges Kies, und das blieb dann so eineinhalb Wochen in meinem Fuss… bis mir die Schmerzen sagten, dass da was nicht stimmt. :D

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      1. Also… so ein roter Striemen wanderte schon das Bein hinauf. Als es beim Knie ankam, operierte OP-Mama.

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      1. Ist die Zugsalbe somit etwas ähnliches wie die Zinkoxid-Salben, die eine Wunde ja entwässern und trocknen?

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    1. Nur so nebenbei:
      Zugsalbe ist im Mittelalter erfunden worden und soll „den Eiter aus Wunden herausziehen“ (Humoralpathologie)…
      Traditionelle Rezepte sind daher gerne mit Pferdemist hergestellt worden – das eitert danach so schön…

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  5. Ohhhhhh mein Gott, wie eklig!! Aber gut, daß es rausgekommen ist, und kein Wunder, daß das noch gepiekt hat. O_O Ich hatte mal das Glück, mir beim Begehen einer Terrasse mit besch… Tropenholz neun Splitter in die Fußsohle zu reißen. Vielen Dank auch!

    Ich finde übrigens Kanülen perfekt für so etwas (auch Kaktusstachel) – wenn man eine große gelbe nimmt, ist die Schnittfläche gut (gezieltes Arbeiten problemlos möglich), es tut kaum weh, man kann meiner Meinung nach weniger schlimm danebenschneiden als mit einem Skalpell, und sie sind immer steril eingepackt und klein – ideal für die Reise! Ich habe seit Jahren immer welche dabei…

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    1. Die kleinen braunen Kanülen (für Morphin s.c. etc.) kann ich nicht empfehlen… zu biegsam, um schonend zu schneiden. Vielleicht, um mal ein gelbes Pickelchen zu punktieren, aber sonst eher nichts für mich. ;-)

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    2. Genau, dicke müssen es sein: gelb, rosa oder grau.
      In den Ferien habe ich auch meist eine Auswahl dabei – nicht nur für solche Notoperationen, in manchen Ländern verwenden sie selbst in den Spitälern alte Nadeln weiter … und das würde ich gerne vermeiden.

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  6. Das erinnert mich daran, wie ich früher immer die Abszesse bei meinem lieben Katerchen versorgt habe. Wenn der sich mal wieder einen Fight mit einem Konkurrenten geliefert hatte, bekam er immer dicke fette Beulen. Einmal im Monat war das Minimum.

    Irgendwann war ich es leid, das arme Tier zusätzlich noch mit der Autofahrt zum Tierarzt und dem obligatorischen anschließenden Vollbad zu foltern (Kater hat sich in Panik immer eingepieselt in der Box). Ich habe mir also angewöhnt, das Tierchen selbst zu verarzten.

    Und obwohl das für ihn auch keine Freude war, so hat der brave Kater doch erstaunlich willig stillgehalten. Wahrscheinlich hat das kluge Tier instinktiv geahnt, dass ich ihm damit die Transportbox, die Autofahrten und das Vollbad erspart habe.

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  7. Autsch. Also mit einer Kanüle hab ich noch nie die Haut geritzt, da ich keine habe. Aber mit einer Stecknadel hab ich auch schon die Haut geöffnet. Aber so tief hatte ich noch nie einen Holzsplitter (in meiner Heimat „Sprissel“, hier, wo ich jetzt wohne, „Spelben“) in der Haut.

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