Medikamentenrückgabe

Es ist ja allgemein bekannt, dass man die Sachen, die man irgendwo kauft und die speziell zu entsorgen sind, dort wieder zurückgeben kann. Batterien in den Kaufhäusern, Technische Geräte beim Händler und also auch Medikamente in der Apotheke.

Uns hat man immer gesagt, das sei besser für die Umwelt, als es in den Hausabfall zu werfen, weil es dann bei unserem Entsorgungsdienst bei höheren Temperaturen vollständig verbrannt wird. Dem ist nicht ganz so, wie ich inzwischen weiss. Hier ist es so, dass auch der Hausabfall wird bei etwa der gleichen hohen Temperatur verbrannt wie die normalen Medikamente – das ist jedoch nicht überall gleich.

Aber: wir sortieren den Abfall vorher noch etwas aus. Quecksilber, Spritzen und biologische Abfälle und Zytostatika zum Beispiel. Auch zurückgegebene Chemikalien wie Säuren und Basen werden nach Sorte getrennt.
Der Service ist gratis für die Kunden – das heisst, wir bezahlen die Abfallgebühren.
Und auf jeden Fall ist es viel besser, als es in die Toilette zu werfen – wo es dann im Grundwasser landet und die Umwelt belastet.

Wir nehmen also Medikamente zurück.

Man denkt das ist problemlos ist: in die Apotheke gehen, Sack mit abgelaufenen Medikamenten überreichen, wieder herausgehen.

Anscheinend gibt es aber eine Menge Leute für die das ein Problem darstellt. Jedenfalls finde ich immer wieder herrenlose Säcke in oder vor der Apotheke mit solchen Altlasten.

Denken die, sie müssen was bezahlen? Oder ist das den Leuten die das machen peinlich? Dann sollten sie vielleicht auch gut darauf schauen, dass sie von allen Medikamenten die Etiketten abnehmen!
… Das fände ich auch darum gut, weil ich das dann nachher nicht noch machen muss: Datenschutz lässt grüssen.

Achtung: das obige gilt für die Schweiz. In Deutschland haben sie seit Anfang Jahr Probleme damit, weil die Entsorgungsfirma gekündet hat.

15 Kommentare zu „Medikamentenrückgabe

  1. Guten Tag Frau Pharmama

    Auch der Suche nach dem üblichen Schicksal von Altmedikamenten bin ich auf Ihren Blogeintrag gestossen. Mein Interesse an diesem Thema rührt daher, dass ich mich gestern vorm Einschlafen wunderte, wie ich den Menschen der Länder, die ich bereist habe, etwas vom westlichen Wohlstand, respektive Überfluss zurückgeben könnte. Da kam mir die Idee, dass es doch möglich sein sollte, die Restmedikamente die in Privathaushalten, Spitälern, Arztpraxen etc anfallen, zu sammeln, sortieren und in andere Länder zu vershippern, wo sie Menschen Nutzen bringen statt vernichtet werden – ähnlich dem Tex-Aid Modell.
    Nun, wie bereits erwähnt, die Idee ist noch taufrisch, und deshalb weiss ich gar nicht recht was ich Sie konkret fragen soll. Eines, das mir durch den Kopf geht, sind die gesetzlich geltenden Grundlagen in der Schweiz – ich gehe schwer davon aus, dass es bezüglich Wiederverwendung von „Gebrauchtmedikamenten “ Einschränkungen gibt, aber da kenne ich mich zugegebenermassen überhaupt nicht aus und würde mich über Ihren Input freuen.
    Falls Sie Zeit und Interesse haben, Ihren Gedanken diesbezüglich freien Lauf zu lassen wäre ich Ihnen zu Dank verpflichtet, denn ich bin überzeugt, dass in diesem Konzept Potential etwas gutes zu tun besteht und Sie bestimmt einiges aus Ihrer Erfahrung als Apothekerin dazu beitragen können.

    Mit freundlichen Grüssen
    C.Scagliola

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    1. Lobenswerte Idee, wenn auch nicht ganz neu. Es gab schon Hilfswerke, die in Apotheken alte Medikamente eingesammelt haben um sie in Spitälern in anderen Ländern wiederzuverwenden. Nun ist das aber wegen der Gesetzgebung nicht mehr möglich: die Ausfuhr von Medikamenten gilt wegen der Inhaltsstoffe als „Ausfuhr von Sondermüll“ und ist deshalb verboten worden.
      Auf der Seite der Pharmaciens sans Frontieres findet sich ausserdem die Richtlinien der WHO
      http://www.psf.ch/de/unbenuetzte_medikamente.html
      wo auch gezeigt wird, welche Problematik Medikamentenspenden haben (v.a. an ungeschultes Personal) – man denke nur daran, dass das Medikamentenamen sind, die oft nicht bekannt sind und Packungsbeilagen nicht in der örtlichen Sprache…
      Da steht auch folgender Satz:
      „5. No drugs should be donated that have been issued to patients and then
      returned to a pharmacy or elsewhere, or were given to health professionals as free samples.“
      Der Grund ist auch hier die oft unkorrekte Lagerung der Medikamente.

      Wie sie sehen ist es leider nicht so einfach. Ich hoffe aber, ihren Tatendrang dadurch nicht allzu sehr gebremst zu haben und dass sie doch noch einen Weg zur Hilfe finden.
      Pharmama

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  2. Danke für Ihre Gedanken zum Thema. Angesichts der Profis die sich dieser Idee bereits angenommen haben und der erheblichen juristischen und handhabungstechnischen Hürden, werde ich diese Idee wohl oder übel fallen lassen. Vielleicht entsteht in der Zukunft ein neues Projekt in diese Richtung.
    Herzliche Grüsse

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  3. Hallo,

    Hier in Deutschland werden in Apotheken nur die reinen Medikamente angenommen, d. h. jedes Pillchen muss aus dem Blister gepuhlt werden. Daher ist sicher seitens Apotheke ein Trennen nach Säuren und Basen wg. mangelnder Identifizierung nicht möglich. *daumenhochfüreuch*

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  4. Ich hab schon eine Weile keine Medikamente mehr zurück gegeben. Bisher wusste ich nur, dass die Schachteln vorher entfernt werden müssen. Die kommen ins Altpapier. Somit wären dann auch die Daten weg,

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  5. Also, ich hab vor Kurzem ein Praktikum in einer Apotheke (in Deutschland) gemacht, da konnten die Medis auch komplett mit Verpackung abgegeben werden…sortiert wurde das dann – ratet mal *g* – der Praktikantin.
    Da gab’s dann einen Behälter für Papier und Pappe, einen für Verpackungen wie leere Blister oder Flaschen und einen für noch gefüllte Verpackungen und lose Medikamente.

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  6. Ist zwar gemein, aber die Praktikantin ist noch am ehesten dafür abkömmlich (oder bei uns ein Lehrling), das ist nicht nur Hackordnung und Arbeitsbeschaffung, schliesslich kann man die Praktikanten noch nicht unbedingt auf die Kunden loslassen … aber es ist sicher ein langweiliger Job :-(

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  7. @Matthias: das stimmt natürlich, hab ich bei Waeller etwas überlesen. Wir trennen die Chemikalien, die wir zurückbekommen (Also Ameisensäure, Abflussmittel, Salmiakgeist etc). Bei den Medikamenten nach den Wirkstoffen zu trennen … das wäre dann hohe Kunst. Also Aspirin ist Acetylsalicylsäure, eine Säure, und Paracetamol? Ahem, das müsste ich schon nachschauen.

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  8. Ich hab mal eine andere Frage zum Thema.
    Ich selbst bin Chemiker, im Moment noch offiziell Student, planmäßig in 1,5 Monaten fertiger Diplom-Chemiker. Was für Chemikalien bekommt man denn in einer Apotheke (in der Schweiz)? Nur so ein paar Grundchemikalien in geringer Konzentration oder auch konzentrierteres Zeug? Oder doch auch exotischere Sachen wie, zum Beispiel, Kaliumchromat, wo man sich ernsthaft mit schädigen kann? Und macht es einen Unterschied, ob man einen Berufsnachweis hinlegen kann?

    Ich will nix für mein Heimlabor kaufen, mich interessiert es nur.

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  9. Hallo Matthias – habt ihr kein Fach Chemikalienrecht? Was Du wissen willst ist ein ziemlich komplexes Thema. Seit ein paar Jahren gilt das neue Chemikalienrecht, nach dem es keine Giftklassen mehr gibt. Neu gilt die Europanorm (Danke EU -nicht!).
    Ich darf dich auf die Seite das BAG hinweisen:
    http://www.bag.admin.ch/anmeldestelle/02182/index.html?lang=de
    Speziell der Untertitel „Abgabe von Chemikalien.“

    Und nein: das ist alles andere als einfach. Um die Frage zu beantworten, ob Du Kaliumchromat bekommst, müsste ich zuerst irgendwo finden, was für Gefahrenhinweise und R-Sätze das jetzt hat.

    Der Berufsnachweis macht glaube ich keinen Unterschied mehr, aber es gibt den Unterschied Abgabe an Privatpersonen und Abgabe an Firmen. In beiden Fällen muss die empfangende Person aber mündig sein (und damit meint man nicht nur das Alter).

    Und dann gibt es noch die Möglichkeit von uns die Abgabe zu verweigern … wenn wir das Gefühl haben, dass damit Missbrauch getrieben wird. Wie letzhin, als jemand für die Herstellung von Schwarzpulver „für die Pfadi“ 3 kg (!) Kaliumnitrat wollte. Ah, äh, sorry. Nein!!

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  10. Achja, das gute alte Reach. Wir haben viel davon gehört in letzter Zeit aber als wir das eine Semester Recht hatten, war das zumindest für uns nur eine dunkle Wolke am Horizont. Ehrlich gesagt kann ich mich auch nicht sonderlich gut daran erinnern, war nur so eine Blockvorlesung…

    Na ja soweit klingt das ja vernünftig, und auch wenn das mit der Beurteilung der Sorgfaltspflicht recht schwammig klingt ist es doch eine gute Sache. Ich trau zumindest dem gesunden Menschenverstand vernünftiger Leute (-> den Apothekern) in dieser Hinsicht mehr als den Bürokraten in Brüssel. Allerdings bleibt zu fürchten, dass nicht alle Apotheker so gestrickt sind und bspw. der Hansel mit dem Schwarzpulver nur lange genug suchen muss bis er sein Kaliumnitrat als Rasendünger verkauft bekommt.

    Jedenfalls danke für die Antwort und mach dir bloß keine Mühe mit dem Chromat, das war nur ein Beispiel :) Gruß

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  11. @Matthias: „mach dir bloß keine Mühe mit dem Chromat, das war nur ein Beispiel“ – na Gottseidank! Weil, ehrlich gesagt, finde ich das neue Chemikalienrecht genau in der Beziehung mühsam: wo kriege ich jetzt wieder die Info her? Am Anfang gab’s gar keine Vorlagen, inzwischen ist es etwas besser. Aber bevor wir uns zu fest dran gewöhnen: Ab 2010 gibt es Gerüchten nach nochmals eine Revision des Chemikalienrechtes….

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  12. anekdote meinerseits: als ich vor längerer zeit mal unsere hausapotheke ausgemistet hatte, bin ich mit dem müll zum apotheker, der hat mich mit grossen augen angeschaut, dann gegrinst und die tüte in öffentliche mülltonne vor der eingangstüre gestopft.
    „das ist hausmüll.“
    seither bei uns zu hause auch nur noch dahin.
    verfallene medis in der praxis gehen allerdings zu meinem stammapotheker, der entsorgt sie artgerecht, vulgo unzugänglich für mülltonnenräuber.

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  13. Ich hab mal vor einiger Zeit die Hausapotheken meiner Eltern ausgemistet (Mehrzahl, weil ich überall im Haus alte Medis gefunden habe). Am Ende war ein kompletter Papiersack vom Co*p voll. Den in der Apotheke abzugeben war mir total peinlich. Zum Glück haben die mich nur freundlich angelächelt. Wäre ich gefragt worden, hätte ich behauptet, die Medis für meine Grossmutter zu entsorgen.

    (Was mich übrigens am meisten nervte, waren meine Eltern: „Das kann man noch benutzen.“ Ja klar, ist nur schon seit über 10 Jahren abgelaufen.)

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