Ich finde es toll, wenn Kunden zurückkommen und sagen, sie kommen gerne in die Apotheke weil xy da ist und weil xy drauskommt und immer so freundlich ist. Selbst so ein Kompliment zu bekommen ist immer ein gutes Gefühl.
Aber da gibt es auch die Schattenseite. Die Kunden, die wirklich NUR noch zu einem wollen, kann man noch tolerieren, wenn sie warten können (denn meistens sind sie ja nicht alleine in der Apotheke). Aber manchmal geht es wirklich zu weit. Da ist der (ältere) Verehrer, der der Drogistenlehrtochter Blumen bringt und von uns ihre Adresse haben will (sorry: nein!). Da ist die Kundin, die so lange mit einem über ihre Hunde reden will, dass die Mittagspause, die man eigentlich hätte, vorbei ist, wenn sie endlich geht.
Da ist es schwierig den professionellen Abstand zu wahren und den Leuten möglichst schonend beizubringen, dass man halt am arbeiten ist und noch andere Dinge zu tun hat.
Manchmal muss man etwas deutlicher werden.
Ich erinnere mich da an eine Pharmaassistentin, die mir erzählte, wie ein Drogenabhängiger in ihrer Lehre so eine Beziehung zu ihr entwickelt hat. Immer musste sie ihn bedienen, und als er herausgefunden hat, dass sie (wie in den meisten Apotheken) kleinere Verletzungen behandeln, kam er öfter mal mit kleinen Wunden um sich verarzten zu lassen von ihr. Das war besonders „creepy“, weil er sich die Wunden offensichtlich selbst zufügte.
Als er also wieder einmal kam, mit einer Reihe winziger Schnittwunden schnappte sich besagte Pharmaassistentin statt dem normalerweise verwendeten Wasserstoffperoxid die Flasche mit Alkohol 70%!
Ich sollte das vielleicht erläutern. Wasserstoffperoxid ist ein sanftes Desinfektionsmittel, Alkohol 70% dagegen brennt ziemlich, vor allem auf offenen Wunden wie die Kratzer mit denen der Drögeler so gerne kam.
Angeblich hat man ihn bis vorne im Laden schreien gehört.
Muss ich noch erwähnen, dass er danach nicht mehr so häufig auftauchte?
