Artikel mit medikament tag
Was darf es denn sein?
Wenn Sie ein Medikamente von ihrem Dauerrezept wiederholen müssen:
(Oder auch sonst, wenn sie in der Apotheke über Medikamente reden):
Optimale Methode, das Medikament zu bezeichnen: „Aspirin cardio“, „das Generikum vom Sortis“, „meine Verhütungspille“
Sub-optimal, aber immer noch akzeptabel: „Meine Schlaftablette“, „Mein Blutdruckmittel“, „Ato.. Atro...vas..atin?“
Unakzeptabel: „das einzige Mittel das sie bei mir im Computer haben“ (es ist nie nur eines), „Das Medikament, das mein Neurologe gefaxt hat – (gefolgt von) Oh, ich weiss seinen Namen nicht mehr ...“, „Das Mittel für’s Herz“ (gegen den hohen Blutdruck? Das Antiarrhythmikum? das Cholesterinmitel? Der Blutverdünner?)
Da könnte ich schreien: „die rote Pille, von der ich keine mehr habe.“ „Die, die ich täglich nehme“, „Eine von den weissen, runden“ ...
Arzneimittel für Kinder ...
ich bin gerade dabei, mich durch ein anderes Fehlermeldesystem (für Ärzte) durchzuarbeiten: CIRSmedical. Auch gut, leider nicht so übersichtlich.
Dabei bin ich auf diesen Fall gestossen:
Was ist passiert? Bei einem Hausbesuch in einer nicht-deutschsprachigen Familie mit Säugling fiel auf, dass die Mutter des Säuglings bei dem Kind Salben verwendet, die nicht für Säuglinge zugelassen und sinnvoll sind (Antimykotika, Kortikoidhaltige Externa). Auf die explizite Nachfrage, warum sie dies verwende, sagte Sie - auf die Packungsbeilage zeigend: Hier steht "Arzneimittel für Kinder". Dort stand: "Arzenimittel für Kinder unzugänglich aufbewahren" - die Worte unzugänglich und aufbewahren hat die Mutter ganz offensichtlich nicht verstanden.
Was war das Ergebnis? Das Ergebnis war, die Mittel wurden nicht mehr verwendet - aber die Mutter berichtete, dass alle Ihre Freundinnen, dies so verstehen würden.
Wo sehen Sie Gründe für dieses Ereignis und wie könnte es in Zukunft vermieden werden? Die Reihenfolge des Textes sollte geändert werden: "Arzneimittel unzugänglich aufbewahren" würde evtl. ausreichen? oder "Arzenimittel nicht für Kinder! - Unzugänglich aufbewahren"
Ich wäre niemals auf den Gedanken gekommen, könnte mir aber vorstellen, dass dies häufiger geschieht als wir glauben!
Uff. Aber: In der Apotheke haben die wohl auch nicht nachgefragt, ob das für Kinder geht? Und umgekehrt: die Apotheke, für wen die Mittel denn sind? Gut, die Sprachbarriere ... aber sowas ist wichtig!
Habe ich zuviel bezahlt?
Eigentlich war ja meine Pharmaassistentin an ihm, aber als er gemerkt hat, dass ich die Apothekerin bin, wendet er sich nach dem Kauf seines Schmerzmittels an mich.
älterer Kunde: "Sie sind Apothekerin?"
Pharmama: "Ja."
Kunde: "Ich hätte da eine Frage – wegen Sortis."
Pharmama: "Ja?"
Kunde: "Also, ich habe immer (zieht Zettel aus der Hosentasche) 221 Franken* dafür bezahlt."
Pharmama: "Ja."
Kunde: "Ausser beim letzten Mal, da waren es nur noch 170 Franken.*
Und jetzt ... habe ich bei meinem Freund etwas gesehen – er sagte, das sei sein Sortis – und das hat nur noch 80 Franken* gekostet."
Pharmama: "Jaaa..."
Kunde: "Wieso?"
Pharmama: "Wieso es günstiger geworden ist?"
Kunde: "Ja. Habe ich zuviel bezahlt?"
Pharmama: "Nein – solange das Sortis noch in der Patentzeit war, war es so teuer, wie sie geschrieben haben. Etwas über 200 Franken. Jetzt ist das Patent aber abgelaufen und es kommen die Nachfolgepräparate – die sogenannten Generika. Sortis hat deshalb die Preise gesenkt ... auch als Anreiz für die Kunden, beim Sortis zu bleiben.
Die Generika sind aber trotzdem noch einiges günstiger. Sie heissen einfach anders."
Kunde: "Ah. - Und was muss ich machen, damit ich diese bekomme? Soll der Arzt mir ein neues Rezept verschreiben?"
Pharmama: "Nein, sie können das in der Apotheke in der sie das Sortis-Rezept haben einfach anmelden. Die können das gegen das Generikum austauschen. Dafür brauchen wir den Arzt nicht."
Kunde: "Und was ist mit der Krankenkasse?"
Pharmama: "Die werden sehr zufrieden mit ihnen sein :-) sie werden keine Probleme machen."
*alle Preise nur geschätzte Angaben
Medikamentöse Erpressung?
Medikamentenpreise - Preisgestaltungsunterschiede
In der Schweiz ist festgelegt (durch den Bund), wie viel jedes einzelne rezeptpflichtige Medikament kosten darf. Das ist dann auch das, was die Krankenkasse zahlt.
Ein einfaches System. ... Natürlich wird im Hintergrund hart um die Liste, in die das Medikament kommt (SL, NLP ...) und die Preisgestaltung verhandelt, denn einerseits sollte die Pharmafirma noch etwas an einem Medikament verdienen (ansonsten mag es gut sein, dass es vom Markt verschwindet) und andereseits sollte der Preis in dem Rahmen sein, dass unser Gesundheitssystem nicht Hopps geht und gänzlich unbezahlbar wird. Eine Gratwanderung, die bis jetzt zu funktionieren scheint. Mehr oder weniger ...
In Amerika scheint das anders zu funktionieren. Freie Marktwirtschaft sozusagen auch im RX Bereich.
Angebot und Nachfrage bestimmen den Preis.
So kann es sein, das etwas, das Produktionsprobleme hat, auf einmal teurer wird. Oder etwas, wo es (auf einmal) keine anderen Konkurrenzprodukte (Generika) mehr gibt (siehe die Colchicin Story).
Neustes Beispiel: Doxycyclin.
Der Preis dafür stieg vor ein paar Tagen laut einem Apotheker Blog aus Amerika von 20$ für eine 500er Packung (Amerikas Apotheken füllen das ja vor der Abgabe in kleinere Dosen um) auf über 2000$ für die 500er Packung.
Das geht offenbar auch deshalb, weil andere Stoffe, die ähnlich sind -wie zum Beispiel Tetracyclin- durch die man das Doxycyclin vielleicht ersetzen könnte schon seit Jahren nicht mehr auf dem Markt sind ... wahrscheinlich ist das auch so ein Opfer von etwas, das so günstig wurde, dass sich die Herstellung für die Firmen nicht mehr gelohnt hat.
Was die Krankenkassen in Amerika daran zahlen, weiss ich nicht ... mag sein, dass beim versicherten Kunden (es gibt immer noch mehr als genug nicht-versicherte), nur der Copay, also das, was sie selber gleich zahlen müssen, um ein paar Dollar ansteigt (gut, später steigen die Prämien an und es gibt immer mehr Einschränkungen, was jetzt noch bezahlt wird). Dagegen wird das Medikament für den Unversicherten praktisch sofort unbezahlbar.
Und das für etwas, wo die Herstellung ein paar Cent kostet.
Böse Pharmafirma? Böses System?
In begründeten Ausnahmefällen
Der Mann kommt mit einer leeren Packung Crestor und dem Wunsch „Davon hätte ich gerne wieder ein Pack.“ in die Apotheke.
Pharmama: „Sie haben sicher ein Rezept hier? Wie ist der Name?“
Mann: „Obermaier– Ich habe kein Rezept, aber ich habe von ihnen schon einmal eine Packung bekommen ohne.“
Das stimmt auch tatsächlich, wie ich dem Computerdossier entnehmen kann.
Pharmama: „Dann hat man sie sicher darauf hingewiesen, dass das eine Ausnahme war. Jetzt ... wäre das keine mehr. Ich kann ihnen ohne Rezept nicht noch eine Packung geben."
Mann: „Dann bekomme ich das hier nicht?“ (fuchtelt mit der leeren Packung)
Pharmama: „Mit Bestätigung vom Arzt schon.“
Mann: „Ich war beim Arzt. Im Juli.“
Pharmama: „Dann lassen sie ihn doch ein Dauer-Rezept faxen.“
Ich darf hier teilweise auch rezeptpflichtiges ohne Rezept abgeben. Die Zauberformel dafür heisst aber "in begründeten Ausnahmefällen" - und wie immer gibt es dann Leute, die das ausnützen müssen, bis zum geht-nicht-mehr. Auch wenn das hier ein Cholesterin-Mittel ist und nichts was missbraucht wird: Ich finde das frustrierend. Ich hoffe, er besorgt sich jetzt auch wirklich ein Rezept ... ich meine, immerhin gibt es hier auch die Option von Dauer-Rezepten, dann kann er 6 bis 12 Monate lang sein Medikament beziehen. Und hat die Sicherheit, dass alles in Ordnung ist, statt einfach selber weiterzubasteln.






