Apotheker auf dem Weg zum Impfen, 5: Kurs Injektions- und Blutentnahmetechniken

Auf-dem-Weg

Der letzte Kurs, der (mir) noch gefehlt hat für den FPH Impfen. Nach viel Theorie jetzt wieder Praxis – und wie! Das lernt man in diesem Kurs:

Theorie
  • Parenterale Arzneimittel
  • Risikogruppen, bei denen Kontraindikationen bestehen
  • In der Apotheke zugängliche Hilfsmittel
  • Schwere unerwünschte Wirkungen der Injektabilia
  • Pharmacovigilance: Meldeverfahren bei vermuteten, unerwünschten Arzneimittelwirkungen
  • Bedingungen für die Kostendeckung durch Versicherungen
  • Rechtliche Aspekte (Grundlagen, Anforderungen an Raum, Dokumentation)
  • Notfallmassnahmen bei anaphylaktischen Reaktionen
  • Anatomische und physiologische Grundlagen für Blutentnahmen
Praktische Übungen
  • Materialkunde
  • Hygienevorschriften und Desinfektion
  • Kommunikation und Umgang mit Patienten
  • Vor- und Nachbereitung einer Injektion
  • Subkutane und intramuskuläre Injektionen (am Modell und am lebenden
  • Menschen)
  • Kapillare und venöse Blutentnahmen (am Modell und am lebenden Menschen)
  • Notfallmassnahmen bei anaphylaktischen Reaktionen

Cool, nicht? Obwohl ich zugeben muss, dass ich vor diesem Kurs am meisten Angst hatte. Wie sie immer wieder betont haben: so eine Spritze ist schon ein kleiner „Eingriff“. Ich hab’s nicht so mit Spritzen. Doch ich hatte Glück – mit im Kurs sass eine Apothekerin, die da gar keine Hemmungen hatte … Familienmitglied mit Diabetes Typ 1 sei Dank. Also wurden wir instruiert, übten am Plastikarm und dann an uns selber. Spritzen für eine Impfung ist das kleinere Problem … Blutentnahme etwas mehr. Aber das können wir jetzt auch – brauchen tu ich das im Gegensatz zum Spritzen aber weniger. Sorry an meine wohl mitlesende Kollegin, der ich da noch einen blauen Fleck verpasst habe!

Das Chaos auf dem Tisch sollte nicht zu sehr irritieren. Es fällt beim üben halt viel Verbrauchsmaterial-Abfall an. In der Apotheke wird das dann alles schön ordentlich vorbereitet und sauber verabreicht. Und für den Fall, dass doch mal jemand umfällt sind wir auch gerüstet.

Das war es mit der Ausbildung – ich darf mich, nachdem ich auch das Paper erhalten habe „Trägerin des Fähigkeitsausweises FPH Impfen und Blutentnahme“ nennen. …. und alle 2 Jahre einen Refresher machen, damit ich den behalte.

Und: darf ich jetzt in der Apotheke impfen? Jaein …. kommt auf den Kanton an in dem die Apotheke steht. Und auch dann nicht alles. Mehr zur ständig wechselnden Situation findet man hier: https://www.impfapotheke.ch/

Apotheker auf dem Weg zum impfen: 1. Gesetzliches

Apotheker auf dem Weg zum impfen: 2. Fähigkeitsausweis

Apotheker auf dem Weg zum impfen: 3. BLS AED Kurs

Apotheker auf dem Weg zum impfen: 4: Kurs Impfungen

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Apotheker auf dem Weg zum impfen: 4. Kurs Impfungen

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Auf-dem-Weg

Lange habe ich nichts neues zum Thema geschrieben, dabei war ich noch nicht ganz fertig. Der Kurs zu den Impfungen fehlte noch und dann der Kurs Spritzen und Blutentnahme-techniken.

Zum Impfkurs selber: Um überhaupt zugelassen zu werden musste zu Hause Material studiert werden und dann online ein Test  gemacht werden. Den fand ich schon nicht ganz ohne. Am Tag selber wurde dann nach den Stunden Vortrag nochmals ein Test gemacht, der bestanden werden musste – ansonsten bekommt man den Ausweis für das bestehen des Kurses nicht …. den man dann braucht für den FPH Impfen.

Der Impfkurs war sehr interessant. Der Dozent Dr. Steffen hat 25 Jahre im Impfzentrum in ZH gearbeitet, ca. 500‘000 Beratungen und ca. 1 Mio Impfungen gemacht – also sehr viel Erfahrung mit dem Impfen. Es waren sehr viel Informationen, sehr kompakt aber gut herübergebracht. Für Euch habe ich ein paar „Trivia“, die ich aufgeschnappt habe und die mir teils neu waren:

Orales Polio-vakzin wurde früher in den Apotheken verabreicht. Das macht man nicht mehr: es führte (als Lebendimpfstoff) bei 1 von 1 Mio zu Lähmungen (wie die Krankheit selber). Bei pro Jahr 80‘000 Neugeborenen bedeutet das, dass alle 12 Jahre 1 Kind gefährdet ist. Und das war als Nebenwirkung zu übel, deshalb wechselte man auf IPV inaktiviert und spritzen …

Weshalb in Afghanistan/Pakistan die impfbaren Krankheiten zurückkommen: Weil der Taliban gegen Impfequipen angeht. Mit Grund (für sie jedenfalls): Ein Arzt hat vor Bin Ladens Festnahme auf den Strassen / in den Häusern Blutproben gesammelt. Angeblich zum Nachweis von Hepatitis B Antikörpern, in Wahrheit aber zur genetischen Identifizierung von Familienmitgliedern von Bin Laden. Der CIA hat das später publiziert (fies und doof!) und der Taliban hat das aufgegriffen und danach behauptet, dass Blutentnahmen schlecht sind und Impfungen sowieso dazu da seien die Fruchtbarkeit ihrer Frauen zu senken. Das führt heute dazu, dass Ärzteteams in den Gegenden angegriffen werden. Und dass Polio dort wieder auftritt. Saudi Arabien macht heute aber Druck, damit die Impfungen wieder zunehmen in Pakistan. Ansonsten wollen sie diesen keinen Zugang mehr zum jährlichen Hadsch geben.

Es gibt neu eine Malaria Impfung – gegen den Parasit, eine Novation – sie kommt in der Schweiz aber nicht in den Handel. Der Schutz der Impfung beträgt etwa 50% … was ziemlich unbefriedigend ist. Pro Jahr gibt es aber weltweit 600‘000 Todesfälle wegen Malaria, wenn man das mit Impfung in den stark betroffenen Ländern auf 300‘000 halbieren kann, dann ist das ein Erfolg.

In einer Apotheke in ZH Bellevue wurden Tropfen verkauft zur homöopathischen Malaria-Prophylaxe (!). Das führte dann (wegen Malaria) zu einigen Fällen in der Intensivstation. Selbst laut dem Präsidenten der Homöopathischen Gesellschaft der Schweiz ist Homöopathie nur therapeutisch und nicht als Prophylaxe gedacht … so wurde es von Hahnemann geplant. Aber es gibt natürlich immer welche, die das anders sehen. Manche Homöopathen geben das nach den Impfungen zum „ausleiten“ und gegen die möglichen Nebenwirkungen … dagegen ist soweit nichts einzuwenden.

Zum Thema Impfen von Gesundheitspersonal: Da war diese Reinigungskraft im ZH Spital (Tamile). In der CH ist die Prävalenz von Varicellen bei Erwachsenen ca. 90% – in den Phillipinen 30%!) Er hat sich in der CH angesteckt, hatte wenig Symptome (stille Erkrankung) und hat bei seiner Arbeit in der Intensivstation Leukämie-Kinder damit angesteckt. Das gab Todesfälle. Trotzdem gibt es auch in den Spitälern immer noch kein Impfobligatorium – aber ohne Impfschutz darf man jetzt zumindest nicht mehr auf der Intensivstation arbeiten.

Und wenn wir grad beim Arbeitsplatz sind: Lebendimpfstoffe sollen ja nicht bei Immunsupprimierten gegeben werden. Tragisches Beispiel weshalb nicht war der flight attendant (Flugbegleiter) mit HIV und CD4 < 100. Er wollte seinem Arbeitgeber nicht mitteilen, dass er HIV+ ist und ist dann an der Gelbfieberimpfung, die er für die Arbeit machen musste gestorben.

Hyperreaktion bei Überimpfung: das klassische Beispiel ist der Bauarbeiter mit häufiger Verletzung. Jedesmal, wenn der in den Notdienst geht (natürlich ohne Impfausweis) bekommt er eine Tetanusimpfung. Eine Hyperreaktion äussert sich als starke Reaktion auf die Impfung mit über 39 Grad Fieber, stark gerötetem und schmerzhaftem Arm. Das dauert dann über eine Woche. Ansonsten tritt Überimpfung aber kaum auf.

 

Grippe: Wie weit so eine Ansteckung via Luft bei zum Beispiel Grippe ist, ist länderspezifisch: Übertragungsdistanz für Grippetröpfchen laut BAG 1 m, in den USA: 6 foot = 1.5m…

Todesfälle Grippe: 400-1500 pro Jahr in der CH. Auf die Zahlen kommt man aber hauptsächlich durch die Statistische Auswertung der „Übersterblichkeit“. 2009 bei der Schweinegrippeepidemie wurde tatsächlich getestet. Die so bestätigte Todeszahl lag bei 20. (Das bedeutet nicht, dass an der Grippe tatsächlich nur so wenige sterben – das sind wirklich nur die bestätigten Zahlen für H1N1).

Ein Pandemie-Virus kann überall entstehen … und es gibt keine Früh-Warn-Mechanismen. Bei der Schweinegrippe war man nach ersten Berichten von 4% Letalität ausgegangen. Bei 1 Mio Erkrankten (üblich bei einer Grippeepidemie) wären das in der Schweiz 40‘000 Tote! – zum Glück war es dann doch nicht so arg.

Zu spezifischen Impfungen: Die Zoster-Impfung (gegen Gürtelrose) ist in der CH nicht mehr erhältlich, da die Firmen vorher in die USA / GB liefern … wo die Impfungen teurer sind. Die Firmen sind frei, sie dorthin zu liefern, wohin sie wollen (und nicht wohin sie gebraucht werden).

Impfungen müssen gekühlt werden. Die Berna hat früher Vivotif per Post Express versendet. Die Post legte diese Päckchen (weil wichtig) im Auto neben den Fahrer … unter die Windschutzscheibe. Irgendwann hat man dann Messthermometer mitgeschickt. Bei einer dieser Messungen wurden Temperaturen über 70 Grad gemessen (!). Danach hat man das nicht mehr so gemacht. Die Berna gibt es nicht mehr …

Triviathel – diese Impfung gegen Mumps hatte eine zu schwache Impfkomponente. Heute gibt es sie nicht mehr und die Impfprogramme am Computer rechnen sie nicht an = gilt wie gar nicht geimpft.

Hepatitis B-Impfung: je älter, je adipöser und womöglich noch Raucher, desto mehr ist die Immunantwort nach der Impfung verringert. Ab 20 Jahren nimmt sie ab. Gilt für die Grundimpfung und Booster. Der Dozent hat vor 30 Jahren 11 (!) Impfungen gebraucht um den benötigten Titer von 100 UIE zu erreichen. Normalerweise reichen 3-4 Impfungen für einen lebenslangen Schutz. Nach 2 Dosen rechnet man mit ca. 60% Schutz. Wenn der Titer bei Hepatitis B nicht erreicht wird: 1. Impfstoff wechseln (hilft häufig), 2. Japanische Methode: 1/10 Impfstoff intracutan

… letzteres wird noch toll, denn die Voraussetzung für den nächsten Kurs: Imjektion und Blutentnahme ist ein genügend hoher Hep B Titer Voraussetzung. Ich muss zum Arzt das testen lassen … und im schlimmsten Fall nachimpfen.

Weitere Artikel in der Reihe (zum nachlesen: ist schon eine Weile her):

Apotheker auf dem Weg zum impfen: 1. Gesetzliches

Apotheker auf dem Weg zum impfen: 2. Fähigkeitsausweis

Apotheker auf dem Weg zum impfen: 3. BLS AED Kurs

 

Ist Fieber gefährlich?

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„Ist Fieber gefährlich?“ fragt letztens der Kinderarzt (KA) in der Weiterbildung für Apotheker.

Allgemeine Unsicherheit.

KA: „Okay. Fragen wir mal anders. Ist eine Körpertemperatur von 38 Grad gefährlich? Hände hoch, wer das glaubt.“

(Keine Hände oben)

„39 Grad?“

Immer noch keine.

„40 Grad??“

Ein paar zögerliche

„41 Grad???“

Ein paar mehr.

KA: „Okay. Also – Was passiert denn bei hohem Fieber?“

Eine unsichere Stimme antwortet: „Da denaturieren Proteine im Gehirn.“

KA: „Ah ja. Die Standardantwort aus dem Textbuch.

Hat denn irgendjemand hier schon einmal jemanden mit so denaturierten Proteinen gesehen?“

Alle schauen sich an. Nö. Kopfschütteln.

KA: „Ich auch nicht – in meinen über 20 Jahren bisher. Einzige Ausnahme war das Baby, das mehrere Stunden im geschlossenen Auto in der Sonne stand. Das war bei über 60 Grad faktisch gekocht worden. Aber von Fieber? Nein.“

Der Körper setzt dem Fieber auch eine Grenze nach oben. Über 41 Grad geht es eigentlich nicht.

Also man muss Fieber nicht grundsätzlich senken. Es ist auch an sich nichts schlechtes – es hilft dem Körper bei der Infektabwehr.

Fieber senken kann man, wenn das einen sehr erschöpft.

Zum Arzt sollte man, wenn Begleiterscheinungen wie Schmerzen, Hautausschlag oder neurologische Beschwerden dazu kommen. Unbedingt sollte man bei kleinen Kindern abklären, woher es kommt – also unter 6 Monaten immer zum Arzt.

Kinder, die zu Fieberkrämpfen neigen, gibt man fiebersenkende Mittel – wobei hier nicht das Fieber selber die Krämpfe auslöst, sondern der (schnelle) Anstieg oder Abfall desselben.

Noch ein paar Worte zur Fiebermessung:

Am genausten ist die Messung rektal – also im After. Das entspricht der Kerntemperatur.

Messung sublingual (also im Mund) gibt Werte die 0.3 – 0.5 Grad niedriger liegen – und wenn man bis 15 Minuten vorher etwas kaltes trinkt stimmt das auch nicht mehr.

Messung unter den Achseln ist mindestens – 0.5 Grad niedriger … und so ungenau, dass man das eigentlich gar nicht machen sollte.

Messung im Ohr mittels Ohrthermometer gibt recht genaue Werte … vorausgesetzt man bedient das Gerät richtig, nicht zuviel Ohrenschmalz oder einen Knick im Gehörgang.

Werbung, Weiterbildung und Wahrheit

Letztens hatten ich eine Weiterbildung mit dem Thema Gelenkgesundheit – sehr interessant, sehr unterhaltsam gebracht von Dr. H. Spring (Aerztlicher Direktor Rehazentrum und Swiss Olympic Medical Center. Sportmedizinischer Dienst Swiss Ski.  Leukerbad). Wir erfuhren einiges über Arthrose, Arthritis, Sportverletzungen und Gelenke im allgemeinen.

Gesponsert wurde das Ganze von der Novartis anlässlich der Markteinführung von Voltaflex plus+.

Dementsprechend kamen dann auch Studien zu den Inhaltsstoffen Chondroitinsulfat und Glucosamin respektive deren Wirkung auf den Knorpelerhalt.

Offensichtlich funktioniert das tatsächlich – wenn man es früh genug nimmt, denn es kann Knorpel nur erhalten und schützen, aber nicht neuen Knorpel aufbauen.

Soweit so gut, nur fällt bei genauer Betrachtung auf dass die ganzen Studien mit 1500mg/Tag Glucosamin oder 800-1200mg/Tag Chondroitinsulfat durchgeführt wurden – und Voltaflex plus+ enthält „nur“ 500mg Glucosamin und 400mg Chondroitinsulfat  etwa 1/3 der in den Studien verwendeten Wirkstoffmengen.

Darauf wies der Arzt auch (erstaunlich) deutlich hin. Die Novartis wird’s vielleicht nicht ganz so gefreut haben.

Ein Patient müsste also 2-3 Tabletten täglich nehmen.

Auf der Packung (und in der Packungsbeilage) steht aber:

Täglich 1 Tablette schlucken.

Und: Die angegebene empfohlene Tagesdosis darf nicht überschritten werden.

Wieso? Weil die Novartis das Produkt nicht bei der swissmedic als Arzneimittel, sondern bei der BAG als Nahrungsergänzungsmittel angemeldet hat. Das ist einiges günstiger, sie müssen keine eigenen teuren Studien über die Wirksamkeit einreichen und sie können Werbung dafür machen.

Nachteil: es wird nicht von den Krankenkassen übernommen und sie dürfen verschiedene Sachen nicht draufschreiben (z.B. eine höhere Dosierung oder für was es genau ist).

Es bleibt an uns Apothekern, das den Kunden beizubringen.

Nun gut, Produktewerbung war also vom Fachvortrag genügend getrennt – wie es in den Vorschriften der FPH so heisst.

Etwas amüsant fand ich aber die Eigenwerbung, die der Arzt am Rande noch machte für Leukerbad, seinen videoblog und Bücher. („Die 10 besten Übungen für …“ )