Wohin damit?

Coloured condoms
Image via Wikipedia

Wir haben zu einer Kondom-Bestellung einen ganzen Haufen einzelne Kondom-muster mitgeschickt bekommen. Nicht die gewöhnlichen, sondern „Performa“ – mit …ah, verlängernder Wirkung und „Senses“: genoppt, gerippt …

Und dann ging die Diskussion los, wo wir die jetzt hinstellen?

Wenn wir sie offen zu den Kondomen selbst stellen, dann gibt es einige, die sich hampfelweise Muster einpacken und keine mehr kaufen.

Wenn wir sie offen neben die Kasse stellen – traut sich dann noch jemand, die zu nehmen?

Sie selbst an die Kunden zu verteilen … ah, lieber nicht.

Woanders machen sie nicht viel Sinn. – Oder hat sonst noch jemand eine Idee?

Im Moment stehen sie also neben der Kasse. Sie werden weniger, nicht gerade rasch, aber … immerhin. Ich selbst habe nur zwei mal jemanden welche nehmen sehen. Ein netter junger Mann mit Rezept, der auch noch fragte, ob er einen haben darf (klar!). Und eine mittelalte Frau, die fand: „da nehme ich ein paar für meinen Sohn mit!“ …

Wo würdet ihr sie denn hinstellen?

Ah. Ähh, Iiih.

Junge Kundin kommt und drückt der Pharmaassistentin eine Packung Nuvaring in die Hand: „Ich brauche eine neue Packung von denen, mein Dauerrezept ist hier.“
Die Pharmaassistentin merkt, dass noch etwas drin ist: „Da ist aber noch ein Ring drin!“
Kundin (unbeeindruckt): „Ja, das ist mein alter.“
…
Ah, ja. (Iiiih). Kann ich den ihnen entsorgen?

Für diejenigen, die das nicht wissen sollten: der Nuvaring ist ein Silikonring, der als Verhütungsmethode in die Scheide eingeführt wird und während 3 Wochen dort bleibt, wobei er kontinuierlich niedrigdosiert Hormone abgibt. So einen zurückzugeben (und zwar nicht im Rahmen von „alte Medikamente zum entsorgen“) ist ein bisschen, wie wenn man ein gebrauchtes Kondom in der Schachtel gibt und sagt: „Ich hätte gerne wieder solche“

„die Pille“ und Wechselwirkungen

Orale hormonelle Kontrazeption (OC) – oder „die Pille“ ist die am häufigsten gebrauchte Verhütungsmethode.

Es gibt noch andere Verhütungsmethoden: Vaginalring. Hormonpflaster, Östrogenfreie Ovulationshemmer, Kupferspirale, Hormonspirale, Minipille, Dreimonatsspritze, Hormonimplantat, Kondome, Pille danach (letzteres nur als Notfall).

Die Wirksamkeit oraler Kontrazeptiva ist bei korrekter Anwendung mit einem Pearl Index < 1 sehr viel höher als die anderen Verhütungsmethoden.

Trotzdem kommt es gelegentlich zu „Versagern“, einerseits, wenn sie nicht richtig genommen werden, andererseits, wegen Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten – und an diese muss man denken – wir in der Apotheke, aber auch die Patientin selbst, die die Pille oder eine andere hormonelle Verhütungsmethode verwendet:

Diese Interaktionen sind wesentlich bei Oralen Kontrazeptiva, Hormonimplantaten, Pflaster und Vaginalring:

Antibiotika, Chemotherapeutika, Antimalariamittel:
Diese sind verantwortlich für viele ungewollte Schwangerschaften.
Sie beeinträchtigen die Wirkung der Verhütung, wobei  der Mechanismus nicht restlos geklärt. Störung des enterohepatischen Kreislaufs, und wenn sie Durchfall machen (eine häufige Nebenwirkung) ist die Aufnahme in der Körper gestört.

Bei Antibiotika-Therapie ist neben der „Pille“ eine zusätzliche Anwendung nichthormonaler Methoden für die Zeit der Anwendung, sowie bis zu (7-) 14 Tagen danach zu empfehlen.

Probleme machen:

  • Penicilline (Amoxicillin, Pieperacillin, Benzylpenicillin, Phenoxymethylpenicillin, Flucloxacillin, Clavulansäre, Tazobactam)
  • Tetracycline (Doxycyclin, Minocyclin, Demeclocyclin,Lymecyclin, Tigecyclin)
  • Cephalosporine (Cefaclor, Cefazolin, Cefuroxim, Cefamandol, Cefotaxim, Ceftriaxon, Cefixim, Ceftibuten, Cefpodoxim, Ceftazidim, Cefprozil, Cefepim, Ceftobiprol)
  • Chloramphenicol
  • Sulfonamide (Sulfadiazin, Sulfamethoxazol – Cotrimoxazol, Sulfasalazin)
  • Nitroimidazole (Metronidazol, Ornidazol, Tinidazol)

Bei Makrolid AB (Azithromycin, Clarithromycin, Erythromycin, Roxithromycin, Spiramycin) ist die Datenlage nicht restlos geklärt

Tuberkulostatika
Rifampicin (zusätzlich noch Enzyminduktion, also werden die Hormone schneller abgebaut)

Antimykotika:
Griseofulvin

Antidepressiva:
Imipramin: (auch wegen Verstärktem Abbau)

Antihistaminika
Cimetidin– (auch wegen Verstärktem Abbau)

Antiepileptika:
Sind Enzyminduktoren (CYP3A4) und erhöhen den Abbau der Steroide in der Leber und im Gastrointestinaltrakt. Verminderter kontrazeptiver Schutz.

Müssen diese genommen werden, muss eine Barriere-Methode zur Verhütung bis 28 Tage nach Absetzen angewendet werden. Das ist wegen der Dauer-anwendung oft nicht möglich, dann kann man als Alternative eine Pille nehmen mit höherem Östrogengehalt. Oder ein anderes Antiepileptikum wählen.

Wirksamkeit der Pille vermindert bei: Carbamazepin, Phenobarbital, Primidon, Phenytoin, Oxacarbazepin, Felbamat, Topiramat(?).

Wirkung nicht beeinträchtigt bei: Valproat, Gabapentin, Levetriacetam, Lamotrigin, Tiagabin, Vigabatrin

Johanniskraut und Kontrazeptiva
Ein bisschen ein Streitthema, ob das jetzt wirklich einen Einfluss hat. In der Kombination traten vermehrt Zwischenblutungen auf. Abnahme der kontrazeptiven Wirkung ist wahrscheinlich.
Also: andere kontrazeptive Massnahmen (andere Verhütungsmittel wie Kondom, Spirale etc) oder andere psycho-pharmakologische Massnahmen (andere Therapie der Depression).

Und dann gibt es noch andere Einflüsse, die die Wirksamkeit der oralen Kontrazeptiva herabsetzen:

Magenetzündungen, Darmentzündungen, Zöliakie, Morbus Crohn, Mukoviszidose
Schädigen Magen- und Darm-Schleimhaut, Verringerte Resorption, verringerte Serumspiegel

Durchfall, Erbrechen: Verringerte Aufnahme im Darm, verringerte Serumspiegel

Starkes Untergewicht, Kohlenhydratarme und proteinreiche Diät – führen zu erhöhter Aktivität der P450 Enzyme, also stärkerem Abbau der OC

Rauchen: Induktion der P450 Enzyme

…

Alle Angaben ohne Gewähr…  Habe ich noch etwas vergessen?

Zuckerpillen und Verhütung

junge Kundin: „Ich nehme neu die Pille Qlaira zum verhüten … und jetzt habe ich gelesen, dass die letzten 2 Tage darin Zuckerpillen sind – sollte ich während der Zeit eine andere Form des Empfängnisschutzes verwenden?“

Nein. der Empfängnisschutz ist auch in dieser Zeit gegeben – wie in der 7 Tage Pillenpause bei den üblichen Pillen auch.

Aber mir ist 10mal lieber, sie fragt, als wenn sie es einfach falsch anwendet – so wie der Teeny aus Amerika, die (auch bei Qlaira) gefragt hat: „Kommt es eigentlich drauf an, in welcher Reihenfolge man die Pillen nimmt?“ – und mit dabei hat sie eine Packung in der an verschiedensten, zufälligen Orten die Pillen herausgenommen wurden …

Arrrrhgh!

Gedanken am Montagmorgen

Wieso fangen eigentlich so viele Pillennamen mit „M“ an?
Und: ist das nur in der Schweiz so?
Da haben wir Marvelon, Meliane, Meloden, Mercilon, Microgynon, Milvane, Minerva, Minesse, Minulet, Miranova, Mirelle, Myvlar …. habe ich eine vergessen?

Im Vergleich zu den anderen Buchstaben des Alphabetes haben wir hier eine enorme Überzahl.

Hmmmm ….