Ah. Ähh, Iiih.

Junge Kundin kommt und drückt der Pharmaassistentin eine Packung Nuvaring in die Hand: „Ich brauche eine neue Packung von denen, mein Dauerrezept ist hier.“
Die Pharmaassistentin merkt, dass noch etwas drin ist: „Da ist aber noch ein Ring drin!“
Kundin (unbeeindruckt): „Ja, das ist mein alter.“

Ah, ja. (Iiiih). Kann ich den ihnen entsorgen?

Für diejenigen, die das nicht wissen sollten: der Nuvaring ist ein Silikonring, der als Verhütungsmethode in die Scheide eingeführt wird und während 3 Wochen dort bleibt, wobei er kontinuierlich niedrigdosiert Hormone abgibt. So einen zurückzugeben (und zwar nicht im Rahmen von „alte Medikamente zum entsorgen“) ist ein bisschen, wie wenn man ein gebrauchtes Kondom in der Schachtel gibt und sagt: „Ich hätte gerne wieder solche“

„die Pille“ und Wechselwirkungen

Orale hormonelle Kontrazeption (OC) – oder „die Pille“ ist die am häufigsten gebrauchte Verhütungsmethode.

Es gibt noch andere Verhütungsmethoden: Vaginalring. Hormonpflaster, Östrogenfreie Ovulationshemmer, Kupferspirale, Hormonspirale, Minipille, Dreimonatsspritze, Hormonimplantat, Kondome, Pille danach (letzteres nur als Notfall).

Die Wirksamkeit oraler Kontrazeptiva ist bei korrekter Anwendung mit einem Pearl Index < 1 sehr viel höher als die anderen Verhütungsmethoden.

Trotzdem kommt es gelegentlich zu „Versagern“, einerseits, wenn sie nicht richtig genommen werden, andererseits, wegen Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten – und an diese muss man denken – wir in der Apotheke, aber auch die Patientin selbst, die die Pille oder eine andere hormonelle Verhütungsmethode verwendet:

Diese Interaktionen sind wesentlich bei Oralen Kontrazeptiva, Hormonimplantaten, Pflaster und Vaginalring:

Antibiotika, Chemotherapeutika, Antimalariamittel:
Diese sind verantwortlich für viele ungewollte Schwangerschaften.
Sie beeinträchtigen die Wirkung der Verhütung, wobei  der Mechanismus nicht restlos geklärt. Störung des enterohepatischen Kreislaufs, und wenn sie Durchfall machen (eine häufige Nebenwirkung) ist die Aufnahme in der Körper gestört.

Bei Antibiotika-Therapie ist neben der „Pille“ eine zusätzliche Anwendung nichthormonaler Methoden für die Zeit der Anwendung, sowie bis zu (7-) 14 Tagen danach zu empfehlen.

Probleme machen:

  • Penicilline (Amoxicillin, Pieperacillin, Benzylpenicillin, Phenoxymethylpenicillin, Flucloxacillin, Clavulansäre, Tazobactam)
  • Tetracycline (Doxycyclin, Minocyclin, Demeclocyclin,Lymecyclin, Tigecyclin)
  • Cephalosporine (Cefaclor, Cefazolin, Cefuroxim, Cefamandol, Cefotaxim, Ceftriaxon, Cefixim, Ceftibuten, Cefpodoxim, Ceftazidim, Cefprozil, Cefepim, Ceftobiprol)
  • Chloramphenicol
  • Sulfonamide (Sulfadiazin, Sulfamethoxazol – Cotrimoxazol, Sulfasalazin)
  • Nitroimidazole (Metronidazol, Ornidazol, Tinidazol)

Bei Makrolid AB (Azithromycin, Clarithromycin, Erythromycin, Roxithromycin, Spiramycin) ist die Datenlage nicht restlos geklärt

Tuberkulostatika
Rifampicin (zusätzlich noch Enzyminduktion, also werden die Hormone schneller abgebaut)

Antimykotika:
Griseofulvin

Antidepressiva:
Imipramin: (auch wegen Verstärktem Abbau)

Antihistaminika
Cimetidin– (auch wegen Verstärktem Abbau)

Antiepileptika:
Sind Enzyminduktoren (CYP3A4) und erhöhen den Abbau der Steroide in der Leber und im Gastrointestinaltrakt. Verminderter kontrazeptiver Schutz.

Müssen diese genommen werden, muss eine Barriere-Methode zur Verhütung bis 28 Tage nach Absetzen angewendet werden. Das ist wegen der Dauer-anwendung oft nicht möglich, dann kann man als Alternative eine Pille nehmen mit höherem Östrogengehalt. Oder ein anderes Antiepileptikum wählen.

Wirksamkeit der Pille vermindert bei: Carbamazepin, Phenobarbital, Primidon, Phenytoin, Oxacarbazepin, Felbamat, Topiramat(?).

Wirkung nicht beeinträchtigt bei: Valproat, Gabapentin, Levetriacetam, Lamotrigin, Tiagabin, Vigabatrin

Johanniskraut und Kontrazeptiva
Ein bisschen ein Streitthema, ob das jetzt wirklich einen Einfluss hat. In der Kombination traten vermehrt Zwischenblutungen auf. Abnahme der kontrazeptiven Wirkung ist wahrscheinlich.
Also: andere kontrazeptive Massnahmen (andere Verhütungsmittel wie Kondom, Spirale etc) oder andere psycho-pharmakologische Massnahmen (andere Therapie der Depression).

Und dann gibt es noch andere Einflüsse, die die Wirksamkeit der oralen Kontrazeptiva herabsetzen:

Magenetzündungen, Darmentzündungen, Zöliakie, Morbus Crohn, Mukoviszidose
Schädigen Magen- und Darm-Schleimhaut, Verringerte Resorption, verringerte Serumspiegel

Durchfall, Erbrechen: Verringerte Aufnahme im Darm, verringerte Serumspiegel

Starkes Untergewicht, Kohlenhydratarme und proteinreiche Diät – führen zu erhöhter Aktivität der P450 Enzyme, also stärkerem Abbau der OC

Rauchen: Induktion der P450 Enzyme

Alle Angaben ohne Gewähr…  Habe ich noch etwas vergessen?

Zuckerpillen und Verhütung

junge Kundin: „Ich nehme neu die Pille Qlaira zum verhüten … und jetzt habe ich gelesen, dass die letzten 2 Tage darin Zuckerpillen sind – sollte ich während der Zeit eine andere Form des Empfängnisschutzes verwenden?“

Nein. der Empfängnisschutz ist auch in dieser Zeit gegeben – wie in der 7 Tage Pillenpause bei den üblichen Pillen auch.

Aber mir ist 10mal lieber, sie fragt, als wenn sie es einfach falsch anwendet – so wie der Teeny aus Amerika, die (auch bei Qlaira) gefragt hat: „Kommt es eigentlich drauf an, in welcher Reihenfolge man die Pillen nimmt?“ – und mit dabei hat sie eine Packung in der an verschiedensten, zufälligen Orten die Pillen herausgenommen wurden …

Arrrrhgh!

Gedanken am Montagmorgen

Wieso fangen eigentlich so viele Pillennamen mit „M“ an?
Und: ist das nur in der Schweiz so?
Da haben wir Marvelon, Meliane, Meloden, Mercilon, Microgynon, Milvane, Minerva, Minesse, Minulet, Miranova, Mirelle, Myvlar …. habe ich eine vergessen?

Im Vergleich zu den anderen Buchstaben des Alphabetes haben wir hier eine enorme Überzahl.

Hmmmm ….

Plan B hat fehlgeschlagen …

Aus Amerika:
Im Dossier einer Kundin:

Monat 1 – Pille danach (Plan B genannt)
Monat 2 – Pille danach
Monat 3 – Pille danach
Monat 4 – Pille danach
Monat 5 – Pille danach
Monat 6 – Pille danach
Monat 7 – Itinerol und Elevit … (Mittel gegen Schwangerschaftsübelkeit und pränatale Vitamine)

Die Medikamentennamen habe ich angepasst – aber der Effekt bleibt der gleiche. … Die Pille danach ist halt wirklich nur als Notfallverhütung gedacht … unter anderem auch, weil die Wirksamkeit schlechter ist als die einer normalen Pille.
Bei der normalen Pille haben wir einen Pearl index von 0.2 bis 0.5, (der Pearl index gibt an, wieviel von 100 Frauen, die diese Verhütungsmethode ein Jahr lang verwenden schwanger werden) – eigentlich wäre er praktisch 0, aber Einnahmefehler und Wirkverlust bei Durchfall etc. erhöhen den Wert etwas.
Bei der Pille danach haben wir eine Wirksamkeit, die mit der Zeit, die zwischen ungeschütztem Geschlechtsverkehr und Einnahme vergeht, abnimmt: ca. 95% Wirksamkeit innerhalb von 24 Stunden, ca. 85% innerhalb von 24–48 Stunden, ca. 58% bei Anwendung innerhalb von 48 bis 72 Stunden – nach dieser Zeit wird die Anwendung nicht mehr empfohlen. Einen offiziellen Pearl index gibt es nicht – weil sie ja nicht regelmässig angewendet werden soll. Auf einer Seite habe ich ihn als zwischen 1-5 liegend angegeben gefunden – persönlich denke ich, er könnte höher liegen.

Da wundert es einen nicht, wenn halt bei solchen „Daueranwendern“ mal eine Schwangerschaft auftritt …

Hier kann man mehr Erfahrungen mit der Pille danach lesen