von Stefan – pedestrian flâneur geographer photographer stroller tourist
Apotheken haben oft zwei Seiten. Die zweite hat manchmal ihren eigenen Charme.
von Stefan – pedestrian flâneur geographer photographer stroller tourist
Apotheken haben oft zwei Seiten. Die zweite hat manchmal ihren eigenen Charme.
Und nochmal von tiefblau aus Zürich:

kleine, feine, aussen traditionelle, innen moderne Quartierapotheke. I like!
tiefblau hat uns (passend zum Nationalfeiertag) Apotheken aus der Schweiz geschickt:
wir sind gerade von einem kurzem Urlaub in der Schweiz zurückgekommen, ich hab dir ein paar Apothekenfotos mitgebracht – schöne und weniger besondere. Diese sind alle in Zürich zu finden.
Das ist ein Versuch einer Zusammenstellung – keinesfalls vollständig, denn es ist oft schwer an Info zu kommen.
In der Schweiz gibt es ca. 1750 Apotheken, darunter unabhängige Apotheken (vom Aussterben betroffen, aber vorhanden), Gruppierungen und Apothekenketten. Der Trend geht eindeutig in Richtung Gruppierungen und Ketten – man fusioniert und schliesst sich zusammen, um im schwierigen Umfeld des Gesundheitssystems heute bessere Einkaufsbedingungen zu erlangen, um gemeinsam Werbung zu machen und Aktionen. Die Apotheke heute ist kein automatisch gut laufendes Geschäft mehr, Margen und Medikamentenpreise sinken und um zu rentieren, respektive Gewinn zu machen, müssen (neue) Dienstleistungen gefunden und Zusatzsortimente wie Drogerieartikel, Kosmetik und Reform angeboten werden.
Gruppierungen ca. 1‘100 Apotheken
Z.B. Toppharm, Feelgood’s, carteplus, Rotpunkt Apotheken, fortis, Spaziosalute, automedication.ch Salveo, Pharmavital, pharmapartners, Grüneck Apotheken,
Apothekenketten: ca. 350 Apotheken
z.Bsp. Amavita, Apotheken Drogerien Dr. Bähler, Topwell, Capitole, Sunstore, Coop vitality, pill apotheken, Pharmacie Populaire, Pharmacie Principale
Unabhängige Apotheken ca. 300
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Die Gruppierungen: Das sind die Apotheken, die sich zusammengeschlossen haben, um gemeinsam einzukaufen (gibt etwas bessere Konditionen) und gemeinsam Werbung zu machen (ist günstiger im Grossauftrag). Die einzelnen Apotheken gehören aber unterschiedlichen Personen.
Die richtigen Ketten sind, die, wo mehrere Apotheken demselben Besitzer gehören. Die einzelne Apotheke wird von Verwaltern geleitet, die einen Vertrag mit dem Besitzer haben müssen, der ihnen Unabhängigkeit zusichert was Entscheidungen über die Medikamente etc. angeht.
Es gibt sehr unterschiedliche Ketten – am besten zu sehen an der Philosophie ihrer Besitzer.
Sunstore (um mal unten anzufangen ….) ist eine wahre Discountapothekenkette, gehörte ursprünglich einem Drogisten. Sie sind nicht Mitglied des SAV (schweizerischen Apothekerverbandes) und halten sich nicht an deren Qualitative und moralische Vorgaben. Zuletzt wurden sie von der Galenika aufgekauft und gehören so jetzt wohl auch zu den …
Amavita und Coop vitality Apotheken. Beide sind Eigentum der Galenika, die als Grossist angefangen hat – als Medikamentenzulieferer für Apotheken. Dann haben sie angefangen einige Medikamentenhersteller aufzukaufen (z.B.) Vifor und dann reihenweise Apotheken zu übernehmen oder neu aufzumachen – vorzugsweise an stark frequentierten Stellen (egal, ob es da schon andere in der Nähe hat) wie Einkaufszentren und in Städten. Dies ist die grösste Kette und die Einflussreichste. Auch ihre Apotheken sind nicht Mitglied beim SAV – auch wenn die einzelnen Apotheker die dort arbeiten das durchaus sein können.
Die Topwell Apotheken wurden tatsächlich als Genossenschaften in Zürich und in Winterthur von einer Krankenkasse gegründet. 2005 fusionierten die beiden Genossenschaften zu einer Unternehmensgruppe. Auch hier: gemeinsamer Einkauf und Werbung bieten Vorteile. Ob sie Mitglied beim SAV sind, weiss ich nicht.
Apotheken Drogerien Dr. Bähler – hier haben wir eine Kette die von einem Apotheker gegründet worden ist und immer noch geleitet wird. Nach aussen treten sie recht dezent auf unter dem Namen Achillea. Sie sind Mitglied des SAV. Vor relativ kurzem wurde von ihnen die Dropa übernommen und neu die Impuls – das sind beides Gruppierung der Drogisten – das Ziel hier wohl auch eine Verbesserung der Einkauf- und Werbemöglichkeiten.
Von den anderen Ketten weiss ich zuwenig, da sie v.a. im französischsprechendem Raum sind. Wenn jemand Informationen hat: nur her damit!
Ein wichtiger Aufruf von Nicoretta:
Liebe Leser von Pharmamas Blog,
Pharmama hat uns in ihrem Blog schon über „Die Folgen der Selbstdispensation“ informiert und uns auch erklärt „Warum es Apotheker braucht“. Aus aktuellem Anlass werde ich diese Themen nun in einem Gastbeitrag nochmals kurz aufgreifen:
Ärzte und Apotheker geniessen unterschiedliche medizinische Ausbildungen und haben deshalb logischerweise auch unterschiedliche Fachkompetenzen. Der Arzt ist der Spezialist für die Diagnose und die Behandlung; der Apotheker kennt sich mit der Pharmakologie und der Galenik bestens aus und kümmert sich um die Versorgung des Patienten mit Medikamenten. Die beiden Leistungserbringer des Gesundheitswesens ergänzen sich also optimal und erhöhen durch ihre Zusammenarbeit die Patientensicherheit und die Qualität der Therapie.
Die Selbstdispensation stört das gute Verhältnis und die Zusammenarbeit zwischen (Haus-)Ärzten und Apothekern empfindlich, weil sie aus jahrhundertealten Partnern Konkurrenten macht. Und genau deshalb ist folgendes internationaler Standard: Wer verschreibt, der gibt nicht ab! Dies soll auch falsche finanzielle Anreize bei der Verschreibung verhindern und wird deshalb zum Beispiel auch vom Preisüberwacher gefordert.
Dennoch haben die aargauer Ärzte anfangs dieses Jahres eine Volksinitiative lanciert („Ja zur ärztlichen Medikamentenabgabe“), um das Selbstdispensations-Verbot im Aargau an der Urne aufheben zu lassen.
Sollte der Aargau ein Selbstdispensations-Kanton werden, so werden viele Apotheken schliessen müssen. Dann wird man sich dort auch keine Medikamente für die Selbstmedikation mehr kaufen können. Besonders die Apotheke im Dorf wird es treffen, so dass das gute Apothekennetz im Aargau geschwächt wird ohne, dass neue Hausärzte dazu kommen! Denn die ärztliche Selbstdispensation löst das aktuelle Problem des Hausärztemangels nicht.
Die Apotheken haben im Gesundheitswesen der Schweiz noch andere Aufgaben als die Abgabe von Medikamenten auf Rezept: Sie bieten zum Beispiel ohne Voranmeldung eine gratis Beratung durch eine Medizinalperson und entlasten so die Hausärzte von Bagatellfällen. Ausserdem beliefern sie Heime, bieten einen 24-h-Notfalldienst an, machen Hauslieferungen und bestellen fehlende Medikamente innerhalb eines halben Arbeitstages.
Bezieht man seine Medikamente beim Arzt verzichtet man auf eine doppelte Kontrolle (4-Augen-Prinzip) und eine unabhängige Zweitmeinung durch eine Medizinalperson, nämlich den Apotheker. Ausserdem muss man bei jedem Bezug beim Arzt normalerweise auch eine Konsultation bezahlen; das lohnt sich besonders bei Langzeittherapien nicht.
Deshalb haben die aargauer Apotheker nun ihre eigene Initiative gestartet: „Miteinander statt Gegeneinander“! . Diese will die Zusammenarbeit von Apothekern und Ärzten, aber auch anderen Berufsgruppen im Gesundheitswesen fördern und das Selbstdispensations-Verbot aufrecht erhalten, was hoffentlich auch Kosten sparen wird.
Ich bitte nun all jene Leser die im Aargau stimmberechtigt sind, in eine Apotheke im Aargau zu gehen und dort für unsere Initiative zu unterschreiben, damit wir auch in Zukunft noch für unsere Patienten da sein können.
Eure Nicoretta
Dazu kann ich nur sagen: Mitmachen! Wer im Aargau wohnt und auch weiterhin eine gute Zusammenarbeit von Arzt und Apotheker will und eine gutes und zahlbares Gesundheitssystem, der unterschreibe die Petition. Entweder direkt in einer Aargauer Apotheke, oder man kann auf der „Miteinander statt Gegeneinander“ – Seite das Formular herunterladen und selbst Unterschriften sammeln.
