Unleserlich

Kunde am Telefon: „Ich habe ein Rezept für ein Medikament, könnten sie mir sagen, wie viel das kostet?“

Pharmaassistentin: „Ja, natürlich, was ist es denn?“

Kunde: „Rhin… ääh…“

Pharmaassistentin: „Vielleicht Rhinocort oder Rhinopront?“

Kunde: „Ich weiss nicht, ich kann es nicht lesen!“

….

Dass Arztrezepte des öfteren mies bis katastrophal geschrieben sind ist ein Problem – in dem Fall zwar mehr für den Kunden als für uns. :-)

Was bedeutet …? (2)

hier, wie versprochen der 2. Teil der häufig benutzten Begriffe:

Dauerrezept:

Ein Rezept, das zu mehr als einem Bezug des Medikamentes berechtigt. Ein Dauerrezept ist im Normalfall 6 Monate nach Austellungsdatum gültig – während dieser Zeit kann man die Menge Medikamente beziehen, die man braucht. In Ausnahmefällen kann ein Dauerrezept auch kürzer (ein paar Wochen) oder länger (bis maximal ein Jahr) sein, aber dann muss der Arzt das explizit angeben. Manchmal gibt er auch nur die Anzahl Packungen an, die man beziehen darf – so z.B. bei Pillenrezepten.

Betäubungsmittelrezept:

Gewisse Medikamente, die ein Suchtpotential haben, dürfen nur mit speziellen Formularen verschrieben werden. Das Betäubungsmittelrezept besteht aus 3 Teilen: ein gelber Teil, der beim Arzt bleibt, ein weisser Teil, der in der Apotheke bleibt und ein rosa Teil, das an die Krankenkasse geht (oder den Patienten selbst, wenn es Selbstzahler ist). Der Grund ist, dass die Medikamente auf diesem Rezept streng kontrolliert werden. Jede Bewegung eines solchen Betäubungsmittels wird mehrfach protokolliert und wir müssen Ende Jahr jeweils Rechenschaft ablegen über jedes einzelne Medikament.

Ein Betäubungsmittelrezept darf auch nur ein Medikament darauf stehen haben (aber ev. In verschiedenen Dosierungen, z.B. Durogesic 50, Durogesic 100). Dauerrezepte gelten für 1 Monat, nur in Ausnahmefällen für 3 Monate.

Zahnarztrezepte:

Zahnärzte dürfen zwar Rezepte ausstellen, sie werden aber normalerweise nicht von der Krankenkasse übernommen. Ausnahme: wenn der Arzt nicht nur Zahnarzt (Dr. dent.), sondern gleichzeitig noch Arzt ist (Dr. med.). Manche Krankenkassen sind den eigenen Kunden gegenüber etwas kulanter als der Apotheke gegenüber, darum lohnt es sich manchmal, sie trotzdem selbst einzuschicken.

Selbstzahler:

das ist genau das, nach was es sich anhört. Jemand, der sein Rezept selbst in der Apotheke bezahlt – im Gegensatz zu jemandem, der sein Rezept via die Apotheker direkt der Krankenkasse abrechnen lässt. Selbstzahler ist man aus verschiedenen Gründen: Man weiss schon im Voraus, dass man die Franchise nicht erreichen wird, darum nimmt man den direkten Weg und zahlt. Man will unbedingt die Kontrolle über alle Rechnungen behalten (kann von Vorteil sein, denn von manchen Krankenkassen bekommt man nur so eine Art Sammelrechnung, wo nicht detailliert aufgelistet ist, was jetzt wie viel gekostet hat. Oder man ist Kunde bei der Assura oder Supra, die keinen Vertrag mit den Apotheken abgeschlossen haben was die Abrechnung betrifft. Das bedeutet, diese müssen immer gleich selbst bezahlen. Meine Meinung darüber findet man hier.

Ausser Handel:

es kommt vor, dass ein Medikament nicht mehr hergestellt wird. Dann können auch wir das nicht mehr bestellen. Möglicherweise gibt es aber noch ein Generikum, oder es gibt ein Ersatzprodukt derselben Firma.

Nicht an Lager:

das Medikament ist gerade nicht in der Apotheke vorrätig. In den meisten Fällen kann es aber bestellt werden. Bis 12 Uhr auf die Nachmittagsbestellung, bis 18.30 auf den nächsten Morgen. Ausser Samstags, wo es keine Nachmittagsbestellung gibt, die Bestellung bis 16 Uhr kommt dann am Montag morgen. Mehr zum Thema Bestellungen hier.

…

Ich bin sicher, es gäbe noch mehr. Falls  ich etwas ausgelassen habe oder jemand noch eine Frage hat, kann man mir auch einen Kommentar hinterlassen und ich beantworte das dann.

Was bedeutet …? (1)

Die Apothekenbranche hat wie alle Branchen einen eigenen Fachjargon. Auf die Fachwörter von Krankheiten etc. will ich hier aber nicht eingehen – die sind meiner Meinung nach im Umgang mit Kunden (oder Patienten) sowieso zu meiden, weil sie nicht sehr förderlich sind für das Verständnis.

Aber hier eine kleine Liste über Ausdrücke, die sie im Umgang mit Apotheken, Medikamenten, Krankenkasse, Arzt etc. wahrscheinlich irgendwann zu hören bekommen. Sie gelten nur für die Schweiz.

Liste A, B, C, D, (E…):

Medikamente sind in der Schweiz durch die swissmedic in Listen eingeteilt, nach denen sie vertrieben werden dürfen:

Liste A: Rezeptpflichtig, nur in Apotheken, nur einmal pro Rezept

Liste B: Rezeptpflichtig, nur in Apotheken, kann ev. Wiederholt werden (z:B. mit Dauerrezepten)

Liste C: ohne Rezept erhältlich, aber nur in Apotheken

Liste D: ohne Rezept erhältlich, in Apotheken und Drogerien

Liste E: frei verkäuflich überall (Reformhaus …)

OTC

– der Ausdruck kommt aus dem Englischen: „Over the Counter“, also „über den Ladentisch“ und ist ein Ausdruck für alle Medikamente etc., die man ohne Rezept kaufen kann. (Liste C, D, E …)

Rezept:

Das ist der Zettel, den ein Arzt ausstellen muss, wenn ein Produkt rezeptpflichtig ist (Liste A, B). Er kann natürlich auch anderes daraufschreiben (Liste C, D, E) auch Physiotherapien und Hebammenhilfe …

Auf dem Rezept sollte mindestens sein: Name, Geburtsdatum des Patienten, Name, Adresse, KSK Nummer des Arztes, Stempel und Unterschrift des Arztes, Datum. Medikamente und Anwendungshinweise.

Was auf dem Rezept steht, muss nicht notwendigerweise von der Krankenkasse übernommen werden.

Versicherungsdeckung:

So bist Du bei der Krankenkasse versichert. Es gibt eine Grundversicherung (die obligatorisch ist) und Zusatzversicherungen (die sehr variieren können, in was sie übernehmen). Was von welcher Versicherung übernommen wird (oder was nicht) ist auf verschiedenen Listen aufgeführt: SL, NLP, LPPV, MiGeL,

Krankenkassenkarte:

das ist der Versicherungsausweis. Am besten trägt man ihn immer auf sich, mindestens aber, wenn man Leistungen vom Arzt oder der Apotheke in Anspruch nehmen muss … (und da das jederzeit sein kann …. eben).

SL: Spezialitätenliste:

was hier drauf steht, wird von der Grundversicherung übernommen.

NLP: Negativ-Listen-Präparate:

die werden von den meisten Zusatzversicherungen übernommen.

LPPV: Liste der Pharmazeutischen Präparate zu Lasten der Versicherten.

Was auf dieser Liste steht wird von keiner Krankenkasse übernommen und muss dementsprechend in der Apotheke bezahlt werden. Z.B. die Verhütungsmittel inklusive der Pille, die meisten Vitaminpräparate, so ziemlich alles, wofür Werbung gemacht wird …

MiGeL: Mittel- und Gegenstände Liste:

hier stehen Apparate und Gegenstände drauf, die nicht unter Medikamente fallen und wie (oder ob) sie von der Krankenkassw übernommen werden. Beispiele: Inhalatoren, Krücken, Sauerstofflaschen, Verbandsmaterial, Stützstrümpfe…

Prämien:

das was Du monatlich für die Krankenkasse zahlst.

Franchise:

bevor die Krankenkasse Leistungen übernimmt, muss ein gewisser Betrag vom Patienten selbst bezahlt werden. Wie hoch die Franchise ist, kann man selbst bestimmen bei Vertragsabschluss … je höher, desto niedriger die Prämien.

Selbstbehalt:

Auch nach Erreichen der Franchise zahlt die Krankenkasse nicht den vollen Betrag an die Medikamente. Der Teil, den man selbst bezahlt (10% oder, bei gewissen Originalmedikamenten 20%) fordert die Krankenkasse wieder von einem zurück.

LOA – Leistungsorientierte Abgabe.

So wird die Arbeit der Apotheke heute abgeglichen. Statt hohen Margen, die je nach Medikamentenpreis unterschiedlich sind, bekommt die Apotheke auf rezeptpflichtige Medikamente (Liste A, B), die von der Grundversicherung übernommen werden (SL) einen festen Betrag pro Zeile und einen festen Betrag pro Bezug, egal wie viel sie kosten.

Vorteil: seit 2002 ist das Einkommen der Apotheken gleich geblieben (während alle anderen im Gesundheitssystem immer mehr verdienen) und die Krankenkassen haben inzwischen etwa 450 Millionen Franken (!) gespart.

Nachteil: der selbstzahlende Kunde sieht nur, dass er „etwas draufzahlen muss“ – weil das ja nicht mehr im Medikamentenpreis enthalten ist und das gibt teils endlose Diskussionen. Mein Leidthema.

Generika:

von vielen Medikamenten gibt es inzwischen Nachfolgepräparate, d.h. nach Ablauf des Patentschutzes stellen andere Firmen die gleichen Medikamente her …. aber günstiger. Die Wirkung ist die gleiche. Mehr darüber hier.

und Morgen folgt der 2. Teil

Missverständnis

Die Ärztin verschreibt der Patientin Agiolax Pulver- offenbar weil sie etwas gegen Verstopfung verlangt hat.

Nach 3 Tagen kommt die Patientin wieder in die Apotheke und sagt:

„Jetzt habe ich das ganze Pulver reingekippt und die Toilette ist immer noch Verstopft!“


Kein Wunder, denn Agiolax ist gegen Verstopfung beim Menschen.

Solche Sachen kann man nicht erfinden, das passiert wirklich!

Etwas mehr Eigenverantwortung für die Gesundheit

Ich bin sehr für Eigenverantwortung. Sehr. Dazu gehört auch, dass die Patienten selbst ihre Rezepte beim Arzt bestellen müssen. Das gilt auch für Vorbezüge. (Ein Vorbezug ist übrigens die Abgabe eines Medikamentes, das über Rezept läuft, noch ohne Rezept. Z.B. Bei Dauermedikation etc). Ich bin im Normalfall auch grosszügig mit den Vorbezügen, aber wenn jemand dann das Rezept trotz Erinnerung unsererseits daran dann nicht besorgt, der bekommt das nächste Mal keinen Vorbezug mehr. Ganz einfach.

Es gibt noch einige solche Fälle, so auch letzthin: Die Spitex schickt ein Fax für eine Medikamentenbestellung für eine Kundin. Mit der Spitex haben wir eine Abmachung, dass wir uns um die Rezepte kümmern. Besagte Kundin war allerdings schon eine ganze Zeit lang nicht mehr beim Arzt und wir haben Order (vom Arzt) bis er sie wieder gesehen hat, nichts abzugeben. Also rufe ich der Spitex an, um ihnen das mitzuteilen (zum 2. Mal übrigens). Die Frau von der Spitex meint: „Frau XY? Die hatte gestern einen Arzttermin“ – da tönt es aus dem Hintergrund: „Ja, aber Sie hat sich geweigert zu gehen!“ – Eben.

Weder wir noch die Spitex können die Frau zwingen zum Arzt zu gehen.

Wahrscheinlich muss sie erst wieder vor der Apotheke umkippen und wir müssen ihr die Sanität holen, dann bekommt sie wenigstens ein Rezept vom Spital.

…

Oder dann war da die Kundin, die 3 offene Vorbezüge hatte (!) und am Freitag Nachmittag die Nachbarin schickte für noch etwas. Nein, sorry, zuerst bringt sie mir die Rezepte für die anderen 3. „Aber ich kann erst am Montag zum Arzt….“ Egal. Ich habe ihr dann (am Telefon) gesagt, sie kann das Medikament das sie will -und für das es nicht mal unbedingt ein Rezept braucht- jetzt zahlen. Wenn sie dann am Montag die Vorbezüge bringt und ein Rezept dafür, können wir es immer noch über die Krankenkasse machen.

Echt! Ich bin doch nicht die Bank!

…

Oder die Kundin, die eigentlich bei einer anderen Apotheke Stammkundin ist und jetzt zum 5. Mal an dem Samstagnachmittag telefoniert. Sie habe Bauchschmerzen, was sie da machen kann. Nachdem ich via Telefon fast 30 Minuten lang versucht habe herauszufinden, an was es liegt, dass sie Bauchweh hat (und sie dabei immer neue Symptome entwickelt) – will sie, dass die Apothekerin persönlich vorbeikommt und sie untersucht.

Sorry, das geht nicht.

Ich darf während der Arbeitszeit die Apotheke nicht verlassen (ich habe eine gesetzlich vorgeschriebene Anwesenheitspflicht) und dann bin ich kein Arzt: mehr tun als durch Fragen herauszufinden was sie hat und sie bei Verdacht auf etwas gefährlicheres zum Arzt zu schicken, kann ich nicht. Wenn sie das Gefühl hat, es sei etwas ernsthafteres (und ich glaube das nach dem halbstündigen Telefon nicht), dann soll sie in den Notfall gehen oder sonst die Sanität rufen. Sie meint dann noch: „Sie haben mir gar nicht geholfen, sie reden nur viel“ und hängt mir das Telefon auf.

Ehrlich, ich war sooo knapp daran ihr die Sanität zu rufen. Grrrrr.

Argumente und Lautstärke

Ist es schon mal jemandem anderen aufgefallen, dass wenn Leute in einer Diskussion keine Argumente (mehr) haben, sie oft anfangen laut zu werden? Das kommt (selten zum Glück) auch in der Apotheke vor.

Ich muss dann immer an das Zitat im Calvin and Hobbes denken: „If you can’t win by reason, go for VOLUME!“ Wobei ich finde, dass das ziemlich kindisches Verhalten ist.

Vor ein paar Wochen hatte ich einen Kunden ohne aktuelle Krankenkassenkarte. Das kommt gelegentllich mal vor. Bei Stammkunden ist das weniger ein Problem, weil wir die Daten dann meist haben, anders sieht’s bei der sogenannten Laufkundschaft aus – das sind die, die man vielleicht nie wieder sieht, weil sie nur auf der Durchreise sind. Unsere Einstellung dazu ist, dass solche Kunden (vor allem, wenn sie vorher noch nie in der Apotheke gewesen sind), ihre Medikamente selbst zahlen müssen.

Das ist im übrigen auch die rechtliche Vorgehensweise, da uns die Krankenkasse keine Medikamente für den Patienten vergütet, wenn der Patient keine Deckung für die Medikamente hat. Und diese Deckung muss am Tag des Bezugs überprüft werden. Es kann nämlich gut sein, dass besagter Patient zum Beispiel die Prämien nicht bezahlt hat und darum eine Leistungssperre hat. Dann bleiben wir auf den Kosten der Medikamente sitzen.

Da ich der Meinung bin, dass wir keine Bank sind und auch kein Wohltätigkeitsverein, muss also ohne aktuelle Krankenkassenkarte sofort bezahlt werden. Der Patient bekommt von der Krankenkasse ja trotzdem sein Geld zurück, er muss das Rezept nur selbst einschicken.

So also auch bei diesem Kunden. Aber statt zu zahlen wird er ausfällig. Und LAUT.

„Das ist eine Unverschämtheit! Das habe ich noch nie erlebt! Ich will sofort den Chef sprechen!“.

Ok. Steht vor ihnen.

Kurzes Stocken. „Ich habe aber kein Geld dabei!“ (wer geht heute schon ohne Portmone raus?, ehrlich?)

Kein Problem, wir nehmen auch Kreditkarten, oder ich lege die Medikamente auf die Seite, dann können Sie nach Hause oder an den Bankomat oder auf die Bank gehen und welches holen.

„Nein! Ich will die Medikamente JETZT! Sie können sie mir nicht verweigern, immerhin geht es um Meine Gesundheit! SIE SIND VERANTWORTLICH WENN … „

Ahem. Auf dem Rezept ist ein einfaches Schmerzmittel, eine entzündungshemmende Salbe und das Rezept ist schon fast eine Woche alt. Dafür hätte er noch nicht mal zum Arzt müssen.

„Ich will das Rezept wieder!“

Natürlich. Hier, bitte.

Laut fluchend stürmt er aus der Apotheke.

Viel Glück in der nächsten Apotheke. Ich bezweifle, dass es dort anders laufen wird.