Altes Rezept

Das erste Rezept am Morgen ist ein Rezept für Itinerol B6 Zäpfchen, ausgestellt vom Kinderspital. Erst, als ich es mir näher ansehe – weil ich dafür das Alter des Kindes brauche, fällt mir auf, dass das Rezept von vor über einem Jahr ist (!)

Es ist allerdings in Top-Kondition, wäre das Datum nicht, hätte ich das nie gemerkt.

Pharmama: „Das Rezept ist von 2011 … brauchen Sie das wirklich noch?“

Mutter: „Ja, mein Kind hat heute die ganze Nacht gekotzt – und da habe ich das Rezept wieder ausgegraben. Ich weiss, dass da etwas gegen Übelkeit draufsteht.“

Erstaunliche Buchhaltung :-). Nur habe ich jetzt Zwei Probleme: Das Rezept ist nicht mehr gültig und die Itinerol Zäpfchen für Kinder sind rezeptpflichtig.

Nach einem ausführlichen Beratungsgespräch mit ihr habe ich die Itinerol Zäpfchen dann trotzdem abgegeben – zusammen mit einer Elektrolytmischung. Aber nicht auf Rezept. Die Mutter weis, wie sie die Mittel anzuwenden hat … und auch in was für einem Fall sie zum Arzt muss mit dem Kind.

Zusammenbruch der Zusammenarbeit. Folgen der Selbstdispensation

Selbstdispensierende Ärzte können ein Problem sein.

Meine … Kollegin arbeitet in einem Kanton, wo ein Teil der Ärzte selber Medikamente abgibt – ein anderer Teil aber nicht.

Man bekommt teils Rezepte auch von den selbstdispensierenden Ärzten, vor allem, wenn sie etwas nicht haben. Lies: alles, was etwas ungewöhnlicher ist.

Rezepte können … fehlerhaft sein. Das ist unser täglich Brot: zu kontrollieren wegen Dosierung und Anwendung und im Fall einzugreifen. Meist ist es kein Problem, das mit dem verschreibenden Arzt zu klären – aber manche der SD Ärzte sind da offenbar sehr eklig gegenüber den Apothekern. Anfragen werden nicht beantwortet, es wird nicht innert nützlicher Zeit zurückgerufen, Vorbezüge für Dauermedikamente werden nicht ausgestellt und ganz allgemein ist das Verhalten mehr als kühl .. unhöflich!

So auch der Arzt, der dem 4-jährigen Kind einen Cortison-Nasenspray aufgeschrieben hat. Nach der Erläuterung der Mutter sollte das aber eher ein Inhalationsmittel sein. Also für die Lunge – nicht die Nase.

Die Apothekerin rief der Praxis an, das zu klären und eventuell zu ändern.

Der Arzt gab dann auch zu, dass er den Inhalator verschreiben wollte, aber er war am Telefon so etwas von unfreundlich … dass sie da nicht mehr so bald anrufen wird.

Lieber schickt sie die Patienten mit so einem Problemrezept gleich selber wieder zum Arzt, das zu klären. Das ist nicht sehr Patientenfreundlich und es ist wirklich eine Schande, wenn die Profis im Gesundheitssystem nicht zusammenarbeiten können um den Patienten die beste, sicherste und schnellste Service zu bieten.

Aber der Apothekerin  werfe ich das hier nicht vor.

Gemeinschaftspraxen

Ich zum Patienten beim eingeben des Rezeptes:

„Entschuldigen Sie, könnten Sie mir sagen welcher dieser Ärzte (zeige auf die Liste oben auf Rezeptkopf) das Rezept ausgestellt hat?“

Die Unterschrift ist nicht entzifferbar – und ich brauche das für unsere Unterlagen und zum abrechnen.

Patient: „Ich hab sie alle gesehen.“

Ummm – echt? Alle vier? Ist das Service oder was?

 

Genaue Dosierungsangaben

Dosierungen sind wichtig. Vor allem, wenn es mehrere Möglichkeiten gibt, wie man ein Medikament anwenden kann – aber eigentlich auch sonst. Ich finde es noch gut, wenn man als Patient nicht die gesamte Packungsbeilage durcharbeiten muss um herauszufinden, wie das jetzt geht.

Gut – manche Sachen haben gar keine Packungsbeilage. Zum Beispiel diese pflanzlichen Urtinkturen von Ceres:

dosierung1

Das mit dem in die andere Hand schlagen finde ich jetzt etwas esoterisch, aber manchmal können auch solche Sachen helfen, die Anwendung durch den Patienten zu verbessern. Er hilft sozusagen mehr mit.

Anderes finde ich fast etwas übertrieben, wie die Anweisung auf dem Rezept hier. (Tut mir leid die schlechte Kopie – ich war etwas in Eile.) Es ist ein Mittel zum auftupfen bei Warzen. Das ist Säure – ziemlich klar, dass man da vorsichtig sein muss. Allerdings finde ich das hier …

dosierung2

… ein bisschen Overkill.

Da steht drauf:

1. Zuerst die gesunde Haut um die Warze herum mit einer dünnen Schicht Vaseline oder Fettcreme bestreichen um sie vor der ätzenden Wirkung des Acetocaustins zu schützen.

2. Danach ein wenig Acetocaustin mit der Spatelspitze auf die Warze tupfen. Ein ein- bis zweimaliges Betupfen genügt. Insgesamt dürfen nicht mehr als 3 Spatelspitzen Acetocaustin pro Behandlung aus dem Fläschchen entnommen und aufgetragen werden. Bei grösseren Warzen kann die Behandlung nach einer Woche wiederholt werden.

3. Nach dem Betupfen d.h. nach dem Eintrocknen von Acetocaustin ein Pflaster (Wundschnellverband) aufkleben.

4. Nach dem Gebrauch Flasche wieder fest zudrehen. Hautkontakt mit dem Gewinde vermeiden.

5. Einen Tag vor der beabsichtigten Warzenentfernung (ca. nach 4-6 Tagen) das Pflaster durch einen Streifen eines textilen Heftpflasters (ohne Wundkissen) ersetzen. So kann am nächsten Tag dieser mitsamt der Warte entfernt werden.

6. Warzen an den Händen erfordern in der Regel eine zwei- bis dreimalige, Warzen an den Füssen eine drei- bis viermalige Behandlung. Die Wiederholung des Vorgangs sollte nach jeweils einer Woche erfolgen.

Arbeiten nur mit Handschuhen!

Ich weiss schon, woher das kommt. Es gibt unvorsichtige Leute – und man hatte mit diesen Mitteln Probleme, wenn sie verschüttet wurden und auf gesunde Haut kamen – man kann sich die Verätzungen vorstellen.

Aber … wie soll ich das auf die Etikette bekommen?