Idiopathisch

Heute habe ich eines meiner medizinischen „Lieblingswörter“ auf einem Rezept gesehen: idiopathisch.

Genau genommen stand auf dem Rezept für einen Mann unter dem Imodium Dauerrezept:

Idiopathische Diarrhoe

Ich musste schmunzeln. Die Person hat also Durchfall … und der Arzt gibt mit dem Wort praktisch zu, dass er keine Ahnung hat, was die Ursache sein könnte.

von griechisch: idios – selbst und  pathos – Leiden

Idiopathisch bedeutet „ohne bekannte Ursache“ oder „als selbstständiger Krankheitszustand“.

Momentan geht ja wieder das Norovirus um – viele Leute haben deswegen Erbrechen und Durchfall, einige (vor allem Kinder) landen deswegen gar im Spital. Aber bei dem Mann muss da ein anderes Problem sein.

Xa…irgendwas

rpxawas

Wirkliches Rezept von diesem Jahr.

Das steht (ziemlich okay lesbar) Xatral ret 0.5 1 OP (30) D.S: 1 täglich abends

Soweit, so … schlecht.

Xatral gibt es nur als 0.25 mg nicht retardierte Tablette. Es ist ein Mittel mit Alfuzosin bei vergrösserter Prostata. Interessanterweise gibt es in anderen Ländern davon wirklich lang-wirksame Formen, die man dann nicht 3x täglich, sondern 1x täglich nimmt.

Hier vermute ich aber, dass er etwas ganz anderes meint. Nicht zuletzt, weil es sich um eine PatientIN handelt.

Aber sicherheitshalber muss ich beim Arzt anrufen, um von ihm die Bestätigung zu bekommen, dass er eigentlich Xanax retard 0.5mg aufschreiben wollte …

Andere Leute schicken

Mit den Dauerrezepten ist das so eine Sache. Das Rezept bleibt in der Apotheke und der Patient kann (nach Bedarf) zu uns kommen und weitere Packungen erhalten. Im Normalfall bekommt der Patient ausser dem Medikament nicht noch irgendeinen Zettel mit: der Name / Ausweis und die Info, was gebraucht wird reicht uns beim Abholen.

Bei bestellten Sachen haben die Leute einen Abholzettel, bei Dauerrezepten den Ausweis (zum Beispiel die Krankenkassenkarte), manchmal die leere Packung: da steht die Info auch auf dem Dosierungsetikett. Mit der Zeit kennen wir auch „unsere“ Stammkunden, die müssen dann nur noch sagen, was sie brauchen.

Was aber, wenn jemand anders als der Patient, für den das Dauerrezept ist, Medikamente abholen will?

Eines der ersten Dinge, die wir bei einer Abgabe immer abklären müssen ist der Empfänger des Medikamentes. Wenn ein Mann etwas abholen kommen will und einen Frauennamen nennt, ist es ziemlich deutlich, dass das nicht der Empfänger ist.

Gut, wenn ich die Person kenne und ich weiss, das ist der Ehemann der Frau (und er hat sie auch schon begleitet), dann gehe ich im Normalfall davon aus, dass das okay ist. Oder ich hinterlege einen Kommentar, wer die Erlaubnis hat, Medikamente für die Person zu holen.

Letzthin hatten wir aber einen Fall, wo ein Mann für seine Freundin ein Medikament – Seresta (starkes Beruhigungsmittel) abholen wollte. Er hatte nichts (ausser dem Namen der Patientin und dem Mittel). Kein Ausweis, keine Bestätigung, ich habe ihn noch nie gesehen …

Ich habe ihm gesagt, ich brauche entweder eine schriftliche Erklärung oder mindestens einen Telefonanruf von ihr zur Bestätigung, damit ich ihm das mitgeben kann.

Ich meine, das ist heute keine Sache mehr: er kann sie rasch per Natel informieren, ich bekomme einen Anruf und stelle ein paar Fragen … ihre Telefonnummer war übrigens nicht hinterlegt, sonst hätte ich da angerufen. Und nennen wollte er sie mir auch nicht.

Er war nicht ganz so zufrieden (gelinde ausgedrückt) und ging dann. Auch den Rest des Tages habe ich nichts mehr von ihr (oder ihm) gehört. Das macht mich doch etwas misstrauisch.

Es gibt Vorschriften. Ich drücke nicht einfach irgendwelche (potenten) Medikamente jemandem in die Hand zum mitnehmen, wenn ich nicht sicher bin, dass das an der richtigen Stelle ankommt.

Vielleicht war das ihr Freund – im dööfsten Fall war das aber einfach jemand, der irgendwie mitbekommen hat, dass sie das nimmt und versucht so (gratis und bequem für ihn) an das Medikament zu kommen.

Übrigens: auch der Ehemann hat nicht automatisch die Erlaubnis Medikamente für die Frau abzuholen (oder umgekehrt). Das Patientengeheimnis (zum Beispiel) gilt selbst gegenüber Verwandten. Meistens ist die Abgabe aber okay: die Partner wissen nicht nur für wen und was gebraucht wird, man kann auch anfragen bei Zweifel, ob das gegeben werden soll … Aber wir haben mindestens einen Fall, wo „sie“ einen Kommentar bei sich hinterlegen liess, dass „er“ keine Tabletten für sie abholen darf. Die beiden sind (weiter) verheiratet und kommen gelegentlich zusammen. Mir ist das recht – hauptsache, wir wissen es.

Auf Arzt-Konfrontationskurs

Auf Arzt-Konfrontationskurs war letztens meine Kollegin.

Auf das Rezept hat der Arzt geschrieben: Voltaren Salbe.

Die Patientin ist aber unsicher, ob es das richtige ist. Sie war eigentlich nur beim Arzt das Rezept für ihr Dauermedikament abholen, hat sich aber am Wochenende mit dem Bügeleisen verbrannt: eine grosse, offene Wunde (ehemals Blase) auf dem Bauch. Sie hat den Arzt gefragt, ob er ihr dafür auch grad etwas aufschreiben kann – und er hat (laut ihr ohne auch nur einen Blick auf die Wunde zu werfen) Voltaren aufgeschrieben.

Das kann man nicht auf offene Wunden auftragen. Das steht deutlich in der Fachinfo: nicht auf offene Hautwunden oder sonstige offene Verletzungen auftragen. Diese Brandwunde hier war ausserdem ziemlich gross und sah auch noch aus als wäre sie gerade dabei sich zu infizieren. Meine Kollegin hat dann eigenständig Wundheilsalbe (Ialugen plus) und Verbandsmaterial daraus gemacht und die Patientin instruiert und anschliessend ein neues Rezept verlangt.

Und das nächste Rezept war gleich noch so etwas. Anderer Arzt allerdings.

Die Patientin hat starke Schmerzen, so stark, dass sie kaum schlafen kann. Der Arzt verschreibt Irfen retard, 800 mg 2x täglich. Das (und alle Generika und weiteren Medikamente in der gleichen Form) ist seit Wochen nicht lieferbar. Der Grosshandel stellt uns für Anfang Nächsten Monat wieder welche in Aussicht.

Der übliche Ersatz (600mg Ibuprofen und öfter zu nehmen) hat bei der Patientin nichts gebracht weshalb man beim Arzt anruft, um nach einem anderen Ersatz zu fragen.

Das Telefon muss toll gewesen sein. (Nicht).

Apothekerin: „Guten Tag, ich rufe an für Frau … der sie Irfen retard 800 mg aufgeschrieben haben. Das und alle Generika davon sind noch eine Weile nicht lieferbar. Können wir etwas anderes dafür abgeben?“

Arzt: „Nehmen Sie Brufen retard 800mg“

Apothekerin: „Das ist ebenfalls nicht lieferbar. Wir bekommen nichts bis frühstens Anfang nächsten Monat.“

Arzt: „Dann muss sie halt warten.“

Apothekerin: „Warten Sie! (er hätte fast aufgehängt) Umm, Sie hat starke Schmerzen und nichts mehr zu Hause. Soll sie es nicht mit Tilur retard versuchen?“

Arzt: „Wenn Sie meinen. Okay.“

klick…

Meine Apotheker-Kollegin war jedenfalls sichtlich unzufrieden mit der Leistung dieser Ärzte.

Disclaimer: Zum Glück sind das eher die Ausnahmen, die allermeisten Ärzte hier sind wirklich gut und kümmern sich auch. Selbst für die Ärzte war das … ungewöhnlich. Schlechter Tag? Schlechte Zeit?

Dialoge aus der Apotheke / 11

apodialog12

Vorbezüge gehen nur so weit … (und die Apotheke ist nicht ihr Sekretär)

Apotheke: „Ihr Arzt hat uns mitgeteilt, dass er Ihnen kein neues Rezept ausstellt, bevor er Sie gesehen hat.“

Patient: „Und wann habe ich meinen Termin bei ihm?“

Apotheke: „Umm .. den müssen Sie selber mit ihm abmachen.“

 

Auswahlrezept

Rezept für Stützstrümpfe. Klar. Aber: welche sollen es denn sein?

rpauswahl

Patientin kommt damit vom Frauenarzt und sie ist schwanger. Trotzdem weiss ich bei dem Rezept nicht, was es denn sein soll: Unterschenkelstrümpfe, Strumpfhose, Maternity Strumpfhose oder Oberschenkelstrümpfe mit Hüftbefestigung? 2 Paar? Oder 2 Stück?

… sieht so aus, als hätten wir die Auswahl. Immerhin sicher: Kompressionsklasse 2. Und mehr als 1 Stück.