Nein, Doch!

Der Moment, wenn ich mir in der Apotheke wie im Kindergarten vorkomme.

Mann: „Ein Vivanza.“ *

Pharmama: „Dafür brauchen Sie ein Rezept.“

Mann: „Nein.“

Pharmama: „Doch.“

Mann: „Nein!“

Pharmama: „Äh – Doch.“

Was soll das?

*Das ist ein Potenzmittel aus derselben Gruppe wie das besser bekannte Viagra. Dass das rezeptpflichtig ist, dürfte inzwischen Allgemeinwissen sein.

Dosierung unklar.

rpdosierungppi

Auf einem aktuelleren Rezept. Ich bin … verwirrt. Wie muss der Patient das Pantoprazol dosieren?

Da steht:

Pantoprazol 40mg 60 Stück

DS: Wöchentlich, für 61 Tag(e)

1-0-0-1

2 Monate

Irgendwelche Ideen?

Einmal pro Woche am morgen und am abend je 1 Tablette – und dann nach genau 61 Tagen aufhören?

Lieber Herr Arzt …

Nun denn, zurück zur Arbeit. Ein Teil unserer Arbeit in der Apotheke liegt darin, die Zweit-kontrolle für die Ärzte zu sein. Ich bin nicht darauf aus, Fehler zu finden … und wenn ich welche entdecke (oder Mögliche) frage ich nach, respektive weise den Arzt sehr anständig darauf hin. Fehler passieren und alles wissen kann auch niemand. Aber … ach, lest selber:

Sehr geehrter Herr Dr. X,

Anlässlich Ihres letzten Rezeptes vom (Datum) über Citalopram Tabletten 20mg 1 OP für Herrn A. darf ich Sie über die Gegebenheiten bezüglich Rezeptausstellung informieren: Ist auf dem Rezept verschrieben 1 OP (1 Originalpackung) ohne Grössenangabe, so bedeutet das die kleinste Packung. Das ist usus – ausserdem nachzulesen zum Beispiel hier: im Positionspapier der Kantons-Apothekervereinigung Nordwestschweiz (Link)

Eine grössere Packung (oder eine Wiederholung) darf allenfalls abgegeben werden, wenn die Behandlung zum Beispiel nicht bis zum nächsten Arztbesuch reicht. Das haben wir übrigens bei Herrn A. auch gemacht – der Patient hat statt der kleinsten Packung (das wären 14 Stück) eine Packung von 28 Stück erhalten. Es ist nicht so, dass wir das grundsätzlich „mit dem Patienten ausmachen können, wieviel er bekommt“, wenn nur „1 OP“ verschrieben ist.

Deshalb bitte ich Sie, das nächste Mal das Rezept korrekt mit der Mengenangabe des Medikamentes auszustellen, wenn gewünscht ist, dass es eine andere als die kleinste Packungsgrösse sein soll. Für das Citalopram 20mg wären das 100 Tabletten – auch abkürzbar als „C“ (römisch für 100).

Ebenfalls darf ich Sie bitten den Patienten nicht zu miss-informieren, was unsere Abgabepraxis und Lagerhaltung angeht. Wir halten uns an die gegebenen Vorschriften, legen Wert auf hohe Qualität und lassen grundsätzlich äusserste Sorgfalt walten.

beste Grüsse

Pharmama

Ja, ich reagiere etwas angemieft, wenn der Patient mir mitteilt, dass der Arzt reklamiert habe, weshalb wir nicht grad eine grosse Packung zu 100 Stück auf sein Rezept abgegeben haben, sondern eine kleine. Anscheinend hat er dem Patienten ausserdem gesagt, das läge wohl daran, dass wir noch eine kleine an Lager gehabt hätten, die wir bald loswerden müssten von wegen Verfall und so.

Äh, nein. Mal abgesehen davon, dass gerade Citalopram einen ziemlich guten Durchsatz hat, bin ich in der Apotheke doch etwas eingeschränkt in der Grössenwahl durch das, was der Arzt verschreibt.

Da steht *was* auf dem Rezept?!? (3)

Da mache ich demnächst eine neue Serie draus, wenn das so weitergeht. Ihr dürft mir Eure „Fundstücke“ übrigens auch gerne mailen!

RpBouillon

Dafür, dass die Patientin bald 90 Jahre alt ist, geht es ihr gesundheitlich trotz Spitalaustrittsrezept nicht so schlecht – zumindest den Medikamenten nach. Schmerzmittel nur als Reservemedikation (und ziemlich niedrig dosiert), Blutdruckmedikament und Cholesterinsenker – Magenschutz und Vitamine (D und Folsäure), Mittel zur Stuhlregulation und Bepanthen in der Analregion (eventuell Analrisse?), ausserdem Schlafmittel (vernünftig niedrig) und etwas für’s Gedächtnis (Ginkgo) …

Nur scheint sie etwas Mühe mit dem Essen zu haben – oder wie erklärt sich die zuoberst verschriebene Bouillon sonst?

Das habe ich bis jetzt auch noch nicht gesehen. Leider wird die Gemüsebouillon und auch andere nicht von der Krankenkasse übernommen. Und aus medizinischer Sicht: ich dachte immer Hühnersuppe sei so gut? :-) … nicht, dass die übernommen würde …

Da steht was auf dem Rezept (2)

Da steht was auf dem Rezept (1)

Einmal alles, bitte.

Man ist sich schon bewusst, dass manche Leute eine ganze Menge Medikamente nehmen müssen. Aber wie viel, merkt man nur, wenn man mal wirklich alles vor sich hat. Der Arzt hat von uns eine Aufstellung von allem was die Patientin im letzten Jahr so hatte verlangt, weil er ein neues Dauerrezept ausstellen wollte. Das hat er dann auch:

rpvoll

Das ist viel. Auch wenn nicht alles Medikamente sind. Da hat es Inkontinenzeinlagen drauf (zuunterst) und auch Hautpflege, ursprünglich vom Hautarzt verschrieben. Ein ziemlich extremes Beispiel – und vielleicht braucht sie auch nicht wirklich alles, und das Vita Merfen (eine Wund-Heilsalbe) gibt es gar nicht mehr. Magenschutz sind gleich zwei verschiedene drauf: Antra und Pantoprazol, diverse Blutdruck- und Herz-Medikamente und auch gegen Depression.

Man muss sich bei derartigen Listen bewusst sein, dass da zwischen den verschiedenen Medikamenten Wechselwirkungen stattfinden – eine ausgesprochen relevante sehe ich auf den ersten Blick: Euthyrox (Schilddrüsenmedikament) und Magnesiocard (Magnesium) beides am Morgen verordnet. So eingenommen wird das Schilddrüsenmedikament praktisch wirkungslos. 2 Medikamente können wir vergleichen, ab 3 Medikamenten wird das mit den Wechselwirkungen übrigens so komplex, dass da praktisch das Chaos herrscht und nicht mehr wirklich vorhersehbar ist, was herauskommt.

Eine Medikamentenliste wie die oben stellt nicht nur den Patienten, sondern auch den Arzt und Apotheker vor diverse Probleme – und eine gute Kommunikation ist hier wichtig. Vielleicht könnte man das sogar optimieren, damit man nicht mehr so viel nehmen muss.

Ich mach‘ die Preise nicht.

Der Patient hat eine Versicherung, die uns das Medikament erstatten würde, weigert sich aber sie zu benutzen und will selber zahlen – darf er – dafür hält er uns (und die anderen Patienten) dann 5 Minuten mit der Diskussion auf, weshalb das Atorvastatin jetzt so teuer ist.

Ich mach die Preise der Medikamente nicht. Ganz speziell nicht die der rezeptpflichtigen Medikamente, die von der Grundversicherung übernommen werden. Die sind tatsächlich gesetzlich geregelt. Und die Checks die da drauf kommen, die sind für meine Arbeit, da verzichte ich nicht drauf (ganze maximal 7 Franken 30! Egal wie teuer die Packung sonst ist).

Tatsächlich bin ich der Meinung, die sind schon ziemlich gut heruntergekommen mit den Preisen – wären Sie mit dem Rezept gekommen, als es noch nur das Sortis gab, dann hätten Sie Grund zum motzen, aber so?

Zeitverschwendung!

Ich habe echt genug zu tun, ohne mit Ihnen über die Preise zu diskutieren. Hinter Ihnen fragen sich gerade 3 weitere Patienten, weshalb das so lange dauert.