Demonstrierter Placeboeffekt

Die Frau kommt mit einem Rezept für Ventolin. Während sie wartet atmet sie schwer und hustet quer durch die ganze Apotheke und zieht damit viel Aufmerksamkeit auf sich, von Angestellten und Kunden.

Ich beeile mich.

Sie sagt: „Ich brauche das jetzt ganz dringend! Zeigen Sie mir rasch, wie man das anwendet!“ 

Also stelle ich ihr Ventolin vor sie, hole das Demo Gerät und zeige ihr wie das geht: Schütteln, Deckel ab, ausatmen, ansetzen, gleichzeitig drücken und einatmen …

Die Frau greift sich das DemoGerät, inhaliert und … ihr scheint es sofort besser zu gehen! Kein Husten mehr, kein Keuchen, sie atmet auf ….

Alle schauen sie an.

Pharmama: „Äh, das war nur das Demogerät, ich habe ihr Ventolin noch gar nicht aufgemacht.“

Der Ausdruck auf ihrem Gesicht war unbeschreiblich.

Im Demogerät hat es keinen Wirkstoff drin, es sprüht aber wie das Original.

Die Macht des Placebo

Da habe ich einen interessanten Film mit Tatsachen über Placebo gefunden:

„Placebo“ ist lateinisch für „ich werde gefallen“ – In der modernen Medizin benutzt man Placebo in Studien um zu zeigen, ob der getestete Wirkstoff einen heilenden Effekt hat, der grösser ist als wenn die Leute eine Pille ohne Wirkstoff (eben: Placebo) einnehmen. Andererseits benutzen Ärzte gelegentlich auch Placebo, wenn sie nicht mehr weiterwissen, oder um etwas zu testen.

Der Glaube des Patienten in eine Pille – eine angenommene Medizin, aber chemisch wirkungslos – soll nämlich die Eigenheilkräfte des Körpers aktivieren.

Glaubst Du, dass die Macht des Geistes den Körper heilen kann?

Es ist so.

Der Placebo Effekt ist eine wunderbare Präsentation der Macht des Geistes und unseres Glaubens. Er beweist, dass unsere Gedanken möglicherweise tatsächlich mit dem Hirn auf physische Weise interagieren.

Placebo Effekt produziert richtigen Schmerzstiller

Wissenschaftler haben herausgefunden, dass Placebo gegen Schmerzen gegeben so wirksam sein kann wie 8mg Morphium. (Das ist viel). Im Film oben reden sie von einerseits der halben Wirkstärke von Aspirin und andererseits der halben Wirkstärke von Morphin … das eigentlich viel stärker ist als Aspirin. Was ist es jetzt? Keine Ahnung, aber: es hat eine schmerzstillende Wirkung!

Mittels Hirnscans wurde gefunden, dass Placebo Behandlung die Freisetzung von natürlichen Schmerzstillern im Gehirn stimuliert – die Endorphine. Hirneigene Stoffe spielen also eine grosse Rolle beim Placebo Effekt von Schmerzmitteln und ihre Freisetzung geht einher mit der Reduktion des Schmerzgefühls.

Teures Placebo wirkt besser als billiges

Eine 10 cent Tablette stillt den Schmerz nicht gleich stark wie eine die 2.5 $ pro Tablette kostete, sogar wenn es sich dabei um identische Placebos handelte.

Untersucht wurde das am MIT, wobei die Patienten kleine Elektroschläge an die Handgelenke bekamen. Die Patienten wurden vor und nach Einnahme des Placebos getestet. Die Hälfte der Teilnehmer erhielt eine Broschüre, die die Pille als Neuzugelassenen Schmerzstiller der 2.50$ pro Dosis kostet, die andere Hälfte der Teilnehmer bekamen eine Broschüre in der stand, dass der Preis des Schmerzmittels auf 10 cent pro Tablette erniedrigt wurde –ohne Hinweis, wieso. In der „Teuere Tabletten Gruppe“ sagten 85% der Teilnehmer sie verspürten eine Schmerzreduktion, in der „Niedrigpreis Gruppe“ sagten 61% der Schmerz sei geringer.

Nicht alle Placebos sind gleich: Die Macht des Heilungs-Rituals

Kapseln sind „wirksamer“ als Tabletten, Spritzen wirksamer als Kapseln und Placebo-Geräte scheinen effektiver zu sein als Placebo Medikamente. Dasselbe gilt für Placebo-Behandlungen wie Akkupunktur.

Während Forscher in ihren Studien normalerweise ein Placebo verwenden um es gegen einen neuen Wirkstoff zu testen, wurde in einer Studie ein Placebo gegen ein anderes Verglichen. Untersucht wurde, ob eine Akupunktur (ausserhalb der wirksamen Stellen)  einen grösseren Placebo Effekt hat als eine Placebo Tablette. Das Resultat war, dass der Placebo Effekt auch davon abhängt was für ein Typ Placebo man benutzt. Placebo -Akupunktur war wirksamer als eine Placebo –Tablette.

Das bedeutet, dass das medizinische Ritual bei der Anwendung einen erhöhten Placebo Effekt liefert als das Schlucken der Pille allein. – Das konnte man letzthin auch beim Vergleich Homöopathie und klassische Medizin nachweisen: Die Homöopathie wirkt praktisch gleich gut, aber nur, wenn der Arzt sich bei der Auswahl des Mittels viel Zeit lies und viel mit dem Patienten geredet hat …

Von Placebo kann man abhängig werden – und es macht Entzugssymptome

Und das letzte:

Der Patient darf sogar wissen, dass es ein Placebo ist … es wirkt trotzdem.

Das hat mich fast am meisten überrascht: Man kann jemandem sogar sagen, dass er ein Placebo gegen sein Problem bekommt, ein Medikament ohne Wirkstoff … und er wird (trotzdem) eine Wirkung haben.

Erstaunlich!

 

 

Ich werde gefallen

„Ich werde gefallen“ – das ist die eigentliche Übersetzung des lateinischen Wortes Placebo.

Bei den Placebos handelt es sich um Scheinmedikamente ohne Wirkstoff, oder auch Scheinanwendungen. Sie werden gebraucht, um die Wirksamkeit von Medikamenten in Studien zu testen – und manchmal werden sie auch von Ärzten im Rahmen einer Therapie eingesetzt. Denn zu sagen, sie seien ganz ohne Effekt und Wirkung wäre falsch. Wer an eine Wirkung glaubt, wird sie auch oft haben – man nennt das dann Placeboeffekt.

Eigentlich dachte ich, das komme in der Schweiz eher selten vor, dass Ärzte Placebo einsetzen. Als ich auf einem Rezept einmal „1 OP Placebo“ aufgeschrieben gesehen habe, musste ich es aus Deutschland kommen lassen.

Wie eine Umfrage bei 233 Haus- und Kinderärzten im Kanton Zürich zeigte, verzichteten nur 28 Prozent gänzlich auf den Einsatz von Placebos und Scheinbehandlungen. Von den übrigen Befragten verordneten 17 Prozent von Zeit zu Zeit reine Placebos wie Zuckertabletten oder Kochsalzlösungen. Unreine Placebos, das heisst Substanzen oder Verfahren, die eine nachgewiesene Wirkung – allerdings nicht gegen die zu behandelnde Erkrankung – haben, wurden von 57 Prozent der Ärzte eingesetzt. Hierzu gehörten vor allem Vitamininfusionen gegen Krebs oder Antibiotika gegen Virusinfektionen. Der Einsatz körperlicher und technischer Untersuchungen, die nicht unbedingt nötig gewesen wären, wurde besonders häufig genannt.

Die drei am häufigsten genannten Gründe für den Placebo-Einsatz sind:

  • «um einen therapeutischen Vorteil durch den Placeboeffekt zu erhalten» (69 Prozent),
  • «bei Patienten, deren Klagen und Untersuchungsergebnisse sich keiner bestimmten Erkrankung zuordnen lassen» (64 Prozent)
  • «um den Wünschen des Patienten zu entsprechen» (63 Prozent)

Quelle: Neue Zürcher Zeitung, Oktober 2009

Man sieht also, die Ärzte verwenden das Placebo genau nach dessen Namen. sie setzen es ein „um zu gefallen“ – und dem Patienten wird auch kaum gesagt, dass er da ein Mittel nimmt / eine Untersuchung bekommt, die vom wissenschaftlichen Standpunkt aus nichts nützt.

Vielleicht nützt es aber dann doch etwas: wenn der Patient nur daran glaubt, oder wenn er sieht, dass etwas gemacht wird.  Alles besser als nichts. Oder?

Placebo auf Rezept

Rezept:

„1OP Placebo XXX Tbl“

Das habe ich in den jetzt 10 Jahren erst ein einziges Mal gesehen. Von daher hat mich das Rezept erst mal vor ein paar grössere Probleme gestellt, denn: an Lager habe ich das nicht.

Für Laien: Placebo (vom lateinischen „ich gefalle“ ) sind im Prinzip Arzneimittel die keinen Wirkstoff enthalten. Dummies sozusagen.

Unser Grossist hat das nicht. Bei der telefonischen Nachfrage meinten sie, ich könne es noch in Deutschland oder bei der Firma Spirig probieren.

Die Firma Spirig stellt tatsächlich Placebotabletten her, wie sie mir am Telefon erklären. „Was für welche sollen es denn sein?“ Sie haben alle Arten, im Prinzip kann ich ihnen sagen wie sie aussehen sollen (rund, oval, mit oder ohne Bruchrille, verschiedene Grössen, Farben ..) aber … ich muss gleich 5000 Stück nehmen.

Wow. Ich brauche höchstens 100. Der Grund für die Riesenmenge ist wohl, dass sie Placebotabletten hauptsächlich für Studien herstellen.

In Deutschland bekomme ich schliesslich meine Placebos. Offensichtlich brauchen sie das dort doch noch ab und zu.

Ich hab dem Arzt noch angerufen, was ich denn auf die Packung schreiben soll. „Ach ja“, sagt er „Schreiben sie es an mit ‚bei Bedarf 1 Tablette einnehmen.’“

Die Kundin war zufrieden.

Natürlich kann ich auch noch selbst Kapseln abfüllen mit z.B. Mannitol oder Traubenzucker, aber dann sind sie nicht in einem Blister, sondern in einem Döschen abgepackt – und natürlich ohne spezielle Packung, so sieht das nicht soooo professionell aus – und das Aussehen ist die halbe Wirkung, nicht nur was Placebos betrifft …

Beratung für … nix

Heute scheint eine Menge nur über den Preis zu laufen, anstatt über die Qualität. Ich denke, das ist ein Problem, das eine Menge Fachgeschäfte haben werden, nicht nur Apotheken (mein Mann klagt jedenfalls über dasselbe).

Man berät den interessierten Kunden ausführlich über das Für und Wider eines oder mehrerer Produkte – und dann geht der Kunde mit dem Wissen in den Discounter, weil er dort das Produkt (oder ein ähnliches) ein paar Franken günstiger kriegt.

Man beansprucht also die Zeit und das Wissen der Fachperson und der Dank für diese Dienstleistung  ist gar nichts.

Es mag schon sein, dass man für Produkte in der Apotheke mehr zahlt als -sagen wir mal im Supermarkt. Man sollte allerdings bedenken, dass es meist einen Grund dafür hat. Zum Beispiel die inzwischen weitverbreiteten und freiverkäuflichen Mineralstoff- und Vitaminpräparate. Denken sie ernsthaft, dass die Präparate die sie frei in der Migros oder dem Coop aus dem Regal nehmen können gleichwertig sind wie die, die sie in der Apotheke bekommen? In letzteren steckt eine Menge mehr Forschung und Wissen. So werden z.B. manche Mineral-Salze besser aufgenommen als andere, so dass 300 mg Magnesiumcitrat nicht gleichwertig sind mit 300 mg Magnesiumcarbonat. Manchmal macht auch tatsächlich das Verhältnis verschiedener Mineralstoffe den Unterschied oder auch die verwendeten Hilfsstoffe.

In dem Zusammenhang möchte ich die Geschichte einer befreundeten Apothekerin erzählen, die im Keller der Apotheke, wo sie zum arbeiten einsprang, diverse Packungen Vitamin C Brausetabletten aus der Migros gefunden hat. Sie waren in einem Regal, angeschrieben mit „Placebo Brausetabletten„.

Nun, Placebos sind Medikamente, die keinen Wirkstoff enthalten, sie werden in der Forschung eingesetzt als Vergleichspräparate oder (selten) vom Arzt verschrieben, wenn der etwas ausprobieren will. Aber wie gesagt: Placebos enthalten keinen Wirkstoff, deshalb war meine Kollegin erstmal entsetzt als sie die Packungen gesehen hat. Als sie jedoch die Inhaltsangaben gelesen hat, hat sie verstanden. Mit der geringen Menge Vitamin C (=Ascorbinsäure) in den Brausetabletten, geht alles bei der Bläschenentwicklung der Brausetablette drauf. Denn die Bläschen entstehen, wenn Natriumcarbonat mit Säure (in dem Fall die Ascorbinsäure) zu Kohlendioxid zersetzt wird. Also hat man am Schluss ein Glas Sprudelwasser ohne Vitamin C.

Clever, nicht? Und für den Laien kaum zu merken.