Ablaufdaten

Neulich in der Apotheke:

Kunde: „Sie haben mir ein abgelaufenes Medikament verkauft!“

Pharmama: „Oh. Das ist fast nicht möglich, wir kontrollieren die Ablaufdaten regelmässig.“

Kunde: „Und was ist das dann? Da steht drauf FEB 10! Und jetzt ist …“

Pharmama: „Ja, das bedeutet aber Februar 2010. Nicht der 10. Februar.“

Dasselbe Problem gibt es auch mit Leuten, die das Herstellungsdatum (MFD) für das Verfalldatum (EXP) halten. So wie hier.

nervige Vertreter

Da schickt mir doch die sunrise einen Brief mit folgendem Text:

Sie haben sich vor kurzem für Sunrise click&call 15000+ entschieden. Dafür danken wir ihnen nochmals herzlich. …Leider ist Ihre Anmeldung bis heute nicht bei uns eingetroffen… Bitte unterschreiben Sie…

Darauf werde ich nicht mal antworten, geschweige denn das unterschreiben und zurückschicken, denn das stimmt einfach nicht. Vielleicht versucht das einer dieser Telefonvertreter einfach bei allen, die er kontaktiert hat – selbst wenn sie auf Telefonwerbung so allergisch reagieren wie ich.

Es gibt einfach unmögliche Vertreter. Die haben wir in der Apotheke auch. So wie vor ein paar Wochen.

Am Samstag bekomme ich ein Telefon von einer unglaublich aufdringlichen Vertreterin, die mir 3 Packungen von ihrem Mittel schicken will, weil wir ja im nächsten Monat Werbung dafür auf unserem Bildschirm im Laden machen. Nun, das mag sein, dass die Werbung da läuft, allerdings wird das von der Zentrale organisiert und das bedeutet nicht, dass ich darum die Produkte, die da beworben werden auch an Lager nehmen muss. Das liegt nämlich in der Eigenverantwortung von jedem Geschäftsführer. Die Vertreterin besteht jedoch darauf, dass ich das müsse und sie werde 3 Packungen schicken. Meine Antwort darauf: Nein!

Ehrlich, ich brauche dieses spezielle Mittelchen nicht. Ich möchte jetzt hier nicht die Firma diffamieren, aber ich kann ich mir nicht mal im Ansatz vorstellen, wie die in der Werbung versprochene Fettverbrennung und „Fettumverteilung“ vor sich gehen soll. Mal abgesehen davon, dass das biologisch nicht möglich ist: Ich kann meinen Körperzellen nicht sagen: „He Fettzellen! ein bisschen weniger an den Hüften und mehr am Busen, dann könnt ihr bleiben, ok?“ und genauso wenig überzeugt bin ich von ihrer anderen Indikation: der Gewichtsabnahme. O-Ton Werbepamphlet „… in Kombination mit einer ausgewogenen Ernährung und körperlicher Bewegung.“ – Dann nimmt man auch so ab, da brauche ich nicht noch irgendwelche Kapseln zu schlucken.

Das Mittel ist entsprechend auch nicht als Medikament sondern nur als Nahrungsmittelzusatz zugelassen.

Langer Rede kurzer Sinn: die Zentrale kann zwar entscheiden dafür Werbung zu machen, ich kann mich aber genauso dafür entscheiden das Mittel nicht zu empfehlen und es auch nicht an Lager zu nehmen. Wenn es jemand will, kann ich das auch über unseren normalen Lieferanten bestellen.

(Fortsetzung folgt)

Ersatzpräparat

Es ist Samstag Mittag – die meisten Apotheken in der Umgebung haben bereits zu. Ein Kunde (mittelalter Mann) drückt mir ein Rezept mit angeheftetem Kassabon in die Hand.

Auf dem Rezept sind 3 Medikamente. 2 davon wurden laut Kassabon in einer anderen Apotheke bezogen. Ich entziffere das dritte als Voltaren Migräne. Voltaren Migräne? Noch nie gehört.

Der Kunde: Haben Sie das? Jetzt bin ich schon in drei anderen Apotheken gewesen, die das nicht hatten.“

Ich sage: „Nein, das muss neu sein, das haben wir noch nicht hier.“

Ich sehe seinen enttäuschten Gesichtsausdruck.

Pharmama: „Aber ich kann mal nachschauen, was da drin ist und es eventuell ersetzen, wenn es dringend ist.“

Es ist. Er braucht das gegen seine Kopfschmerzen, die ihn jetzt schon ein paar Tage am Stück plagen.

Der Computer sagt mir, dass da Diclofenac-Na 50mg drin ist. Wenn ich nach Generika suche, gibt es mir Voltaren rapid an – sogar als die gleiche galenische Form. Auf Deutsch: auch bei Voltaren Migräne handelt es sich wieder nur um ein Co-Marketing Medikament.

Dafür machen sie sicher Werbung bei den Ärzten (denn es ist auch rezeptpflichtig). Statt 10 oder 20 Tabletten wie in  Voltaren rapid, gibt es dafür nur 6 oder 12 Tabletten – und sie sind NLP, werden also nur zum Teil von der Zusatzversicherung bezahlt – Im Gegensatz zum rapid, das von der Grundversicherung übernommen wird.

Da das für den Kunden, der bei der Assura versichert ist, egal ist (er zahlt sowieso erstmal selber und er braucht es jetzt), stimmt er zu, dass ich ihm statt dem Voltaren Migräne das identische Voltaren rapid 10 Stück gebe.

Ich gebe ihm noch ein paar Tips, was er sonst noch machen kann gegen seine Migräne und er geht zufrieden aus dem Geschäft.

Ich bin auch zufrieden: Da habe ich wirklich mal wieder das Gefühl etwas gut gemacht zu haben. Für so etwas arbeite ich!

Zukunftsaussichten – iPill

Hier kommt die „intelligente“ Pille.

Eigentlich ist es mehr eine Einweg-Sonde. Denn mit normalen Tabletten hat diese Pille ausser vielleicht der Form nicht mehr viel zu tun. Das Ding ist 1 x 2.5 cm gross, hat einen Tank mit dem sie Medikamente transportiert, eine Batterie auf Silberoxidbasis, einen Prozessor, der eine Pumpe steuert, die das Medikament dann genau am richtigen Ort im Verdauungstrakt freisetzt und Sensoren welche pH Wert und Temperatur messen können, sowie einen Sender, der die Daten dann nach aussen funkt.

Im Prinzip ist es für den Patienten kein Unterschied: er muss die Pille schlucken, den Rest passiert von alleine. Die Freisetzung des Wirkstoffs wird ausgelöst, wenn der richtige Darmabschnitt erreicht ist – das wird durch pH Messung  festgestellt. Die Freisetzung kann dabei kontinuierlich, nur an einer ganz bestimmten Stelle oder an verschiedenen vorher bestimmten Stellen erfolgen. Am Ende kommt die Tablette unten wieder heraus. Die Batterie ist dann allerdings flach und man soll sie auch nicht wieder aufladen können. (Ich bin aber sicher, es gibt trotzdem ein paar Patienten, die das Ding ausgraben müssen und danach fragen – wie die Adalat CR, deren Kapseln auch optisch unverändert unten wieder rauskommen …Ääääh!)

Mehr Info zur iPill hier.

Aber es wird noch etwas dauern, bis sie kommt. Und ob das auch wirtschaftlich ist?

Preisfragen

Immer wieder sehe ich, dass Leute auf meiner Seite landen weil sie suchen nach: Preis von xy.

Man wird hier in diesem Blog so gut wie nie eine Preisangabe für ein Medikament finden. Das hat verschiedene Gründe. Einerseits will ich nicht Werbung für ein Medikament machen. Andererseits spielt ja auch der Markt und was bei uns soviel kostet, ist vielleicht in einer anderen Apotheke oder Drogerie zu einem anderen Preis zu haben. Und dann ist jede Angabe, die ich machen würde innert kürzester Zeit falsch. Denn es gibt noch so was wie Preisänderungen.

Im Moment ist es so, dass ich etwa 2 x pro Monat Medikamente und Drogerieartikel umschreiben muss. Zum Glück jeweils nur wenig, aber immer wieder.

Anfang Januar war es wieder mal eine ganze Menge. Der Etikettendrucker spuckte Etiketten aus, bis die Papierschlange quer durch den Raum reichte.

Es braucht enorm Zeit, all das umzupreiseln. Einfacher wäre schon die Methode von Coop, dass man das alles nur noch am Regal anschreibt – aber das finde ich eine reichlich kundenunfreundliche Methode.

Ah. Noch was. Für diejenigen die jammern, die Preise gehen immer nur nach oben: das ist nicht ganz korrekt. Einiges ist schon teurer geworden (so zwischen 20 – 80 Rappen pro Stück) aber vor allem bei den rezeptpflichtigen Medikamenten gab es markante Preisabschläge.

Z.B. die Packung Nexium unten ist grad 22 Franken günstiger geworden!

Und sie ist nicht die einzige.

So Preisabschläge sind ja gut für die Patienten und das Gesundheitssystem und dementsprechend zu unterstützen. Für die einzelne Apotheke stellen sie aber je nachdem eine ziemliche Belastung dar. Wir haben die Medikamente, die da auf einmal weniger wert sind ja an Lager. Das ist ein nicht unheblicher Lagerverlust (einmal habe ich nachgerechnet, da waren es für CHF 1600.- Preisabschläge) – da müssten sehr viele andere Sachen um 40 Rappen aufschlagen, dass ich das wieder hereinbekäme…

Ok, es gibt ein paar Möglichkeiten zumindest einen Teil des Geldes wiederzuholen. Manche Firmen bieten die Medis, die abschlagen 1 Monat vorher zum neuen Einkaufspreis an – das Problem ist, dass bei weitem nicht alle Medis innert 1 Monat umschlagen kann, d.h. davon profitiert man oft gar nicht.

Bei anderen Firmen kann man den Lagerverlust angeben und sie geben einem dafür einen Ersatz – meist in Form eines ihrer Medikamente. Das Problem ist, dass sie das erst ab einer gewissen Geldmenge machen (z.B. ab CHF 30.-) und das erreicht man bei einer einzelnen Firma dann nicht.

Ausserdem ist das ein ziemlicher Aufwand, weil man jede Firma einzeln angehen muss und oft kommt gar nichts heraus.

Geld, dass man sich ans Bein streichen kann. A fonds perdu.

Noch ein Beitrag der Apotheken zum Sparen im Gesundheitssystem ….

Medikamente per Internet? Besser nicht.

Wenn man bedenkt, wieviele der Medikamente, die man per Internet bestellen kann gefälscht sind, mit nicht getesteten Inhaltsstoffen, z.T. giftigen Zusätzen, mit falschen Angaben auf der Packung und wenn man sieht, wo die meisten dieser Tabletten herkommen (aus Billigwerkstätten in Hinterhöfen oder alten Fabriken in Drittweltländern) … also, mir wäre meine Gesundheit zu wichtig, als sie so aufs Spiel zu setzen. Nur weil man ein paar Franken sparen will, oder nicht den offiziellen Weg gehen will – der durchaus da ist: Auch Dein Arzt  kann Dir Viagra, Cialis etc. verschreiben.