Das Internet weiss alles …

Gefunden in einem Frage-Forum:

Wick MediNait trotz Paracetmol Allergie?
Wie meine Titel schon verrät geht es darum das mein Freund krank is und er Wick MediNait nehmen würde aber er hat eine Allergie gegen Paracetamol. Es sind nach Packungsbeilage 2g drin is das zuviel…

Und genau das ist der Grund, warum man so Fragen den Fachpersonen und nicht im Internet stellen sollte … und wenn sie es in der Apotheke gekauft hätte, hätte sie die Frage dort gleich stellen können – und eine vernünftige Antwort erhalten. Oder ein rascher Anruf in die Apotheke- kostet außer den Telefongebühren nix. Wofür sind wir denn die praktisch Best erreichbaren Medizinalpersonen? Und bei ins ist guter Rat auch noch gratis – das bekommt man sonst kaum mehr!

Stattdessen wartet sie im Forum, bis sich jemand erbarmt – und wenn sie Pech hat, hat der Antworter bestenfalls ein Halbwissen und antwortet etwas im Sinn von: „Wenn Du nicht so viel gibst, sollte das nichts ausmachen.“

Brrr.

Alt und neu (?): Vindex

Von Leserin und Kommentatorin Nicoretta:

Vindex-Kompressen von Flawa. Die Beschreibung auf der Hinterseite erklärt das Produkt so: „VINDEX desinfiziert, verhütet Entzündungen und Eiterung, lindert Schmerzen, fördert die Überhäutung und klebt nie auf der Wunde. Brand-, Schnitt-, Schürf- und Quetschwunden: VINDEX-Kompresse mit Gazebinde oder Pflaster festmachen. 1-2mal täglich erneuern. Sonnenbrand, Gfrörni: VINDEX-Salbe in Tuben.“ (Das Wort Gfrörni ist so härzig…)
Laut flawa.ch wurde VINDEX 1919 entwickelt; die Dose muss also aus den frühen 50er-Jahren sein… („…seit 30 Jahren bewährte Marke VINDEX…“) Besonders interessant finde ich den „pfeilartigen“ Streifen zwischen rot und schwarz: es ist eine Goldfarbe, die sich fast wie Sandpapier anfühlt… Meine Mutter kann sich noch an die Dose errinnern; ihre Lehre machte sie in den späten 50ern…

Ah, an Vindex erinnere ich mich, die gab es noch im hellblauen Metalldöschen, als ich angefangen habe zu arbeiten – und selbst heute fragen noch gelegentlich ältere Personen danach.

Überraschung: Vindex gibt es anscheinend noch, ist allerdings nur über das Internet zu erhalten. (Update 2014: nicht mal das mehr)

Es wurde ursprünglich aus dem Handel gezogen, weil die Salbegetränkten Gazeplätzchen in der Metalldose einfach zwischen Pergamentpapier aufbewahrt wurden – was nicht den heutigen Hygienevorschriften entspricht. Heute sind sie einzelverpackt und im Karton. Was es allerdings bringt ein Produkt, das vor allem von älteren Personen verlangt wird nur noch über’s Internet zu vertreiben (und nicht einmal mehr im Galdat Stamm zu haben, den die Apotheken und Drogerien konsultieren) sei mal dahingestellt. (und wir sehen’s jetzt 2014:  bringt gar nichts).

Zur Beachtung: Nicoretta hat mir auch ein neueres Bild von Irgapyrin geschickt – das es in veränderter Zusammensetzung auch noch länger gab. Siehe Post hier.

Alt und neu: Tussanil und Febracyl

Von Armin – der auch schon die Verbandwatte eingeschickt hat:

ich habe beim durchstöbern des Medi-kästchens meiner Mutter ein paar nette Entdeckungen gemacht welche in deine alte Medikamente Sammlung passen könnten.
Das letzte mal als es in diesem Haushalt Babies gab, war 1981, das sollte ein Hinweis zum Alter sein. Leider habe ich bei den meisten kein Ablaufdatum gefunden.

oben: alt, unten: neu – ich hatte leider nur die für Kleinkinder zur Hand, aber die für Säuglinge gibt es auch noch.

 

Das Febracyl (von der gleichen Firma übrigens) gibt es inzwischen nicht mehr. Es enthielt Paracetamol und Propyphenazon (je 125mg). In der Schweiz ist übrigens gar kein Produkt mehr mit Propyphenazon drin im Handel – was wohl daran liegt, dass es auch fast keine Kombinationspräparate sonst mehr gibt.

Alt und neu: Flawa, Hydrophile Verbandwatte

Armin hat mir / uns einige Bilder geschickt von Medikamenten, die er im Medikästchen seiner Mutter entdeckt hat. Da sind ein paar tolle dabei, die ich Euch nicht vorhalten will.

Erst mal die hydr. Verbandwatte von anno 1941 – offenbar aus Armeebeständen:

„Flawa“ war damals noch eine Produktebezeichnung, ab 1949 wird es zur Firmenbezeichnung. Ein echtes Schweizer Produkt!

Wobei mir zu hydr. noch einfällt: Das heisst hydrophil, also wasseranziehend. nicht hydraulisch, wie es ein Kunde mal bei mir verlangt hat :-)

Alt und Neu: Kaliumiodid

Heute mal etwas besonderes:

Oben die alte, unten die neue Verpackung. Sieht gar nicht so alt aus, die alte – nicht?

Das ist ein Medikament das so nicht im Handel ist und trotzdem haben wir in der Apotheke einige davon an Lager. Dabei hoffe ich, es NIE brauchen zu müssen.

Warum? Ich darf Wikipedia zitieren:

Kaliumiodid hat im Strahlenschutz eine Bedeutung. In Form von Tabletten (umgangssprachlich als „Jodtabletten“ bezeichnet) wird Kaliumiodid bei Strahlenunfällen vorbeugend verabreicht. Die durch das Kaliumiodid bewirkte Iodblockade führt zu einer Verminderung der Aufnahme radioaktiven Iods (131I) in die Schilddrüse um den Faktor 90 und darüber.

In der Schweiz wird Kaliumiodid präventiv an die Bevölkerung im Umkreis von 20 km um Kernkraftwerke abgegeben. Das schweizerische Bundesamt für Gesundheit ordnet bei einem Unglücksfall die Einnahme der Kaliumiodidtabletten über Sirenenalarm und Radiomitteilungen an.

Also: Im Falle eines Reaktorunfalls oder sonst bei Austreten von Radioaktivität muss man das nehmen, damit sich das radioaktive Jod nicht in der Schilddrüse ansammelt und Krebs verursacht. Nicht nur die Bevölkerung um die Atomkraftwerke hat das bei sich zu Hause, in der Schweiz sind ausserdem die Schulen, Behörden, Krankenhäuser und Apotheken mit Packungen ausgerüstet – noch mehr dürften sich in den Militärbeständen befinden. Info siehe auch hier: http://www.kaliumiodid.ch/

Obige alte Packung stammt auch aus einer Schule. Die Packungen sind abgelaufen und sie haben neue bekommen- eigentlich hätten sie die alten direkt an die Armee zurückschicken sollen, aber gewisse fanden es einfacher, es in die Apotheke zu bringen zum entsorgen.

Kleiner Nachtrag: Das ist so ein Fall, wo das Verfalldatum der Tabletten absolut keinen Sinn macht. Die gehen nicht kaputt, der Wirkstoff baut sich nicht ab – trotzdem werden sie ausgetauscht.