Hokuspokus aus der Apotheke: die Spezialmischung

Erzählt mir die Apothekerkollegin von der sehr wirksamen Lösung, die sie für die Freundin eines älteren Mannes gefunden hat. Der hatte ein weitverbreitetes Problem: Wie viele andere im höheren Alter nahm der nämlich zu wenig Flüssigkeit zu sich. Das Durstgefühl geht teils verloren. Die Dehydration (Asutrocknen), die daraus folgt ist nicht ganz ungefährlich. Unter anderem wird „zu wenig trinken“ als Ursache von vielen Änderungen im mentalen Status angenommen, lies: Vergesslichkeit, Aggressivität etc.

Jedenfalls hat sie versucht ihn dazu zu bringen, mehr zu trinken, aber das funktionierte so nicht … bis in der Apotheke dafür eine Medizin fand.

Die Tropfen wurden speziell für sie hergestellt.

Von diesen hochwirksamen Tropfen musste ihr Freund jeweils genau 3 in ein grosses Glas Wasser geben. Sie mussten unbedingt so verdünnt werden. Und das musste unbedingt pro Tag 3 x gemacht werden, damit es ihm half.

Und es half. Seine Stimmungsschwankungen verschwanden und sein Allgemeinzustand besserte sich auch laut eigener Aussage wesentlich.

Was war in den super-hochwirksamen Tropfen? … auch nur Wasser. Als Spezialmischung abgepackt und professionell beschriftet. Aber damit hat er zumindest 3 Gläser Wasser getrunken pro Tag.

Natürlich … das geht in die selbe Richtung, wie der Monster-Spray:

monsterspray

Wenn’s hilft? Wieso nicht. Überzeugung ist dabei mehr als die halbe Wirkung.

Auffallende Kundenwünsche

chemgesetz

Die neuste Anfrage von Herrn Timber vor Fasnacht. Ihr erinnert Euch noch an Herrn Timber? Das ist der Herr mit den lustigen Anfragen bezüglich Chemikalien und Co. Von weitem betrachtet mag das tatsächlich suspekt erscheinen … aber so wie ich ihn kennengelernt habe, hat er einfach interessante Hobbies und ist nicht ein Fall für eine Meldung an die Fedpol.

Was? Ihr habt das noch nicht mitbekommen? In der Schweiz wurden die Apotheken nun offiziell dazu aufgerufen, dem Bundesamt für Polizei verdächtige Chemikalienkäufe zu melden. Terrorismusprävention und so.

Nun … ich weiss ja nicht, wie es bei Euch ist, aber bei uns verkaufen wir nicht mehr sehr viele Chemikalien an Privatpersonen. Und vor allem keine grösseren Mengen. Ich bin sicher, das hängt damit zusammen, dass es vieles jetzt nicht mehr wie früher nur in der Drogerie und Apotheke, sondern auch im Supermarkt gibt (Brennsprit, Ablaufreiniger, WC Reiniger, Nagellackentferner) oder im Gartenzenter (Düngemittel) oder im Internet. Es kommen nicht mehr viele bei uns Chemikalien kaufen. Grössere Mengen schon gar nicht. Da fällt so praktisch jeder auf. Aber auffallen heisst nicht unbedingt verdächtig. Das haben sie zumindest hierzulande erkannt, weshalb die Meldung auch freiwillig ist. Das finde ich noch gut – denn … wir kennen unsere Kunden. Herr Timber war sicher sehr auffallend mit seinem Wunsch nach mehreren Litern Wasserstoffperoxid … hatte aber auch eine gute Erklärung für seinen Wunsch und gar nichts dagegen, dass ich mir (auch damals schon) seine Daten habe geben lassen.

Diesmal will er aber keine Chemikalien – das hat er anscheinend schon.

Er streckt mir ein kleines Metallröhrchen von etwa 1,5 cm Länge hin und erklärt mir, dass das etwas zum „Rauch machen“ ist bei der Modelleisenbahn. Man füllt Rauchmittel ein und mit ein bisschen Strom raucht das dann … aber leider nur für etwa 5 Minuten.

Herr Timber: „Ich brauche irgendetwas damit das ein paar Stunden raucht. Ich habe gedacht, wenn ich so ein Infusionsbesteck und eine Flasche daran hänge, geht das vielleicht. Bekomme ich so etwas von ihnen?“

Zur Info: Natriumchloridlösung mit Infusionsbesteck ist eigentlich rezeptpflichtig. Liegt an der Anwendungsart, nicht an dem was drin ist. Aber … hier wendet er es ja nicht intravenös an …

Ja, er hat von mir die NaCl Flasche mit Infusionsbesteck bekommen. Und eine Nadel, damit das mit dem Metallröhrchen verbunden werden konnte.

Anscheinend hat es geklappt, denn als nächstes brauchte er noch eine grosse Spritze zum nachfüllen der Flasche.

Ich sag ja: Interessante Hobbies.

Nachrichten aus dem Notdienst

Durch den Apothekennotdienst hat ausserhalb der regulären Öffnungszeiten immer eine Apotheke geöffnet … und damit wird die Versorgung der Bevölkerung mit Arzneimitteln sichergestellt. Der Apothekennotdienst wird gebietsweise von den Apotheken im Turnus geleistet. Da die Abgabe von Arzneimitteln eine pharmazeutische Tätigkeit darstellt, muss grundsätzlich ein Apotheker anwesend sein. In Gebieten mit wenig Apotheken kann so ein Notdienst (mit Nacht- und Sonntagsdienst) alle 5 bis 10 Tage der Fall sein – und ist im Normalfall ein Verlustgeschäft (trotz der zusätzlichen Gebühren, die in Deutschland gerade mal 2,50 Euro betragen). Das ist hart … und diese Apotheken schauen der „Ausdünnung“ der Apotheken mit Besorgnis entgegen.

In der Schweiz gibt es ausser dem Turnusmodell (und höheren Notdienstpauschalen) vereinzelt auch feste „Notfallapotheken“, die auch dann offen haben, wenn die anderen geschlossen sind. Entweder sie sind normale Apotheken, die rund um die Uhr 365 Tage im Jahr geöffnet haben, oder es gibt spezielle Notdienstapotheken, die dann offen haben, wenn andere geschlossen sind (Beispiel Basel). In einzelnen Kantonen, wo die Ärzte Selbstdispensation betreiben und einen Grossteil der Medikamente abgeben, ist es inzwischen aber so, dass von den Apotheken kein Notfalldienst mehr angeboten wird (z. Bsp. Nidwalden und Schwyz) – das war finanziell nicht mehr tragbar. Die Ärzte haben allerdings auch (normale) Öffnungszeiten, so dass die Bevölkerung bei einem medizinischen Problem den Sanitätsnotruf wählen muss … oder in einen Nachbarkanton fahren.

Das Ladenschlussgesetz in Deutschland sagt übrigens, dass während des Notdienstes von Apotheken nur Arznei-, Krankenpflege-, Desinfektions-, Säuglingspflege- und Säuglingsnährmittel sowie hygienische Artikel abgegeben werden dürfen. Notdienst halt. Leider sehen viele Leute das einfach als „erweiterte Öffnungszeiten“ an – und überhaupt nicht ein, weshalb das auch noch zusätzlich etwas kosten soll (Notdienstpauschale), oder weshalb der Apotheker sich über den Umsatz oder die Anfrage nicht freut. Ich meine … wenn er schon da ist ….

Und manchmal sind es auch die eigenen Angestellten:

Der Pta-Lehrling heute am Telefon……„….Ja kein Problem, Sie können das abholen wann Sie wollen,der Chef hat heute die ganze Nacht Notdienst…..“

notdienst

Hier ein paar „Müsterli“ aus aktuellen Notdiensten aus deutschen / österreicherischen und schweizer Apotheken gesammelt von Facebook (mit Kommentar in kursiv von mir)

Viele Leute rufen (auch nachts) vorher an, wohl zum sehen, ob man wirklich offen hat, oder ob man das gewünschte Produkt an Lager hat. Auch wenn man damit als Kunde Zeit gewinnt, sollte man sich bewusst sein, dass die Apothekerin (die vielleicht auch am Tag vorher schon gearbeitet hat, oder morgen noch arbeiten wird) vielleicht auch einmal schlafen will – und sich überlegen, ob die Anfrage genau jetzt wirklich so wichtig ist.

Da ich heute im Notdienst kein Arsenicum album C200 da hatte und auch nicht mehr bestellen konnte, will sich der anonyme Arzt, der sich telefonisch gemeldet hatte, am Montag bei der Apotheker- und Ärztekammer beschweren, wegen unterlassener Hilfeleistung im Notfall. Er braucht das dringend wegen psychischer Störungen.

Jaaa – homöopathische Mittel. Nicht wirklich so das, was etwas bringt. Auch wenn es offenbar auch Ärzte gibt, die das denken (wenn das denn wirklich einer war).

Beim Biss in die bestellte Pizza ein Anruf :
„Ich kann seit einer Woche nicht zur Toilette gehen. Ich habe seit gestern Kräuterlax und LAXORABEL (beides Abführmittel) genommen, aber trotzdem kann ich mit der Vaseline nur so winzige Ziegenköttelchen rauspulen…“

Zu viel Info! Vor allem beim Essen – und auch wenn das Mitteilungsbedürfnis vielleicht überwältigend wurde, nichts was die Apothekerin am Telefon daran ändern könnte.

Anruf von derselben Person 4mal am Abend (gebetsmühlenartig) ob ein Schmerzmittel denn wirklich so genommen werden sollte wie der Arzt es verordnet hat?

Ja – wirklich. Sollte es nicht reichen, das einmal zu bestätigen und sie danach an den verschreibenden Arzt zu verweisen? Nur dass der jetzt halt nicht da ist … und der Anruf in die Apotheke ja gratis.

Kundin: „Ich brauche die Pille danach, haben Sie die?“
Ich: „Ja habe ich.“
Kundin: „Können Sie die auch bringen?“

Nein. Notdienst hat man im Normalfall alleine. Hauslieferungen gibt es nur tagsüber – das ist auch in den 2,50 nicht inbegriffen. Im übrigen reicht das mit der Pille danach auch morgen noch: die kann man bis max. 5 Tage nachher nehmen.

Anruf: „Haben Sie… da?“
„Ja“
„Ok, danke. Kommen dann.“
Rekord: 7 Stunden später kamen „wir“ dann…

Und der Apotheker hat inzwischen in Erwartung des Patienten wahrscheinlich ziemlich schlecht geschlafen (wenn er dazu gekommen ist)

23.00 Uhr, Telefon: „Haben Sie Notdienst? Haben Sie Fiebersaft?“

Klassiker. Am liebsten wäre man ja sarkastisch ünd würde antworten: Nein, ich gehe immer so spät ans Telefon und Fiebersaft gibt es nur bei Deichmann…. (Schuhladen)

Anruf: „Ich bin erkältet und trinke Ingwer-Tee!! Kann ich trotzdem Milch-Produkte zu mir nehmen oder wirkt der dann nicht mehr?“

Seufz. der Ingwertee kommt wahrscheinlich aus dem Supermarkt, auch weil man der „Pharma“ misstraut, aber die Apotheke kommt für eine „medizinische“ Nachfrage nachts gerade recht.

01:35 Anruf, junge Frau: „Hallo, ich habe ein Problem, ich nehme Yasmin ein, und auf der Verpackung ist ‚dajksjlhds ajslka hfeakj‘ geschrieben.“
„Ehm…entschuldigung?“
„’dajksjlhds ajslka hfeakj‘, was soll ich jetzt machen?“
„Ist das deutsch?“
„Nein, ich glaube das ist portugiesisch!“
„Sorry, aber ich verstehe portugiesich nicht.“
„Ach so, ok…“

Das ist ein Problem, das wir in der Schweiz nicht haben: Offenbar ein Parallelimport-Medikament. Schon Yasmin, aber halt mit portugisischer Umpackung. Das sollte übrigens trotzdem eine Packungsbeilage in deutsch haben …

Männlicher Anrufer um 3:20 Uhr: „Kann ich die Pille danach für meine Freundin abholen?“
(… Erklärung, dass die Frau selber herkommen muss wegen der Abklärungen vor der Abgabe)
„Nein, ich kann meine Freundin nicht mitbringen, die will die Pille ja nicht nehmen!“

So funktioniert das aber nicht. Echt nicht.

Anruf um 3.30 Uhr : „Haben Sie Schnuller vorrätig? Meine Tochter macht mich wahnsinnig.“
Das „Beste“ war ja noch das die Frau rumjammerte sie wären auf einer Hochzeit und jetzt könnte sie gar nicht feiern…! Weil das Kind ständig schreit.

Rabenmutter. Sorry. Mein Mitleid gilt hier höchstens dem Kind, das sie mitschleppen musste und das sicher im Bett ruhig schlafen würde.

Aber auch wenn die Patienten oder Kunden wirklich vorbeikommen … nicht immer ist es so ein Notfall:

„Haben Sie Bittermandelöl? Ich möchte es nur mal riechen. Mein Nachbar hat ein Loch durch die Wand gebohrt und träufelt es in meinen Kaffee. Ich weiß es genau. Er will mich umbringen……“

Der Kunde nimmt seit Donnerstag täglich 4 Dolomo (Schmerzmittel-Kombipräparat), die nicht helfen und jetzt (Nachts nach 12 Uhr) will er Grippemittel …

Ich denke nicht, dass das die richtige Lösung ist …

Muss man morgens um 4 Uhr schleimlösenden Hustensaft kaufen, weil das Kind die „Sofortwirkung“ braucht? Ich glaub`s ja nicht, aber wenn Eltern unbedingt wach bleiben wollen…

Schleimlösende Mittel „wirken“ erst dann gegen den Husten, wenn der so verflüssigte Schleim abgehustet wurde …

Um 5.45 Uhr steht jemand vor der Tür mit einem Rezept über Moviprep. Um 8.00 Uhr sei der Termin zur Darmspiegelung…

Ja – das ist dann definitiv zu spät. Mit der Darmspiegelungs-vorbereitung muss man mindestens einen Tag vorher anfangen.

Gestern wollte der Kunde das Rezept mit dem Antibiotikum nicht einlösen…
Heute nacht steht er damit wieder vor der Türe : „Möchten Sie es doch einlösen?“
Antwort : „Ja. Ist scheiße so.“

Das ist dann allerdings irgendwo verständlich.

Haftcreme ist ja auch so’n Notdienstartikel…

Genauso wie Zahnbürsten, befeuchtende Augentropfen und Nasenspray …. Es gibt Situationen, wo man das ganz plötzlich braucht. Aber dann sollte man sich nicht über den Preis oder gar die Notdienstpauschale beklagen. Haben die Leute schon einmal den Schlüsseldienst, den Klempner oder den Abschleppdienst nachts gebraucht? Da zahlt man für den Notdienst dann viel mehr.

Columbo-Kunden

Da war diese Patientin, die regelmässig 5 Minuten vor Ladenschluss hereinkam mit einem neuen Rezept. Das ist abends um kurz vor 7 Uhr. Sie gehört auch nicht zu den Personen, die den ganzen Tag arbeiten müssen .. und trotzdem machte sie das regelmässig.

Dann würde sie – nachdem man das Rezept ausgeführt hat und ihr die Dosierung erklärt hat – fragen, ob (und wieviel) die Versicherung daran zahlen würde, ob es da nicht etwas gebe, das man ohne Rezept bekommt, was für Nebenwirkungen das hatte und dann … entschied sie sich (fast immer) dafür das Medikament doch nicht zu nehmen.

Noch nicht genug damit versuchte sie immer noch länger zu bleiben indem sie nach Vorschlägen für Medikamente für ihre anderen Beschwerden fragte. … Das alles, während rund um sie herum der Laden geschlossen wurde: Strassensteller hineingenommen, andere Kasse nach hinten versorgt, Computer heruntergefahren und schliesslich Türe geschlossen … denn inzwischen war es meist 15 Minuten nach Ladenschluss.

Das war die schlimmste. Da half eigentlich erst, als man ein paarmal sagte, dass man das Rezept leider erst am nächsten Tag ausführen könnte (weil Medikament nicht da … oder so) und ziemlich deutlich wurde, was die Schliesszeit betraf („Tut mir leid, aber wir schliessen jetzt, ich berate sie gerne morgen zu den Öffnungszeiten über XYZ, ich sehe schon, dass das etwas länger dauert“ – freundlich lächeln nicht vergessen).

Aber auch tagsüber gibt es so ein paar Kunden, die nenne ich für mich „Columbo-Kunden“. Ihr wisst schon, das war dieser Detektiv, gespielt von Peter Falk in der amerikanischen Fernsehserie. Sein Standardzug war, dass er wenn er einen Verdächtigen hatte, da nicht locker liess … und bei Befragungen auch immer wieder mal zurückkam mit: „Ich hätte da noch eine Frage …“ („Just one more thing“)… immer dann, wenn man dachte, jetzt sei er fertig.

So ein Columbo-Kunde geht ähnlich vor. Erst hat er ein neues Rezept (okay), dann fällt ihm ein, dass er vom Dauerrezept auch noch das eine mitnehmen könnte (okay) … und wenn man das hat, dann kommt garantiert vom selben Dauerrezept nochmal etwas. Und dann vom Augenarzt die Tropfen. Und dann (wenn man schon hier ist) könnte man ja auch grad noch (irgendetwas aus dem Freiverkauf?) mitnehmen. Das ist alles okay (ich meine: ist ja gut, wenn man das alles zusammen machen kann) – wenn man dabei nicht das Gefühl hätte, dass das absichtlich so … Stufenweise gemacht wird. Dazwischen hat man immer wieder praktisch den Vorgang abgeschlossen, man ist bei den letzten Smalltalk Worten zur Verabschiedung … und dann kommt noch etwas. Rinse and repeat. Da hilft es auch nichts, wenn man jedesmal fragt: „Darf es sonst noch etwas sein?“ Oder „Brauchen Sie heute noch etwas anderes?“ … denen fällt immer noch etwas ein. Einfach erst nachher.

Tagsüber finde ich das ansatzweise nervig (da Zeit- und auch Papierverschwendung, wenn noch mehr Etiketten ausgedruckt werden), aber nicht sehr schlimm – ausser es warten deutlich noch andere Kunden darauf, dass die so lange „gebundene“ Apothekerin frei wird. Abends nach Ladenschluss ist es einfach nur unverschämt.

Das ist mir zu kompliziert.

Telefon. Unser Lehrling (Le) nimmt ab. Sie ist noch nicht allzu lange dabei, also möge man ihr die nicht ganz optimale Gesprächsführung verzeihen.

Ein Mann (EiMa): „Guten Tag, könnten Sie mir ein Bronchovaxom bestellen?“

(Kleiner Einschub: das war noch bevor das hier rezeptfrei wurde. Ein Mittel um das Immunsystem auf ein paar gängige Erkältungsbakterien vorzubereiten. Es enthält Bakterienbestandteile – praktisch eine Schluckimpfung)

Le: „Ja– brauchen Sie eine kleine oder eine grosse Packung?“

EiMa: „Keine Ahnung, meine Freundin hat mir das empfohlen. Ich möchte eine Kur machen.“

Le: „Ich schaue mal nach, wie … oh. Das braucht ein Rezept.“

EiMa: „Ich habe keines … aber ich habe mit dem Arzt telefoniert. Er sagt, ich kann das nehmen und ich soll das in der Apotheke holen.“

Le: „Moment, ich muss rasch die Apothekerin fragen.“

Sie schildert mir das und ich erkläre ihr, dass ich bereit bin das ohne Rezept abzugeben, ich muss es einfach eingeben und eventuell beim abholen noch ein paar Sachen fragen. Ich erkläre ihr auch, wie man das nehmen muss, was sie an ihn weitergibt.

Le: „Sie sagt, ich kann ihnen das Bestellen. Also … normalerweise nimmt man das 3 Monate lang, jeweils an 10 Tagen im Monat, also wäre das für eine Kur 30 Kapseln – eine grosse Packung.“

EiMa: „Oh, sehr gut, die nehme ich.“

Le: „Ich bestelle es gerne für sie. Wie ist ihr Name genau?“

EiMa sagt es ihr.

Le: „Okay. Ich finde sie noch nicht im Computer. Wenn wir es abgeben, müssen wir das, weil es rezeptpflichtig ist unter ihrem Namen eingeben, die Apothekerin fragt sie dann noch ein paar Sachen. Bringen sie doch bitte die KK Karte mit.“

EiMa: „Aber ich zahle es bar!“

Le: „Ja, aber es ist einfacher so zum eingeben.“

EiMa: „Das ist mir zu kompliziert. Lassen wir das.“

Und hängt auf.

Bald danach wurde das Mittel übrigens rezeptfrei. Aber das war zu spät für diesen Herrn.

Aber: Ist das ein Schmerzmittel?

Abendverkauf. Es ist ziemlich ruhig. Das Pärchen im mittleren Alter stellt mir eine Tube Zahnpasta auf die Theke, die sie sich vorher sorgfältigst aus unserem reichen Angebot ausgesucht haben. Ausserdem übergibt er mir einen blauen Zettel mit wichtigem (und .. etwas misstrauischem?) Gesichtsausdruck. „Kennen Sie das?“

Lachesis D30

Steht auf dem Zettel.

Pharmama: „Hmm, ‚kennen‘ ist etwas zu viel gesagt, aber das ist ein homöopathisches Mittel.“

Auch wenn ich weiss, dass mir das nicht viel bringt, suche ich es in unserem Apothekensystem.

„Für was braucht man das?“ fragt mich jetzt die Frau.

Pharmama: „Da bin ich etwas überfragt … bei homöopathischen Sachen ist das nicht so einfach zu sagen – Ich habe das auch nicht hier, wenn Sie wollen kann ich es ihnen bestellen.“

Es folgt eine kurze leise Diskussion der beiden, die in folgende Frage an mich kumuliert:

Er: „Wie teuer ist das?“

Pharmama: „19 Franken 50“

Sie: „Und ist das ein Schmerzmittel?“

Pharmama: „Das … würde ich so nicht sagen. Das wird als homöopathisches Mittel vielleicht gegen Schmerzen verwendet, aber … „

Ich sehe ihren jetzt total verwirrten Gesichtsausdruck, deshalb frage ich nach:

„Haben Sie eine Ahnung von Homöopathie?“

Doppeltes Kopfschütteln. Offenbar noch nie gehört. Aber jemand hat ihnen das Mittel aufgeschrieben.

Er: „Es wurde uns empfohlen für die starken Rückenschmerzen der Grossmutter.“

Pharmama: „Okay. Vielleicht erzähle ich ihnen ein bisschen was davon?“

Doppeltes Nicken.

Pharmama: „Also, Homöopathie gehört zu den sogenannten alternativen Behandlungen. Es beruht auf dem Prinzip der Ähnlichkeit … also, wenn man etwas behandeln will, dann sucht man ein Mittel, das selber diese Beschwerden verursacht … und verdünnt dieses Mittel dann, bis praktisch nichts mehr nachweisbar ist. Ich nehme an, dass Lachesis also etwas ist, das selber Schmerzen verursacht, wenn man das an sich anwendet, aber ich weiss nicht, was es ist. (Ich hatte übrigens recht: Lachesis ist die Bezeichnung für eine Giftschlangenart … ). Man sucht für die Beschwerden das für die Person und Situation am besten passende Mittel. Am Schluss hat man jedenfalls kleine Kügelchen oder Tropfen, die dem Körper die Informationen geben sollen, damit man die Beschwerden behandeln kann.“

Er: „Aber ist das ein Schmerzmittel? Wirkt das gegen Schmerzen?“

Pharmama: „Es ist kein Schmerzmittel wie zum Beispiel Aspirin oder Paracetamol oder so – wenn es das ist, was sie wissen wollen.“

Die Kollegin, die hinten mithörte meinte nachher, ich hätte sagen sollen: „Wenn Sie ganz fest daran glauben!“ – Aber die besten Antworten fallen einem immer erst danach ein.

Sie wollten es dann nicht – respektive erst mal mit der Grossmutter selber besprechen. Was ich vernünftig finde.

Selbst wenn sie sich am Schluss für etwas homöopathisches entscheidet: da gibt es eine Riesen-auswahl, was man alles für Rückenschmerzen einsetzen könnte: ausser dem Schlangenextrakt oben hätten wir da noch Daumennagel des Pferdes (Castor Equi), Giftsumach (Toxicodendron), Brechnuss (Nux vomica), Biene (Apis), Knoblauch (Allium cepa) und noch viele mehr …

Ich wäre wirklich dafür, auch die deutschen Bezeichnungen auf die Mittel zu schreiben, das wäre vielleicht für manche auch ein Augenöffner.