Wie kommt es, dass die Leute, wenn man am Geldautomaten Geld abhebt, im Normalfall in schönem Abstand warten – aber in der Apotheke, wenn man gerade dabei ist einer Frau die richtige Anwendung des Abführmittels zu erklären (oder einem Mann das Sildenafil aushändigt) sich fast immer jemand findet, der sich direkt daneben stellen muss und möglicherweise einen auch noch unterbricht, um zu fragen ob wir „auch XY hier haben“?
Schlagwort: Kunden
Columbo-Kunden
Da war diese Patientin, die regelmässig 5 Minuten vor Ladenschluss hereinkam mit einem neuen Rezept. Das ist abends um kurz vor 7 Uhr. Sie gehört auch nicht zu den Personen, die den ganzen Tag arbeiten müssen .. und trotzdem machte sie das regelmässig.
Dann würde sie – nachdem man das Rezept ausgeführt hat und ihr die Dosierung erklärt hat – fragen, ob (und wieviel) die Versicherung daran zahlen würde, ob es da nicht etwas gebe, das man ohne Rezept bekommt, was für Nebenwirkungen das hatte und dann … entschied sie sich (fast immer) dafür das Medikament doch nicht zu nehmen.
Noch nicht genug damit versuchte sie immer noch länger zu bleiben indem sie nach Vorschlägen für Medikamente für ihre anderen Beschwerden fragte. … Das alles, während rund um sie herum der Laden geschlossen wurde: Strassensteller hineingenommen, andere Kasse nach hinten versorgt, Computer heruntergefahren und schliesslich Türe geschlossen … denn inzwischen war es meist 15 Minuten nach Ladenschluss.
Das war die schlimmste. Da half eigentlich erst, als man ein paarmal sagte, dass man das Rezept leider erst am nächsten Tag ausführen könnte (weil Medikament nicht da … oder so) und ziemlich deutlich wurde, was die Schliesszeit betraf („Tut mir leid, aber wir schliessen jetzt, ich berate sie gerne morgen zu den Öffnungszeiten über XYZ, ich sehe schon, dass das etwas länger dauert“ – freundlich lächeln nicht vergessen).
Aber auch tagsüber gibt es so ein paar Kunden, die nenne ich für mich „Columbo-Kunden“. Ihr wisst schon, das war dieser Detektiv, gespielt von Peter Falk in der amerikanischen Fernsehserie. Sein Standardzug war, dass er wenn er einen Verdächtigen hatte, da nicht locker liess … und bei Befragungen auch immer wieder mal zurückkam mit: „Ich hätte da noch eine Frage …“ („Just one more thing“)… immer dann, wenn man dachte, jetzt sei er fertig.
So ein Columbo-Kunde geht ähnlich vor. Erst hat er ein neues Rezept (okay), dann fällt ihm ein, dass er vom Dauerrezept auch noch das eine mitnehmen könnte (okay) … und wenn man das hat, dann kommt garantiert vom selben Dauerrezept nochmal etwas. Und dann vom Augenarzt die Tropfen. Und dann (wenn man schon hier ist) könnte man ja auch grad noch (irgendetwas aus dem Freiverkauf?) mitnehmen. Das ist alles okay (ich meine: ist ja gut, wenn man das alles zusammen machen kann) – wenn man dabei nicht das Gefühl hätte, dass das absichtlich so … Stufenweise gemacht wird. Dazwischen hat man immer wieder praktisch den Vorgang abgeschlossen, man ist bei den letzten Smalltalk Worten zur Verabschiedung … und dann kommt noch etwas. Rinse and repeat. Da hilft es auch nichts, wenn man jedesmal fragt: „Darf es sonst noch etwas sein?“ Oder „Brauchen Sie heute noch etwas anderes?“ … denen fällt immer noch etwas ein. Einfach erst nachher.
Tagsüber finde ich das ansatzweise nervig (da Zeit- und auch Papierverschwendung, wenn noch mehr Etiketten ausgedruckt werden), aber nicht sehr schlimm – ausser es warten deutlich noch andere Kunden darauf, dass die so lange „gebundene“ Apothekerin frei wird. Abends nach Ladenschluss ist es einfach nur unverschämt.
Wissen Sie weshalb?
Drogist Urs arbeitet noch nicht so lange bei uns, da kam ein Kunde, männlich und fragte nach Slipeinlagen. Nichts ungewöhnliches, aber da Donna grad frei war, gab Urs ihn an sie weiter.
Das kam dem Kunden wohl grad recht. Es folgt ein „Verkaufsgespräch“ mit deutlich TMI (too much information = zu viel Information).
Kunde mit breitem Grinsen: „Die Slipeinlagen sind für meine Freundin. Wissen Sie, weshalb sie die braucht?“
Und ohne eine Antwort abzuwarten: „Die braucht sie wegen mir, wenn ich bei ihr bin, ist sie unten immer ganz … übertriebenes Augenzwinkern – Sie verstehen schon!“
Donna reagiert darauf so ganz gar nicht und bringt ihn nur zum Steller mit der Intimpflege und Einlagen auf die sie deutet.
Kunde: „Ich brauche aber eine, die nicht parfümiert ist! Ich sag ihnen auch warum: ich mag es nicht, wenn meine Freundin dort nach etwas anderes riecht als sie selber, vor allem nicht, wenn ich …“
Jetzt hat Donna genug. Sie schnappt sich die nächste Packung Slipeinlagen, dünn und unparfümiert, wendet sich ihm direkt zu, schaut ihm in die Augen und sagt: „War es das jetzt? Gibt es sonst noch etwas, das sie mir erzählen müssen? … (Pause) … Ansonsten ist da drüben die Kasse!“
Kunde – jetzt eher etwas kleinlaut, kauft die Packung bei ihr und geht.
Danach wendet sich Donna erbost Urs zu, der das Ganze gar nicht mitbekommen hat:
„Mach das nie mehr!“
Und damit stapfte sie erst mal davon.
Erst später am Tag, nachdem sie sich beruhigt hat, hat sie ihm erklärt was Sache war. Urs hat sich entschuldigt, indem er versprochen hat, derartiges nicht mehr weiterzugeben, wenn es ein Mann ist, der das verlangt. Damit war das gute Betriebsklima wieder hergestellt und die Sache erledigt.
Aber Leute gibt’s.
In der Apotheke unbeliebte Sätze

„Sieht das für Sie nach Läusen aus?“ – kurz bevor man den Haarschopf vom Kind unter der Nase hat … oder alternativ ein Plastiksäcklein mit Krabbelgetier drin.
Kennt ihr das auch? Was ist euer unbeliebter Satz?
Kalender?
Der Kunde am späten Abend schaut sich unseren Kalender, den wir am Jahresende abgeben gaaanz genau an. Nehmen tut er ihn dann doch nicht, da er ’schon einen hat‘.
Naja, er muss ja nicht.
Aber ich sehe das seltsame Gesicht, das Donna, meine Pharmaassistentin macht, nachdem er weg ist.
Pharmama: „Was ist los?“
Donna: „Der hat sich beim Ansehen immer die Finger abgeschleckt und ist jedes Blatt einzeln durchgegangen.“
Uuuuh.
Donna: „Ich bin am überlegen, ob ich den Kalender wegschmeissen soll, oder ob ich ihn dem nächsten Kunden, den ich nicht ausstehen kann anbiete: ‚Hier habe ich noch einen unserer Kalender, extra für Sie!‘ und dann hole ich den …“
Lach!
Pharmama: „Nein, mach ihn weg! Jetzt wo ich das weiss, kannst Du Dir vorstellen, wie ich schaue, wenn ich ab jetzt höre, wie Du jemandem einen Kalender anbietest?“
Missverständnis (9)
beim Durchsehen meiner Mails ist mir ein lustiges Ereignis unter gekommen, das mir Mélanie (schon länger her) mal geschickt hat:
Da sind letztens 2 Herren in die Apotheke gekommen und meine Pharma-Assistentin begrüsst Sie freundlich.
Da sie nicht sicher war, ob beide zusammen gehören, oder noch jemand zum Bedienen nach vorne kommen sollte, fragt sie freundlich: „Sind sie zusammen?“.
Der eine Herr wird rot, lächelt verschmitzt und sagt etwas stotternd: „Äh, also, äh… ich kenne ihn schon, aber … wir sind also äh hmmm nicht zusammen also äh kein Paar“
…. hihihi ups… :-) so wars eigentlich nicht gemeint… wir sind ab jetzt vorsichtig mit solchen Aussagen.
Da fehlt nur ein Wort, dann ist das schon entschärft: hier. „Sind sie zusammen hier?“ hört sich doch schon viel unvoreingenommener an.
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