Ääähhh … Bääähh?

Der Arzt faxt ein Rezept für eine Kundin. Darauf steht: „Sie kommt es gleich abholen“
Das Rezept ist für ein Generikum von Norvasc.
Ich bereite alles vor, aber die Patientin war noch nie hier, also fehlt mir noch die Krankenkasseninfo.

Als sie dann kommt, ist sie enorm im Stress: „Ich habe das Medikament immer – aber gestern sind sie mir ausgegangen, da konnte ich keine nehmen!“

Ich lege die Packung vor ihr ab.

Pharmama: „Haben sie mir noch die Krankenkassenkarte?“

sie gibt sie mir, ich lese die Info im System ein.

Daneben bekomme ich mit, wie sie die Packung aufmacht und eine Tablette herausdrückt und in den Mund wirft. Offenbar hat sie es so eilig die Dinger zu nehmen, dass sie nicht mal nach einem Glas Wasser fragt.

Auf einmal spuckt/hustet sie die Tablette wieder aus. Sie landet angefeuchtet auf der Theke.

Ich schaue sie wohl etwas entsetzt an, da sagt sie: „Das ist aber nicht das, was ich sonst immer habe. Sonst habe ich Norvasc!“

Pharmama: „Das ist ein Generikum von Norvasc – der Arzt selbst hat das neu so aufgeschrieben.“

Kundin: „Ach so. Na … dann …“ und nimmt die Tablette wieder auf und schluckt sie.

Schwierige Schmerztherapie

Schmerzen, speziell chronische Schmerzen zu therapieren ist nicht einfach. Aber manchmal machen es sich die Patienten auch selbst schwerer als nötig.

Die Patientin kommt in die Apotheke und fragt mich: „Was kann ich noch nehmen gegen meine Schmerzen? Mein Arzt hat mir Tilur und Dafalgan aufgeschrieben.“

Ich möchte ihr in dem Fall eigentlich nicht *noch* ein weiteres Mittel zum einnehmen geben (mehr Mittel bedeutet auch immer mehr Nebenwirkungen und Wechselwirkungen) darum frage ich erst mal: „Wie nehmen sie die?“

Patientin: „Tilur morgens und abends 1 Tablette. Dafalgan nehme ich nicht.“

Pharmama: „Wieso nicht?“

Patientin: „Da habe ich Magenschmerzen davon bekommen.“

Pharmama: „Vom Dafalgan? Das ist so ziemlich das am besten magenverträgliche Schmerzmittel. 
Probieren sie doch ein, zwei Tage das Dafalgan so zu nehmen, wie der Arzt es verordnet hat: 3 x täglich 1 Tablette.“

Patientin: „Aber: ich möchte nicht noch mehr Schmerzmittel einnehmen!“

Was soll ich ihr dann empfehlen? Sie hat mich am Anfang doch genau danach gefragt: nach etwas zum *nehmen* gegen ihre Schmerzen … einem Schmerzmittel ….

Pharmama: „Sie können es auch mit Schmerzpflastern oder -Salben versuchen …“

Patientin: „Nein, da ist auch Chemie drin. Gibt es da nicht etwas natürliches?“

Pharmama: „Wie wäre es mit Teufelskrallenwurzel-tabletten? Die wirken entzündungshemmend und…“

Patientin: „Nein, das sind auch Tabletten, das will ich nicht. Was gibt es sonst noch?“

Pharmama: (zweifelnd) „So was wie Tee? – … aber selbst im Weidenrindentee hat es prinzipiell dasselbe drin wie in den Schmerzmitteln … nur in einer geringeren Menge. Dass das ausreicht, glaube ich eher nicht.“ (Und in den Mengen, die sie dann trinken möchte, würde sie sicher Magenprobleme bekommen).

Patientin: „Und sonst?“

Pharmama: “ …. Sie könnten es ja mit Homöopathie versuchen.“

…

Jau, *das* ist dann genau der Moment, wo auch ich die Homöopathie *empfehle*.

Das macht müde!

Kundin in der Apotheke: „Ich brauche eine Cortison-Creme für meinen Ausschlag.“

Ich zeige ihr eine.

Kundin: „Nein, nicht diese, die kenne ich schon, die macht mich müde.“

Pharmama: „Ah, Cortison-Cremen machen nicht müde …“

Kundin: „Doch, die benutze ich seit Jahren und sie macht mich müde!“

…

vielleicht sollte ich zuerst mit Ihnen ein Gespräch darüber führen, dass man Cortison nicht lange verwenden soll, weil es sonst die Haut ausdünnen kann.

Vor Cortison haben viele eine ganz schlechte Meinung und wollen das nicht freiwillig nehmen, dabei kann es -richtig angewandt- ein kleines Wundermittel sein. Richtig heisst nach Möglichkeit lokal, genügend stark und nur kurzfristig angewandt – da hat man kaum Nebenwirkungen.

Leider gibt es genug Leute, die wenn sie merken, dass der Ausschlag oder die Entzündung damit weggehen, das dann anfangen erst immer häufiger und dann ständig zu verwenden. Lange merkt man da auch nichts – ausser vielleicht, man benutzt sie im Gesicht. Das gibt dann wegen der Hautveränderung so ein … Waschbärengesicht. Um die Augen herum wird die Haut dunkler, so hat man in Extremfällen wirklich das Gefühl einen Waschbär oder Panda vor sich zu haben.

Plötzlich absetzen ist in dem Fall auch nicht gut – das muss man dann ausschleichen, das bedeutet: Erst jeden 2. Tag nehmen, dann jeden 3. / 4. usw.

Hartnäckig

…. Nein, nicht die Erkältung, ich meine den Kunden.

Im folgenden meine Seite des Gesprächs mit einem Kunden in der Apotheke vor ein paar Tagen (seinen Teil kann ich weglassen – man kann sich seine Antworten problemlos denken):

Pharmama: „Nein, ich werde ihnen kein Antibiotikum geben. Was Sie haben – soweit ich das beurteilen kann- ist eine hundskommune Erkältung, meist durch Viren verursacht. Antibiotika helfen da gar nichts.“

Pharmama: „Es hilft auch nicht, wenn Sie sagen, Ihr Arzt schreibt ihnen jedes Mal eines auf für dasselbe Problem, wenn Sie ihm das sagen. Das ist ziemlich fahrlässig von ihm – von mir bekommen Sie das nicht.“

Pharmama: „Nein, ich bin kein Arzt, ich bin Apothekerin. Anderes Studium, ähnliches Wissen.“

Pharmama: „Wenn Sie das Antibiotika möchten, müssen sie zum Arzt. Ja, ich weiss, dass das kostet – und nein, ICH denke nicht, dass sie zum Arzt gehen müssen mit ihren Beschwerden – genauso wenig, wie Sie ein Antibiotikum brauchen.“

Pharmama: „Ja, Ehrlich, sie bekommen keines von mir.“

… Aaargh! Abregen Pharmama.

Packungswechsel

Ein kleiner Beitrag von Ann-Kathrin,

ich hab vorhin 2 Packungen in der Hand gehalten und musste gleich an die liebe Pharmama denken
Eventuell sind sie für Dich gar nicht von Bedeutung, weil die Packungen nicht sehr weit auseinander sind (die obere, ältere läuft 2013 ab, die untere, neuere 2015).

Die Packungen sind noch zu „jung“, um in die „Alt und Neu“- Reihe zu passen, aber dazu fällt mir etwas anderes ein:

Auch bei uns hat das Imodium die Packung gewechselt, jetzt ist es hellblau statt grün.

Ein Kunde kommt damit zurück und fragt: „Ist das dasselbe ?“ (zeigt alte Packung).

Pharmama: „Ja, das ist es.“

Kunde (nicht überzeugt): „Aber: diese hier  (die neue) ist günstiger!“

Pharmama: „Ja, das stimmt, sie hatten auch einen Preisabschlag letzthin.“

Kunde: „Das kann nicht sein.“

Pharmama: „Doch doch, auch Medikamente werden teilweise günstiger.“

…

Der Preis ist heute gar kein gutes Kriterium mehr, um etwas zu finden

– früher konnten wir noch so danach suchen: „Das war eine Packung mit A, die 5.95 kostet.“

Heute wechselt das so rasch, im Prinzip kommen wir selbst mit dem Anschreiben nicht nach. Juli gingen die Preise von vielen runter, Anfang November ist der nächste grosse Abschlag angekündet – und das sind „nur“ die SL-Medikamente, die freiverkäuflichen können 2 x im Monat wechseln …