Schuld und Krankheit

Der 63 Jahre alte Mann kommt mit einer Liste Medikamente in die Apotheke. Mit dabei die Familie (erwachsene Tochter), die sich lauthals beklagt, dass „Opa schon wieder krank ist!“ – man hört heraus, dass sie mit dem Arzt unzufrieden ist.

Er hatte schon 2 Herzanfälle, eine mit Bypass Operation und jetzt hat er den 3. Herzinfarkt in 6 Jahren.
Ja… aber Opa raucht auch immer noch sehr viel – das kann man riechen – 2 Päckchen am Tag, sagt er selber; er wiegt über 100 kg und isst ausgiebig – was man ausser an seinem Gewicht auch an den Diabetes-Medikamenten sehen kann.

Vielleicht … wenn man ihn aus dem Sofa raus bekäme, wo er den ganzen Tag sitzt und weg vom Fernseher nach draussen zum Bewegen – dann könnte es besser werden.
Von den Medikamenten alleine und den Notoperationen sicher nicht.

Viele der Krankheiten, die wir heute häufig sehen, haben einen Zusammenhang mit dem Lebensstil. Diabetes, Bluthochdruck, Herzkrankheiten, sogar Darmkrebs sind alle stark beeinflusst vom Lebensstil. In dem Zusammenhang „verdienen“ sich eine Menge Leute den Gang zum Arzt tatsächlich selbst.

Darum ist es aber auch ziemlich frustrierend, wenn man mitbekommt, wie manche Patienten sich einfach weigern Verantwortung für ihre Gesundheit zu übernehmen.

Das kann erstaunlich weit gehen. Manche haben einfach eine Entschuldigung für alles. Es wurde ihm kein Rezept ausgestellt, die falschen Tabletten waren aufgeschrieben. Niemand hat je mit mir über meine Ernährung geredet. Keiner hat mir gesagt, dass Pommes schlecht für einen sind. Man hat mir gesagt, die Medikamente sind um 2 Uhr hier (statt um 4). Der Arzt ist Schuld, wir (die Apotheke) sind Schuld- Es ist immer jemanden anderers Schuld.

Eigentlich ist es mir total egal wer denn Schuld ist. Was für einen Unterschied macht das? Am Ende zählen doch nur die Resultate.

Dein Körper ist wie dein Auto. Was du zuhause damit machst hat einiges mehr mit der Leistung des Fahrzeugs zu tun als das, was die Service-Station macht.

In dem Sinn: Raus mit Euch!

Bedienungsnotstand

„Den bediene ich nicht!“ Sagt die Drogistin und verschwindet.

„Und ich auch nicht“ – das war die Pharmaassistentin. Weg ist sie. Ich selbst bin grad an einem Rezept – ich kann nicht.

Die ältere Drogistin nimmt ihn dann.
Widerwillig.

„Was ist das Problem?“ frage ich sie, als sie danach zurückkommt.

Drogistin: „Der Typ kauft Kondome und erzählt einem, was er damit macht. Ausführlich. Und das sind Dinge, die ich weder hören, noch wieder erzählen möchte. Der ist pervers.“

Das ist alles, was ich aus ihnen herausbekomme. Und was ich weiss ist, dass sie sicher nicht prüde ist.

Aber so wie es aussieht, hat der wirklich bald niemanden mehr, der ihn bedient.

Homöopathische Probleme

Die schwangere Kundin bringt ein Rezept, auf das die Ärztin ein homöopathisches Medikament aufgeschrieben hat.

Gegen Übelkeit sagt sie.

Dummerweise steht auf dem Rezept aber nicht drauf in welcher Potenz das Mittel jetzt genommen werden soll.

Und die Ärztin ist in der Zwischenzeit ins frühe Wochenende abgedüst.

Naja, man könnte noch der Firma die das Mittel herstellt anrufen und fragen, in welcher Potenz das dann normalerweise angewendet wird – immerhin ist das doch etwas, was die Kundin lieber früher als später (lies: in 3 Tagen) nehmen will. Ihr ist jetzt schlecht.

Also ruft die Kollegin der Firma an und fragt.

Und hängt dann ziemlich konsterniert wieder auf.

Pharmama: „Was haben sie gesagt?“

Pharmaassistentin: „Sie sagen, wenn ein Arzt das aufgeschrieben hat, dann dürften sie da nicht reinreden, was es sein soll und wir sollen den Arzt direkt fragen.“

Na toll. – Irgendwie halte ich das für Vermeidungsstrategie.

Rufen wir halt etwas später nochmals an und formulieren das ganze etwas um:

Pharmama: „Wir haben hier einen Fall von Schwangerschaftsübelkeit, das sie mit … behandeln will. Welche Potenz ist dafür geeignet?“

Und dann bekommt man die Auskunft.

Bah!

Wie ist das denn passiert?

Die junge Frau humpelt in die Apotheke.

Frau: „Haben Sie mir etwas für meinen schmerzenden Fuss?“

Pharmama: „Wissen Sie denn, warum er weh tut?“

Frau: „Ja. Ich war betrunken und habe mir Nachts den Fuss angehauen, als ich versucht habe das Licht im Aquarium anzumachen.“

Ah. Ok. :-)

Ein loyaler Kunde

Der ältere Kunde erzählt mir, dass er gezügelt hat und von jetzt an die Medikamente gerne bei uns beziehen möchte.

Im Gepräch kommt heraus, dass er noch ein Dauerrezept in seiner bisherigen Apotheke hat.

Ich biete ihm an, anzufragen, ob sie es zu uns schicken würden, aber er sagt …

„Nein, nein. Das ist schon ok. Ich hole die Sachen drauf noch dort. Wissen sie, die haben sich immer so Mühe gegeben, da lasse ich ihnen das.“

Ein loyaler Kunde! Super – also mich freut’s, das zu hören. Ich habe ihm noch geraten ihnen dort das auch zu sagen, das freut die nämlich sicher auch.

Jetzt haben Sie schon wieder diesen Ton!

Meine Drogistin ist im Moment am Boden zerstört wegen einer Kundin, die sie als „Respektlos älteren gegenüber“ betitelt hat.
Nicht, dass die Kundin sehr alt war.
Oder meine Drogistin respektlos.
Tatsächlich ist es genau die Drogistin, die ich nach Möglichkeit aussuche, wenn bei mir der Geduldsfaden kurz davor ist zu reissen, z.B. wenn ich schon hoch und runter nach dem Makeup gesucht habe, das die Kundin angeblich bei uns bestellt hat – von mir will sie nicht hören, dass es die falsche Drogerie ist, aber meine Drogistin bringt das mit Engelsgeduld rüber … und gibt ihr womöglich noch die richtige Adresse.

Aber die Kundin, die sie bedient hat sie auf dem Kiecker. Nach obiger Aussage:
„Sie sind ziemlich respektlos älteren gegenüber“
hat meine überraschte Kollegin sich rasch entschuldigt: „Entschuldigen sie bitte.“ und sie ruhig weiterberaten – was soll sie dazu auch gross sagen? Sich auf Diskussionen einlassen warum die Kundin jetzt denkt, sie sei respektlos, liesse das Ganze nur eskalieren.

Aber das war noch nicht alles.

Drogistin: „Und diese Grundlage eignet sich speziell für eher trockene, empfindliche Haut …“

Kundin: „Jetzt haben sie schon wieder diesen Ton!“

Drogistin: (baff) „…….“

Die Kollegin hat dann möglichst rasch ihre Beratung beendet, verkauft, was die Kundin wollte … und ich durfte sie nachher wieder moralisch aufbauen.