Flüssigmachen …

Die Mutter kommt mit einem Rezept für Antibiotikasirup für ihr Kind.  Vor der Abgabe bereite ich ihn zu: Das Pulver muss erst mit der richtigen Menge Wasser gelöst werden.

Später am Tag bekommen wir ein Telefon von der beunruhigten Mutter: „Das Sicherheitssiegel des Sirups ist offen!“

Ja – anders kann ich das Wasser zum Herstellen der Lösung auch nicht  rein bekommen. Hat sie nicht zugehört, als ich gesagt habe „Ich mache da jetzt einen Sirup draus?“ und kurz damit nach hinten verschwunden bin?

Erinnert mich ein bisschen an die hier.

Aber immerhin steht das auch in der Packungsbeilage:

Die Suspension wird normalerweise vom Apotheker zubereitet. Falls die Suspension nicht zubereitet ist, muss dem Granulat Leitungswasser wie folgt zugegeben werden …

Ich habe die Packungsbeilage gelesen! (uh, oh)

Der Augenarzt verschreibt dem Patienten Azopt Augentropfen – das ist ein Mittel gegen erhöhten Augeninnendruck (Glaukom). Ich erkläre dem Mann die Anwendung und er geht seines Weges.

Am nächsten Tag kommt er zurück in die Apotheke.

Mann: „Ich habe die Packungsbeilage gelesen….“
Pharmama denkt: Uh, oh…
Mann: „…und die Nebenwirkungen, die sind wirklich …“
Pharmama: „beängstigend?“
Mann: „Ja! Haben sie gelesen, was da alles drinsteht?“
Pharmama denkt: Ich kann es mir vorstellen. „Darf ich ihnen ein paar Sachen erzählen über die Nebenwirkungen?
Erstens: Man muss nicht alles bekommen, was da drin steht – die meisten Leute haben sogar keinerlei Probleme. Sie müssen aus rechtlichen Gründen einfach alles hineinschreiben, was irgendwie vorkommen kann. Lassen Sie uns das doch einmal zusammen anschauen.“
Da steht:

Häufig (bis zu 10 von 100 Personen).  Auswirkungen auf das Auge: Verschwommensehen, Augenreizung, Augenschmerz, Augenausfluss, Augenjuckreiz, trockenes Auge, anomale Sinnesempfindungen des Auges, Augenrötung; Juckreiz am Augenlid, Rötung oder Schwellungen des Augenlids…..

Pharmama: „Ich würde sagen, das kann bei allem auftreten, mit dem ihr Auge in Berührung kommt. Staubkorn, Schwimmbadwasser … und so weiter.“

Auswirkungen auf den Körper: schlechter Geschmack, Kopfschmerzen, Mundtrockenheit.

Pharmama: „Das liegt daran, dass ein Teil der Tropfen in den Körper aufgenommen wird – es läuft ihnen durch den Tränenkanal in die Nase und von da in den Mund. Man kann den Teil aber sehr verringern, wenn sie gleich nach dem Eintropfen der Augentropfen mit den Fingern Druck aufüben auf die Nasenwurzel, gleich beim Auge – dann schliessen sie den Tränenkanal und es kommt nicht soviel durch.“
Patient: Das hat mein Augenarzt auch gesagt!“
Pharmama: „Ja, sehen Sie.“ :-)  denkt: das ist immer gut, wenn zwei genau dasselbe erzählen.
„Dann kommen wir schon zu den Sachen, die weit weniger häufig auftreten:“ 

Gelegentlich (bis zu 10 von 1000 Personen)

Pharmama: „Haben sie die Tropfen überhaupt schon genommen?“
Mann: „Nein, das fand ich zu abschreckend.“
Pharmama: „Hat ihnen der Arzt erklärt, weshalb sie die Tropfen brauchen?“
Mann: „Er meinte mein Augeninnendruck sei zu hoch.“
Pharmama: „Und wissen Sie, was das für Sie bedeutet?“
Mann: „Nicht so genau …“
Pharmama: „Wenn der Augeninnendruck zu hoch ist, kann das die Sehnerven schädigen und zwar nicht umkehrbar. Man sieht immer schlechter. Ich denke, es ist das kleinere Übel, wenn Sie die Augentropfen nehmen, wie der Augenarzt Ihnen verschrieben hat …
… falls bei Ihnen wirklich Nebenwirkungen auftreten, kommen sie doch noch mal vorbei. Aber wenn Sie es nicht versuchen, wissen Sie das nicht. Und der Nutzen der Augentropfen ist sicher höher als das Risiko – vor allem, wenn Sie sie so anwenden, wie ich Ihnen vorher gezeigt habe.“

… der Mann scheint beruhigt, bedankt sich und verspricht die Augentropfen anzuwenden. Und ich habe das Gefühl, gute Arbeit geleistet zu haben.

Aber ich verstehe ihn gut. Da denkt man, man bekommt etwas so einfaches wie Augentropfen und dann steht das in der Packungsbeilage:

Auswirkungen auf den Körper: verringerte oder unregelmässige Herzschlagfrequenz, verringerte Herzfunktion, Brustkorbschmerzen, Asthma, erschwerte Atmung, Kurzatmigkeit, Schwindelgefühl, Schläfrigkeit, eingeschränktes Erinnerungsvermögen, Depressionen, Schlafstörungen, Nervosität, Reizbarkeit, Müdigkeit, allgemeines Schwächegefühl, Verwirrtheit, Schmerzen, Zucken, Ohrgeräusche, verringertes Lustgefühl, Erektionsprobleme, Erkältungssymptome, Engegefühl in der Brust, Husten, Nasennebenhöhlenentzündung, Rachenreizung, anomales oder verringertes Gefühl im Mund, Speiseröhrenentzündung, Bauchschmerzen, Übelkeit, Magenbeschwerden, Durchfall, Blähungen, Magendarmbeschwerden, Nierenschmerzen, Muskelschmerzen, Muskelzucken, Rückenschmerzen, Nasenbluten, trockene Nase, laufende Nase, verstopfte Nase, Niesen, Ausschlag, anomales Hautgefühl, Jucken, Haarausfall.

Steht da irgendetwas *nicht* drin?

Zensierter Unfallschein

Ich bin absolut für Datensicherheit und Privatsphäre, aber … irgendwie denke ich, es geht etwas zu weit, wenn Sie den unteren Teil des Unfallscheins aus dem Grund abtrennen.

Jetzt haben Sie mich neugierig gemacht, was da wohl draufsteht, das ich nicht sehen soll.

:-) …

Und weil ich dabei an die (wirklich gute) Mobiliar-Werbung mit ihren Unfallbeschreibungen denken musste:

hier der Link zu den restlichen Schadenskizzen / ein Teil davon wurde animiert – sehenswert!

Sind Sie Apothekerin?

Die Kundin liest das Namensschild der Kollegin: „Pharmaassistentin? Bedeutet das, sie sind Apothekerin?“

PA: „Nein, das bedeutet, ich bin eine Pharmaassistentin“

Kundin: „So, und was bedeutet (Nachname)?“

PA: „…das ist mein Name.“

Kundin: „Oh, dann sind sie Apothekerin?“

Klassischer Fall. Das braucht ein paar Erklärungen, z.B.: Wer arbeitet denn hier alles?

Dann ist es für mich!

Der Kunde fragt in der Apotheke nach der Cortison-Creme, die der Arzt dem knapp 2 jährigen Kind aufgeschrieben hat, und die jetzt ausgegangen ist.

Die Apothekerin weigert sich, das ohne neues Rezept oder Arztkontakt abzugeben und erklärt ihm auch warum: Das Kind ist zu jung, da fällt die Anwendung unter Off label use. Die Creme kann bei ihm ernstere Nebenwirkungen haben (wie ein ausdünnen der eh‘ schon empfindlichen Haut), der Arzt hat das für einen bestimmten Zeitraum aufgeschrieben …

Der Kunde schaut der Apothekerin kalt in die Augen und sagt: „Dann ist sie halt für mich!“

Nein. SO nicht.