Der ewig lebende Hamster

Eine Mutter mit einem um die 8 Jahre alten Mädchen kommt in die Apotheke. Meine Pharmaassistentin übernimmt das Rezept der Mutter.

Als ich mit meiner Kundin fertig bin, frage ich das Mädchen, das bis dahin brav gewartet hat: „Willst Du ein Traubenzucker?“

Mädchen: „Au ja!“

Pharmama: „Das ist aber toll, dass Du Deine Mama begleitest.“

Kind: „Ja, wir sind beim Arzt gewesen, der hat uns etwas aufgeschrieben. Für Mama. Nicht für den Hamster.“

Pharmama: „Also geht es dem Hamster gut?“

Mädchen: „Ja, jetzt wieder. Eine Zeitlang war er gar nicht so fit, aber jetzt geht es wieder gut! Und morgen feiern wir seinen Siebten Geburtstag!“

Pharmama: „Sieben? Wow.“

Das überrascht mich jetzt doch sehr, ich selber hatte ja keinen Hamster sondern Meerschweinchen und später eine Katze, aber so ich weiss, werden normale Hamster vielleicht 3 bis 4 Jahre alt, Goldhamster etwas älter.

Also frage ich sie: „Ist das denn so ein grösserer Hamster?“

Mädchen: „Nein, der ist ganz klein – passt noch gut in meine Hand.“

Jetzt bin ich doch etwas irritiert, aber als ich den Mund öffne, um etwas zu sagen, sehe ich den Blick der Mutter auf mir, die gleichzeitig leicht den Kopf schüttelt.

Ich schliesse den Mund wieder, lächle und meine: „Dann sag’ ihm morgen auch meine besten Wünsche, ja?“

Die Mutter gibt mir ein stummes „Danke“ und die beiden gehen wieder.

…

Auch Haustiere sterben. Und häufig gehören diese Haustiere den Kindern der Familie – respektive, diese sind für sie verantwortlich. Umso stärker trifft es die dann.

Das gehört in meinen Augen zu den Lebenserfahrungen. Trotzdem verstehe ich natürlich auch die Eltern, die das den Kindern vielleicht nicht ganz so hart machen wollen.

Ich würde meinem Junior z.B. noch keinen Hamster geben – v.a. nachdem ich gehört habe, dass die übliche Lebenserwartung von denen bei 1-2 Jahren liegt … da weiss man schon, was kommt.

Aber wenn ich von Hamstern höre, die 5, 7, 10 Jahre gelebt haben … Ich weiss schon, was diese Eltern gemacht haben … das tote Tier unauffällig mit einem neuen ersetzt. Wer kann schon einen Hamster (oder Goldfische) vom anderen unterscheiden, wenn sie nicht gerade eine Auffälligkeit haben?

Aber: was, wenn die Kinder das dann einmal herausfinden?

Wobei … ich habe eine Kollegin, die hat auch so ein lang-lebendes Tier gehabt – und glaubt da nicht an Manipulation. Na – wer weiss? Methusalem-Tiere gibt es gelegentlich sicher auch …

(Nachtrag: habe zufällig das Bild gefunden und das alte ersetzt – ich finde das passt!)

Sowas.

Ich glaube, die Frau, der ich gestern das Rückgeld für die Aspirin gegeben habe, benötigt noch ein paar andere Medikamente.

Oder was hat sie für einen Grund mich anzuschreien, nur weil ich ihr die Münzen nicht mit der Zahl nach oben hingelegt habe?

o_O

…

Hauptsache nicht schlucken.

Telefon kurz vor Mittag in die Apotheke:

„Hallo, hier ist Dr. Haeno. Ich brauche Ihre Hilfe. Ich habe da eine Patientin, der muss ich ein Antibiotikum verschreiben – Amoxicillin. Sie kann ganz schlecht Tabletten schlucken – und im Moment sowieso, da sie eine schwere Halsentzündung hat. Sie möchte darum Lutschtabletten – und sie behauptet, sie habe schon einmal gehabt. Ich finde aber nichts. Wissen Sie vielleicht etwas davon?“

(Erst mal: wow. Ein Arzt, der sich nicht zu schade ist, bei uns nachzufragen. Ich bin beeindruckt und werde natürlich alles tun, um zu helfen!)

Pharmama: „Mir ist da auch nicht gerade etwas bekannt, aber ich schaue mal, was es da an Amoxicillin-Mitteln noch alles gibt. Moment …“

…“Nein, da gibt es nur Tabletten. Hmmm. Wie heisst die Patientin? Vielleicht finde ich etwas in ihrem Dossier, wenn sie bei uns war.“

Dr. Haeno: „Es ist Frau Trachea. Sie meinte, sie hatte das schon einmal von ihnen.“

Pharmama: „Ich schaue mal in ihr Dossier. … Ah. Sie hatte noch nie Amoxicillin … aber Co-Amoxicillin. Davon gibt es zwar such keine Lutschtabletten, aber … das letzte Mal hatte sie dispergierbare Tabletten, also solche, die man in Wasser einrühren kann.“

Dr. Haeno: „Ah, das ist gut, das geht auch. Ich schicke sie mit dem Rezept rüber. Besten Dank für die Hilfe!“

…

Ich habe dann Frau Trachea noch gefragt, als sie bei uns gewesen ist – ich wollte doch wissen, WAS sie jetzt mit den Tabletten genau gemacht hat.

Sie hat sie tatsächlich weder geschluckt noch in Wasser eingerührt getrunken, sondern gelutscht.

(Angeschrieben waren sie übrigens mit „einnehmen“)

Was ich doch einigermassen erstaunlich finde – gut schmecken tun die Dinger nämlich üüüberhaupt nicht. Und dann noch so lange im Mund behalten, würde ich sie auch nicht wollen.

Jedi-Trick?

„Ich bin in einer Stunde wieder hier und dann haben sie mein Medikament parat!“

sagt der Kunde, der nur kurz in der Apotheke vorbeischaut und mir sein Rezept in die Hand drückt, bevor er wieder verschwindet.

… Irgendwie erinnert mich das an einen Jedi-Trick: „Das sind nicht die Androiden, die sie suchen…“

…

Mal sehen‘ ob’s klappt.

Ich brauche Sauerstoff!

ein mittel-alter Mann überfällt mich in der Apotheke damit:

„Meine Nase ist zu und ich brauche Sauerstoff, weil nachts kann ich nicht atmen, wenn ich schlafe und da befürchte ich einen Hirnschaden  … haben Sie mir nicht eine kleine Sauerstoffflasche?“

….

Das beinle man mal auseinander.

Also: Nase zu? …. es stellte sich dann tatsächlich als stinknormalen Schnupfen heraus.

Sauerstoff … klar, brauche ich auch. Zum Glück gibt es genug davon in der Luft – und wenn man atmet (durch die Nase oder ersatzweise den Mund) … bekommt man meist auch genug davon. Ausser vielleicht noch man hat grad eine Lungenentzündung oder die Lunge kann wegen etwas anderem nicht richtig funktionieren.

Das mit dem nachts nicht mehr atmen … in dem Fall hier lag das nur an der behinderten Nasenatmung, aber es gibt Fälle, die tatsächlich beim Schlafen teilweise minutenlang aufhören zu atmen – und da riskiert man tatsächlich einen Hirnschaden. Aber das ist dann kein Problem bei verstopfter Nase (da stellt der Körper dann gezwungenermassen einfach auf Mundatmung um) sondern  ein Problem wegen dem Schnarchen – nennt sich Schlaf-apnoe-syndrom … und kann tatsächlich gefährlich werden.

Sauerstofflasche? Lustigerweise gibt es da tatsächlich etwas was ich verkaufen könnte. Das nennt sich O-Pur, lässt sich einigermassen mitnehmen und ist ziemlich teuer. Nur … fand ich in dem Moment den Nasenspray hilfreicher.

Wettbewerbstalons

In vielen Gesundheitsheften und auch in den Beauty-broschüren hat es heute Wettbewerbe drin. Statt die selber einzuschicken (oder per Internet teilzunehmen), steht häufig, man kann die Wettbewerb-Talons auch in der Apotheke / Drogerie abgeben.

Auch wir sammeln die verschiedenen Wettbewerbe und schicken sie gesammelt ein.

Einige Leute versuchen, ihre Chancen dabei zu verbessern.

Der Frau, die mit Stapelweise ausgefüllten Wettbewerbstalons in die Apotheke kommt – haben wir das letzte Mal gesagt, dass wir je einen einschicken, nicht deren 10 – vom gleichenWettbewerb. (Hamstert die Hefte? Ich muss mal achten).

Auch schön, die ältere Frau, die versucht ihre Chancen zu erhöhen, indem sie die Talons auf dicken, grossen Karton klebt. … Schöne Handarbeit, aber … wie legal ist das eigentlich?

…

apropos Wettbewerb – sind die Gillette-Sets auch gut bei den Gewinnern angekommen?