Das ist nicht das, was der Arzt aufgeschrieben hat!

Eine empörte Kundin ruft an, nachdem sie kurz zuvor ein Rezept in der Apotheke eingelöst hat:

„Warum haben sie mir Prednison 5mg Tabletten mitgegeben? Der Arzt hat gesagt, ich soll 15mg täglich einnehmen!“

Apothekerin „Das ist richtig, schauen sie auf die Packung, da haben wir deutlich auf die Etikette geschrieben ‚3 Tabletten täglich’“ (3 x 5 = 15)

Kundin: „Aber das können sie doch nicht einfach machen, die 15mg Tabletten durch 5 mg Tabletten ersetzen!“

Apothekerin: „Es tut mir leid, aber es gibt keine 15mg Prednison Tabletten. Es gibt 5mg, 10mg, 20mg und 50mg“

Kundin: Aber, aber … warum schreibt der Doktor dann 15mg auf?“

….

Weil das die Dosierung ist, von der er will, dass sie sie nimmt.

Ein schlechtes Gefühl

Ich könnte es natürlich einfach nur abgeben und dann wäre die Sache für mich erledigt.
Aber irgendwie habe ich ein schlechtes Gefühl dabei.

Es handelt sich um ein Rezept für Triatec 2.5 vom Hausarzt des Patienten in der Dosierung 1 Tablette morgens. Und mein Problem damit ist, dass der Patient regelmässig von uns das Dosett gerichtet bekommt für (unter anderem) Triatec comp plus in einer anderen Dosierung, die erst letzthin wieder so bestätigt wurde bei Nachfrage im Spital, die ihm das zuerst verschrieben haben.

Der Patient selbst, den ich frage, ob etwas geändert hat, scheint wirklich keine Ahnung zu haben, was er nimmt und wie oft.
Jedenfalls sagt er jetzt: „Ich brauche den Rest nicht mehr, nur das hier.“

Hmmm.
Also telefoniere ich dem Arzt – der meint: „Der Patient hat mir das so angegeben. Wenn er normalerweise aber etwas anderes bekommt, geben sie ihm halt das.“
Pharmama: „Ja, aber wir richten normalerweise ein Dosett für ihn, mit dem und anderen Medikamenten. Verschrieben wurde ihm das vom Spital und die Dosierung, die sie auf dem Rezept haben ist auch nicht korrekt. Normal hat er nicht nur eine morgens, sondern morgens und abends eine und dazu noch ein Cholesterinsenker und ein anderes Herzmedikament.“
Arzt: „Ah – dann machen sie ihm doch das Dosett – mit den Dosierungen wie bisher. Und geben sie ihm doch einen Zettel mit, wo draufsteht, was er nimmt und in welcher Dosierung. Sagen sie ihm, ich habe gesagt, er soll das so nehmen – zu mir hat er Vertrauen.“
Ja, klar.

Patient: „Aber ich muss in die Ferien, könnten sie mir nicht die Packungen mitgeben?“
Pharmama: „Ah, – (nach der Episode oben habe ich damit Bedenken) wie lange gehen sie denn?“
Patient: „3 Wochen.“
Pharmama: „Gut, dann bringen sie mir ihr Dosett und ich richte ihnen noch 2 weitere, damit es reicht. Ihr Arzt hat gesagt, er möchte, dass sie die Medikamente so weiternehmen wie gehabt.“

Und so machen wir es dann. So bin ich zumindest einigermassen sicher, dass er die Medikamente richtig nimmt.

Das oben ist übrigens so ein Dosett, allerdings von einem anderen Kunden. Es wird gerade befüllt. Es gibt die Dosette in Wochenform – wo alle Tabletten in einer grossen unterteilten „Schachtel“ sind, oder wie oben unterteilt in die einzelnen Tage.

Aneinander vorbeigeredet

Kunde vor dem Deo-Regal: „Oh, sie haben noch so einen Mum-Deo. Die laufen nämlich aus!“

Pharmama: „Die laufen aus? Ist das jetzt schon bei mehreren passiert? Dann könnte ich das nämlich der Firma mitteilen. Vielleicht ist das ein Produktionsfehler.“

Kunde (schaut mich ganz seltsam an )… „Nein, sie laufen aus … es gibt sie nachher nicht mehr.“

Pharmama: „Oh, SO auslaufen, sie gehen also ausser Handel.“

Kunde:Genau.“ – sagt’s und nimmt den letzten Deo.

(Uups)

Funktioniert Viagra?

Telefon:

Kunde: „Funktioniert Viagra?“

Apothekerin: (leicht baff): „Schon, aber darüber sollten Sie vielleicht lieber mit ihrem Arzt reden …“

Kunde: Nun, ich hab da dieses mail bekommen über pflanzliches Viagra und Cialis …“

Apothekerin: (Denkt, toll, muss ich jetzt noch über Spam mails aufklären?): „Diese Internetseiten sind meist nicht seriös, wenn Sie wirklich Interesse an Viagra haben, reden Sie lieber mit ihrem Arzt.“

Kunde: „Aber ich wollte nur wissen, ob das auch wirkt…“

Apothekerin: „Ich kann ihnen wirklich keine Auskunft über ein Produkt geben das ich nicht kenne, das wahrscheinlich nicht einmal zugelassen ist und Substanzen enthält, die nicht getestet wurden. Und ich würde nie etwas derartiges im Internet bestellen.“

Kunde: „Na dann, DANKE FÜR GAR NICHTS!“ (hängt auf)

Oh, Bitte.

Quelle: letzte Spam-mail

Iiiyiieeeeiiiiyyiiiieek

Iiiyiieeeeiiiiyyiiiieek …

Das kreischende Geräusch hörte man schon von weitem.

Und es kam näher.

IiiyiieeeeiiIIYYIIIIEEEEK …

Und näher !

Alles wurde still und lauschte. Gespannt blickten alle Anwesenden zum Eingang der Apotheke, wo sich plötzlich … ein altes Frauchen mit einer Tasche auf Rädern zeigte.

IIIIYYIIEEEIIIIYYYEEEEK!

Das Kreischen wurde fast unerträglich laut, bis sie vor der Theke zum Stillstand kam. Sobald der erste Schock abklang, gingen alle wieder ihren Beschäftigungen (Einkaufen oder Beraten) nach.

Nach ihrem Einkauf bei uns setzte sie ihren (lauten) Weg fort. Und nahm das Kreischen mit.

IIIIYYYEEEEIIEEEEKIEiiiiyyiiiieek  ….

Ich glaube ich muss einen von den Magic Carfa Spray unter die Theke nehmen – damit kann ich das Problem das nächste Mal schnell beheben.  Sie selber scheint das zwar gar nicht (mehr) zu hören …

Gewalt ist keine Lösung

Wir richten für Patienten, die mehrere Medikamente täglich nehmen müssen und Mühe mit der Übersicht derselben haben Wochendispenser. Das sind nicht zwingend nur ältere Leute, da haben wir auch ein paar jüngere.

Einer unserer Dosett-Kunden ist ein jüngerer Mann … auf dessen Medikation ich hier nicht eingehen will. Im Normallfall kommt er sein Dosett regelmässig abholen und wir müssen nicht hinterhertelefonieren. Sehr zuverlässig. Immer freundlich. Auch darum gehört er für mich eher zur angenehmen Sorte Kunden.

Um so erstaunter bin ich, als ich am Dienstag merken muss, dass er das Dosett nicht wie gewohnt am Montag abgeholt hat. Also versuche ich ihn zu erreichen. Wir haben seine Natelnummer, da geht das relativ gut.

Er nimmt auch tatsächlich ab.

Pharmama: „Guten Tag Herr …, hier ist Pharmama von der Apotheke. Ich wollte sie nur daran erinnern, dass sie bei uns das Dosett noch nicht abgeholt haben.“

Er: „Ah, ja – das werde ich in den nächsten Tagen auch nicht können, ich bin im Spital und werde das noch ein paar Tage sein.“

Au – Fettnapf. Aber ich konnte es ja nicht wissen. „Oh, das tut mir aber leid zu hören, was ist denn passiert?“

Er: „Ich wurde zusammengeschlagen…“

Nein, das hört sich nicht gut an.

Am nächsten Tag steht eben dieser Mann in der Apotheke vor mir. Allzu fit sieht er noch nicht aus.

Pharmama: „Äh, guten Tag Herr …, ich dachte, sie wären noch ein paar Tage im Spital?“

Er: „Ja, ich wurde früher …. Ach was! Ich bin abgehauen. Ich wollte eigentlich nur Danke sagen für das Telefon gestern … und dass ich meine Medikamente nicht mehr nehme und Sie brauchen sie darum auch nicht mehr zu richten … Und dann habe ich da noch ein Hühnchen zu rupfen mit dem, der mich zusammengeschlagen hat! Dem werde ich’s jetzt zeigen!

Sagt’s und marschiert auch schon wieder aus der Apotheke.

Wir bleiben verdutzt zurück und auch ein bisschen hilflos …. was mache ich in so einer Situation?

Im Prinzip hat er mir gerade erzählt, dass er eine Straftat begehen will.

Aber … er ist auch unser Patient … und untersteht als solcher dem Patientengeheimnis. Gut, ein Bruch der Schweigepflicht zum Beispiel durch die Verständigung der Polizei (ohne dass mich der Patient von der Schweigepflicht entbindet!) kommt in Betracht, aber nur um zukünftige (schwere) Straftaten zu verhindern. Fällt so was schon da drunter?

Zuerst … versuchen wir noch etwas anderes. Sein Telefon.

Besetzt. Mist.

Nochmals.

Er nimmt tatsächlich ab !

Es folgt ein längeres Telefongespräch, das ich so nicht mehr genau wiedergeben kann, dazu war ich viel zu aufgeregt. Man denke sich aber folgende Grundthemen:

„Gewalt ist keine Lösung!“

„Sie brauchen wieder ihre Medikamente und es ist absolut keine gute Idee, die abrupt abzusetzen!“

„Gehen Sie doch bitte, bitte wieder ins Spital zurück!“

Er zeigt sich einsichtig, aber noch nicht wirklich überzeugt. Und ich überlege immer noch, ob das reicht.

Kurze Zeit darauf steht er wieder in der Apotheke:

Er: „Haben Sie die Polizei angerufen?“

Pharmama: „Nein, das habe ich nicht. Haben sie sich überlegt, wieder ins Spital zurückzugehen?“

Er: „Ja, die haben auch schon angerufen. Sie haben mir gesagt, ich habe noch bis heute Abend 6 Uhr Zeit, ansonsten nehmen sie mich nicht mehr zurück“

Er ging dann tatsächlich ohne Zwischenfall mit seinem Widersacher zurück ins Spital, wo er noch eine knappe Woche blieb.

Und er kommt seitdem auch wieder seine Medikamente holen.

Yay!