Genau das, was der Arzt aufgeschrieben hat!

Die Patientin gibt bei der Pharmaassistentin ein Rezept ab für Nexium. Sie meint „Ich komme später wieder!“ und verschwindet.

Man führt das Rezept aus – nach einer halben Stunde kommt sie wieder.

Ich habe sie.

Kundin: „Frau Lüdenscheid,  Sie haben mir mein Medikament parat gemacht.“

Ich hole es und gebe es ihr.

Kundin: „Das ist aber nicht mein Nexium!“

Es ist eine Packung Esomep. Ich schaue aufs Rezept und in ihr Dossier, zum schauen, weshalb ausgetauscht wurde.

Pharmama: „Das ist Esomep – ein Generikum von Nexium.“

Kundin: „Ich wollte aber das Nexium, nicht das Generikum!“

Pharmama: „Weshalb? Es ist in dem Fall ganz genau dasselbe – nur der Preis ist unterschiedlich.“

Kundin: „Das Generikum hat nicht funktioniert bei mir.“

Pharmama: „Hmmm … aber … das haben Sie nicht gesagt beim Abgeben des Rezeptes?“

Kundin: „Nein. Das Generikum funktioniert nicht bei mir – ich will nur das Original.“

Pharmama: „Aber gesagt haben sie nichts davon?“

Kundin: „Nein, wieso auch? Der Arzt hat ja auch Nexium aufgeschrieben.“

Pharmama: „Ja. Das hat er. Allerdings macht er das wohl eher aus Gewohnheit so, als das es einen Grund hätte und wir nehmen im Normalfall – vor allem, wenn niemand da ist um Fragen zu beantworten- das selbe Medikament, das der Patient schon hatte – und das war das letzte Mal auch dieses hier: das Generikum Esomep. … Und sie haben ja auch nichts gesagt, dass das nicht ging.“

Kundin: „Nun, Sie haben auch nicht gefragt. Ich kann nicht Gedanken lesen!“

(Aber ich soll das können, ja?)

Pharmama: „Haben sie es denn dem Arzt gesagt?“

Kundin: „Nein. Wieso?“

Pharmama: „Nun, zumindest als Info und dann hätte er aufschreiben können „sic“ wenn es genau das sein sollte.“

Kundin: „Aber er hat ja sowieso Nexium aufgeschrieben.“

Pharmama: „Ja, und wahrscheinlich auch das letzte Mal. Es dauert oft ziemlich lange, bis die Ärzte wirklich die Generika aufschreiben – wahrscheinlich ist es einfacher, sich nur das Original zu merken … die Apotheke macht das mit dem Austausch ja.“

Kundin: „Aber ich will nur das Nexium“

Pharmama: „Okay, das habe ich verstanden. Haben Sie auch verstanden, dass das Esomep wirklich dasselbe ist? Es kommt von derselben Firma, aus derselben Maschine, nur die Packung aussen ist …“

Kundin: „Ich. Will. Das. Nexium!“

(Ich weiss, wann ich aufgeben kann.)

Pharmama: „Ich tausche ihnen das also aus gegen das Nexium. Bitte teilen sie das aber auch ihrem Arzt mit, wenn sie etwas nicht vertragen.“

Die Kundin bekommt das andere Mittel.

Sie nimmt es und kommt nach ein paar Minuten zurück: „Das sind aber nur 28 Stück.“

Pharmama: „Ja?“

Kundin: „Ich wollte eine grosse Packung!“

Pharmama: „Der Arzt hat aber nur 28 aufgeschrieben.“

Und sie wollten ja genau das, was der Arzt aufgeschrieben hat … oder?

….

nächtliche Ausflüge

Älteres Fraueli in der Apotheke: „Mein Mann ist heute Nacht umgefallen, als er auf die Toilette gehen wollte. Könnten Sie mir etwas geben, damit er nicht mehr aufsteht?“

Pharmama: „???…Äh – wie meinen Sie das?“

älteres Fraueli: „Ich meine natürlich – dass er nachts nicht mehr aufstehen muss …“

Oh, Puh. Klar. (An *was* habe ich da auch gedacht?)

Wie war das noch mit der Blasenentleerungsreiz ist die beste Weckmethode?

Ein Leben für die Drogen

Ich übernehme Verantwortung für meine Kunden. Das bedeutet nicht, dass ich ihnen alle Verantwortung abnehmen, aber … ich schaue für sie. Auch, damit sie sich nicht selbst schaden.

Drogenabhängige sind dabei … schwierig. Auf der Suche nach dem, von dem sie denken, dass es ihnen guttut (dem nächsten Kick) stossen sie oft an Grenzen, die wir sonst vielleicht gar nicht wahrnehmen. Denn Medikamente sind reguliert. Die Einnahme wird vorgeschrieben. Wer über die verordneten Dosierungen hinausgeht, schadet erst mal sich selber – und dann seiner Umwelt. Durch sein Verhalten: klauen, lügen, betrügen. Es entsteht rasch ein Vertrauensverlust. Durch die schlechte Gesundheit braucht man noch mehr Medikamente, muss man zum Arzt, ins Spital … und versucht dort natürlich an mehr Stoff zu kommen.

Als Apothekerin steht man in so einem Fall oft schnell mittendrin. Der Süchtige versucht mit allen Mitteln an seine Mittel zu kommen – beim Arzt ein Rezept zu erhalten, mit dem Rezept (oder einem gefälschten oder verfälschten oder gelegentlich auch ganz ohne) in der Apotheke sein Mittel zu bekommen.

Da wird alles versucht und gesagt. Da wird von gebettelt bis gelegentlich geschrien. Da wird gelogen, was das Zeug hält.

Bei all dem ist es nicht ganz einfach, dem Patienten gegenüber neutral zu bleiben. Aber ich habe eine Aufgabe zu erfüllen und dazu gehört auch die richtige Abgabe von Medikamenten.

Bis zu einem gewissen Grad habe ich Verständnis für obiges Verhalten. Und ich verzeihe Lügen und bis zu einem gewissen Grad sogar Betrugsversuche … solange der Süchtige es schafft, nicht persönlich beleidigend zu werden.

Herr Sauber ist einer unserer Stammkunden und er ist süchtig.  Seinen Hauptkick besorgt er sich auf der Gasse. Weil er sich Sachen spritzt, die … ich sag jetzt mal – nicht sehr rein sind (ehrlich, wer weiss schon was in dem Dreckszeug alles drin ist?), hat er reichlich kaputte Venen und auch offene Beine. „Offenes Bein“ nennt man diese chronischen Wunden an den Beinen, die kaum mehr zuheilen wollen. Auch Wundheilung braucht eben eine genügende Durchblutung.

Wenn er mal wieder im Spital gewesen ist, scherzt er immer mit uns, dass sie kaum eine Vene gefunden haben, wo sie einen Zugang legen konnten. Er ist – sagt er fast stolz- eine echte Herausforderung für die Schwestern. Wegen der offenen Beine läuft er auch im Winter mit Sandalen herum. Und die Füsse – die sind knatschblau.

Herr Sauber bekommt von uns Medikamente abgegeben. Am Anfang war es noch täglich, mit Einnahme unter Aufsicht. Was bedeutet: wir schauen zu, wie er seine Tagesdosis schluckt. Inzwischen darf er es einmal wöchentlich holen kommen.

Gelegentlich versucht Herr Sauber an mehr zu gelangen. Die Ausreden kennt man schon.

Wenn er es schafft, seinen Arzt zu überreden – und wir von ihm die Bestätigung bekommen, dann bekommt er (etwas) mehr. Ansonsten nicht. Da sind wir fest – aber freundlich. Und er weiss das und drängt da auch nicht mehr als nötig.

Vom Arzt bekommt er einzig sein Ritalin persönlich mit – und das deponiert er gelegentlich bei uns in der Apotheke, damit es ihm auf der Gasse nicht abhanden kommt. Das ist eine harte Welt da draussen. Diebstahl und Raub und Erpressung und Gewalt. Dagegen sind wir in der Apotheke praktisch ein sicherere Hafen.

Irgendwann kam dann die Nachricht, dass Herr Sauber sich „da draussen“ etwas aufgefangen hat. Hepatitis – dann Probleme mit der Bauchspeicheldrüse.

Er magerte ab – dick war er nie, aber jetzt … wurde er immer weniger. Er musste Medikamente nehmen. Mittel gegen Viren, Mittel gegen Entzündung. Es schien nicht besser zu werden.

Dann ein geplanter Spitalaufenthalt.

Bevor er ging, hat er sich noch bei uns verabschiedet und sich bedankt.

„Wissen Sie, Sie haben mich immer wie einen Menschen behandelt, wenn ich hier war. Sie haben immer gemacht, was sie konnten. Für sie war ich nicht nur ein Problem. Dafür wollte ich mich bedanken!“

.

Er ist nicht mehr zurück gekommen vom Spital.

Und ich bin traurig.

Lebenselixier

Patient in der Apotheke:

„Mein Arzt hat gesagt, ich darf mit diesem Medikament zusammen kein Alkohol einnehmen.

Aber er hat nichts gesagt von rotem Wein.

Darf ich roten Wein dazu trinken?“

 

Dolmetscher – Service

In die Apotheke kommen 3 Personen: ein junges Pärchen und dazu eine junge Frau. Sie stellt sich als Freundin des Pärchens vor.

Freundin: „Ich bin hier um zu dolmetschen. Die beiden verstehen nicht sehr gut deutsch.“

Pharmama: „Okay. Was ist das Problem?“ 

Es muss ein Problem geben, ansonsten würden sie nicht gleich zu dritt hoch hier stehen.

Freundin: „Also das ist so. Die beiden sind frisch verheiratet. Meine Freundin hat zum ersten Mal im Leben die Pille verschrieben bekommen. Ende letzten Monat (das ist jetzt etwa 2 Wochen her) hatte sie die Periode. Am 9. dieses Monats (also vor 4 Tagen) nimmt sie die erste Pille ...“

Oy. Sie hat also schon falsch mit der Pilleneinnahme begonnen. Anfangen tut man nämlich am 1. Tag, an dem man die Periode bekommt.

Freundin (weiter): „…Am gleichen Tag hat sie mit ihrem Mann geschlafen …“

Zweiter Fehler: die Pille braucht etwa 1 Woche, bis sie wirkt.

Freundin (weiter): „Und jetzt fragt sie sich, ob sie schwanger sein könnte …“

Yup. Von der Zeit und den Umständen gut möglich.

Freundin (weiter):„… und ob sie dann die Pille weiter nehmen soll – da das ja nicht gerade gesund ist für das Kind, wenn sie schwanger sein sollte.“

Au ja. Im Moment wissen wir noch gar nicht, ob sie schwanger ist – auch wenn es im Bereich des Möglichen liegt. Für die Pille danach ist es schon zu spät. Für den Schwangerschaftstest zu früh … Da bleibt nichts anderes übrig als abzuwarten. Die normale Pille würde ich aber absetzen … und wenn sie die Periode bekommt -richtig starten. Ich denke, die wichtigste Frage hier lautet: Wie schlimm ist es für sie, wenn sie schwanger ist? (Ich glaube herauszuhören, dass das nicht so tragisch wäre). Auf jeden Fall empfehle ich ihnen einen Besuch beim Frauenarzt  – diesmal am besten mit der Freundin als Dolmetsch – Hilfe. Damit so etwas wie oben nicht mehr passiert.

Josephine – hast Du noch ein Plätzchen frei?

Nennen Sie mich einen Lügner?

Die Kundin mit Dauerrezept kommt (schon wieder) ihre Schlafmittel zu früh beziehen. Ich weise sie (wieder einmal) darauf hin.

Pharmama: „Sie sollten noch Tabletten haben. Ihre Dosierung ist eine Tablette vor dem Schlafen.“

Frau Benzo: „Der Arzt hat gesagt, ich soll Zwei nehmen.“

Pharmama: „Auf dem letzten Rezept stand es so: Eine Tablette auf die Nacht.“

Frau Benzo (aufgebracht): „Nennen Sie mich einen Lügner?“

Pharmama: „Tu‘ ich das? Ich glaube wir haben hier ein Missverständnis – aber ich bin sicher, dass sich das mit einem raschen Anruf beim Arzt gleich aufklärt.“.

Frau Benzo: „Äh, ich glaube das ist  nicht nötig …“

Pharmama: „Oh, ich glaube doch.“

(Ich brauche wohl nicht zu schreiben, was die Antwort war …)