*Ring* *ring* *ring?*

Die aufgeregte Kundin wird in der Apotheke etwas lauter, weil ihr telefonisch bestelltes Medikament nicht bereit ist … und niemand etwas darüber findet. Das Medikament nicht, keinen Notiz-zettel mit ihrem Namen, nix.

Pharmama: "Entschuldigen Sie, aber … sind Sie sicher, dass Sie bei uns angerufen haben?"

Frau (empört): "Natürlich!" (zückt ihr Smartphone) "– Es war diese Nummer, warten sie ich rufe sie gleich noch einmal an!"

Sie drückt Wahlwiederholung … wir warten. Bei ihr im Telefon läutet es, bei uns nicht.

Es ist Samstag mittag – wer immer die andere Apotheke war, die hat jetzt zu.

Aufgeflogen

Die Patientin, der wir die Schlaftabletten nach Absprache mit dem Arzt nur noch Tages-dosis-weise abgeben (und: Nein, Keinerlei Ausnahmen), finden wir auf der Sperrliste wieder.

Entzückend!

Dass sie hochgradig abhängig ist von den Dingern wissen wir – daher auch die fraktionierte Abgabe (wie es im Fachjargon heisst). Sie zeigte auch immer typisches Suchtverhalten – ich kann die Geschichten gar nicht alle wiedergeben, wie oft sie schon Tabletten verloren hat, sie angeblich gestohlen wurden, die Freundin welche brauchte, es ihr selbst mehr schlecht geht psychisch und sie darum mehr braucht, jemand in der Familie gestorben ist und sie darum nach XY Stadt gehen muss an die Beerdigung und darum vorher die Tabletten braucht …

Trotzdem hatten wir damit ihre Tabletteneinnahme ziemlich unter Kontrolle … dachten wir.

Aber die Frau ist clever. So wie's aussieht hatte sie mit zumindest einer anderen Apotheke und mindestens einem anderen Arzt ähnliche Abmachungen. Dass das so lange gut gegangen ist, zeugt von straffer Organisation: sie durfte nie die Ärzte und zugehörige Apotheken verwechseln …

Jedenfalls hat sie jetzt doch einen Fehler gemacht … und ihr ganzes Kartenhaus aus Lügen ist zusammengebrochen.

Auch sie darf jetzt nur noch von einem Arzt in einer Apotheke die Schlafmittel beziehen. Und dank der Sperrliste, die an alle Apotheken regional herausgegeben wird, wissen das jetzt alle.

Tja.

Lieber Partner: Tut mir leid.

Beleibtere Frau in der Apotheke: „Haben Sie mir nicht längere Applikatoren für diese Vaginalcreme?“

Sie zeigt mir das Mittel, das sie benutzt.

Pharmama: „Äh, Nein. Eigentlich haben die die richtige Länge …“

Ich wollte noch etwas bezüglich der Dosierung sagen … werde aber unterbrochen:

Frau: „Aber nicht für mich – mein Bauch ist zu dick um damit in meine Scheide zu kommen!“

Keine Ahnung, was ich dazu sagen soll.

Pharmama: „Soweit ich gesehen habe, sind die auch von anderen Marken nicht länger. Tut mir leid.“

Frau: „Dann muss ich wohl meinen Partner fragen, ob er mir hilft?!“

Pharmama: „Das wäre eine Idee.“

Frau (sarkastisch): „Na, der wird sich freuen …“

Abgang.

Tut mir leid.

Wiieeesooo?

Sie wollen also, dass ich ihrem Mann anrufe, damit *der* ihre Stilnox abholt? ???

Wiieeesoo??

Das hat eine Frau in der Apotheke stehend verlangt. Sie wollte das Medikament weder gleich mitnehmen, noch selber ihren Mann anrufen. Ich weiss immer noch nicht, wieso.

Sind sie sicher?

Frau in der Apotheke nach dem Erhalt des Verschriebenen Medikamentes:

"Ich bin allergisch auf Penicillin. Kann ich das nehmen?"

Pharmama: "Ja. Das geht."

Frau (vorwurfsvoll): "Sind Sie sicher? Sie haben es nicht nachgeschaut, wie können Sie da sicher sein?"

Pharmama: "Das hier ist ein Mittel gegen Depressionen. Der Wirkstoff ist nicht verwandt mit Penicillin. Das macht keine Probleme."

Frau (schaut ihr Medikament an): "Ich denke, ich werde es noch nicht nehmen – ich muss das erst mit meinem Arzt besprechen."

Pharmama: "Dem Arzt, der Ihnen das aufgeschrieben hat und dem Sie ihre Allergien auch gesagt haben?"

Frau: "Ja."

Sie wollte das so.

Kommen Sie am Samstag mittag in unsere Apotheke – wahrscheinlich nur aus dem Grund, weil wir im Umkreis einige der wenigen sind, die noch offen haben – denn vorher waren Sie noch nie bei uns.

Bringen Sie ein 3 Tage altes Rezept mit für ein Antibiotikum, ausgestellt vom Notfall im Spital.

Sagen Sie bei der Abgabe rein gar nichts, drücken Sie es mir einfach in die Hand – zumindest gleich zusammen mit der Krankenkassenkarte (man muss auch für kleine Sachen dankbar sein).

Lassen Sie mich das Rezept ganz ausführen, kontrollieren, das Antibiotikum anschreiben, es zu Ihnen bringen, wo Sie nur einen Blick darauf werfen und sagen: „Sind das Tabletten?! Ich kann keine Tabletten schlucken!

Das stellt mich im Nullkommanix vor mehrere Probleme:

Von dem Antibiotikum gibt es keine Form, die flüssig ist – oder flüssig gemacht werden kann. Auch bei den (wenigen) Generika dafür nicht. Nada. Nix.

Ich kann das nicht einfach durch ein anderes Antibiotikum ersetzen – und der Arzt wird auch Mühe haben, da etwas gleichwertiges zu finden, das weiss ich jetzt schon.

Und der Arzt sitzt im Spital … wer hier mitliest weiss vielleicht, wie gerne ich ins Spital telefoniere. Wenn nicht: das ist furchtbar. Bis man da denjenigen am Apparat hat, der einem etwas sagen kann … und am Samstag …

Auf die Frage, ob man das auf Montag abklären kann (immerhin hat es schon ein paar Tage gedauert, bis sie das Rezept einlösen kommt, da könnte es auch nicht so dringend sein) sagen Sie: „Nein, ich brauche das jetzt gleich.“

Natürlich.

Der Arzt, den Sie im Spital hatten, arbeitet heute nicht mehr dort.

Sein Ersatz ist im Moment gerade am operieren.

Dessen Ersatz meint schliesslich (obwohl sie in der Packungsbeilage davon abraten), die Frau soll die Tabletten halt zermörsern, suspendieren und halt so nehmen.

Brrrr. Ich kann mir vorstellen, wie das schmeckt. Deshalb haben sie die Tabletten nämlich mit einem Überzug versehen. Aber: wenn das die einzige Lösung ist vor dem Wochenende …

… sie wollte das so.