Ohrschau

Am Morgen lese ich noch, dass es neu offenbar Kurse gibt in Otoskopie für die Apotheke – also die Untersuchung des äusseren Gehörgangs mit einem Otoskop … das ist das Ding, mit dem auch der Arzt in die Ohren schaut.

Ich bin noch am überlegen, ob das wirklich etwas ist, dass ich brauchen kann – ich meine: wie oft muss ich schon einem Patienten in die Ohren schauen? Die meisten Ohrentzündungen lassen sich (meiner Meinung nach) auch ohne das erkennen … und für mehr muss ich den Patient sowieso zum Arzt schicken.

Dann fragt mich praktisch die zweite Kundin an dem Tag, ob ich ihr helfen kann:

„Ich denke, ich habe noch ein Teil vom Wattestäbchen im Ohr.“

Sie zeigt mir den Rest des Wattestäbchens – ja, ich denke auch da fehlt ein Stück Watte.

Ein Blick mit einer Taschenlampe ins Ohr (Ja, Jetzt könnte ich das Otoskop tatsächlich mal brauchen) zeigt auch wirklich ganz hinten halb um die Ecke etwas weisses.

Allerdings so weit hinten, dass ich mich nicht getraue, das mit einer Pinzette herauszuholen.

Also schicke ich sie dafür zum Arzt, denn ich glaube auch mit spülen bekommt sie das nicht selber raus.

 

Ihr habt das bestimmt schon einmal gehört: Wattestäbchen gehören nicht in die Ohren. Das gibt immer wieder mal Verletzungen. Das Ohr reinigt sich innen selber und zuviel Ohrenschmalz schiebt man mit den Wattestäbchen eher noch zusammen, als das man das rausbekommt.

Und dann gibt es auch noch die Spezialisten, die es schaffen, sich das Wattestäbchen praktisch ins Trommelfell zu rammen – zum Beispiel wenn die Badezimmertür plötzlich aufgeht, weil der Partner reinkommt … Autsch.

Auch da nützt mir in der Apotheke ein Otoskop nicht wirklich viel.

Keine gute Mischung

Es ist keine gute Idee Chemikalien zu mischen, wenn man nicht weiss, was man tut. Das gilt im übrigen auch für Fertigreinigungsmittel.

Gut, der Mann, den ich da heute in der Apotheke hatte, war da nicht ganz selber schuld dran.

Mir fällt sein beunruhigter Gesichtsausdruck schon auf, kaum dass er am Morgen früh in der Apotheke steht.

„Ich hab da ein Problem …“ fängt er dann auch an.

„Wie schlimm ist es, wenn sich irgendwo giftige Dämpfe gebildet haben? Macht das auch Rückstände? Mein Edelstahl-Lavabo ist auch ganz schwarz …“

Pharmama:Giftige Dämpfe? Was ist denn da passiert?“

Mann: „Also ich habe im Geschäft einen Ablauf im Pausenraum, der war verstopft. Und dann habe ich einen Ablaufreiniger gekauft, den ich abends eingefüllt habe …“

Pharmama: „Ja, damit er über Nacht einwirken kann …“ (so wie’s auf der Flasche auch draufsteht)

Mann: „Ja, das Problem ist, dass heute Morgen der Lehrling kam und ein eigenes Mittel hinterhergeschüttet hat ..“

Pharmama: „Oh.“

Mann: „Ja und ich weiss nicht, was das war, aber das hat dann einen wirklich ätzenden weissen Dampf gegeben …“

Pharmama: „OH!“

Mann: „Ja. Wir haben dann alle rausgeschickt. Aber das Lavabo ist schwarz geworden … was soll ich denn jetzt tun?“

Pharmama: „Gut lüften – laaange. Dann, wenn die Luft wieder okay ist … spülen mit Wasser – laaange.“

Mann: „Ja, das haben wir jetzt auch. Das geht auch inzwischen wieder.“

Pharmama: „Das mit dem Lavabo … das könnte durch die Säuren angegriffen oder sogar durch die Mischung oxidiert sein. Sie können das versuchen mit Chromstahlreiniger zu putzen, aber … ob das wieder ganz wird?“

Mann: „Und sonst?“

Pharmama: „Ich würde alle Oberflächen gut mit Wasser und Seife abwaschen, bevor sie sie wieder benutzen.“

Mann: „Und was mache ich mit den Trinkfläschchen? Da waren ein paar Plastik-Trinkflaschen neben dem Lavabo – zum abtropfen.“

Pharmama: „Also ich würde die wegwerfen.“

Sicher ist sicher.

So kanns gehen. Ein Chemie-Unfall in Heimproduktion.

Zubehör nicht inklusive

Gut kommt die Curanel-lösung inzwischen gleich mit den Kartonfeilen, Tupfer und Alkoholtüchlein. Keine Ahnung, warum sie das nicht gleich von Anfang an machen konnten.

Curanel ist ein Nagellack für Nagelpilz – entspricht dem rezeptpflichtigen Loceryl (gleiche Firma) in dem die Dinger schon enthalten waren.

In der Packungsbeilage steht bei beiden schön beschrieben, wie man den Nagel vorbereiten soll, den betroffenen Teil abfeilen, mit einem Tupfer den Lack auftragen, reinigen …

… alles mit dem Zubehör, das nicht in der Schachtel ist.

Das macht es eigentlich umso unverständlicher für mich.

Toll auch wenn man das am Anfang noch nicht weiss, dass man das separat von der Firma direkt (!) bestellen muss. Da kann es sein, dass ein, zwei Packungen ohne die „Zusätze“ rausgegangen sind.

Irgendwann kam dann wirklich eine Kundin, die den Lack zum zweiten Mal bezieht … und als sie das Zubehör dazu bekommt und erklärt bekommt, was das denn ist, da reklamiert sie:

„Das ist aber kein guter Service von Ihnen, dass ich das das erste Mal nicht bekommen habe! Ich möchte reklamieren! Schlampig ist das von Ihnen.“

Nun gut.

Es wird nicht wieder vorkommen.

Ganz sicher nicht.

Mundgeruch Eigentest

"Ich hab da ein etwas privates Problem …" dabei lehnt sich der ältere Stammkunde fast über die Theke.

Pharmama: "Hmm?"

Mann: "Ja, ich denke ich habe Mundgeruch, aber ich kann das ja nicht selber testen …"

Bevor er weiterredet … beim ihm fürchte ich, dass er demnächst versucht mich als Testperson zu benutzen:

Pharmama: "Doch, es gibt eine Möglichkeit – auch ohne mich anzuhauchen."

Mann: "Ja?"

Pharmama: "Sie müssen sich das Handgelenk ablecken, ein paar Sekunden warten, bis es antrocknet und dann daran riechen… dann kann man die Schwefelverbindungen riechen."

Mann: "Echt?"

Er macht es gleich. Riecht daran und verzieht das Gesicht.

Mann: "Ah, ich dachte es mir. Wissen Sie, ich war am Wochenende an einer Party … und auf einmal sind alle so auf Abstand gegangen … Haben Sie mir da etwas dagegen?"

Pharmama: "Aber sicher."

Die Verhütungspille?

Ein junges Pärchen mit deutschem Akzent steht vor mir in der Apotheke. Sie schaut Ihn an, Er schaut Sie an, dann gibt Sie sich einen Ruck und sagt: „Ich brauche eine Verhütungspille“.

Und ich sage: „Haben Sie ein Rezept? Die sind hier alle nur auf Rezept erhältlich.“

Sie: „Nein, ich habe kein Rezept dafür.“

Pharmama: „Dann sollten sie vielleicht zum Arzt, sich eines ausstellen lassen? Falls sie keinen Arzt haben: Das Spital hat eine Frauenabteilung, wo sie auch ohne Termin hin können.“

Er: „Geht das nicht ohne?“

Pharmama: „Nein, für die Pille brauche ich ein Rezept – ich kann ihnen nicht einfach irgendeine geben. Ein Arzt muss sie vorher anschauen.“

Die beiden schauen sich wieder an und gehen.

Oder doch nicht? Ich sehe sie draussen vor der Türe diskutieren.

Schliesslich kommt Sie wieder herein.

„Ich habe im Internet gelesen, dass man in der Schweiz die Pille danach ohne Rezept bekommt.“

Ah – darum geht es.

Pharmama: „Das ist so. Allerdings ist das nicht als Verhütungsmittel gedacht – darum bekommt man sie auch nur … danach.“

Implizierend: ist das so?

Sie nickt: „Das habe ich verstanden. Ich brauche sie.“

Pharmama: "Gut – dann kommen Sie mit nach Hinten. Ich muss zuerst ein Gespräch mit ihnen führen."

Ehrlich – ich will es Ihnen nicht schwerer machen als nötig, aber: bitte redet Klartext. Eine Verhütungspille ist etwas anderes. Das hier ist nur die Notfall-kontrazeption. Die Pille danach.

Beurteilungs-Seiten für Ärzte und Apotheker (2)

Was für die Ärzte gilt, gilt denke ich auch für die Apotheker. Es dürfte sehr schwer sein wirklich zu beurteilen, ob ein Apotheker gut ist.

Natürlich: Man kann beurteilen, was man sieht: Freundlichkeit der Mitarbeiter, Wartezeit, Verfügbarkeit der Medikamente, Lage, Präsentation der Produkte. Preisgestaltung.

Schwieriger wird es schon bei der Beratungsqualität. Wird gefragt nach anderen Medikamenten oder was schon versucht wurde? Nach Allergien und weiteren Problemen?

Oder mit dem, was im Hintergrund abläuft, wenn man mit einem Rezept kommt: Wie wird informiert und über was? Checkt der Apotheker Dosierung und Wechselwirkungen? Vielleicht muss wegen etwas beim Arzt nachgefragt werden. Wird das Medikament mit einem Generikum ausgetauscht? Muss etwas bestellt werden?

Viele (die meisten?) der Kunden heute scheint das kaum zu interessieren. Die sind froh, wenn sie so schnell wie möglich mit dem Medikament in der Hand wieder draussen sind.

Da spiegelt sich (meiner Meinung nach) auch in den Beurteilungen, die man über Apotheken im Internet findet.

von jameda.de habe ich ein paar (auffallendere schlechte) herausgepickt:

Warum hat die Apotheke keine Webseite. Das ist doch echt krass und hinterwäldlerisch.

Manche Mitarbeiter sind sehr unfreudlich. Apotheken Zeitungen gibt es nur auf verlangen. Wenn man nichts kauft sehr zögerlich.

Unserer Tochter wurde es unterwegs schlecht. Sie suchte die Engel-Apotheke auf. Ihr wurde das teuerste Produkt, Vomex A Drag.,6,75 EUR verkauft + kein Generika angeboten. Nachdem die Tochter zu Hause war, fragte ich telef. in besagter Apotheke nach einem Generika für Vomex. Im Internet gibt es 12! die günstiger sind. Man hatte nur Vomacur, im Internet zw. 1,54-3,83 EUR! vor Ort. Erst dann erzählte ich was vorgefallen war. Man reagierte ziemlich "pampig" und wenig verständnisvoll. Es arbeiten anscheinend nicht nur Engel in dieser Apotheke! Die Betreuung d. Tochter in der Apotheke war gut

Warum meint der Inhaber dieses Ladens, er könne seine Kunden veräppeln, ohne Konsequenzen? Ich fürchte, die älteren Damen und Herren, die zu Ärzten in der Nachbarschaft gehen, wollen oder können nicht weiter laufen. Die Lage hält die Apotheke am Leben. Anders kann ich es mir angesichts der bodenlosen Unfreundlichkeit und Inkompetenz nicht erklären. Er behauptete, mein Medikament sei nicht mehr erhältlich und verkaufte mir stattdessen ein doppelt so teures mit falscher Dosis.

Wie man sieht ist es interessant, auf was da Wert gelegt wird: Eine gute Apotheke hat demnach eine Website, freundliche Mitarbeiter, schmeisst einem die Apotheken-Zeitung nach und verkauft nur das günstigste Produkt, das man an Lager hat (und selbst das ist nicht immer optimal).

Ein paar Beurteilungen zeigen aber auch Probleme auf:

Viele Mitarbeiter wuseln wegen Mangel an Kunden durch den Verkaufsraum. Der Chef nimmt einem jungen Mitarbeiter die Beratung aus der Hand. Das fand ich unmöglich! Die Apothekenumschau war nicht mehr vorrätig! Die Beratung war aufdringlich. ASS+C wurde als preiswert bezeichnet. In Wirklichkeit aber 1,30 € teurer als eine Apotheke in der Nähe.

Ich denke (aber ich weiss es nicht), dass der Chef da vielleicht eingreifen musste, weil der 'junge Mitarbeiter' etwas nicht wusste / etwas falsch gesagt hat. Da habe ich auch schon eingegriffen. Gut … es kommt immer auch darauf an, wie man so etwas macht.

Manches finde ich – wenn das denn so stimmt, was da steht – kaum zu erklären:

Die Beratung ist sehr gut, dennoch war dies mein erster und letzter Besuch in dieser Apotheke. Warum möchte ich erklären :
Mein Hausarzt stellte mir 2 Rezepte aus, ein Antibiotikum und ein Schmerzmittel. In der Apotheke wurde dann noch ein drittes Medikament (Sinupret forte dragees 20 St) dazugelegt, nach welchem ich aber nicht verlangt hatte. Da ich durch eine starke Grippe auch geistig sehr angeschlagen war, habe ich bei dem unverlangten Medikament nicht weiter nachgefragt und es mit bezahlt (dürften so zwischen 5 und 7 Euro von den 13 Euro Gesamtkosten ausgemacht haben).

Ich kann mir kaum vorstellen, dass jemand das machen würde – einfach ungefragt und unkommentiert ein Medikament mehr dazu zu verkaufen. Noch dazu bei einem geistig angeschlagenen Patienten :-) Natürlich kann man Zusatzempfehlungen machen. Aber das Einverständnis ob, gibt der Patient. Immerhin kauft der das – oder eben nicht.

Und dann gibt es die ganz abstrusen Sachen:

ich war mit dem Personal und der Beratung immer sehr zufrieden. Dann kam es zu einem sehr miesen Versuch mich zu betrügen. Ich gab zwei Rezepte mit fünf verschiedenen Tabletten ab und bekam die Auskunft diese Produkte sind nicht auf Lager und ich könne sie am Nachmittag abgeholt werden, dies kam schon öfter vor und es gab nie Probleme. Ich verliess ohne Tabletten mit einem Abholschein die Apotheke. Am Nachmittag bei der Abholung wurde mir nur ein Produkt gegeben. Auf meine Frage was mit dem Rest sei wurde mir mitgeteilt diese hätte ich am Vormittag erhalten. Nach heftigen Protesten meinerseits wollte man die Sache prüfen und kam nach wenigen Minuten zu dem Ergebnis mir wurden die Tabletten ausgehändigt. Seltsamerweise ist die Angestellte die mich vormittag bediente im Hinterzimmer verschwunden und nicht mehr aufgetaucht. Jetzt wurden meine Proteste heftiger und es fielen auch die Worte Betrüger. Daraufhin wurde mir mit Polizei gedroht und ich sagte sehr gut, ich bitte darum, dann könnte ich den Betrug zur Anzeige bringen. In Anwesenheit der Polizei wurden mir alle Tabletten mit der Auflage eines Hausverbotes ausgehändigt. Dieses Hausverbot war absolut überflüssig, da ich ein Geschäft, welches mit solchen Mitteln arbeitet sowieso nicht mehr betreten würde.

Der Patient scheint mir tatsächlich etwas sehr aggressiv. Da hätte der Chef / die Chefin deeskalierend eingreifen müssen. Wobei … ich weiss ja auch nicht, was der Patient da wollte. Er hat (alle) Medikamente bekommen. Wahrscheinlich nach einer Entschuldigung, dass da etwas schiefgelaufen war. Dann (?) hat er angefangen noch mehr zu protestieren und die Angestellten als Betrüger zu betiteln …

Wieso?

Sowas hat meist mehr als nur die eine Seite. Nur dass man die andere nie hört / sieht.