Rezeptfrei? oder was?

Älterer Mann: „Wo haben sie das Stilnox?“
Apothekerin: „In der Schublade, das ist rezeptpflichtig.“
Mann: „Nein, ist es nicht, ich habe es schon von ihnen gekauft. Wo haben sie es?
Apothekerin: „Ich kann ihnen versichern, dass sie es nur mit einem Rezept bekommen.“
Der Mann zieht eine altes, abgegriffenes Blisterpack heraus mit noch einer Tablette Stilnox drin und fuchtelt damit vor meiner Nase herum: „Sehen Sie, das ist das, was ich will.“
Apothekerin: „Ja, ich weiss was es ist, aber sie brauchen ein Rezept vom Arzt dafür.“
Mann: „Ok, dann gehe ich eben in eine andere Apotheke.“
Und geht.

Er wird kaum Erfolg haben.
Stilnox (ein starkes Schlafmittel) ist Liste B, also rezeptpflichtig. Es ist ausserdem ein Medikament das nicht langfristig angewendet werden soll wegen Veränderungen der Schlafphase und weil es abhängig macht.

Es ist auch nicht gerade eines der Medikamente, die ich (und andere Apotheker) ohne Rezept abgebe. Das hört sich jetzt nach einem Widerspruch an: ist es jetzt rezeptpflichtig und ich darf es nur mit Rezept abgeben, oder ist es das nicht?
Die Sache ist die: als Apothekerin habe ich das Recht in Ausnahmefällen auch rezeptpflichtige Medikamente ohne Rezept vom Arzt abzugeben – aber es muss sich (für mich jedenfalls) dabei um einen Notfall handeln – und eine Nacht nicht schlafen zu können ist kein Notfall.

Etwas anderes wären jetzt z.B. Nitroglycerinkapseln, Asthmainhalator oder die Pille.

Unleserlich

Kunde am Telefon: „Ich habe ein Rezept für ein Medikament, könnten sie mir sagen, wie viel das kostet?“

Pharmaassistentin: „Ja, natürlich, was ist es denn?“

Kunde: „Rhin… ääh…“

Pharmaassistentin: „Vielleicht Rhinocort oder Rhinopront?“

Kunde: „Ich weiss nicht, ich kann es nicht lesen!“

….

Dass Arztrezepte des öfteren mies bis katastrophal geschrieben sind ist ein Problem – in dem Fall zwar mehr für den Kunden als für uns. :-)

Keine Vorträge bitte!

Kommt ein Kunde zur Drogistin und will Antistax Kapseln. Das ist ein Präparat gegen Venenprobleme.
Die Drogistin fragt ihn: „Hatten Sie es schon einmal?“,

darauf meint er nur grummelig: „Wahrscheinlich nehme ich das schon länger, als sie leben“.

Sie ist ein bisschen vor den Kopf gestossen, behält aber ihr Lächeln bei, als sie ihm die Kapseln bringt, zusammen mit einer zweiten Packung, den neuen Antistax forte: 
„Ich wollte ihnen noch diese hier zeigen, das sind die neuen, von denen müssen sie nur noch 1 Kapsel täglich nehmen und nicht mehr 2 …“.
Sagt er: „Halten sie mir hier keine Vorträge, geben sie mir einfach das, was ich gesagt habe!!“
Die Drogistin kassiert still ein, aber während er es einpackt kann sie es sich dann doch nicht verkneifen noch zu sagen: „Ich dachte nur, sie wären eventuell interessiert, dass es da etwas Neues, einfacheres gibt. Andere wären froh um die Info .. „
Aber da ist er schon auf dem Weg nach draussen.

Naja, wenn er auf sie gehört hätte, hätte er nicht nur weniger nehmen müssen pro Tag, er hätte auch CHF 5.- gespart an der Packung.

Tja.

Au Backe – Zahnschmerzen

Das ist eines der Dinge, die mich immer wieder erstaunen: Leute, die in die Apotheke kommen und etwas gegen ihre Zahnschmerzen wollen.

Ok, ich kann es noch halbwegs verstehen, wenn es Freitag abend ist, oder Samstag und sie das Wochenende überstehen wollen – aber: Leute, Zahnschmerzen gehen nicht von alleine wieder weg! Schmerzen sind immer ein Warnsignal des Körpers, dass etwas nicht stimmt. Die häufigste Ursache von Zahnschmerzen sind: die Zähne, respektive Löcher in denselben – und die müssen geflickt werden. Dazu muss man zum Zahnarzt. Ich weiss, der ist teuer. Aber: Löcher in den Zähnen gehen nicht von alleine weg – und die Schmerzen dementsprechend auch nicht. Ich denke, die meisten wissen aus eigener Erfahrung, wovon ich spreche (ich auch: 2 Wurzelbehandlungen sind kein Zuckerschlecken, aber es musste sein).

Also wenn ich Dich am Freitag sehe und Dir etwas gebe gegen Schmerzen (mit dem Rat zum Zahnarzt zu gehen), wundere Dich nicht, wenn ich Dir in der Woche darauf – wenn Du mit denselben Beschwerden kommst, weil Du immer noch keinen Termin mit dem Zahnarzt gemacht hast – keine Tabletten mehr verkaufe. Die sind nämlich nicht dazu gedacht sie ständig zu nehmen. Dafür bekommst Du von mir die Adressen der Notfallzahnärzte in der Gegend. Nein, das ist keine Schikane, das ist mein Rat nach bestem Wissen und Gewissen.

Schlechte Zähne sind auch ein echtes Gesundheitsrisiko. Via Zahnfleisch können Bakterien in den Blutstrom gelangen und sich dann z.B. im Herzbeutel ansiedeln – deshalb geben Zahnärzte heute bei empfindlichen Personen auch prophylaktisch Antibiotika: um Folgeschäden am Herz zu vermeiden.

Etwas unangenehm ist, dass Zahnarztrezepte nicht von der Krankenkasse übernommen werden (ausser der Arzt ist ein Dr. med. Dr. dent) – einschicken kann man als Kunde trotzdem versuchen, manchmal sind sie kulant – oder aber man lässt sich beim nächsten Besuch beim Hausarzt ein Rezept ausstellen, dass man dann einschicken kann.


Magenprobleme

„Haben Sie etwas gegen Magenschmerzen?“ Fragt die junge Frau.

Nachdem die Apothekerin mit ihr die ganzen Fragen durchgegangen ist, um abzuklären, an was es liegen könnte (verdorbenes Essen, Virus, Stress und Magengeschwür, und was noch alles) kommt heraus, dass die Frau seit etwa 10 Stunden nichts gegessen hat.

Apothekerin: „Sie sollten etwas essen gehen, ich glaube, Ihr Magen schmerzt, weil sie Hunger haben.“

Die Kundin glaubt ihr nicht: Haben sie denn keine Tablette, die ich nehmen kann?“

….

(wie wär’s mit einer Packung Traubenzucker?)

Als mir das meine Kollegin erzählt hat, musste ich an die Figur „Q“ in der Serie Raumschiff Enterprise Next Generation denken. Dieses Omnipotente Wesen wurde (aus Strafe, glaube ich), zu einem Menschen. Irgendwann sagt er entsetzt: „Mein Magen .. er macht Geräusche!“ und ist bass erstaunt, als er hört, dass er wohl Hunger hat und was Essen sollte.

Ich esse und  koche für mein Leben gerne, und wenn ich so Gemüse bekomme wie letzthin von unserer Nachbarin (siehe Bild), fange ich sofort an zu hirnen, was man daraus machen könnte … und dann fängt mein internes Kochbuch an zu suchen….

Bitte um Rückmeldung!

Dabei geht es mir jetzt nicht um den Blog (auch wenn ich mich über jeden Kommentar freue), sondern um die Arbeit.

Bei den ganzen Beratungen, die wir in der Apotheke machen, fehlt mir – so befriedigend eine gute Beratung ist – doch oft eines: die Rückmeldung des Kunden. Ich würde oft gerne wissen, was weiter passiert ist. Haben die empfohlenen Medikamente und Behandlungen angeschlagen? Oder etwa gar nicht? Musste der mit dem voll verschleimten Husten dann doch noch zum Arzt?

Denn, sowohl im Guten als auch im Schlechten (also: ob unser Rat dem Patienten geholfen hat, oder nicht) die wenigsten kommen zurück und sagen, wie es gegangen ist.

Das ist schade. Es wäre auch für uns so lehrreich wenn wir Rückmeldungen bekämen.

Die Einzelfälle, die dann wirklich zurückkommen stechen im Gedächtnis immer hervor.

Da war zum Beispiel das Kind, das der Vater brachte mit einer kleinen Wunde an der Hand, wo es auf einen spitzen Stein gefallen ist (auf der Handfläche, wegen dem Abstützen). Er wollte eigentlich eine gute Wundsalbe – ich habe ihn aber in den Notfall geschickt. Warum? Weil die kleine Wunde recht rot war – und den Blutgefässen entlang schon ein dunklerer Strich zu sehen war: deutliches Anzeichen einer Blutvergiftung.
Der Vater mit Sohn ging dann – mir schien eher widerwillig, so dass ich mich fragte, ob er auch meinem Rat folgen würde. Aber: Am nächsten Tag kam er zurück und sagte, sie hätten den Sohn gleich im Spital behalten. Die Wunde war hochgradig infiziert und musste geöffnet werden und tamponiert – dazu bekam er über Nacht Antibiotika intravenös gegen die Blutvergiftung. Er wollte mir melden, dass der Arzt gesagt hat, ich hätte richtig reagiert. Und mir danken.
Echt, für solche Situationen arbeite ich!

Aber auch das Gegenteil ist wichtig. Wenn wir dem Patienten sagen, er solle dies und das nehmen, aber – falls es nicht hilft, zum Arzt gehen. Ich wüsste auch anschliessend an das gerne, ob es geholfen hat – und wenn nicht, was denn der Arzt gemacht oder verschrieben hat.

Oder was die Einnehmbarkeit verschiedener Medikamente betrifft: sind die Tabletten einfach nur riesig und fast nicht schluckbar? Nach was schmeckt der Sirup nun wirklich? (Auf der Packung steht nur „Aroma“ aber nicht was), fischelt das Spirulina Pulver unglaublich?

Ich weiss zwar eine Menge, aber man lernt nie aus! Und ich lerne nicht nur durch die aktuelle Fachliteratur, sondern eben auch durch die Leute selbst. Wenn ich Rückmeldungen bekomme!

Also: bitte, meldet Euch!
Wir freuen uns!