Die falsche Anwendung (3)

Kunde kommt in die Apotheke mit einer Liste Medikamente. Sein Problem: „Zahnschmerzen“.

Er war schon beim Zahnarzt, der ihm ein Antibiotikum aufgeschrieben hat: ganz oben auf der Liste Amoxicillin.

Auch auf der Liste sind andere Medikamente, die er zuhause hat und von denen er denkt, dass sie eventuell helfen: Aleve, Tramal, Voltaren retard.

Ich empfehle im das Aleve.

„Das habe ich tatsächlich schon probiert“ sagt er „ich habe die Tablette in den Mund genommen und sie am Zahn zerfallen lassen, es hat nicht wirklich gebessert.“

Ich (geduldig) „Ich denke, sie wirkt besser, wenn man sie einnimmt“

Patient: „Ok, Kann ich trotzdem noch etwas Nelkenöl haben?“.

Was ist passiert?

„Und? Wie ist es passiert?“

Das ist etwas, was ich gelegentlich noch frage, meist wenn jemand mit einem gebrochenen Bein oder Arm oder dick eingebundener Hand und entsprechendem Rezept kommt. Ich bin halt neugierig. Und dann lenkt es die Leute etwas ab, während ich das Rezept in den Computer eingebe. Zu dem Zeitpunkt haben sie es meist auch noch nicht so satt, darüber zu erzählen – bei manchen Verletzungen gilt offensichtlich, dass jeder fragt.

Ein paar Interessante Dinge habe ich da auch schon gehört.

Z.B, der mit der dick eingebundenen Hand. Er war im Kaufhaus und hat sich neue Küchenmesser angesehen – die richtig grossen. Als er vor der Auslage stand, löste sich auf einmal eines der aufgehängten Messer und fiel –senkrecht- aus hängender Position nach unten, direkt vor ihm. Reflexartig hat er versucht es festzuhalten. Und dabei ist es ihm durch die Hand geglitten und hat die Sehnen glatt durchtrennt. Autsch.

Z.B. das gebrochene Bein; beim Aussteigen aus dem Tram auf einem Schneehaufen ausgeglitten – das war dort, wo es so enorm geschneit hat, dass die Strassen wohl frei waren, aber der auf die Seite geschobene Schnee die Trameinstiege blockierte. Zum Bericht gehörte noch eine längere Lamentei von wegen den öffentlichen Verkehrsmitteln, aber das lass ich hier mal aus.

Z.B. der Spinnenbiss in den Ferien. Der Mann war irgendwo auf einer afrikanischen Insel in den Ferien und wachte mit etwas auf dem Bein aus, was wie ein grosser Insektenstich aussah. Dass er gebissen oder gestochen wurde, daran konnte er sich nicht mehr erinnern. Fenistil half nichts, um den Stich bildete sich rasch eine sich ausbreitende Rötung. Er bekam Fieber und Schmerzen, ging dann zum Arzt. Der wusste wohl, was das war: ein Tarantelbiss, die haben offensichtlich eine ziemlich hässliche Mundflora, konnte ihm aber – weil ihm die Medikamente fehlten (Antibiotika) nicht helfen. Er musste dann praktisch Notfallmässig ausser Landes gebracht werden – der Rega sei dank. Zuhause im Spital musste man ihm einen Teil aus dem Bein entfernen und es gab ziemlich viel Antibiotika.

So Sachen sind selten, aber eindrücklich. Aber es ist tatsächlich so, dass ich in den Ferien in Thailand eine Tauchkollegin zum Arzt schickte, wegen einem verdächtig aussehendem Stich. Der erwies sich auch als Spinnenbiss und sie bekam Antibiotika. Gut, dass sie so früh gekommen ist, meinte der Arzt.

Ein Grund mehr, gut zuzuhören, wenn Kunden und Patienten einem etwas erzählen!

Und für diejenigen, die das Ganze nicht nochmals durchkauen wollen, wäre das doch noch toll:

Fingerpieks

Eine mittelalte Kundin kommt in die Apotheke und will, dass man ihr die Lanzette (das ist die Stechnadel) in ihrer Stechhilfe wechselt, weil sie es nicht selbst kann.

Klar. Während ich die alte Lanzette vorsichtig herausnehme frage ich sie, wie oft sie misst.

Sie sagt: 1 x täglich – die Lanzette die drin ist, hat sie die letzten 6 Monate benutzt!

Ich versuche ihr zu sagen, dass sie dann ja auch eine Gabel zum stechen nehmen könnte – ist etwa gleich stumpf – und macht sicher auch weh!

Bildquelle: wikipedia

Die Lanzetten sind nach jedem stechen auszuwechseln, weil sie dann nicht mehr optimal scharf sind (und wegen dem Infektionsrisiko).

Am Schluss finde ich ein Stechgerät für sie, das sie bedienen kann.

Aua!

Valium ohne Rezept?

Angesichts gehäufter Suchanfragen in diese Richtung (liegt das daran, dass es Winter wird oder am kommenden Weihnachtsstress?) hier aus aktuellem Anlass eine Situation letztens in der Apotheke:

Kunde: „Guten Tag, ich hätte gerne eine Packung Valium 10mg.“

Apothekerin: „Ja? Und ich hätte gerne ein Rezept dafür.“

Kunde: „Oh, ich habe ein Rezept, aber in einer anderen Apotheke. Leider hat die aber schon zu.

Könnte ich nicht eines vorbeziehen? Normalerweise geht das.“

Apothekerin: „Wie ist denn Ihr Name?“

Kunde (leicht hektisch): „Mein Name? Wieso brauchen sie denn das? Kann ich es nicht einfach bezahlen?“

Apothekerin: „Den Namen brauche ich, damit ich nachschauen kann, ob sie es schon einmal bei uns gehabt hat – also ob ein Vorbezug überhaupt in Frage kommt.“

Kunde: „Oh. All der Aufwand. Vielleicht hole ich es doch besser in meiner Apotheke.“

Apothekerin: „Das ist eine gute Idee!“

(was sollte das denn? – so im Stil: ich versuch’s mal?)

Die falsche Anwendung (2)

oder „wie züchte ich mir mein Magengeschwür?“:

Kunde auf die Frage, ob das Aspirin C für ihn selbst ist: „Wissen Sie, solange Erkältungszeit ist, nehme ich drei mal täglich je 2 Aspirin, so bekomme ich die Grippe nicht“.

Ich weiss schon, die Werbung suggeriert einem, dass man bloss Aspirin C zu nehmen braucht – und schon bekommt man die drohende Erkältung nicht. Ich denke dabei an diese Fernsehwerbung mit dem lachenden Pärchen im Regen.

Damit das mal deutlich gesagt ist (sorry Bayer und Novartis und Glaxo): weder Aspirin C noch Alca C noch Panadol C oder Contra Schmerz C oder Neocitran oder Pretuval C wirken vorbeugend gegen irgendeine Form der Erkältung oder Grippe!

Ja, es hat Vitamin C drin (das bedeutet das“C“ in den Namen nämlich), aber das unterstützt die Abwehr vielleicht etwas, aufhalten lässt sich damit nichts. Leider.

Was alle diese Mittel machen: sie helfen bei Schmerzen (wie Gliederschmerzen und Kopfschmerzen) und senken das Fieber.

Und alle (ausser dem Panadol) haben die Nebenwirkung, dass sie auf den Magen aggressiv wirken können. Vor allem, wenn man derart viel nimmt wie der Kunde oben. Ich konnte ihn übrigens nicht von seinem eher gesundheitsschädlichen Verhalten abbringen.