Fingerpieks

Eine mittelalte Kundin kommt in die Apotheke und will, dass man ihr die Lanzette (das ist die Stechnadel) in ihrer Stechhilfe wechselt, weil sie es nicht selbst kann.

Klar. Während ich die alte Lanzette vorsichtig herausnehme frage ich sie, wie oft sie misst.

Sie sagt: 1 x täglich – die Lanzette die drin ist, hat sie die letzten 6 Monate benutzt!

Ich versuche ihr zu sagen, dass sie dann ja auch eine Gabel zum stechen nehmen könnte – ist etwa gleich stumpf – und macht sicher auch weh!

Bildquelle: wikipedia

Die Lanzetten sind nach jedem stechen auszuwechseln, weil sie dann nicht mehr optimal scharf sind (und wegen dem Infektionsrisiko).

Am Schluss finde ich ein Stechgerät für sie, das sie bedienen kann.

Aua!

Valium ohne Rezept?

Angesichts gehäufter Suchanfragen in diese Richtung (liegt das daran, dass es Winter wird oder am kommenden Weihnachtsstress?) hier aus aktuellem Anlass eine Situation letztens in der Apotheke:

Kunde: „Guten Tag, ich hätte gerne eine Packung Valium 10mg.“

Apothekerin: „Ja? Und ich hätte gerne ein Rezept dafür.“

Kunde: „Oh, ich habe ein Rezept, aber in einer anderen Apotheke. Leider hat die aber schon zu.

Könnte ich nicht eines vorbeziehen? Normalerweise geht das.“

Apothekerin: „Wie ist denn Ihr Name?“

Kunde (leicht hektisch): „Mein Name? Wieso brauchen sie denn das? Kann ich es nicht einfach bezahlen?“

Apothekerin: „Den Namen brauche ich, damit ich nachschauen kann, ob sie es schon einmal bei uns gehabt hat – also ob ein Vorbezug überhaupt in Frage kommt.“

Kunde: „Oh. All der Aufwand. Vielleicht hole ich es doch besser in meiner Apotheke.“

Apothekerin: „Das ist eine gute Idee!“

(was sollte das denn? – so im Stil: ich versuch’s mal?)

Die falsche Anwendung (2)

oder „wie züchte ich mir mein Magengeschwür?“:

Kunde auf die Frage, ob das Aspirin C für ihn selbst ist: „Wissen Sie, solange Erkältungszeit ist, nehme ich drei mal täglich je 2 Aspirin, so bekomme ich die Grippe nicht“.

Ich weiss schon, die Werbung suggeriert einem, dass man bloss Aspirin C zu nehmen braucht – und schon bekommt man die drohende Erkältung nicht. Ich denke dabei an diese Fernsehwerbung mit dem lachenden Pärchen im Regen.

Damit das mal deutlich gesagt ist (sorry Bayer und Novartis und Glaxo): weder Aspirin C noch Alca C noch Panadol C oder Contra Schmerz C oder Neocitran oder Pretuval C wirken vorbeugend gegen irgendeine Form der Erkältung oder Grippe!

Ja, es hat Vitamin C drin (das bedeutet das“C“ in den Namen nämlich), aber das unterstützt die Abwehr vielleicht etwas, aufhalten lässt sich damit nichts. Leider.

Was alle diese Mittel machen: sie helfen bei Schmerzen (wie Gliederschmerzen und Kopfschmerzen) und senken das Fieber.

Und alle (ausser dem Panadol) haben die Nebenwirkung, dass sie auf den Magen aggressiv wirken können. Vor allem, wenn man derart viel nimmt wie der Kunde oben. Ich konnte ihn übrigens nicht von seinem eher gesundheitsschädlichen Verhalten abbringen.

Fragen zu Kondomen

„Kann man das Gleitmittel mit Methylalkohol entfernen? Ich bin allergisch darauf.“
– Wahrscheinlich schon, aber ich würde empfehlen welche zu kaufen, die schon ohne Gleitmittel sind.

„Kann man Kondome auch in der Badewanne verwenden?“
– Ja, aber es könnte leichter abrutschen

„Kann man Kondome auch ins Flugzeug mitnehmen oder platzen sie dann wegen dem Druckunterschied?“
– Ja, man kann und nein, sie platzen nicht

Kundin kommt mit 1 Pack Kondome und 1 Massageöl. Apothekerin: „Sie wissen aber, dass das Öl das Latex zersetzt? Man darf es nicht als Gleitmittel verwenden, sie müssen etwas auf Wasserbasis verwenden.“
Kundin: „Ehrlich? Ich mache das schon lange so.“ (und das war eine „vom Fach“ )

Junger Mann: hält eine Kondompackung in die Höhe und ruft: „Die kann man wieder verwenden, richtig?“
– Ummm, nein, falsch!

Kunde mit Pack Kondomen: „Haben sie einen Ort wo ich die anprobieren kann?“
– Nein.

Lustige Kondom-Werbung findet man übrigens hier.

Medikament als Suchtmittel

Samstag hatte ich meinen ersten Co-Dafalgan Süchtigen

Ich würde sagen, all die Umstände deuten darauf hin:

Es ist natürlich Samstag nachmittag – und die Ärzte nicht erreichbar.

Er sagt, er hat es schon auf Rezept gehabt, hat aber jetzt keines.

Er war noch nie bei uns in der Apotheke.

Er sagt, er brauche es gegen die Schmerzen – und hält sich dabei mitleiderregend die Schulter, schont den Arm aber während des weiteren Gespräches überhaupt nicht. (Im Gegenteil, so wie er fuchtelt …)

Er schwitzt wie ein Schwein (dabei ist es gar nicht so heiss- wahrscheinlich Entzugserscheinungen).

Er will nichts anderes als das CoDafalgan– er sein allergisch gegen Diclofenac, Aspirin, Ibuprofen …. also so ziemlich gegen alles.

Er sagt sogar, er sei allergisch gegen Dafalgan! – Das finde ich besonders unglaubwürdig, weil Co-Dafalgan auch nur Dafalgan mit Codein ist, also  dürfte er das dementsprechend auch nicht nehmen ….

Als ich ihm deutlich sage, dass er von mir das nicht bekommt ohne Rezept, meint er nur: dann muss ich halt in den Notfall gehen.

Co Dafalgan ist Paracetamol mit Codein. In Amerika unter dem Namen Vicodin (allerdings mit Hydrocodon) bekannt und oft missbraucht ist es bei uns eher selten anzutreffen. In der Schweiz sind die Ärzte eher übervorsichtig mit dem Verschreiben möglicher Suchterzeugender Schmerzmittel.

Codein ist ein Opiat und wird als Hustenmittel oder in Kombination als Schmerzmittel eingesetzt. In der Schweiz ist es ab einer gewissen Dosierung rezeptpflichtig, andere Länder (wie Deutschland, Amerika) sind da viel restriktiver, dann fällt es unter das Betäubungsmittelgesetz.  Der Grund ist, dass ein Teil des Codeins zu Morphium umgewandelt wird im Körper – das eine euphorisierende Wirkung hat. Darum macht es auch abhängig.

Nun gut, von mir hat dieser seine Ration nicht bekommen.