Ablaufdaten

Neulich in der Apotheke:

Kunde: „Sie haben mir ein abgelaufenes Medikament verkauft!“

Pharmama: „Oh. Das ist fast nicht möglich, wir kontrollieren die Ablaufdaten regelmässig.“

Kunde: „Und was ist das dann? Da steht drauf FEB 10! Und jetzt ist …“

Pharmama: „Ja, das bedeutet aber Februar 2010. Nicht der 10. Februar.“

Dasselbe Problem gibt es auch mit Leuten, die das Herstellungsdatum (MFD) für das Verfalldatum (EXP) halten. So wie hier.

Kastanienbraun

Männlicher Kunde: „Entschuldigen sie bitte!“

Drogistin: „Kann ich ihnen helfen?“

Kunde: „Meine Frau hat mich hierher geschickt und gesagt, ich soll ihr ‚Kastanienbraun‘ mitbringen. Ich kann es nicht finden.“

Drogistin: „Ist das Haarfarbe oder Make-up, was sie will?“

Kunde: „Keine Ahnung. Sie hat nur gesagt Kastanienbraun.“

Drogistin: „Hat sie gesagt welche Marke?“

Kunde: „Nein, nur Kastanienbraun.“

Drogistin: „Ok, also für mich hört sich das nach Haarfarbe an. Schauen wir uns das mal an…“

Beide gehen zu den Haarfarben und die Drogistin fängt an jede Marke (und da gibt es einige) nach der Farbe Kastanienbraun zu durchsuchen. Der Mann steht währenddessen einfach daneben.

Nach etwa 10 Minuten:

Drogistin: „Da haben wir es. Garnier Haarfarbe, Kastanienbraun.“

Kunde: „Sind sie sicher, dass es das ist? Ich möchte nicht nach Hause gehen, feststellen dass es nicht das richtige ist und wieder zurückkommen müssen.“

Drogistin: „Sie könnten ja ihre Frau anrufen und fragen.“

Kunde: „Sie ist nicht Zuhause. Oh. Warten sie mal.“

Er zieht einen Zettel aus der Hosentasche und liest ihn.

Kunde: „Ja. Garnier, Kastanienbraun. Das ist es.“

Drogistin: „Äh, sie hätten uns eine Menge Zeit sparen können, wenn sie die Notiz vorher gelesen hätten.“

Kunde: (Ärgerlich) „Das ist das Problem hierzulande! Niemand will mehr arbeiten!“

Ja, klar.

Sie brauchen die für WAS?

Kunde kommt in die Drogerie: „Ich brauche eine Binde.“ (zum verbinden natürlich)

Drogistin:  „Wie breit muss sie sein?“

Kunde: „Ich bin mir nicht ganz sicher, ich brauche sie für meinen Wecker“

Drogistin: „Entschuldigung, für was???? (Gesicht ein grosses Fragezeichen)

Kunde: Wissen sie, der Wecker klingelt nämlich nicht, sondern vibriert und wenn ich ihn unter dem Kopfkissen habe, merke ich es nicht immer.“

Darum will er ihn jetzt zum schlafen ans Bein binden…

Nach einer Anpass-probe mit besagtem Wecker, kauft er sich eine Sportverband: elastisch, hautfarben, 6 cm breit.

Ersatzpräparat

Es ist Samstag Mittag – die meisten Apotheken in der Umgebung haben bereits zu. Ein Kunde (mittelalter Mann) drückt mir ein Rezept mit angeheftetem Kassabon in die Hand.

Auf dem Rezept sind 3 Medikamente. 2 davon wurden laut Kassabon in einer anderen Apotheke bezogen. Ich entziffere das dritte als Voltaren Migräne. Voltaren Migräne? Noch nie gehört.

Der Kunde: Haben Sie das? Jetzt bin ich schon in drei anderen Apotheken gewesen, die das nicht hatten.“

Ich sage: „Nein, das muss neu sein, das haben wir noch nicht hier.“

Ich sehe seinen enttäuschten Gesichtsausdruck.

Pharmama: „Aber ich kann mal nachschauen, was da drin ist und es eventuell ersetzen, wenn es dringend ist.“

Es ist. Er braucht das gegen seine Kopfschmerzen, die ihn jetzt schon ein paar Tage am Stück plagen.

Der Computer sagt mir, dass da Diclofenac-Na 50mg drin ist. Wenn ich nach Generika suche, gibt es mir Voltaren rapid an – sogar als die gleiche galenische Form. Auf Deutsch: auch bei Voltaren Migräne handelt es sich wieder nur um ein Co-Marketing Medikament.

Dafür machen sie sicher Werbung bei den Ärzten (denn es ist auch rezeptpflichtig). Statt 10 oder 20 Tabletten wie in  Voltaren rapid, gibt es dafür nur 6 oder 12 Tabletten – und sie sind NLP, werden also nur zum Teil von der Zusatzversicherung bezahlt – Im Gegensatz zum rapid, das von der Grundversicherung übernommen wird.

Da das für den Kunden, der bei der Assura versichert ist, egal ist (er zahlt sowieso erstmal selber und er braucht es jetzt), stimmt er zu, dass ich ihm statt dem Voltaren Migräne das identische Voltaren rapid 10 Stück gebe.

Ich gebe ihm noch ein paar Tips, was er sonst noch machen kann gegen seine Migräne und er geht zufrieden aus dem Geschäft.

Ich bin auch zufrieden: Da habe ich wirklich mal wieder das Gefühl etwas gut gemacht zu haben. Für so etwas arbeite ich!

Feste Vorstellungen

Manchmal hat man einfach etwas im Kopf …

Kundin kommt in die Apotheke: „Ich möchte bitte wieder die Rheumasalbe, die ich das letzte mal hatte. Den Namen habe ich leider vergessen, aber die Packung war grün und der Name fing mit einem A an.“

Ah, normalerweise bin ich (wie die meisten, die schon länger in Apotheke oder Drogerie arbeiten) ziemlich gut darin das richtige Produkt zu finden anhand einer solchen Beschreibung. Aber diesmal? Grosses Fragezeichen.

Also zeige ich ihr mal alle Rheumasalben, die irgendwie grün sind – meist erinnern sich die Leute besser an das Aussehen als an den Namen: Schmids Sportsalbe, Mobilisin, Perskindol, Caprisana Salbe, Pernaton …

„Nein, nein …„

oder mit einem A anfangen: Assan, Dolo-Arthrosenex, Absorbine, Alpina Wallwurz.Gel, Antiphlogistin, A. Vogel Rheumasalbe ..

„Nein, nein …„

und dann den Rest: Demotherm, Dolo-Demotherm, Kytta, Midalgan,  DulX, Carmol…

ich bin also ziemlich am Schubladenziehen. Aber: nichts.

Dann sagt sie: „Es hatte Kamille drin“.

Sage ich (zweifelnd): „Euceta?“

Kundin: „Ja, genau!“.

Ist doch logisch, oder? eucetA!

Mal abgesehen davon, dass es nicht gegen Rheuma ist.

Aber zumindest ist die Packung zur Hälfte grün.

Aber ich bin Ärztin!

Alte Frau kommt in die Apotheke: „Ich hätte gern ein Seresta“.

Apothekerin: “Haben Sie ein Rezept?“

Kundin “Das brauche ich nicht, ich bin Ärztin“.

Apothekerin: “Dann hätte ich gerne den Ärzteausweis und einen weiteren Ausweis“.*

Kundin: „Die habe ich nicht hier“.

Apothekerin: „Dann habe ich auch kein Seresta für sie“ (Da könnte ja jeder kommen“ ).

P.S: Sie kam ½ Stunde später mit einem Uralt-Diplom (praktiziert ja auch schon lange nicht mehr), aber immerhin!

*Bei Schlafmitteln, Beruhigungsmitteln und anderen Medikamenten mit Abhängigkeitspotential verlange ich immer ausser dem Ärzteausweis noch eine normale Identitätskarte. Denn die Ärzteausweise haben kein Foto drauf. Wenn so einer mal abhanden kommt könnte ihn sonst jeder benutzen. Ganz Schlecht!

Und wenn wir grad beim Thema sind: Medizinstudenten sind keine Ärzte (ja, auch nicht, wenn ihr nur noch 1-2 Semester Ausbildung habt). Das heisst, ich bin nicht verpflichtet ihnen rezeptpflichtige Medikamente abzugeben. Ich tue es aber, wenn es mir vernünftig und nötig erscheint. Sonst nicht!