Aus, fertig, Schluss.

Der Mitt-Sechziger in der Apotheke soll Migräne Kranit mitbringen.

Pharmama: „Ja – die gibt es nicht mehr, die wurden zurückgezogen.“

Mann: „Oh – kommen die wieder?“

Pharmama: „Sieht nicht so aus. Darf ich ihnen Ersatz anbieten?“

Mann: „Moment –ich muss fragen.“

Er zückt sein Natel (auch ältere Personen besitzen heute so etwas) und telefoniert.

Ich komme nicht umhin einen Teil mitzubekommen.

„Ja, hallo – ich bins. Die Migräne Kranit, die gibt es nicht mehr …

…Nein, sie werden nicht mehr hergestellt …

… Ja, sie wurden zurückgezogen, sie haben keine mehr ….

… sie sind ausser Handel. Nein, nicht mehr auf dem Markt … es gibt sie nicht mehr …

… Nein, sie machen sie nicht mehr …

… auch später nicht, nein. Was soll ich …?“

Er kommt zurück, zuckt die Schultern und sagt: „Sie meint, ich soll es noch woanders versuchen.“

Sie können, aber ich glaube, viel Erfolg haben werden sie nicht.

Freche Kunden

Die ältere Kundin (sicher 60) kommt herein, sagt mir „Grüetzi“ und streckt mir dann die Zunge heraus.

(!)

Ähhh—Was? Bei etwas näherem Hinsehen:

Pharmama: „Oh, Sie haben eine Aphte?“

Kundin (grinsend): „Nennt sich das so? Ich dachte, das war die schnellste Möglichkeit, Ihnen mein Problem zu erklären. Haben Sie mir da etwas dagegen?“

…

Frech. Aber ich mag meine Kunden so :-)

Lapidar

Der Kunde verlangt (und bekommt) Nasenspray.

Ich (wie immer): „Bitte denken Sie daran, dass Sie den abschwellenden Nasenspray nicht länger als eine Woche am Stück anwenden, da sich die Nase sonst daran gewöhnt.“

Kunde: „Zu spät.“

…

Eine Pille für … gegen …

„Haben Sie die Pille zum abtreiben?“

Das fragt mich das seltsame Duo das in der Apotheke steht. Die ältere Frau (50?) und der junge Mann (20-30).

Das heisst, eigentlich fragt nur die Frau – der Mann steht etwas belämmert daneben.

„Ah,“ sage ich „Wir haben die Pille danach … die ich unter bestimmten Umständen geben kann, aber …“ (die Formulierung war doch etwas seltsam, vielleicht meinen sie wirklich die Pille zum abtreiben, die gibt’s so nicht) „… wie lange ist es denn her seit dem Geschlechtsverkehr?“

„Es ist nicht für mich,“ sagt die Frau. „Und es ist jetzt etwa 3 Wochen her …“

Oh.

„Da bleibt ihnen nichts übrig, als mit der betroffenen Person zum Frauenarzt oder zur gynäkologischen Beratung zu gehen. Die Pille danach wirkt nur in den ersten 72 Stunden. Aber auch jetzt gibt es noch Möglichkeiten. Nur: sagen sie ihr, sie soll bald gehen.“

Man fragt sich manchmal, was für Geschichten und Schicksale hiner so (einfachen) Fragen stecken.

Sich unbeliebt machen

Die Frau kommt mit Krücken in die Apotheke gehumpelt um kurz vor 12 an einem Samstag.

Auf dem Rezept Medikamente und Stützstrümpfe und Spezialpflaster- die wir bestellen müssen – immerhin können wir das noch auf heute Mittag, da wir tatsächlich noch offen haben und auch eine Bestellung machen.

Sie ist nicht zufrieden. „Sie haben so viel Kram in ihrer Apotheke (und deutet auf unsere Parfümerie und Reformabteilung) aber das was man braucht, das haben Sie nicht!“

Nein, das was Sie brauchen haben wir gerade nicht. Und nur so etwa 10’000 Artikel an Lager. Sage ich natürlich nicht so, aber: ja, sage ich.

Ich könnte ihr auch erklären, dass es nichts bringt diese Pflaster an Lager zu nehmen. Nicht nur, dass es etwa 20 verschiedene Sorten gibt, hat es natürlich immer verschiedene Grössen und … das kann ich aus Erfahrung sagen: auch wenn man etwas davon an Lager nimmt (was es nicht bringt, weil viel zu wenig gebraucht und auch teure Pflaster haben ein Ablaufdatum)- man kann sicher sein, dass es die falsche Grösse ist, wenn jemand dann doch etwas braucht.

Item.

Man beeilt sich ihr das nötige zu bestellen. Wie gesagt, es ist sehr kurz vor 12 – Bestellschluss. Man ruft sogar noch beim Grossisten an, um sicher zu sein, dass das auch noch drauf kommt.

Als die Ware am Mittag kommt, das Erschrecken: das eine Pflaster ist nicht das, was sie wollte. Ich will das jetzt nicht entschuldigen, aber … doch, ich will. Spezialpflaster bestellen ist mühsam, weil auf dem Rezept oft nicht genau beschrieben ist, was gebraucht ist und im Computer keine Bilder drin sind, wie das aussieht, so dass das oft ein besseres Raten ist. Jedenfalls ist es nicht genau das gewünschte – worauf sich die Pharmaasistentin, die das bestellt hat, und die das oft persönlich nimmt, wenn es nicht klappt, ans Telefon hängt und bei den wenigen noch offenen Apotheken nach einem Ersatz für sie sucht.

Sie findet und besorgt tatsächlich etwas – nur … ist das besorgte Pflaster etwas kürzer (ich sag ja: nie die richtige Grösse).

Die Frau kommt wieder, erfährt die schlechte Nachricht und fängt wieder an auszurufen.

Sie macht die Apotheke runter.

Sie lässt ihren Ärger an der Pharmaassistentin aus, wie unfähig sie doch sei.

Sie tut laut kund, dass wir uns nicht kümmern.

Sie meckert die Leute an, die sich bemühen eine gute Arbeit zu machen – für die Kunden.

Sie verlangt eine extra Entschuldigung von uns, einfach … deshalb.

Sie … macht sich allgemein enorm unbeliebt.

Die Stützstrümpfe auf dem Rezept sind noch ein Besorgungsartikel, werden die doch extra nach den Massen angefertigt, das heisst, das dauert länger, bis das kommt.

Die kommen die Woche darauf.

Was auch kommt ist ein Telefonanruf von ihr, man solle doch das Rezept an Apotheke AB schicken, sie ginge von jetzt an dorthin.

Ich glaube, innen drin, sind bei uns alle zufrieden damit.

heisse Zeiten

Es wird ja langsam kühler und … also wirklich heiss hatten wir es hier nicht lange. Aber genau in der Zeit hatten wir in der Apotheke eine Saison-Ausstellung für eine Sonnencreme, die jetzt ungenannt bleiben soll :-)

Jedenfalls, man stelle sich das vor: Es ist heiss draussen, es ist immer noch ziemlich warm drinnen und die Ausstellung, die einen Strand suggeriert inklusive Palme, Liegestuhl und Badetuch auf etwas Sand.

Sommer halt.

Und eine Kundin im mittleren Alter, die das wirklich ernst genommen hat. Jedenfalls genug um anzufangen, die Kleider abzuziehen, schon von der (offenen) Eingangstür her. Erst die leichte Jacke, dann die Bluse, dann das T-shirt … eins nach dem andern. Die Kleider hat sie beim weiterlaufen einfach auf den Boden fallen lassen … gefolgt von den zunehmend besorgten Blicken der Angestellten und ein paar erstaunter Kunden.

Als sie an der Kasse ankommt und anfangen will auch noch den BH aufzunesteln, reisst sich die Drogistin Sabine aus der Schockstarre und stoppt sie.

Ich weiss nicht wie, aber sie bringt sie dazu zumindest einen Teil wieder anzuziehen, bevor sie sie nach Hause schickt. In Begleitung einer anderen Kundin übrigens – ihr Verhalten war seltsam genug, dass man sie nicht allein lassen wollte, obwohl Sabine mir nachher versichert hat, dass sie zwar etwas verwirrt schien, aber nicht so, als könne sie nicht für sich sorgen.

Seltsame Begegnung auf jeden Fall.

Ich habe das erst danach erzählt bekommen – ob ich aber schneller gewesen wäre als Sabine, wage ich zu bezweifeln.