Absoluter Notfall

Es ist abends, 6 Uhr 45, kurz vor Ladenschluss.
Telefon.
Eine Frau – im Hintergrund andauerndes Kindergebrüll.
Ich höre zu, was sie zu klagen hat. Im folgenden meine Seite des Gespräches:

„Ja, das ist schon tragisch, was ihnen als alleinerziehende Mutter da so spät abends passiert ist – dass der Sohn den Flaschentrinkaufsatz kaputtgebissen hat und sie jetzt keinen mehr haben. Aber: Nein, ich kann jetzt niemanden vorbeischicken einen bringen.“

„Warum? – es ist kurz vor Ladenschluss, wir sind nur noch zu zweit, und sie haben gesagt, sie wohnen wo? 3, 4 Quartiere weiter. Ah, ja.“

„Da gibt es aber auch Apotheken und Drogerien und andere Geschäfte, oder?“

„Nein, sorry. Auch wenn ihr Kind jetzt schon im Pyjama ist und sie nicht aus dem Haus können und keinen haben, den sie schicken könnten. Das muss jetzt leider warten bis morgen.“

„Was? Verdursten? Nein – das glaube ich eher nicht. Haben sie es schon mit einer Tasse versucht?“

„Doch, ich bin auch selbst Mutter und ich verstehe, dass das unangenehm ist. Daran lässt sich im Moment aber nichts ändern. Tut mir leid.
Gute Nacht!“

Sollte ich jetzt ein schlechtes Gewissen haben?

Missverständnis (6)

Die Patientin kommt retour, nachdem sie ein paar Stunden vorher Diflucan auf Rezept bekommen hat. Das ist tatsächlich eine Packung mit nur 1 Kapsel darin, die man zur Behandlung unkomplizierter Pilzinfektionen nimmt.

Sie kommt also und fängt an zu toben, dass sie ihr Geld zurück will (es war auf Rezept), dass das Produkt fehlerhaft sei, etc.
Also fragt sie die Apothekerin was genau das Problem war.
Sagt die Patientin: „Jedesmal, wenn ich die Diflucan Kapsel in die Vagina einführe, kommt sie gleich anschliessend wieder raus. Ich will mein Geld zurück!“
Apothekerin (versucht ein seriöses Gesicht zu machen) erklärt ihr, dass die Kapsel oral eingenommen, das heisst geschluckt wird, und nicht als Vaginaltablette angewendet.

Frau wird dunkelrot und geht wieder  -nachdem sie noch eine Packung bekommen hat.

Noch mehr Missverständnisse.

Hin- und her -Telefoniererei

Kleine Erklärung vorneweg: die Kundin ist eine Stammkundin, die öfters wegen allem möglichen (und unmöglichem) anruft. Grundsätzlich will sie nur mit der Apothekerin reden – in dem Fall mit mir – und häufig meldet sie sich nicht mal mit dem Namen: sie erwartet einfach, dass man weiss, wer dran ist.

Telefon.
Pharmama: „Pharmama’s Apotheke, Pharmama am Apparat.“
Kundin: „Könnten sie für mich den Arzt anrufen, damit der ein Rezept für Mephadolor für mich ausstellt?“
Pharmama: „Haben sie es denn schon einmal gehabt?“
Kundin: „Nein, nicht von dem Arzt.“
Pharmama: „Dann rufen sie vielleicht besser dem Arzt selbst an, falls der noch ein paar Fragen hat – die kann ich ja nicht für sie beantworten.“
Kundin: „Ach, wir haben schon darüber gesprochen, aber er hat es das letzte Mal vergessen aufzuschreiben. Ausserdem komme ich im Moment einfach nicht durch mit dem Telefon. Könnten sie nicht … bitte?“
Pharmama: „Na gut. Ich versuche es.“

Ich versuche es.
Es geht auch nach mehrmaligem probieren wirklich niemand ran.

Telefon.
Kundin: „Und? Haben sie das Rezept bekommen?“
Pharmama: „Nein, es geht im Moment niemand ran. Ich versuche es weiterhin.“

Ich versuche es. Immer noch nichts. Dazwischen muss ich noch meine normale Arbeit machen, es ist wirklich busy.
….
Telefon.
Kundin: „Haben sie ihn erreicht?“
Pharmama: „Nein. Noch nicht. Hören Sie, ich rufe ihnen zurück, wenn ich ihn erreicht habe. Ok?“
Kundin: „Warum geht denn da niemand dran. Ich habe es auch noch versucht …“
Pharmama: „Vielleicht sind die auch beschäftigt. Hören sie, es kann einen Moment dauern, aber ich rufe zurück, wenn es etwas neues gibt, ok?“
Kundin: „Ja, Danke.“

Ich versuche weiterhin, den Arzt zu erreichen.

Telefon.
Kundin: „Ich habe noch etwas vergessen: könnten sie ihn fragen, ob er auch noch Fluimucil draufschreibt?“
Pharmama: (langsam leicht angenervt, lässt sich aber nichts anmerken): „Ja. Sonst noch etwas?“
Kundin: „Nein, ich glaube nicht.“
Pharmama: „In dem Fall bis später.“

Ich probiere es weiterhin.
Endlich nimmt jemand ab.
Es ist die Praxisassistentin. Der Arzt hat heute mittag frei und ist nicht hier. Dementsprechend kann er auch kein Rezept ausstellen.
Ich versuche die Kundin anzurufen. Es ist … besetzt….

Ich lasse es im Moment sein, weil ich genug anderes zu tun habe. Rezepte, Bestellungen, Wareneingang …

Telefon.
Kundin: „Sie haben versucht mich zu erreichen?“
Pharmama: „Ja. Ich habe die Praxisassistentin erwischt. Der Arzt ist erst morgen früh da und kann erst dann ein Rezept ausstellen. Ich muss ihm morgen nochmals anrufen. Ich rufe ihnen morgen zurück, sobald ich das Rezept habe.“
Kundin: „Oh, ich hatte gehofft, es heute schon zu bekommen …“
Pharmama: „Tut mir leid, das geht nicht. Aber morgen ….“
Kundin: „Und sie rufen mir wieder an? Wann genau?“
Pharmama: „Das kann ich nicht genau sagen, ich muss ja erst den Arzt erreichen …“
Kundin: „Ich muss schon etwa wissen, wann … wissen sie, ich bin schlecht zu Fuss und wenn das Telefon klingelt …“
Pharmama: „Aber sie sehen doch darauf, wenn jemand angerufen hat?“
Kundin: „Jaaa …“
Pharmama: „Dann könnten sie auch zurückrufen, wenn sie ein Telefon von uns erhalten haben?“
Kundin: „Ah, ja.“
Pharmama: „In dem Fall bis morgen!“

Telefon.
Kundin: „Ich habe noch etwas vergessen: ich habe einen Termin beim Arzt, aber da kann ich glaube ich nicht. Könnten sie ihn noch fragen wegen einem neuen Termin?“
Pharmama: „Nein. Nein, entschuldigen sie, aber das müssen sie machen. Ich habe nicht ihre Agenda und Vermittlerin bin ich auch nicht. Bitte rufen sie ihn dafür selbst an.“
Kundin: „Ja, aber heute ist er nicht hier.“
Pharmama: „Aber morgen.
Auf Wiederhören.“

Tatsächlich ging das ganze noch etwas länger, weil gelegentlich eine Pharmaassistentin das Telefon abnahm … und sie ja unbedingt mich wollte.

Habe ich schon mal erwähnt wie ungern ich telefoniere?

Schlafprobleme

Die Apothekerin zum Kunden, von dem sie mitbekommen hat, dass er nach einer schwierigeren Operation Schlafprobleme hatte: „Und wie geht es ihnen jetzt mit dem Schlafen?“
Kunde: „Seit es mir allgemein gesundheitlich wieder besser geht, sind auch die Schlafprobleme weg. … Wissen Sie, ich habe nicht geschlafen, weil ich Angst hatte, nicht mitzubekommen falls ich sterbe.“

Fälschungen ??

Kunde in der Apotheke beim Einlösen eines Rezeptes: „Sie können mir auch diese Fälschungen geben, wenn es das gibt von meinen Medikamenten.“
Apothekerin: „Ich glaube sie meinen Generika?“
Kunde: Ja, genau!, halt diese nachgemachten Dinger.“
:-)

Und dazu passt noch der hier:

Übersetzung: Medizin  keine Fälschungen

auf dem Schild einer asiatischen Apotheke (japanisch? chinesisch?). Sehr vertrauenserweckend.
Gefunden auf engrishfunny.com

Kaffeelöffel

Apothekerin: „Sie nehmen also 2 Kaffelöffel davon vor dem Essen.“
Kunde: „Aber ich trinke keinen Kaffee.“
Apothekerin: „Ich meinte ja auch nicht 2 Löffel voll Kaffee, sondern 2 Kaffee-löffel voll.“
Kunde: „Ja, aber wenn ich keinen Kaffee trinke, was mache ich dann?“
Apothekerin: „Dann nehmen sie einfach 2 kleine Löffel?“
Kunde: „Ok, das kann ich.“

und das ist einer der Gründe, warum es besser ist Mengenangaben von flüssigen Medikamenten in Mililiter (ml) anzugeben – und einen richtigen Messlöffel dazu abzugeben.

Angaben:
Tee- oder Kaffeelöffel: ca. 5ml
Ess- oder Suppenlöffel: ca. 15 ml (an manchen Orten auch nur 10ml)