Spendenwunsch

Morgens ein Zettel auf meinem Bürotisch in der Apotheke:

„Herr Meier würde gerne von uns eine Tube Ichtholan gespendet bekommen. Er ruft morgen nochmals an.“

Den Ganzen Tag habe ich gespannt auf den Anruf gewartet, aber gekommen ist bisher nichts – dabei habe ich mir von dem Anruf die Antworten auf ein paar Fragen erhofft:
Wieso hätte Herr Meier denn gerne eine Tube gespendet bekommen?
Ist er vielleicht ein so speziell guter Kunde von uns, dass er glaubt das verdient zu haben?
Oder gehört er zu den enorm bedürftigen, die sich nicht mal das Nötigste im Leben leisten können … darunter eine Tube Zugsalbe?
Oder denkt er, er versucht es einfach mal?

Ich sollte das auch mal ausprobieren: Im MacD: „Tag, könnte ich von ihnen eine Cola gespendet bekommen?“. Im Lebensmittelgeschäft: „Bekomme ich von ihnen eine Tafel Schokolade gespendet?“

Was hättet ihr denn gerne so gespendet in der Apotheke oder anderswo?

Mit einem Glas Wasser

Die ältere Frau muss statt ihren Fosamax (1 x die Woche) neu das Bonviva 1 x im Monat nehmen.
Ich erkläre ihr die neue Anwendung, da sagt sie:
“Dann muss ich das jetzt mit 4 Glas Wasser nehmen??“

Hehe. Irgendwie süss.

Die Erklärung: Bisphosphonate (gegen Osteoporose, zu denen die beiden Medikamente gehören) sind sehr schlecht Magenverträglich und dürfen auf gar keinen Fall in der Speiseröhre kleben bleiben. Darum gibt es dort auch Hinweis-Karten mit der korrekten Anwendung:

Bisphosphonate sollten morgens nüchtern mindestens 30 Minuten vor weiterer Nahrungsaufnahme oder anderen Medikamenten mit einem vollen Glas Leitungswasser eingenommen werden. Danach darf man sich 30 Minuten nicht hinlegen.

Und 1 Glas beim Fosmax 1 x die Woche, macht bei 1 x pro Monat Einnahme (=4 Wochen) logischerweise auch 4 Gläser. Oder?

keine Kundin

Eine Frau kommt mit einer Flasche Shampoo, die wir nicht an Lager haben in die Drogerie und will sie austauschen. Begründung: „Das ist nicht das, was ich wollte!“
Der Computer sagt, dass sie es auch nicht von uns bestellt hat. Die Drogistin sagt ihr das.
Frau: „Doch, natürlich habe ich das von ihnen!“
Drogistin: „Ich kann ihnen das nicht austauschen. Sie haben ja nicht einmal eine Quittung und laut Computer haben sie es nicht von uns.“
Frau: „Bei ihnen kaufe ich nie mehr etwas!“

… ich glaube das haben sie bisher auch nicht.

Auf Brennesseln

Kundin: „Was kann ich auf Brennesseln machen?“
Pharmama: „Sie meinen, auf die Haut, wenn sie von Brennesseln gestochen wurden?“
Kundin: „Nein, auf die Brennesseln selbst. Ich will sie weghaben!“
Pharmama: „Äh, vielleicht weiss jemand von der Drogerie ein Unkrautmittel … aber ich würde sie einfach abschneiden – mit Handschuhen geht das.“
Kundin: „Dann gehe ich halt in ein Gartengeschäft ein Mittel kaufen!“

Hmm. Wieso muss es immer die Chemieschleuder sein?

Tuben in Blind

Zu unseren Kunden gehören auch ein paar sehbehinderte und blinde Personen. Und ich muss sagen, ich finde es bewundernswert, wie diese ihr Leben meistern.

Dass das gerade mit Medikamenten nicht gerade einfach ist, kann man sich vorstellen. Heute finden sich zwar auf manchen Packungen Angaben mit Blindenschrift, aber bei weitem noch nicht auf allen.
Und ganz schwierig wird es mit Salbentuben, wie ich letzthin gemerkt habe.

Der freundliche blinde Mann, blieb wie gewohnt am Eingang stehen, damit wir ihn bedienen können.
Pharmama: „Was darf es denn sein?“
Mann: „Eine Tube Zahnpasta und eine Handcreme“.
Wir fanden rasch etwas passendes und gehen zur Kasse, da fragt er mich:
„Welche von denen ist die Zahnpasta?“
Ich schaue die Tuben an … und dabei geht mir das Problem auf: beide sind natürlich nicht in Kartons verpackt, keine ist mit Blindenschrift angeschrieben. Beide sind diese neueren Kunststofftuben …
Pharmama: „Diese hier (drücke sie ihm in die Hand), ist die Zahnpasta. Sie ist etwas schmaler und länger und hat einen Drehverschluss – die Handcreme ist etwas kürzer und breiter und hat einen Klappdeckel.“
Er hat sie beide in die Hände genommen und gut „angeschaut“ – na ja, angefühlt. Man muss sich das mal vorstellen: Wieviele Tuben hat man zuhause? Und was ist da alles drin? Von Zahnpasta über Senf bis Fusscreme – Verwechslungen wären teilweise fatal – und wenn man etwas neues kauft, muss man das erst mal wieder memorisieren.


Aber mir ist wieder einmal mehr bewusst geworden, wie abhängig ich von meiner Sehkraft bin. Selbst in so kleinen Dingen. Und meine Arbeit, die könnte ich blind nicht erledigen. Da bin ich grad wieder froh über meine Sehkraft. Trotz Brille.