Die Grippe (-Impfung) Saison ist da!

Die Grippe-Impfung Saison ist da! – Zumindest in Amerika ist es so – und zwar schon seit einigen Wochen. Dort dürfen die Apotheker selbst in den Apotheken die Grippeimpfungen durchführen.
Leserin Anne hat mir dazu ein Bild geschickt:

Hier die easy USA-Version, gesehen in Page, Arizona: Man erledigt das vor dem Großeinkauf in der im Supermarkt angesiedelten Apotheke und bekommt Rabatt für die Lebensmittel.

Bei uns ist es noch nicht so weit, dass Apotheker impfen dürfen, auch wenn es in Diskussion ist:  siehe hier und hier.

In Basel gibt es aber schon ein paar Apotheken die Grippeimpfungen durchführen – genauer gesagt, sie holen sich einen Arzt in die Apotheke, der das dann macht, das ist dann aber nur zu bestimmten Zeiten möglich– das  im Unterschied zu Amerika, wo man im Herbst jederzeit reinlaufen kann.

Und dann sollte ich noch den Nationalen Grippeimpftag erwähnen, an der am 4. November eine Menge Ärzte teilnehmen. Info hier.

epic fail photos - Hinting At Something FAIL

Nachdem wir dieses Jahr einmal keine Angstmacherei von wegen Vogel- oder Schweinegrippe hatten, vermute ich mal, dass die Impfbereitschaft geringer sein wird. Dabei vergessen die meisten Leute, dass gerade die „normale Grippe“ – heute gerne „saisonale Grippe“ genannt – nicht ganz so ohne ist. Jährlich müssen allein in der Schweiz 1000-5000 Personen hospitalisiert werden und zwischen 400 – 1500 Personen sterben. Weltweit gehen die Todeszahlen wegen der Grippe in die Abertausende.

Wegen den Statistiken gibt es immer wieder Diskussionen …

Auf den Totenscheinen ist Influenza kaum zu finden, da der Tod fast immer durch Komplikationen wie bakterielle Pneumonien verursacht wird. Verwendet wird daher ein mathematisches Modell. Darin gehen jahreszeitliche Schwankungen bei den Todeszahlen mit ein, ebenso Faktoren wie die Stärke der Influenza-Aktivität und deren Verlauf. Verglichen wird dann die Zahl der Toten, wie sie ohne Influenza sein sollte mit der tatsächlichen Zahl während einer Grippewelle. Die Differenz (Exzess-Mortalität oder Übersterblichkeit) wird der Influenza zugeschrieben.

Quelle: aerztezeitung.de

Für Interessierte gibt es hier ein Factsheet zur Grippe und Impfung: http://www.kollegium.ch/grippe/docs/bag_factsheet.pdf

Aber was ich eigentlich fragen wollte: Was haltet ihr von Impfungen in der Apotheke? Grippe- und andere?

Die Grippeimpfung dieses Jahr

Dem Schweinegrippe-Hype letztes Jahr haben wir es zu verdanken, dass sich offenbar einige weniger gegen die Grippe impfen lassen als sonst – und im Gesundheitswesen befürchtet man deshalb dieses Jahr wieder einige mehr Kranke und Tote deswegen.

Was ich in der Apotheke  mitbekomme, ist eine ziemliche Verunsicherung um die Grippeimpfung allgemein.

Da ist zum Beispiel die Krankenschwester, die sich gegen die Grippe impfen lassen soll vom Spital aus – sie will aber nicht die Schweine-grippe-Impfung.
– Sie hat Pech, denn das H1N1 California-Virus (oder eben die Säuli-Grippe) ist im diesjährigen „normalen“ Grippeimpfstoffmix enthalten. Jedes Jahr sucht die WHO – mit mehr oder minder Erfolg -die 3 Stämme aus, die am wahrscheinlichsten Probleme machen werden, und dieses Jahr ist das Schweinegrippevirus mit dabei. Es ist bei weitem nicht das erste Mal, dass ein H1N1 Stamm dabei ist. Für mich ist das ein Zeichen, dass sie auch das Schweinegrippevirus jetzt zu den normal verbreiteten Viren zählen, nicht unbedingt dafür, dass es extrem gefährlicher ist, als die bisherigen.

Die nächste Grippeimpfungsfrage war, wo sie den Virus denn züchten.
– „In Eiern“, war meine Antwort. „Also nicht mit Kühen?“ – Nö. Die Person schien erleichtert.
Ich bin nicht ganz sicher, warum jetzt die Frage kam, vielleicht aus religiösen Gründen, oder die Person hatte Angst vom Rinderwahn.

Was ich auch noch gut finde ist, dass in den aktuellen Grippeimpfungen keiner dieser umstrittenen Zusatzstoffe drin ist, die sie in die Schweinegrippeimpfung letztes Jahr gemacht haben, um die Immunantwort zu verstärken (ich sag jetzt mal: um die Viren zu strecken, weil sie auch nicht so viel Material hatten für die Menge Impfstoffe, die sie produzieren mussten).

Eine andere Person erzählt mir, dass sie es sich überlegt, wegen der Impfung, aber sie habe letztes Mal eine allergische Reaktion darauf gehabt. Wenn ich aber nachfrage, erzählt sie mir, dass die Reaktion in einer Rötung und leichtem Schmerz an der Einstichstelle für 2-3 Tage nach der Impfung bestanden hat… Also: das ist keine allergische Reaktion! Das ist eine normale Nebenwirkung, die in etwa 10% der Fälle auftritt. Sie kann demnach Problemlos wieder eine Impfung haben.

Ausserdem sind in allen in der Schweiz enthaltenen Impfstoffen die Viren inaktiviert. Es bekommt niemand die Grippe von der Grippeimpfung! Was durchaus sein kann ist, dass man eine Erkältung bekommt – oder die Grippe von einem anderen Virus, der umgeht. Der Schutz ist auch nicht vollständig und die Immunantwort hängt von verschiedensten Faktoren ab – unter anderem sicher auch, wie die Person sonst „zwäg“ ist. (Der Gesundheitszustand und der Seelenzustand).

Ich muss zugeben, gegen die Schweinegrippe letztes Jahr habe ich mich dann doch nicht impfen lassen, aber die normale Grippeimpfung schon – auch dieses Jahr wieder. Grundsätzlich kann ich die Grippeimpfung nur empfehlen. Ich selbst mache sie seit Jahren, ohne Probleme – weder von der Impfung noch von späteren Grippe- oder Erkältungskrankheiten.

Da sagte der Apotheker …

Dass auch andere Apotheken mit Fragen um die Schweinegrippe zu kämpfen haben, zeigt dieses Netzfundstück: Gefunden auf realasmodis Blog (Original hier).

Er war letzhin in der Apotheke, musste aber etwas warten, bis er dran kam:

Eine völlig aufgelöste Mutter, die dem Apotheker ihre halbe Lebensgeschichte erzählte: „… und dann hat mein Sohn in wenigen Stunden über 39° Fieber bekommen. Und Schüttelfrost. Sie müssen das doch wissen – haben wir hier im Ort die Schweinegrippe?“ Das klang ziemlich fertig.

Darauf der Apotheker, eher auf Seelenmassage bedacht: „Na ja, ein paar Fälle gibt’s hier schon. Aber da wird durch die Medien reichlich Panik geschürt.“

„Ja, aber, es muss doch ein Mittel für Kinder geben. Wenn das nun schlimmer wird …“

„Ja, gibt es, Tamiflu für Kinder. Aber das wird auf dem Verwaltungsweg unwirksam gemacht.“

„WIESOOO?!!?!“

„Das dürfen wir nur gegen Rezept abgeben. Der Arzt darf das Rezept nur nach Labor-bestätigtem Befund ausstellen. Bis es soweit ist, vergehen zwei bis vier Tage, je nachdem, wie viel das Labor zu tun hat. Das Mittel muss aber in den ersten 48 Stunden eingenommen werden, sonst bleibt es ohne Wirkung. Deswegen haben wir das auch gar nicht auf Lager. Dann käme nochmal knapp ein Tag an Lieferzeit dazu. Und dann brauchen Sie es nicht mehr, weil das Kind die Schweinegrippe überstanden hat.“

Sie nun wieder, völlig aufgelöst: „Aber – aber – dann erzählen uns die Zeitungen ja völligen Quatsch …“

Ich konnte sehen, wie ein BLÖD-macht-deine-Meinung gebildetes Weltbild zerbrach.

Und der Apotheker entgegnete: „Genauso sieht’s aus.“

Irgendwann kam ich dann auch dran: „Eine Packung Hustenbonbons bitte.“

In der Schweiz ist es nicht ganz so schlimm … zumindest müssen die Ärzte meines Wissens nach nicht auf einen Laborbefund warten, wenn sie Tamiflu verschreiben wollen. Aber trotzdem: Wer wirklich die Grippe hat (egal welche), liegt im Normalfall so flach, dass er kaum mehr rechtzeitig für das Tamiflu zum Arzt geht.

Irgendwie muss das Ganze nochmal überdacht werden.

Ich will aber jetzt impfen!

Ich komme gerade von einem kurzen Ausflug auf die Toilette zurück, da höre ich jemanden laut toben. Vor meiner Pharmaassistentin steht ein Mann schreiend in der Apotheke :

„WAS? Sie haben KEINEN IMPFSTOFF GEGEN DIE SCHWEINEGRIPPE?? Wie kann das sein? Sie sind doch eine Apotheke? ICH WILL ABER SOFORT GEIMPFT WERDEN! …

Schauen sie denn kein Fernsehen? Ich habe da einen kanadischen Sender auf dem bringen sie immer die Neuigkeiten und wieviele schon gestorben sind!

ICH MUSS DAS JETZT UNBEDINGT HABEN !!!“

Tut mir leid, lieber Herr Panik, aber hier in der Schweiz bekommen wir als Apotheke den Schweinegrippe-Impfstoff gar nicht. Die Impfaktion die gerüchteweise „demnächst“ starten soll (seit Ende September oder so) wird rein durch kantonale Institutionen organisiert. Ich glaube nicht mal die normalen Ärzte bekommen den Impfstoff.

Und obwohl ich seine Impfbereitschaft löblich finde … zu den Risikopersonen gehört er nicht unbedingt.

„Unglaublich!“ muttert der Mann und stapft wieder hinaus.

Übrigens: bisher sind es in Deutschland jetzt 6 Todesfälle durch die Schweinegrippe, in der Schweiz und in Österreich noch keine.

Dagegen stelle man die allein in Deutschland um die 15’000 Todesfälle jährlich wegen der saisonalen Grippe oder die etwa 1000 in der Schweiz.

Wie wärs denn mit der normalen Grippeimpfung?

Also die habe ich.

Das „Grippchen“

Da spricht doch endlich einmal einer deutliche Worte:

„Der Virus-Typ A (H1N1) ist nicht gefährlich, die Schweinegrippe etwas weniger gefährlich als die typische saisonale Grippe, die jedes Jahr zu erwarten ist … Das ist und bleibt ein Grippchen!

So sagt nicht irgendwer, sondern der Pariser Medizin-Professor und Abgeordnete Bernard Debré.

Zu lesen z.B. hier.

Aber ich habe ja schon vorher gesagt: keine Panik!

Die Super-Grippe kommt wahrscheinlich schon noch irgendwann, aber dies hier ist sie nicht.

Leicht übertragbar aber nicht gerade gefährlich, das ist die Schweinegrippe.

Sehr gefährlich aber nicht leicht übertragbar, das ist die Vogelgrippe.

Beides in Kombination, also leicht übertragbar und gefährlich, das wäre übel. Aber eben: nicht diese „Grippette“.

Mit der Schweinegrippe zurück aus dem Urlaub

Also mich wundert der sprunghafte Anstieg der Grippefälle in den letzten Tagen überhaupt nicht – all die Leute, die aus den Ferien zurückkommen … aus Ländern wie Spanien (Mallorca) und Amerika und Mexico, die viele Grippefälle habe. Da hat sich einer oder 2 angesteckt … und die sitzen natürlich (unvernünftigerweise) auch im Flugzeug nach Hause.

Man kann viel sagen über die Schweinegrippe – schlimm scheint sie bisher nicht zu sein, aber seeeehr ansteckend. Ein, zwei kranke Leute im Flugzeug und die stecken dann gleich 10, 20 oder noch mehr an.

Und ganz toll finde ich, wenn diese frisch erkrankten dann in der Apotheke stehen – Leute, wenn ihr schon den starken Verdacht habt, dass ihr euch mit der Schweinegrippe angesteckt habt: BLEIBT ZUHAUSE!

Ruft, wenn ihr es schlimm habt, den Arzt an, fragt einen Nachbarn oder Freund, dass er Euch die nötigen Medikamente besorgt – wir bringen sie auch vorbei, falls ihr niemanden findet – aber STEHT BITTE NICHT HUSTEND UND OHNE MASKE IN DER APOTHEKE! ( Ja, dafür sind die Masken da: für Euch, die Kranken, damit sich die anderen nicht an euch anstecken.)

Das gibt nur noch mehr Erkrankungen – und darunter meine Mitarbeiter, die ich noch dringend benötige, wenn es wirklich so übel werden sollte mit den Ansteckungen wie befürchtet.

Übrigens: Masken sind (wieder mal) ausverkauft. Die nächste Lieferung der normalen Masken erwarten wir im August und die der FFP2 (der dichteren) irgendwann im September. Uncool, ich weiss – aber man sagt ja schon seit Jahren, dass man zuhause welche haben soll.

Und Tamiflu? Davon hat es genug, aber es gilt immer noch das übliche: das nimmt man nur ein, wenn man es hat – mit Komplikationen (also in den meisten Fällen ist es nicht nötig).

Interessanterweise gibt es jetzt nicht mehr nur 1 Art Tamiflu, sondern (wow, wo kommen die auf einmal her?) gleich 4 Varianten, einschliesslich Suspension für Kinder.