Schau mal, wer da korrumpiert

Wer den Blog schon länger liest, weiss, dass ich früher in der freiwilligen Feuerwehr war. Ich fands eine tolle Zeit – eine sinnvolle und spannende Aufgabe. Natürlich zeitintensiv und teils anstrengend, aber gute Kameradschaft … und ich habe meinen Kuschelbär dort kennengelernt. Ich habe das angefangen vor der Matura, während dem Studium und Arbeit in der Apotheke weitergemacht und erst aufgehört, als wir ein Kind bekommen haben. Danach war ich nicht mehr aktiv, aber ich habe im Auftrag der Gemeinde für die Feuerwehr noch ein paar Jahre Gebäude angeschaut und Feuerwehrpläne erstellt. Das war ein kleiner Zusatzverdienst, den wir wegen Arbeitszeitreduktion dank Kind gebrauchen konnten.

Etwas überrascht war ich deshalb, als unsere Überbauung im Frühsommer einen Brief der Feuerwehr bekommen hat. Darin die Aufforderung (gemäss XY Verordnung von Datum) für die veralteten Feuerwehr-Pläne der gemeinsamen Tiefgarage neue zu liefern. Machbar bis im September, ansonsten … (!). Angehängt eine kurze Liste von Anbietern, bei denen man die Pläne erstellen lassen kann.

Uh, okay? Das macht demnach nicht mehr die Feuerwehr im Auftrag (und Lohn) der Gemeinde? Das müssen die Eigentümer der Gebäude jetzt selber liefern, oder besser: in Auftrag geben und selber bezahlen? Wie viel kostet das wohl?

Ich habe dann die Liste der Anbieter dafür angeschaut, die im Schreiben empfohlen werden. Einer davon war im selben Ort, weshalb ich die Webseite besucht habe. Im Vorstand („über uns-Seite“) ein bekanntes Gesicht: Unser Feuerwehrkommandant und heutiger Gemeindepolitiker.

Um das mal ganz klar zu schreiben: Ich halte das für Vetternwirtschaft, wenn nicht gar ansatzweise Korruption. Faktisch spart da der Politiker der Gemeinde Geld, indem er -was vorher der Feuerwehr bezahlt wurde- an die Hausbesitzer weitergibt. Und praktisch fliesst dieses Geld dann in sein eigenes Geschäft und Tasche, das die Pläne dann erstellt.

Nachdem ich das einen Moment sacken gelassen habe, habe ich beschlossen (weil ich es kann!) die Pläne selber zu erstellen. Da steht nirgends, dass es verboten ist. Es muss nach Vorgaben gemacht werden, die etwas geändert haben, seit ich das das letzte Mal gemacht habe, aber das kann ich lernen. Die Vorgaben dazu stehen im Internet.
Also habe ich ein nettes mail diesbezüglich an den Herrn vom Brief von der Feuerwehr geschrieben. Sie sollen mir doch, zur Unterstützung, die alten Pläne schicken, die sie haben und Angaben wie Objektkennzeichnung / Gebäudename und Nummer (in Absprache mit der Feuerwehr festzulegen).

Das ist dann das Bild vom alten Plan, das mir zugesendet wurde. In Originalgrösse und Auflösung: Ich glaube, da hätte ich nicht mal was zensieren zu müssen, da erkennt man so gut wie nichts.

Ich war dann etwa 5 Stunden beschäftigt. Erst mal mit einlesen, dann die Tiefgarage ausmessen, einen Grobplan erstellen im Zeichnenprogramm (Affinity). Dann in die Tiefgarage damit und die Sachen im Plan eintragen. Dann wieder ans Zeichnenprogramm und die Symbole eintragen. Rest ergänzen (Beschriftung). Dann das Objektdatenblatt (praktisch die Legende zum Plan) und das Titelblatt dafür erstellen. Das war das erste Mal. Mit Übung und Material ginge das wesentlich schneller. 2 Stunden würden reichen.
Das ist mein Plan:

Ich finde, das sieht ganz gut aus – auch wenn es vielleicht nicht perfekt ist. Das ganze habe ich dann per mail in grosser Auflösung rechtzeitig an die Feuerwehr gesendet. Sie sollen sich melden, falls noch etwas fehlt oder die Vorgaben nicht erfüllt seien. Eigentlich stand im Ursprungsschreiben noch etwas von der Plan sollte auf A3 ausgedruckt werden, aber … das habe ich ignoriert. Das können sie mit dem oben selber machen.

Ich bin sicher, das Vorgehen ist legal … immerhin bieten sie Alternativen, wer das erstellen kann. Das Geschäft vom Kommandant/Politiker ist einfach nur „die beste Wahl“ für die meisten. Bei mir hinterlässt das aber einen sehr schalen Geschmack.

Aber auf der anderen Seite: Sollte ich meinen Job in der Apotheke verlieren, kann ich vielleicht selber Anbieter für so Feuerwehrpläne erstellen werden. Wieviel verdient man eigentlich damit? Ich weiss es immer noch nicht.

Was ich in der Feuerwehr gelernt habe (Sampler)

firefightermeDas links im Bild bin ich zu aktiven Zeiten. Ich bin nicht mehr in der Feuerwehr – nicht mehr seit Junior bei uns ist, aber vorher war ich es – 13 Jahre lang. Bei der freiwilligen Feuerwehr. Ich war bei Wasserschäden, Autounfällen, Wespennestern, Tierrettungen, vielen Fehlalarmen und ein paar Bränden. Hauptsächlich nachts und am Wochenende – weil ich tagsüber studierte oder arbeitete. Für die Zeiten hatten sie andere Leute in den aufgebotenen Gruppen: solche, die in der Nähe arbeiten und von der Arbeit wegkönnen.

Dabei habe ich einiges gelernt:

Gestandene Männer, die im nächtlichen Einsatz Pyjamas mit kleinen Raketen oder Comicfiguren drauf tragen sind gar nicht so selten. (Leider habe ich davon nie ein Bild gemacht – und inzwischen hat man die Ausrüstung auch nicht mehr zu Hause – so dass man sich nachts eigentlich 2x umzieht).

Wespennester: grosse entfernt die Feuerwehr, kleine kann man noch selber machen – aber es mit der alten Methode „ausräuchern“ zu versuchen, nur weil man Geld sparen will … führt meistens dazu, dass man dann doch noch die Feuerwehr braucht (!).

Man sollte mit dem Auto nie in Wasser fahren, wenn man nicht weiss, wie tief das ist. Ernsthaft.

Einen geklauten Tresor sollte man nicht versuchen direkt unter einem Rauchmelder zu öffnen – die funktionieren auch in leerstehenden Gebäuden meist noch.

Es ist unglaublich, wie bleich ein an sich schon nicht sonnengebräunter Mann werden kann, wenn er bemerkt, dass das Feuer, das wir am Bauwagen gelöscht haben, direkt unter einer Kiste mit einer grossen vollen Gasflasche gebrannt hat.

Sperrige Sofas können im Notfall auch mittels Drehleiter gezügelt werden (richtige Verbindungen vorausgesetzt).

Feuerwehrübungen (speziell Hauptübungen –meist im Herbst) sind gute Unterhaltung für die ganze Familie. Ja. Auch heute noch.

Airbags die losgehen sind unglaublich laut – sie „explodieren“ förmlich -und machen klassischerweise kleine Verbrennungen an den Handgelenken.

Anschnallen im Auto ist enorm wichtig für die eigene Sicherheit. Wenn man nicht angeschnallt ist, verlässt man das Auto bei einem Unfall rasch mal durch die Scheibe – und das hinterlässt (mindestens) hässliche Spuren.

Selbstmörder sind häufig ineffektiv. Es ist aber auch nicht ganz eine so einfache Sache. Die effektiven wählen ausserdem gelegentlich Methoden ohne jegliche Rücksicht für die Umwelt. Wer sich in der Wohnung mit Benzin übergiesst und anzündet erreicht eventuell sein Ziel (Tage später), sprengt aber die Wohnung in die Luft und verwüstet die Nachbarwohnungen gleich mit. Vor einen Zug zu springen funktioniert, allerdings hat man dann nicht nur sich, sondern auch den Zugführer auf dem Gewissen … und das Zusammensammeln eventueller Teile über dutzende Meter ist … unschön.

Bei der Feuerwehr zu sein ist toll, weil man so eine Menge Leute kennenlernt (ich zum Beispiel meinen Kuschelbär). Viele trifft man gelegentlich auch später wieder … zum Beispiel, wenn man bei der Arbeit einen kleinen Chemieunfall hat und Hilfe braucht … oder auch bei ihrem Zweitjob als Sanitäter.

In dem Sinne ein (etwas nostalgisches) „Hallo!“ an all die Feuerwehrleute da draussen.

Wie man Wespennester entfernt (Rerun)

Vor ein paar Wochen hatten wir eine Kundin, die uns telefonisch mitteilte:

„Nur zur Information, Wespennester entfernt die Feuerwehr.

Sage ich: „Oh, Danke, aber das wusste ich.“ (Bin ja selber in der Feuerwehr gewesen und habe einige Nester eingesammelt).

Frau: „Die in der Drogerie XY in ihrer Strasse wusste das aber nicht. Sie hat mir die Adresse von irgendsoeinem Handwerker gegeben“

Ich: „Warum rufen sie dann nicht auch ihr an und sagen das?“

Also, falls man ein Wespennest zu Hause hast, das man entfernt haben möchte, kann man in der Schweiz einfach der Feuerwehr anrufen. Die Kosten dafür sind eine Pauschale und betragen etwa 150.- CHF, egal wie lange der Einsatz dauert und ob dabei noch ein Teil des Daches abgedeckt werden muss oder ähnliches. Als Mieter wird es dem Wohnungseigentümer in Rechnung gestellt.

Kleinere Wespen-Nester kann man auch selber entfernen. Dazu braucht man einen Wespenspray aus der Drogerie (von Gesal oder Ketol), einen Staubsauger und einen Plastiksack sowie Schäufelchen und Besen.

Man wartet bis es eindämmert – dann sind die Wespen alle zurück im Nest und fliegen nicht mehr. Dann sprayt man das Nest ausgiebig mit dem Wespenspray ein. Der enthält ein für Wespen tödliches Nervengift, das kann sogar noch herumfliegende Tiere direkt aus der Luft holen (für Menschen ist es nicht gerade gesund, aber wenn man es nicht gerade einatmet, kein Problem).

Wenn im Nest Ruhe eingekehrt ist, nimmt man das Nest so vollständig wie Möglich heraus und packt es in den Abfallsack. Den Rest entfernt man mittels Besen und Schaufel und saugt eventuelle Teile ab.

Bienen sind ein ganz anderes Thema: die stehen unter Schutz. Man kann trotzdem der Feuerwehr anrufen, die können einem die Nummer eines Imkers sagen, der die Tiere (lebend) einsammeln kommt.

Hornissen sind eigentlich auch geschützt, so dass man sie im Normalfall in Ruhe lässt. Sie sind auch wesentlich weniger aggressiv als Wespen.

Noch ein kleiner Nachtrag, den ich „Wie man Wespennester nicht entfernen sollte“ nennen könnte. Wir hatten nämlich vor ein paar Jahren einen Einsatz in der Feuerwehr wegen einem Wespennest …

Der Hausbesitzer hat bei der Feuerwehr angerufen, um sich zu erkundigen, wieviel es kostet, das Wespennest in seinem Dachstock entfernen zu lassen.

Offenbar war es ihm zuviel, so dass er beschloss es – auf herkömmliche Art und Weise – selbst loszuwerden.

Das bedeutet, er hat versucht sie auszuräuchern. Man ahnt schon, was kommt.

Wespennester bestehen aus Papier, ein Dachstock enthält viel brennbares und so kam die Feuerwehr doch noch zum Einsatz.

Nachdem das lichterloh brennende Dach gelöscht wurde bekam er eine Rechnung die wohl einiges höher sein dürfte als die 150 Franken, die das Entfernen des Wespennestes gekostet hätte.

Bei so Sachen frage ich mich einfach, ob die Hausratversicherung das auch wirklich anstandslos gezahlt hat und ob sie dann nicht die Prämien erhöht – immerhin war es selbst verschuldet.

Das Bild stammt übrigens von der letzten Hauptübung der Feuerwehr – das ist immer auch etwas für die Bevölkerung zum zuschauen, ein Tip! Beim missglückten Versuch der Wespennestentfernung hat’s ähnlich gebrannt. Wobei: wieso missglückt? Das Nest war ja weg nachher -das Dach allerdings leider auch.

Original publiziert am  26. Aug 2008

Nur so.

Aaaalso … ich bin ja nicht so der Typ, der auf harte Alkoholische Sachen steht, aaaaaber, die Werbung hat alles, was ein youtube Film so braucht: gut aussehender Feuerwehrmann, kleines Kätzchen …

 

Enjoy.

(für meine weiblichen Leserinnen)

Weihnachtsstimmung mit der Feuerwehr

Nein, ich rede hier nicht von abgefackelten Adventskränzen und Weihnachtsbäumen – die kommen oft erst nach Weihnachten, wenn sie schön trocken sind und die Leute finden, es wäre doch schön, sie nochmals anzuzünden … leider brennt dann oft mehr als soll.

Nein, ich habe das hier gefunden auf dem Net:

und die Musik gefällt mir: Wizards of Winter

Ein „heisses“ Wochenende

Herbstzeit ist immer auch die Zeit für die lokalen Feuerwehren ihre Hauptübung durchzuführen und bei der Bevölkerung zu zeigen, was sie können.

Nachdem ich über 10 Jahre bei der hiesigen (freiwilligen) Feuerwehr war und mein Mann es immer noch ist, gehört das natürlich dazu, dass wir die Hauptübung jeweils besuchen.

Es ist etwas, was ich allen Eltern empfehlen kann. Gratis Unterhaltung, zum Teil sogar lehrreich und Kinder lieben es.

Oben die Übung im vollen Gang.

Situation: ein Auto ist in einen Tankzug mit brennbarer Flüssigkeit gefahren und hat ihn von den Schienen geschoben. Der Zuganhänger hat angefangen zu brennen, im Auto befindet sich eine verletzte Person, die gerettet werden muss.

Während die Feuerwehrleute einen Schaumteppich legen und andere dabei sind das Fahrzeug aufzuschneiden, kommt der Feuerwehr-Zug der SBB an. Super! Junior weiss jetzt was er mal werden will: Feuerwehr-Zug-Lokkifahrer!

Das ist Junior tatkräftig bei der Mithilfe mit einem 30er Schlauch (wir fangen klein an). Es dauert nur noch 9 Jahre, dann kann er bei der Jugendfeuerwehr anfangen -wenn er dann noch will.

Vorläufig ist die Begeisterung ununterbrochen.