Blutverdünner und Ernährung

So, die grossen Themen in der Reihe Wechselwirkungen von Nahrungs- und Genussmitteln mit Medikamenten haben wir abgehakt. Jetzt kommen wir zu den kleineren und manchmal kontrovers diskutierten Dingen.
Teil 6: Antikoagulation (Blutverdünner) und Nahrung:

Früher hat man gesagt, man muss aufpassen, was man isst, wenn man den Blutverdünner Phenprocoumon (Marcoumar) nimmt. Dem ist heute nur noch bedingt so:

Die Ernährung sollte unter einer Therapie mit Antikoagulantien vom Typ: Vitamin-K-Antagonisten (Marcoumar) in den Grundzügen gleich bleiben, ohne extreme Bevorzugung oder Ausschaltung bestimmter Nahrungsmittel. Es ist wichtig, die Ernährungsweise, unter welcher die Antikoagulantieneinstellung erfolgte, beizubehalten, insbesondere hinsichtlich des Verzehrs Vitamin-K-reicher Nahrungsmittel.

Vitamin K Gehalt in der Nahrung:

  • hohe Gehalte (> 100µg): Gemüse, insbesondere grüne, blattförmige Pflanzen (beispielsweise Blattspinat, Blumenkohl, Brokkoli, Grünkohl, Kopfsalat, Lauchgemüse, Rosenkohl, Sauerkraut, Soja, Zwiebeln)
  • mittlere Gehalte (10-100µg): Getreide, Eier, Kartoffeln und Fleisch
  • niedrige Gehalte (< 10 µg):  Fisch, Früchte und Milchprodukte.

Der Einfluss von Vitamin K-haltigen Nahrungsmitteln wird jedoch oftmals überschätzt.

Cumarinreiche Vegetabilien wie Waldmeister, Steinklee und Tonkabohnen sind hingegen zu meiden, weil die Blutverdünnung dann stärker ist.

Grössere Mengen Alkohol beeinflussen die Blutgerinnung ebenfalls.

Und nicht zu vergessen eine Menge Medikamente! Achtung bei Schmerzmitteln (nur Paracetamol macht keine Probleme) und einer Vielzahl anderer, v.a. rezeptpflichtiger Medikamente – hier ist eine Einstellung der Blutgerinnung und Überwachung wichtig.

Blutverdünner die man spritzen muss (Heparine wie Fragmin, Fraxiparin, Clexane) werden durch die Nahrung kaum beeinflusst. Sie können aber auch mit anderen Medikamenten Wechselwirkungen haben, v.a. solchen, die auch blutverdünnend wirkenden.

Grapefruitsaft und Medikamente

Medikamente sollten immer mit einem Glas Wasser eingenommen werden. Nicht mit Limonade, nicht mit Grapefruitsaft, nicht mit Milch, nicht mit Kaffee und ganz sicher nicht mit Alkohol.

Es gibt viel mehr Wechselwirkungen zwischen Nahrungsmitteln oder Getränken und dem Rauchen, als man denkt.
Ich möchte ein paar von denen hier zeigen.

Zum Beispiel der Grapefruitsaft.
Grapefruits enthalten verschiedene Bioflavonoide, eine Gruppe von Verbindungen, die in zahlreichen Früchten und Gemüsen vorkommt. In der Grapefruit findet sich vor allem Naringin, das der Frucht ihren charakteristischen Geschmack verleiht und in Orangen nicht vorkommt.

Naringin ist in der Lage in der Leber das Enzym Cytochrom P450 zu hemmen, das es zum Abbau diverser Medikamente braucht. Weniger Abbau bedeutet erhöhte Plasmaspiegel.
Z.B. von gewissen Statinen

  • Lovastatin
  • Simvastatin (Zocor, Simcora, Simvastin)
  • Atorvastatin (Sortis, Cadumet)
Und:
  • Sertralin (Zoloft)
  • Carbamazepin (Tegretol)
  • Buspiron
  • Diazepam, Triazolam, Midazolam (Benzodiazepine)

Ausserdem blockier das Naringin offenbar im Darm das organische Anion-Transportprotein OATP1A2. Die Aufnahme einiger Arzneistoffe wird dadurch reduziert und somit deren Effekt verringert.
Eine Dosisverringerung wurde bis jetzt bei folgenden Wirkstoffen festgestellt:

  • Amiodaron (Cordarone)
  • Atenolol (Tenormin, Tenoretic, NifTen)
  • Celiprolor (Selectol)
  • Ciclosporin (Sandimmun)
  • Ciprofloxacin (Ciproxin, Cipeco)
  • Etoposid
  • Felodipin (Plendil)
  • Fexofenadin (Telfast)
  • Itroconazol (Sporanox)
  • Levofloxacin (Tavanic)
  • Nifedipin (Adalat)
  • Nimodipin (Nimotop)
  • Saquinavir (Invirase)
  • Talinolol
  • Tacrolismus (Prograf)

Wie man sieht, betrifft das Medikamente für die unterschiedlichsten Anwendungen, Antibiotika, Blutdruckmittel, Mittel gegen Viren und Cholesterinsenker sowie Antiallergika.
Dass es auch wirklich relevant ist, hat man beim Fexofenadin gemerkt: nach Einnahme mit Grapefruitsaft wurde nur die Hälfte der Wirkstoffmenge absorbiert, verglichen mit der Kontrollgruppe, die Fexofenadin mit Wasser eingenommen hatte. Da ist es gut möglich, dass das Antiallergikum auf einmal nicht mehr wirkt.
Und da man eine Menge Medikamente am Morgen einnehmen muss und beim Frühstück Grapefruitsaft oder frische Grapefruit häufiger auf dem Speiseplan stehen, muss man wirklich darauf achten!

Die Namen in den Klammern sind die in der CH zugelassenen Medikamente – es handelt sich um eine Auswahl, es gibt noch mehr mit den Wirkstoffen. Die Liste erhebt auch keinen Anspruch auf Vollständigkeit.

Apotheken täuschen Kunden

So zumindest sieht es die 20Minuten im  letzten sensationellen Bericht über die Apotheken im Aargau gelesen:

Aargauer Apotheken täuschen Kunden
Aargauer Apotheken und Drogerien werben mit unerlaubten Gesundheitsanpreisungen. Bei einer Kontrolle ist das Amt für Verbraucherschutz ausschliesslich auf schwarze Schafe gestossen.
Alle zehn kontrollierten Apotheken und Drogerien wurden wegen unerlaubter Anpreisungen beanstandet, wie aus dem am Donnerstag veröffentlichten Jahresbericht 2009 des Amtes für Verbraucherschutz hervorgeht.

In den meisten Fällen habe es sich um Hinweise gehandelt, die einem Lebensmittel Eigenschaften wie Vorbeugung, der Behandlung oder Heilung einer Krankheit zugeschrieben hätten. Anpreisungen solcher Art auf der Verpackung oder entsprechende Werbung seien verboten.

Wie schnell man in der Grauzone ist, habe ich schon beschrieben. Dies ist nur eine weitere Variante des Themas.
Grundsätzlich muss man unterscheiden zwischen Lebensmittel (auch Nahrungsergänzungen) und Heilmittel (Medikamente). Ein Medikament wurde bei der swissmedic angemeldet und zugelassen. Die Wirksamkeit und Sicherheit muss durch Studien belegt sein – was natürlich entsprechend teuer ist. Ein Nahrungsergänzungsmittel dagegen kann teilweise dasselbe enthalten, wurde aber nicht als Heilmittel zugelassen – und darf dann auch keine Hinweise auf Vorbeugung, Behandlung oder Heilung einer menschlichen Krankheit enthalten. Auch die Aufmachung darf nicht demgemäss täuschend sein – Organe darauf abzubilden ist z.B. schon mal nicht gut.
Nun sind das alles Sachen, die die Hersteller-Firma entscheidet, die das Produkt auch auf den Markt bringt. Genauso wie das, was sie in ihre Prospekte schreiben. Da muss man so aufpassen, was man auflegt!

„Im Zweifelsfall entscheidet der Kantonschemiker am Standort des Inverkehrbringers, ob ein Produkt verkehrsfähig ist.“

Quelle / Quelle2

Jetzt haben wir zum Beispiel das Magnesium biomed und das Magnesium biomed uno. Während ersteres (links im Bild)  als Heilmittel zugelassen ist (Liste D) und die Beutel 121 mg Magnesium enthalten – ist letzteres (rechts im Bild) nur als Nahrungsergänzung zugelassen, enthält aber 300mg Magnesium (!) also soviel, wie bisher nur die Rezeptpflichtigen Mittel wie Magnesium Diasporal enthalten haben ...

In der Apotheke / Drogerie darf ich die beiden nicht mal nebeneinander stellen – denn dann steht das Lebensmittel im Heilmittel-regal (z.B. unter der Überschrift „Stärkungsmittel“ – und das wäre ein Hinweis auf eine medizinische Anwendung – also eine verbotene Anpreisung!

Und dann reklamiert der Lebensmittelinspektor / Kantonschemiker und dann bekommt man eventuell noch einen Rüffel vom Kantonsapotheker wegen Verstosses gegen das Heilmittelrecht.
Also stelle ich die beiden Produkte auseinander – obwohl sie eigentlich zusammen gehörten in meinen Augen.

Logisch – ne? Liebe Biomed: ich weiss, dass die Zulassung als Lebensmittel günstiger ist – aber mich bringt ihr damit ein bisschen in Erklärungsnot.

Eingedost

Es gibt schon einige sehr ungewöhnliche Dinge, die wir Menschen essen. Da ist es nicht verwunderlich, dass manches davon auch in Dosen abgepackt und verkauft wird.

Auf dieser Seite finden sich eine Zusammenstellung der eher ekligen Dinge in Dosen: Skorpione, Seidenwurm-larven, Alligator … da gehört das Schweinehirn im Bild oben noch zu den eher normalen Sachen. Das kommt offensichtlich aus den USA – die auf der Dose auch die Empfehlungen zum Tagesbedarf abgeben. In dem Fall interessant: pro Portion enthält Schweinehirn in der Dose offenbar 3500mg Cholesterin – was 1170% des täglichen Bedarfs entspricht ! Wow.

Aaaarrrrgh!

Wer hätte das gedacht? Das Pulver, das ich zu der auf dem Wochenmarkt gekauften Grapefruit bekommen habe, ist nicht nur Rohzucker – sondern enthält grob pulverisierte trockene Chili!!
Scharf, scharf, scharf! (aber unerwartet gut).