Nicht frisch genug

Die Kundin hält mir eine noch zu 3/4 volle Packung Dynamisan Beutel 40 Stück unter die Nase und sagt: „Ich möchte diese hier umtauschen.“

„Ok,“ sage ich. „Ist etwas damit nicht in Ordnung?“

Kundin: „Ja. Das Verfallsdatum ist zu kurz. Mein Arzt hat mir gesagt, ich soll unbedingt nur frisches nehmen!“

Ich schaue auf das Verfallsdatum: Februar 2011. Noch ein ganzes Jahr!

Pharmama: „Umm, entschuldigen sie, aber das kann ich nicht umtauschen, das ist noch mindestens ein ganzes Jahr in Ordnung, die Packung ist gut.“

Kundin: „Aber mein Arzt hat mir gesagt, ich soll schauen, dass der Verfall nicht zu kurz ist …“

Pharmama: „Ja und das ist er ja auch nicht, das ist noch ein ganzes Jahr gut. Soll ich vielleicht mit dem Arzt das abklären? Vielleicht handelt es sich ja um ein Missverständnis …“

Kundin: „Nein, nein, nicht nötig!“

(dachte ich mir – entweder hat er gar nichts gesagt, oder er meinte, sie soll es möglichst gleich nach der Zubereitung trinken).

Kundin: „Ich bekomme also kein neueres?“

Pharmama: „Nein, tut mir leid, das kann ich so nicht umtauschen.“

Kundin: „Sie haben gerade eine gute Kundin verloren – ich komme nie mehr hierher!“

Seufz.

Früher hat mich so etwas ziemlich aufgeregt. Inzwischen weiss ich aber, dass auch diese Kunden in vielen Fällen wiederkommen … vor allem, wenn sie in den anderen Apothekern / Drogerien auch nichts anderes zu hören bekommen.

Lebendes Duftbäumchen

2008 Es ist im Abendverkauf, wo normalerweise nicht sehr viel läuft, so dass  man Gelegenheit hat, ein bisschen mit den Kunden zu schwätzen. Eine liebe alte Kundin kommt vorbei mit einem Rezept. Wir unterhalten uns, dabei komme ich nicht umhin (oder besser meine Nase) dass  sie ziemlich nach abgestandenem Urin riecht. Das kann vorkommen, selbst mit den besten Binden – v.a., aber wenn man den ganzen Tag dieselbe anhat.

Ich kann ihr schlecht sagen, dass sie riecht. Genausowenig kann ich einfach auf Abstand gehen – ist gerade so unhöflich, also versuche ich es zu ignorieren.

Ich führe das Rezept aus und wir unterhalten uns ein wenig über dies und das. Nach ein paar Minuten merke ich, wie sich die Kollegin, die mit mir Abendverkauf hat, neben mich stellt. Ziemlich dicht. Erst bin ich etwas irritiert – will sie mich etwas fragen? Aber nein, sie hat keinen Kunden und scheint sich einfach mit dem Computer zu beschäftigen. Als ich sie fragend anschaue, schüttelt sie nur lächelnd den Kopf und bleibt einfach dort.

Da merke ich, dass sich in den Uringeruch Parfumduft mischt. Zuerst denke ich das kommt von meiner Kundin. Gar nicht mal übel das Parfum, denke ich.

Als die Kundin gegangen ist, bleibt der Duft aber.

Fragend schaue ich meine Kollegin an: Wieso stehst Du eigentlich so nahe bei mir? Kann ich dir bei etwas helfen?“

„Nein nein,“ sagt sie „– hast Du es nicht bemerkt?“

„Was denn?“

„Ich bin dein lebendes Duftbäumchen!“  :-)

Sie hat bemerkt wie streng die Kundin riecht und sich gedacht, sie hilft mir etwas: indem sie sich mit dem neusten Parfumduft besprüht und sozusagen ein Gegengewicht bildet.

Es hat funktioniert!

Fettnapf … und erwischt!

Die Kundin kommt mit einer Frage betreffend Inkontinenzeinlagen in die Drogerie.
Die Drogistin berät sie, dabei kommt das Gespräch auf die Schwangerschaft der Kundin. Die Kundin denkt (nicht zu Unrecht), dass sich das Problem im Verlauf der Schwangerschaft verschlimmern könnte.

Kundin: „Und dann noch der Bauch!“
Sagt die Drogistin mit Blick auf ihren (gut sichtbaren) Bauch: „Aber so ein Schwangerschafts-Bauch ist doch herzig.“
Kundin: Der Bauch ist aber noch nicht vom Kind – das ist erst ca. 2cm gross. Das hier (klopft drauf) ist mein eigener Ranzen!“

Oups.

Aneinander vorbeigeredet

Kunde vor dem Deo-Regal: „Oh, sie haben noch so einen Mum-Deo. Die laufen nämlich aus!“

Pharmama: „Die laufen aus? Ist das jetzt schon bei mehreren passiert? Dann könnte ich das nämlich der Firma mitteilen. Vielleicht ist das ein Produktionsfehler.“

Kunde (schaut mich ganz seltsam an )… „Nein, sie laufen aus … es gibt sie nachher nicht mehr.“

Pharmama: „Oh, SO auslaufen, sie gehen also ausser Handel.“

Kunde:Genau.“ – sagt’s und nimmt den letzten Deo.

(Uups)

PPP – Was wollt ihr denn?

Liebe Rätselfreund*innen!
Nachdem «Pharmamas Pfingst-Preisrätsel» (PPP) im vergangenen Jahr leider verschiedenen Umständen zum Opfer fiel, möchte ich heute mal von Euch wissen, ob und in welcher Form ich zusammen mit Pharmama in diesem Frühjahr eine Neuauflage auf
den Weg bringen kann.

Dazu gibt es an dieser Stelle etwas ganz Neues – eine Umfrage:

Die Abstimmung läuft bis 1.4.2023. Entsprechend Eurem Abstimmungsergebnis werde ich mich dann an das neue Rätsel setzen (oder auch nicht, sofern die Mehrheit sich für die letzte Option entscheiden sollte).
LG, Euer
?Riddler?

P.S.:
Wenn sich jetzt irgendjemand von Euch an eine Abstimmung aus der Sendung «Bullyparade» des deutschen TV-Senders «Pro Sieben» aus den frühen 2000er-Jahren erinnert fühlen sollte: alles reiner Zufall! :P
Allerdings ist der Zufall manchmal gross… ;)

Unhaltbare Anschuldigungen!

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Im Jahresbericht habe ich geschrieben, dass wir vermehrt Diebstähle in der Apotheke / Drogerie bemerken. Speziell an einer Stelle – sie ist von den Kassen aus schlecht einsichtbar. Wir haben schon die dort ausgestellten Sachen verändert, aber das scheint fast egal zu sein. Statt den Bürsten verschwinden jetzt halt die ätherischen Öle von dort. Leider bemerkt man das oft zu spät – aber wir können offensichtliche Lücken oder Fehlbestände noch mit den Aufzeichnungen der Kamera abklären – bis etwa 1 Woche danach, dann wird es überschrieben.

So passiert Ende November: es fehlen gleich mehrere Flaschen vom Orangenöl, etwa 50 Franken Verlust. Wir finden auf den Aufzeichnungen eine Frau mittleren Alters, sehr unauffällig, Winterjacke und mit Einkaufsroller, die die Auslage studiert und dann gleich alle Orangenölfläschen einpackt. Sie geht dann noch Richtung Kasse und bezahlt … etwas anderes, kleines. Das ist nervig. Wir machen einen Ausdruck von der Aufnahme und sichern den Vorgang. Den Ausdruck zeigen wir an der Teamsitzung – in der Hoffnung, dass die Person bei einem Wiederholungsbesuch erkannt wird. Es ist auch ziemlich gut möglich, dass sie wiederkommt … immerhin ist es nicht das erste Mal, dass da ätherische Öle verschwinden.

Fast forward bis kurz vor Weihnachten. Wir sind beschäftigt (wie immer um die Zeit, aktuell noch etwas mehr), aber gerade sind nur 3 Kunden im Laden… und gleich 2 Mitarbeiter kommen praktisch zu mir gerannt, weil die eine aussieht, wie die Öl-Diebin. Samt Jacke und Einkaufsroller. Und sie steht vor dem ätherischen Öl! Pharmama, mach was!

Sie kommt zur Kasse, wo die Kollegin grad die eine Kundin fertig bedient hat und die nächste dran nimmt. Die mutmassliche Öl-Diebin ist danach dran … aber die Mitarbeiterin, die sie an die nächste Kasse (in etwa 1,5m Abstand) nimmt, schaut mich hilfesuchend an: „Was mache ich jetzt? Das ist doch wahrscheinlich die …?“ sagen ihre Augen.

Ich bin noch nicht ganz überzeugt. Die Frau sieht sehr, sehr ähnlich aus. Und sie hat einen Einkaufsroller dabei. Und sie hat ein Fläschchen ätherisches Öl zum zahlen. Trotzdem …

Als sie also zahlen will, trete ich ruhig nach vorne neben die Mitarbeiterin an der Kasse und bitte sie: „Könnten Sie einen Moment auf die Seite treten und etwas warten? Ich möchte etwas nachschauen, ich bin gleich wieder da.“
Sie fängt praktisch instant an auszuflippen: „WAS? Wieso?? Was soll das?“
Pharmama: „Ich brauche nur ein paar Minuten …“
Frau: „Wofür, was wollen sie?“
Pharmama: „Nun, wenn sie es wissen wollen, sie sehen sehr ähnlich aus, wie jemand, der vor einiger Zeit etwas geklaut hat – und ich möchte das rasch nachprüfen auf unseren Aufzeichnungen.“
Ich gehe und schaue auf die Aufzeichnungen. Die Ähnlichkeit ist frappierend, samt der Frisur und Figur aber … die Aufzeichnungen sind nicht wirklich gute Qualität, was das Erkennen der Gesichter angeht. Ausserdem hat sie andere Kleider (kann auch sein) und einen andersfarbigen Roll-Einkaufswagen. Bei dem denke ich eher nicht, dass jemand mehrere besitzt. Also … nein. Auch nach dem direkten Vergleich bin ich nicht sicher, deshalb kehre ich zurück nach vorne, wo die Kundin immer noch lautstark schäumt. Etwas, das sie weder sympatischer, noch unverdächtiger macht. Die Kundin an der Nebenkasse hat inzwischen bezahlt und ist gegangen.

„Nein“, sage ich und nicke der bedienenden Mitarbeiterin zu „Das war sie nicht auf den Aufzeichnungen. Danke fürs warten und entschuldigen Sie …“
Frau: „Was für eine Unverschämtheit! WIE können sie es wagen?“
Pharmama: „Es tut mir leid, wenn…“
Frau: „Nein, von ihnen will ich gar nichts mehr hören. Ich will nur zahlen und hier raus!“
Sie reklamiert derweil lautstark weiter ob unserer unmöglichen Behandlung und dass sie momentan psychisch nicht gut drauf sei (wer nicht, liebe Frau, wer nicht?) – verlässt aber dann die Apotheke.

Minuten später kommt ein Mann in die Apotheke gestürmt. Ich stehe da gerade sinnend vor den ätherischen Ölen und überlege mir, was für Massnahmen wir da noch ergreifen können – vielleicht ein Schild zusätzlich, dass wir eine Videoüberwachung haben? Am Eingang ist schon ein Schild, aber, das reicht wohl nicht …
Der Mann rennt zu mir und fängt an mich anzuschreien: „Was mir einfiele, seine Partnerin so zu behandeln? Sie öffentlich als Diebin zu bezeichnen?“
Äh, was? „Das habe ich eigentlich nicht …“
Mann: „Rufen sie die Polizei!“
Pharmama: ÄH WAS?: „Nein. Wenn sie möchten, dass die Polizei herkommt, dann rufen sie sie selber. Ich sehe da keinen Anlass dafür.“
Abgang Mann. Wütend.
Wahrscheinlich zum Polizei rufen. Die werden auch Freude an so etwas haben, in der Weihnachtszeit.
An dem Tag hören wir aber nichts mehr davon.

Neujahr kommt und ich erfahre, wie das weitergegangen ist: Die beiden waren tatsächlich bei der Polizei um gegen die durch uns so „unmögliche Behandlung“ eine Anzeige aufzugeben. Die Polizisten haben ihnen aber wohl gesagt, dass sie „aus Mangel an Zeugen“ da nichts machen können.
Dann haben sie bei unserem Arbeitgeber angerufen um zu reklamieren.
Und die haben dann natürlich bei uns nachgefragt, was da genau passiert ist. Meine Darstellung des Vorfalls kennt ihr ja jetzt.
Ihre Version hörte sich etwas extremer an – dennoch: Wir haben sie nicht als Diebin beschuldigt: soweit war ich noch gar nicht, da möchte ich wirklich sicher sein, bevor ich so etwas mache. Sehr öffentlich war das auch nicht: mit noch einer anderen Kundin im Geschäft, die wahrscheinlich, wenn sie nicht selber so laut geworden wäre, gar nichts mitbekommen hätte. Dass das nicht gut aufgenommen wurde – und durch ihre psychischen Probleme noch schlechter – das verstehe ich gut. Aber eigentlich ist das ähnlich, wie wenn der Diebstahlalarm bei gesicherter Ware beim Verlassen eines Geschäftes (falsch) auslöst. Reagiert sie dann auch so? Ausserdem: eine Entschuldigung vor Ort wollte sie von uns nicht annehmen. Hoffentlich kommt die von den Vorgesetzten besser an.

Jedenfalls habe ich daraus gelernt für ein eventuelles nächstes Mal: Bei einem solchen Verdacht wird die Person mit 2 Mitarbeitern in den Beratungsraum gebeten, damit sie dort auf die Abklärungen (oder die Polizei, wenn ich sicher bin) warten kann. Das gibt vielleicht weniger „öffentlichen Aufruhr“.
Vielleicht.