Tablette mit kleinem Loch

Tablette mit kleinem Loch

Tatsächlich nicht nur in der einen Tablette, sondern in allen von der Sorte.

Ist ja auch Absicht: das ist eine spezielle Art der retardierung – also, wie man eine Tablette lang-wirksam macht. Die Hülle ist wasserfest – der Wirkstoff kann nur durch dieses kleine Loch langsam raus.

Dosettologie – oder: es gibt keine universal-Lösung

Ich mag Dosette – das sind diese Wochendispensier-systeme. Sie sind ungeheuer praktisch und ein gutes Hilfsmittel für Leute, die eine Menge Medikamente nehmen müssen. Aber sie haben auch Grenzen in der Anwendung, das musste ich grad diese Woche wieder erfahren.

Eine Familie telefoniert, ob wir für die betagte Mutter nicht ein Dosett richten könnten? Sie ist frisch aus dem Spital entlassen worden und kommt mit den Medikamenten nicht zurecht.

Wir haben versprochen uns das anzuschauen, aber als sie mit den Medikamenten vorbeikamen … erwies sich das als nicht so einfach.

Die meisten Medikamente, die die Mutter nehmen muss, muss sie „nach Bedarf“ nehmen – nicht regelmässig. Damit kann ich kein Dosett richten. Die sind nämlich trotz allem NICHT die Lösung für alle Medikamentenprobleme. Manches kann ich auch gar nicht in ein Dosett füllen – was mache ich mit Pulverbeuteln zum auflösen im Wasser oder Inhalationsgeräten?

Am Ende habe ich ihr einen Medikamentenplan erstellt und ihn – samt Beschreibung, für was jedes Medikament ist – der Familie erklärt und gegeben. Speziell die Medikamente „nach Bedarf“ – und wann die am Besten zu nehmen sind.

Sie waren am Schluss zufrieden.

Und wenn sie es sind, bin ich es auch.

Tabletten-verleih

Der Mann, der von uns wöchentlich ein Doset gerichtet bekommt, kommt es erst einen Tag später als normal holen. Kurz bevor ich ihm deswegen angerufen hätte.

Mann: „Haben Sie gemerkt, dass ich gestern nicht gekommen bin?“

Pharmama: „Ja, habe ich, eigentlich wollte ich Ihnen gleich nachher anrufen.“

Mann: „Mein Kollege hat mir ein paar von seinen Tabletten ausgeliehen, damit es mir reicht. Jetzt bräuchte ich ein paar zusätzlich, damit ich sie ihm zurückgeben kann!“

Pharmama: „Ah … nein. Geben Sie ihn einfach die von gestern aus dem Dosett, die Sie nicht genommen haben und kommen Sie nächste Woche wieder normal vorbei.“

Er schien ein wenig enttäuscht …

(Ja, dabei handelt es sich unter anderem um Medikamente die missbraucht werden…)

Wofür dann ein Dosett?

Dosette – eine gute Möglichkeit die Einnahmetreue der Medikamente zu verbessern. Vor allem ältere Patienten, die mehrere Medikamente über den Tag verteilt nehmen müssen profitieren davon.

In der Schweiz ist es so, dass ich als Apotheke ab 3 (regelmässigen) Medikamenten pro Woche die Arbeit des Dosett-füllens auch der Krankenkasse verrechnen kann. Es braucht dazu aber ein Rezept vom Arzt.

Was aber bringt es, wenn ich das Dosett sorgfältig jede Woche richte, die Medikamente in die Abteilungen mit morgens, mittags, abends (und manchmal noch nachts) fülle – und ich dann mitbekomme, dass sie mittags um 1 Uhr vorbeikommen – weil sie erst jetzt gerade aufgestanden sind und jetzt etwas essen gehen. Ich weiss noch nicht einmal, ob ich das noch „Morgenessen“ nennen soll.

Und warum sie vorbeikommen? Weil sie vergessen haben, die Medikamente mitzunehmen und ich ihnen einen Tag rasch richten soll, damit sie nicht nach Hause müssen.

Ja – finde ich heraus, das ist ihr normaler Rhythmus – sie stehen nie „so früh“ auf (lies: vor 11 Uhr)

Da stellt sich natürlich die Frage, wie sie die Medikamente nehmen.

Will ich das wirklich wissen? – Muss ich, ja.

Also: Die Morgendosis vor dem Essen (also um etwa 1 Uhr), die Mittagsdosis so um die 4 Uhr – zum Tee, die Abenddosis um etwa 9 Uhr – nachts muss sie zum Glück nichts nehmen.

Raaaah!

Ich denke, wir müssen da mal ein ernsteres Gespräch haben, ob man da nicht etwas vereinfachen (und verbessern) könnte.