Unverständliches

Unleserliche Rezepte sind eines der (wenigen) Dinge, die ich in der Apotheke nicht ausstehen kann.

Sie verursachen enorme Mehrarbeit – ich muss es entziffern, eventuell die Kundin fragen was oder für was es ist und dann noch sicherheitshalber dem Arzt nachtelefonieren. Denn unleserliche Rezepte sind auch ein Sicherheitsrisiko: was, wenn ich mal versehentlich das falsche abgebe? Das ist eine Gesundheitsgefährdung und gibt noch mehr Arbeit das wieder – so möglich – in Ordnung zu bringen.

Letzten Samstag hatte ich ein Rezept, das ich tatsächlich nicht lesen konnte. Nada, njet, nix. Es hätte genausogut in arabisch oder chinesisch geschrieben sein können. Ich konnte es nicht entziffern (und ich bin sonst wirklich gut!), die Pharmaassistentin auch nicht, die Kundin hatte keine Ahnung für was es ist (das lasse ich hier mal unkommentiert) und der Arzt war – wie Samstag so üblich nicht erreichbar.

Weil die Kundin nicht aus der Gegend war, blieb mir nichts übrig als ihr das Rezept achselzuckend wieder zurückzugeben.

Das ist frustrierend.

Für sie und für mich.

Schubladenzieher

Eine der nicht so netten Bezeichnungen für einen Apotheker ist ja „Schubladenzieher“. Meist wird das im Zusammenhang gebraucht mit „überqualifiziert“.

OK, ich bin ein Schubladenzieher. Da bleibt mir gar nichts anderes übrig, denn da sind ja die ganzen Medikamente drin. Viele Medikamente. In sehr langen Schubladen.

Nach 10 Jahren in der Apotheke brauche ich bei den meistgebrauchten Sachen nicht einmal mehr zu lesen was vorne angeschrieben steht – ich erwische instinktiv die richtige.

Auch das ist eine Kunst, aber bei weitem nicht alles, woraus unsere Arbeit besteht. Nur halt das, was die Öffentlichkeit am meisten sieht.


Die Steinlaus – gefunden?

Loriot, der vor ein paar Wochen übrigens 80 Jahre alt wurde, hat vor über 30 Jahren die Steinlaus (Petrophaga lorioti) gefunden und im folgenden Film als Professor Grzimek vorgestellt.

1983 fand die Steinlaus Eingang in den Pschyrembel: das medizinisch-wissenschaftliche Nachschlagewerk … und findet sich noch heute darin.

Der Text (und viel viel mehr über die Steinlaus) findet sich im Blog www.diesteinlaus.wordpress.com.

Hier ein kleiner Auszug:

Steinlaus f: syn. Petrophaga lorioti; zur Familie der Lapivoren gehöriges einheimisches Nagetier (♂♂ 0,2-0,3 mm; ♀♀ 0,3-0,4 mm, gravide ♀♀ etwas größer), dessen Existenz erst in jüngster Zeit (1983) dokumentiert werden konnte (s. Abb.). Während die gemeine St. nur selten beobachtet wird. sind einzelne humanpathogene Vertreter der Gattung von zunehmendem med. lnteresse: Nieren-St. (P. nephrotica), Blasen-St. (P. vesicae), Gallen-St. (P. cholerica), neuerdings auch Speichel-St. (P. salivatoria). deren (ätiologische?) Rolle bei Uro-, Chole- und Sialolithiasis noch der Klärung bedarf. Ein therap. Einsatz der St. kommt nach heutigem Wissen eher nicht in Frage; vgl. Chemolitholyse. Lithotripsie.

Aber obwohl man die Steinlaus bis heute nicht gefunden hat, bin ich letzthin doch stark an sie erinnert worden, (speziell die P. nephrotica), als ich den Bericht über ein Bakterium namens Oxalobacter formigenes gelesen habe. Anscheinend hat man in einer Studie gefunden, dass eine Besiedelung mit diesem Bakterium die Häufigkeit von Nierensteinen reduzieren kann.

– Die moderne Steinlaus sozusagen.