Wie stelle ich ein Rezept aus – Anno 1936

Die Erwähnungen diverser alter Rezept-formularien im "Blaue Salbe" Post hat mich daran erinnert, dass ich noch ein Buch habe, das sie in der Apotheke entsorgen wollten und das ich nach Hause "gerettet" habe. Es ist das "Rezeptierkunde – Leitfaden zum Verschreiben und Anfertigen von Rezepten" von Prof. Dr. Med T. Gordonoff – ursprünglich vom Jahr 1936.

Und dann konnte ich es nicht mehr weglegen. Das war so interessant – die Unterschiede, das immer noch gleiche. Ein Einblick in eine andere Zeit … und ich frage mich unwillkürlich, wie ich mich damals wohl als Apothekerin gemacht hätte.

Der Autor Anton (Toni) Gordonoff wurde 1893 in Russland geboren und starb am 29. Dezember 1966. Gordonoff hat Pharmakologie studiert an den Universitäten von Bern und Nancy. Er wurde ein Professor für Pharmakologie und Toxikologie, hat diverse Bücher geschrieben – und ist offensichtlich vor Gericht als Pharmakologie-Experte aufgetreten, am bekanntesten seine Verteidigung der angeblichen Gift-Mörderin Maria Popescu, 1953 – was wohl zu ihrer (späten) Freilassung geführt hat.

Aber zurück zum Buch – zu dem ich Euch ein paar Einblicke geben will.

Die Grundlagen der Rezeptur werden dem Medizinstudenten in der Schweiz nur während eines einzigen Semesters in speziellen Kursen beigebracht …
In den verbreiteten Lehrbüchern der Pharmakologie … wird die Rezeptur gar nicht besprochen…

Prof. Dr. Med T. Gordonoff

Ja, das ist heute mit dem Ausstellen der Rezepte nicht anders – allerdings handeln sie das inzwischen in einer einzigen Stunde ab … denn schliesslich geht es nicht mehr um das zusammenstellen von Anleitungen zur Herstellung, sondern um das Abgeben von Fertigen Arzneimitteln … mit bekannter Wirkung.

Auf zahlreiche Anfragen von Studierenden hin, welches Buch man zum Erlernen der Rezeptur verwenden könnte, habe ich mich entschlossen, einen solchen Leitfaden für die Rezeptologie zu schreiben. Er enthält die wichtigsten Grundlagen der Rezeptur, des Rezeptverschreibens und der Rezeptausstellung, wie sie in der Pharmacopoe Helvetica V angegeben sind. Das Büchlein ist somit in erster Linie für die schweizerischen Mediziner bestimmt. Möge es vom Studenten, wie auch vom jungen Praktiker recht viel konsultiert werden, damit er schon während seiner Studienzeit, bzw. zu Beginn seiner praktischen Tätigkeit, die Ars formulas praescribendi richtig erlernt.

Prof. Dr. Med T. Gordonoff

Oh, die Pharmacopoe 5! Die habe ich bei mir sogar noch in der Apotheke, wo sie im Regal vor sich hingilbt … inzwischen sind wir aber bei Ausgabe … Moment, ah ja: 11!

Der angehende Arzt wird dann nicht mehr gezwungen sein, seine Rezepte blindlings abzuschreiben; er wird ferner auf diese Weise sich nicht nur vom Rezepttaschenbüchlein sondern auch vom Fabrikreisenden unabhängig machen können, und schliesslich wird er auch nicht mehr auf die grosse Menge von Spezialitäten angewiesen sein. Einen grossen Teil von Arzneispezialitäten, besonders die vielen Fabrikkombinationen kann und soll der Arzt durch das eigene Rezept ausschalten. Denn nur auf diese Weise wird er seine Therapie individuell gestalten. Und Individualisierung in der Therapie ist die Grundlage der Behandlung! Dadurch würde er auch das Apothekerwesen fördern und ebenso die Behandlung des Patienten in den Händen behalten. Zu alledem soll ihm die „Rezeptierkunde“ verhelfen.

Prof. Dr. Med T. Gordonoff

Fabrikreisende? – Ich schätze, die heute Form davon ist der Vertreter der Pharmafirma. Und die erwähnten Spezialitäten, das sind die Fertigarzneimttel, vertrieben durch die Pharmafirmen. Er redet von 'grosser Menge', aber das war 1936? Da hatte es wirklich noch nicht sehr viel. Vor allem, wenn man es mit heute vergleicht. Bei weitem das meiste wurde erst danach entdeckt und vertrieben … und vieles, was damals auf dem Markt war – war nicht so gut getestet vor der Einführung wie heute. Das grosse Umdenken da begann erst richtig nach dem Thalidomid-Skandal.

Mal überlegen, was gab es da wohl schon? Aspirin und opioide Schmerzmittel und Hustenmittel, das Penicillin und die Antibiotika kamen erst später (nach 1940?), dafür hatten sie so "Desinfektiva" auf Azofarbstoff-Basis, Barbital als Beruhigungs- und Schlafmittel, Insulin von Tieren … wobei erst beginnend. Alles an Blutdrucksenkern kam nachher … nee, nicht viel.

Es hat keinen Sinn, über die Spezialitäten zu wettern und zur gleichen Zeit ihr Überhandnehmen durch ihre Verordnung zu fördern. Die Spezialitäten sind ein absolut notwendiges Übel! Und auf manche Spezialitäten kann der moderne Therapeut überhaupt nicht mehr verzichten, ganz abgesehen von den Hormonen und Vitaminen, für deren Wirksamkeit nur ein grosses Werk die Garantie zu übernehmen vermag.
Aber Kombinationspräparate soll der Arzt in den meisten Fällen selber praescribieren.

Prof. Dr. Med T. Gordonoff

Ja, Vitamine und Hormone … und überhaupt die meisten komplizierter zusammengesetzten Sachen – das kann der Apotheker nicht in seinem Labor synthetisiseren. Aber interessant, dass gerade diese beiden erwähnt sind. Die Vitaminpräparate wurde inzwischen von den Lebensmittelhändlern anektiert und die Hormone haben ihre Hoch-Zeit lange hinter sich und man geht heute wieder viel vorsichtiger damit um.

Das war die Einführung. Nächste Woche geht es wirklich los!

Pharmama in den Medien (4)

Für einmal nicht den elektronischen, auch wenn es darum geht.

Für das Buch „Online Marketing für die erfolgreiche Apotheke“ wurde ich angefragt, ob es möglich ist, mich hier als Beispiel für einen (Apotheken-) Blog zu bringen.

Dafür habe ich ein Exemplar des Buches bekommen – und inzwischen gelesen.

Das Buch ist speziell zugeschnitten auf Apotheken über die Vermarktung und Werbung online. Das heisst man findet darin nicht nur über allgemeine Marketing Grundlagen Informationen, sondern auch was und wie man das im Internet macht. Mit Praxistipps für: Apotheken Websites, Email-Newsletter, Apps, Suchmaschinenoptimierung, Social Media, Blogs, IT Sicherheit und – ganz wichtig: Rechtsvorschriften. Auch wenn die für Deutschland sind, gilt doch einiges auch für uns in der Schweiz.

Ganz klar: So ein Blog wie meiner hier eignet sich aus verschiedenen Gründen Nicht für eine klassische Apotheken-Website. Ich blogge ja auch darum anonym, weil das ein weiterer Schritt ist, das Patientengeheimnis zu wahren – was auch immer ich hier an Begegnungen reinschreibe soll nicht zurückverfolgbar sein. Das dürfte sehr viel schwieriger sein, wenn man für eine spezifische Apotheke bloggt. 

Aber auch so gibt es ein paar Fussfallen: Das Kommentarsystem zum Beispiel, das überwacht werden sollte – auch wegen der Schweigepflicht und wegen dem Heilmittelwerbegesetz, oder allzu konkretem Rat – nur allgemeine Ausführungen sind erlaubt. Alles andere gehört in ein persönliches Beratungsgespräch mit dem eigenen Apotheker… (Fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker :-) )

Das und mehr wichtiges findet sich im Buch (auch für den Kindle: rechts). Ein Muss fast für die moderne Apotheke.

Der Kinderdok hat geschrieben: Babyrotz und Elternschiss

babyrotz

… und ich durfte das Buch gratis lesen. Dafür ganz herzlichen Dank lieber Kinderdok – und auch an dein PR-Team, das es mir zukommen liess.

Was kann ich dazu sagen? Optimal wäre es gewesen, wenn ich dieses Buch hätte lesen können, bevor ich meinen Junior bekommen habe – aber da wir die Zeit nicht zurückdrehen können … man nimmt, was man bekommt – und es ist auch jetzt noch gut.

 

Babyrotz und Elternschiss. Etwas seltsamer Titel, aber ich habe mich in einer knappen Woche durchgelesen – was nicht nur an meinem Lesetempo, sondern auch daran liegt, dass man es kaum aus der Hand legen kann. Der Einband ist im übrigen schon optisch „vorgeschädigt“, so dass ich auch keinerlei Bedenken hatte das Buch überallhin mitzunehmen – selbst zu Juniors Turnstunde. Lese ich es halt auch hier.

 

Es ist ein tolles Buch. Professionell und gewohnt einfühlsam führt uns der Kinderdok durch die Wirren und Begegnungen in seiner Praxis und die verschiedenen Vorsorgeuntersuchungen – und so ganz nebenbei bekommt man Tipps zur Kindererziehung und Erklärungen zum Kinderverhalten. Es ist die perfekte Balance zwischen Unterhaltung und Einsicht und plädiert für etwas mehr Gelassenheit bei den Eltern – ein Buch, das ich jeder frischen Mama und jedem Papa empfehlen kann – nicht nur denen in Deutschland. Auch wenn bei uns Organisationsmässig ein paar Dinge unterschiedlich sind – und wir hier keine Privatpatienten haben …

 

Einzig: Lieber Kinderdok – Stephenie Meyers zitieren? Beim Thema Blutabnahmen? Ich weiss noch nicht, ob ich das als fauxpas oder als absichtliche Pointe sehen will. :-)

Und zum Nachklapp kann ich nur sagen: Ich glaub Dir. Ganz ehrlich.

 

Also: Kaufempfehlung! *****

gelesen: Enders Game

Es ist schon eine Weile her, dass ich dieses Buch gelesen habe, aber … der Anlass ist aktuell: es wurde verfilmt und kommt ins Kino! (November erst … au nein!)

Ich habe dieses Buch geliebt. Ich mag starke Geschichten, die einen nicht mehr loslassen, die man auch Nachts um 11 Uhr noch in der Hand hat und nicht weglegen kann, auch wenn einen die vernünftige Seite des Gehirns sagt: Du musst jetzt schlafen gehen. Du musst morgen fit sein für die Arbeit – und du antwortest: Nur noch eine Seite. Nur noch ein bisschen mehr!

Ender's game (Deutscher Titel: Enders Spiel) spielt in einer Zukunft, in der die Erde Ziel zweier Invasionen von intelligenten ameisenartigen Ausserirdischen, war, die sie nur sehr knapp abwenden konnten. Man hat gewonnen … scheint aber nicht genau zu wissen, weshalb und ist (auch darum) sehr ängstlich, was eine weitere Invasion angeht.

Um das vorzubereiten werden alle Kräfte mobilisiert. Speziell sucht man nach geeigneten Offizieren mit hyper-schneller Reaktion und dem Wunderkind, das in der Lage sein soll gegen einen Gegner vorzugehen, der technisch überlegen war (wobei die Menschheit rasch aufgeholt hat) und der auf eine Art und Weise kommuniziert und reagiert, die bisher nicht vorhersehbar war.

Andrew „Ender“ Wiggin kommt aus einer Familie, wo sowohl sein Bruder Peter, als auch seine Schwester Val als für das Militärprojekt getestet wurden. Beide haben es jedoch trotz ihrer überragenden Intelligenz nicht geschafft. Trotzdem wurde der Familie erlaubt / befohlen, ein weiteres Kind zu haben – was ungewöhnlich ist, dürfen die meisten Familien aus ökologischen Gründen nur 2 Kinder haben … daher auch sein Spitzname „Ender“ – der letzte sozusagen.

Ender kommt mit 6 Jahren in das Programm und verlässt seine Familie für das Training in der Station im Weltraum.

Schon gleich zu Beginn wird Ender absichtlich isoliert – allein dadurch, dass ihn der Kommander (Graff) der Schule als besser als die anderen herausstellt. Das macht ihm keine Freunde – was absolut im Sinne der Oberen ist.

Die Kinder werden in Gruppen (Armeen) unterteilt, die zusammen trainieren und gegen andere antreten müssen – Kampf-Spiele sozusagen, die im schwerelosen Raum mit nicht-tödlichen Waffen stattfinden. Wer getroffen wird, friert ein, bis das Spiel zu Ende ist, Ziel ist die Durchquerung des Raums und das Öffnen der gegnerischen Türe. Daneben wird am Computer Taktik geübt. Jedes Spiel hat einen Grund – selbst das sich selbst erfindende Fantasie-Spiel, das sie in der Freizeit am Computer spielen.

Ender zeichnet sich durch ungewöhnliche Ideen und Taktiken aus – doch jedes Mal, wenn es scheint er findet ein bisschen Seelenfrieden und Freunde, wird er versetzt. Sein früher Erfolg bringt ihm auch Feinde, gegen die er sich unerbittlich wehren muss. Das Mantra scheint zu sein: „Niemand wird dir helfen. Nie.“

Unten auf der Erde spannen Enders sehr unterschiedliche Geschwister die sanfte Val und der bösartige Peter inzwischen zusammen, weil sie politische Probleme voraussehen. Der „Krieg“ gegen die Buggers hält die Nationen zusammen, aber … wie lange noch? Mit Hilfe des Internets und Schein-Identitäten (Locke und Demosthenes) gewinnen die Minderjährigen immer mehr an Einfluss.

Jahre gehen vorbei, Ender wird 12 und immer wieder an Grenzen seiner Belastbarkeit getrieben – der körperlichen und der geistigen. Selbst im Fantasie-Computer Spiel geland er zum „Ende der Welt“ – das es eigentlich nach dem Programm gar nicht geben dürfte. Seine Schwester Val zu der er ein sehr gutes Verhältnis hatte, aber auch keinerlei Kontakt seit er in der Schule ist, wird hinzugezogen, ihn wieder zu motivieren – Graff, der Kommander der Kampf-Schule macht alles um die wahrscheinlich letzte Chance, die die Erde hat nicht zu verlieren.

Ender überwindet die Krise und wird zur Kommando-Schule auf dem Mond Eos versetzt – einer ehemaligen Brücken-Station der Bugger. Dem Ort, wo sie viel über deren Technologie gelernt haben und auch neue Waffensysteme entwickelt haben, wie dem „kleinen Doktor“.

Dort trifft er auch den Grund für den letzten Sieg über die Bugger – und er wird weiter und weiter getrieben, manipuliert und geschult, bis ….

Nein, das verrate ich hier nicht. Lest es selber nach!

 

Enders Game wurde also verfilmt, obwohl Orso Scott Card selber einmal geschrieben hat, das ist eigentlich nicht möglich zu verfilmen, da sich das meiste in Enders Kopf selber abspielt.

Ich bin nicht der Meinung – mal sehen, wie und ob der Film das getroffen hat.

Harrison Ford als Kommander Graff zu besetzen finde ich schon mal ziemlich passend.

 

***** 5 Sterne – ich würde auch 6 geben, wenn die Skala höher ginge.

1985 geschrieben hat das Buch nichts verloren. Die Umwelt dient nur als Hintergrund für einen sehr persönlichen Kampf. Von daher ist es auch für Nicht Science Fiction Fanss geeignet. Auch wenn die Hauptfiguren sehr jung sind: das ist kein Kinderbuch. Nicht wegen der Gewalt, sondern den Einblicken, die das Buch gibt.

gerade gelesen: Snow Crash

Ich scheine es ein bisschen mit den nicht ganz so einfach zu beschreibenden Büchern/ Filmen etc. zu haben. Snow Crash gehört da definitiv dazu,

Spielend in einer (nicht allzu fernen?) Zukunft in einem Amerika, wo es keine funktionierende Regierung mehr gibt, dafür aber Kapitalismus über alles. Die Leute leben in und arbeiten für Franchises wie die Mafia – die den Pizzalieferdienst unter sich hat … und das so ernst nimmt, dass eine späte Lieferung die Familienehre beeinträchtigt.

Oder Kleinstaaten-Gebiete wie Mr. Lees greater Hong Kong  mit eigenem Sicherheitssystem wie umgemodelten Bulldoggen. Ursprünglich staatliche Unternehmen wie der CIA wurden privatisiert – sie handeln nach wie vor mit Informationen, nur kann sie jetzt jeder verkaufen und kaufen. Den FBI gibt es noch – die Feds sind bürokratisiert und paranoid wie sonst kaum einer.

In dieser Umwelt lebt der Held Hiro Protagonist – halb Afrikanisch-Amerikaner und halb Koreaner –  bis zu einer vermasselten Lieferung Pizza Kurier und im Metaverse gefeierter Hacker und laut Visitenkarte der Weltbeste Schwertkämpfer. Das Metaverse ist das, was Second Life hätte werden können – halb Internet, halb Zweit-Welt in der man sich trifft, Informationen austauscht und in der auch die grossen Firmen alle vertreten sind.. Zugänglich per Computer, repräsentiert wird man als Avatar … je nach Verbindung und Informatikkenntnissen besser oder schlechter.

Die zweite Hauptperson ist die 15 jährige Y.T., ihres Zeichens Kurier – was im modernen Amerika heisst: sie ist mit hochtechnischem Rollbrett, Schutzausrüstung und „Poon“ unterwegs, indem sie sich an Fahrzeuge anhängt. Ihre Wege kreuzen sich mehr durch Zufall – sie ist diejenige, die die Pizza dann doch noch rechtzeitig zum Ziel bringt … und sich den Dank der Mafia sichert.

In der realen Welt und im Metaverse macht sich eine neue Sache breit, die sich Snow Crash nennt – das weisse Flimmern, das man nach einem absoluten Computerabsturz sieht. Es scheint eine Verbindung zu geben  zwischen Sprache, Gehirnbeeinflussung, Religion, Viren und Computer – und ein Informationsmogul: L. Bob Rife will sie einsetzen … ja, wogegen?

Hiro mit seinen Samurai-Schwertern, Y.T. mit ihrem Board suchen sich ihren Weg – gegen einen starken Widersacher in der Realwelt und dem Metaverse – Raven. Einem Aleuten auf persönlichem Kriegszug gegen das, was von Amerika übriggeblieben ist und der – zum persönlichen Schutz sozusagen – mit einer Atombombe vernetzt ist.

So ganz nebenbei lernt man noch etwas über die Sumerer, Sprache, Religion und Computer.

Alles trifft sich schliesslich auf der Raft – einer Art riesigen schwimmenden Unterkunft, die dem Informationsmogul  neue Leute – Flüchtlinge sozusagen – nach Amerika bringt.

Das Buch fängt eher gemächlich an – bringt aber eine Menge Ideen, auch neue, die über das sonstige „Cyberpunk“ Thema herausgehen und reichlich Gesellschaftskritisch sein können – langweilig wurde es mir nicht. Im zweiten Teil nimmt das Erzähl-Tempo zu, gleichzeitig werden auch die Hintergrund-Informationen dichter. Es endet mit einer (oder zwei?) Verfolgungsjagden …

Ich fand es lesenswert wegen den teils abstrus scheinenden Ideen, den durchaus „coolen“ Figuren und weil man – da das Buch doch schon älter ist (1992) inzwischen einiges daraus schon wiedererkennen kann: Internet, Avatare, Information als Macht …

**** 4 Sterne dafür.

Lesenswert für: Science Fiction Fans, Computer Fans, Leute mit Interesse an Sprachentwicklung …

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Fiktive Medikamente und Drogen in Buch und Film

Passend zum Post heute morgen: In Büchern und Filmen kommen noch gelegentlich Medikamente oder Drogen vor, die es nicht gibt.

Hier ein paar prominente Beispiele:

Soma in Schöne neue Welt (Brave New World) geschrieben 1931. In der Zukunft wird die (herangezüchtete und psychomanipulierte) Bevölkerung durch Designer Drogen wie Soma ruhig gehalten. Soma ist eine psychedelische Substanz mit mild euphorisierender Wirkung. Unglücklicherweise gibt es ein paar Leute, bei denen sie nicht wirkt – und bei denen schlägt die Realität unangenehm durch…so wie bei Bernard Marx.

Retinax V in Star Trek II, die Rache des Khan (1982): dieses Medikament wird Leuten mit Weitsicht im 23. Jahrhundert gegeben.  Manche Leute – so wie Captain Kirk sind allergisch dagegen … und müssen darum weiterhin auf die Hilfe von Lesebrillen zurückgreifen.

Lot Six in der Feuerteufel (Firestarter) (1984) Eine mild-halluzinogene Substanz, entwickelt um eventuelle seherische Fähigkeiten zu steigern. 1969 wurde sie von Staatsangestellten an 12 Freiwilligen (aber Unwissenden) getestet. Nebenwirkung: Veränderungen des Genmaterials … was 2 der freiwilligen, die dann heirateten und ein Kind hatten feststellen mussten. Das Mädchen war dann in der Lage Sachen anzuzünden ohne sie zu berühren – was für den Staat (resektive das Militär) wieder interessant war.

Spice oder Melange in Dune (1984), eine Droge gewonnen aus dem Sand des Wüstenplaneten Arrakis die lebensverlängernd wirkt und in manchen, empfindlichen Leuten seherische Fähigkeiten weckt. Ausserdem ist es aus dem Grund wichtig für die Raumfahrt. Nebenwirkungen: es macht abhängig, die Augen werden durchgehend blau und wenn man es wirklich oft benutzt – wie die Raumpiloten, verändert es auch den Körper in etwas Schneckenähnliches. Ausserdem: Sapho, das die Mentaten (die menschlichen Computer) nehmen zur geistigen Leistungssteigerung. Macht auch abhängig und färbt die Lippen rot.

Novril in Misery (1990) ja, noch einmal Stepben King. Ein starkes, abhängig machendes Schmerzmittel (wahrscheinlich mit Codein) das Schriftsteller Paul Sheldon von seinem „grössten Fan“ Annie Wilkes verabreicht bekommt, nachdem er unglücklicherweise nach einem Autounfall mit gebrochenen Beinen in ihren Händen gelandet ist. Novril kommt in Kapselform und hat wahrscheinlich seinen Ursprung in dem Schmerzmittel, das der Schriftsteller ebenfalls nach einem Autounfall bekam.

Ladder in Jacob’s Ladder (1990) Eine aggressivitätssteigernde Droge entwickelt vom amerikanischen Militär in Saigon während dem Vietnam-Krieg. Sie wurde an amerikanischen Truppen im Mekong-Delta getestet – mit fürchterlichen Resultaten. Das Ganze basiert aber wahrscheinlich auf realen Experimenten, die mit der halluzinogenen Droge BZ durchgeführt wurden.

Provasic in Auf der Flucht (the Fugitive) (1993). Eine Wunder-Medikament zur Behandlung von Sehnenschäden, entwickelt von Devlin-MacGregor Pharmaceuticals. Nebenwirkung: Hepatitis, aber die Entwickler fälschten die Unterlagen und liessen Beweise verschwinden, damit das Medikament zugelassen wird … wie Dr. Richard Kimble auf der Suche nach einem Beweis seiner Unschuld am Mord an seiner Frau entdecken muss.

Rote Pille, blaue Pille in die Matrix. (1999) Diese Pillen sind allerdings nur philosophische Symbole: Die rote Pille wird Neo die Antwort geben zu „Was ist die Matrix?“ – und ihn aus ihr entfernen und die blaue Pille lässt einen einfach weiter das Leben führen wie bisher.

Neuroin in Minority Report (2002) – Selbst Zukunfts-Polizist John Anderton ist abhängig und er inhaliert das Zeug bevor er Videos von seinem verschwundenem Sohn ansieht. Neuroin hat etwa den Effekt von Heroin, wirkt also gegen die Melancholie und euphorisch.

Prozium in Equilibrium (2002)- Prozium wurde entwickelt in der Hoffnung den 4. Weltkrieg zu verhindern. Es bringt menschliche Gefühle zu einem abrupten Stopp – man dachte, wenn niemand starke Emotionen hat, dann gäbe es auch niemanden, den in den Krieg ziehen würde. Prozium muss injiziert werden und zwar regelmässig – alle Einwohner Librias müssen die Droge nehmen – aber wenn man auch nur eine Injektion verpasst, kommen die Gefühle zurück, wie John Preston selbst entdeckt. Der Name ähnelt Prozac – das es wirklich gibt und das als Antidepressivum verwendet wird.

Pax in Serenity (2005)– Entwickelt von der Allianz und auf dem Planeten Miranda getestet. Pax sollte Aggressionen mindern und den Planeten frei von Gewalt machen, hatte aber die Nebenwirkung, dass die Bevölkerung aufhörte zu arbeiten, zu essen oder sich sonst um irgendetwas zu kümmern – inklusive zu Leben, Schlimmer noch, bei etwa 0.1% hat die Droge den gegenteiligen Effekt und die etwa 300’000 wurden extrem aggressive und geistig instabil. Diese verliessen den Planeten und wurden zu den gefürchteten Reavers.

Das sind natürlich noch lange nicht alle. Wikipedia hat z.B. eine schöne Auflistung.

Und was fällt Euch noch ein? Welche ist Euch im Kopf geblieben?- egal ob Medikament oder Droge: was war es?