Buch-Besprechungen

Das ist ja ein seltsames Gefühl, wenn man sein Buch auf Youtube sieht:

Ich hab' ein Kind, nicht zwei – aber okay: Detail.

Danke für die süsse Rezension – lustig jemandem zuzusehen, der (die) über mein "Geschreibsel" redet. Ich finde es auch immer spannend zu hören, *wo* man mein Buch denn so findet. Anscheinend ist es auch auf dem Flughafen in Zürich zu kaufen :-o

Grundtenor: "Es war wirklich okay – kann man nicht viel mehr dazu sagen, weil es anders ist als die anderen Bücher."

Hmmm – stimmt sicher, wenn das meiste, das sie liest in Form von Romanen oder Novellen ist.

Ihr Lieblingskapitel (das wicht.. äh …witzigste :-) ): Sex and More: Schwangerschaftstests …

Mehr über mein Buch hier. *klick*

Wie stelle ich ein Rezept aus – Anno 1936 (3)

(Jetzt wird's spannend :-)

Aus dem Buch Rezeptierkunde – Leitfaden zum Verschreiben und Anfertigen von Rezepten von Prof. Dr. Med T. Gordonoff

Das Rezept (wahrscheinlich aus praeceptum = Vorschrift, und nicht aus recipe entstanden) bedeutet eine Vorschrift, eine Anweisung an den Apotheker. Es wird in lateinischer Sprache abgefasst und zum Zeichen der guten Beziehungen zwischen Arzt und Apotheker wendet sich der Arzt an den Apotheker per Du:
Rp. – Recipe = Nimm.

Prof. Dr. Med T. Gordonoff

Das habe ich leicht anders gelernt :-) obwohl ich diese Erklärung noch süss finde. Das Recipe ist nämlich ein Imperativ, also die Befehlsform (das Ausrufezeichen kam erst später – so um 1700 in die Schrift), es heisst also nicht nur Nimm. Sondern: Nimm! … und das ist dann nicht mehr ganz so nett.

Das Rezept ist ein Dokument nicht nur im landläufigen Sinne. Denn wenn der Apotheker oder der Arzt oder meistens beide zusammen wegen einer Vergiftungsvermutung zur Verantwortung gezogen werden, wird das Rezet zu einem richtigen Dokument im juristischen Sinne und zu einem Verhandlungsgegenstand. Kobert sagt auch auf Grund eines Vergiftungsfalles in Strassburg vom Rezept: „Ein so unscheinbares Papier es auch ist, so kann es doch 3 Menschen unglücklich machen, nämlich – den Patienten, den Apotheker und den Arzt.“
Der erste, der zur Verantwortung gezogen wird, ist der Apotheker; denn er hat Zeit, sich in aller Ruhe das Rezept anzusehen und er kann auch die Rezeptvorschriften nach der Pharmakopoöe nachkontrollieren. Im Falle einer undeutlichen Dosierung oder Überdosierung hat er die Pflicht, den Arzt zuerst anzufragen. Nur wenn der Arzt das Rezept deutlich ausschreibt und dem Apotheker genau zu verstehen gibt, dass er eine grössere Menge verabreicht haben möchte, ist der Apotheker von seiner Verantwortung befreit und die Schuld wird dann auf den Arzt übertragen.

Prof. Dr. Med T. Gordonoff

Interessant, dass er praktisch mit den rechtlichen Sachen anfängt. Im übrigen ist das heute auch noch so … auch wenn der Apotheker nicht „zwingend“ zuerst haftet … aber auch!

Aktuelles Beispiel im Apotheke-adhoc.de – wobei ich da finde, dass die Apotheke wirklich nachlässig gehandelt hat – hatte sie doch tatsächlich alle relevanten Informationen. Tabletten für ein Einmonatiges Kind? Das muss auffallen! Weil es Tabletten sind für so einen Winzling. Weil die Dosierung nicht stimmt Von daher finde ich in dem Fall das Urteil gerecht. Es gibt Grenzfälle – wie wenn die Diagnose dem Apotheker nicht bekannt ist. Wenn die Interaktion mit einem Medikament von einem anderen Arzt ist -und die Apotheke nicht informiert wurde, dass das Medikament auch genommen wird und ähnliches.

Wie jedes offizielle Dokument muss das Rezept mit Tinte oder Tintenstift geschrieben werden. Das gewöhnlich verwendete Papierformat ist 1/8 Bogen.

Prof. Dr. Med T. Gordonoff

Tinte? Okay – sehe ich heute noch, ist aber inzwischen eher die Ausnahme. Aber es ist schon klar warum: Kugelschreiber? Eigener Drucker? Was ist das? (Immerhin ist die Zeit 1936). 1/8 Bogen dürfte – wie heute noch oft gebräuchlich A6 sein

Wie auf jedes Dokument gehört auch auf das Rezept unbedingt das Datum. Dieses wird gegenwärtig kaum mehr vergessen, weil die Ärzte vorgedruckte Rezeptformulare verwenden, auf welchen der Name des Arztes und die Eintragungsstelle für das Datum angegeben sind. Gewöhnlich werden die Rezepte in die Mitte des Blattes geschrieben, um dem Apotheker noch Platz zu lassen für Notizen, Taxpreise und andere Bemerkungen.

Prof. Dr. Med T. Gordonoff

Rezeptvordrucke werden bei uns neben Computerausdrucken auch heute noch verwendet, nur dass es kein eigenes Feld mehr für das Datum gibt – was wahrscheinlich erklärt, dass das gelegentlich (wieder) fehlt. Was schlecht ist.

Und noch heute haben viele Rezepte auf der linken Seite ein Band als „Platzhalter“ dafür, auch wenn wir das immer weniger brauchen. Wichtiger heute wäre genug Platz für die Etiketten zu lassen, die drauf kommen – und wo so ziemlich alles draufsteht: abgegebene Artikel, Preise, Patientenname, Apothekenname, Krankenkasse, Strichcode.

Das Rezept muss in gut leserlicher Schrift abgefasst werden.

Prof. Dr. Med T. Gordonoff

Könnten das Bitte alle Ärzte noch einmal lesen, damit das auch im Gedächtnis bleibt!

Die Mengen besonders für Narkotika, Venena usf. muss man genau und deutlich angeben, damit der Patient nicht die Möglichkeit hat, die Zahlen abzuändern. Jede Abänderung wird übrigens wie eine Urkundenfälschung geahndet.

Prof. Dr. Med T. Gordonoff

Offenbar kannten sie auch dort schon das Problem von Rezeptfälschungen?

Genug für Heute.

Nächste Woche: Wie schreibe ich die Produkte / Inhaltsstoffe … auf das Rezept?

Im Interview: Bloggerin Pharmama und ihr erstes Buch

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Sie hat lange dem Erscheinungstermin entgegen gefiebert, doch nun hat es unsere Bloggerin Pharmama endlich geschafft: Gestern erschien ihr erstes Buch „Haben Sie diese Pille auch in grün? Risiken und Nebenwirkungen einer Apothekerin“ im Rowohlt-Verlag! Bekannt und entdeckt wurde sie durch ihr Blog „Pharmama- zu lesen einmal täglich„.

Mit einer gesunden Mischung aus Humor, Wissen und Ehrlichkeit verpackt die schweizer Apothekerin ihre unzähligen Erfahrungen und Erlebnisse im Berufsalltag in viele unterhaltsame Geschichten. Besonders beliebt sind ihre Kundengespräche: Die einen Kunden möchten statt einer rot-weißen Kapsel eine grüne haben, andere verwechseln ein Hustenbonbon mit einem Fieberzäpfchen. Da heißt es, einen kühlen Kopf zu bewahren. ;-)

In unserem Interview erzählt sie von ihrem Buch und welche Rolle ihr Blog dabei spielt. Und für alle, die selber vom „Autorenfieber“ erwischt worden sind, kommt am Ende Pharmamas persönlicher Rezept-Tipp!

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Das Bloggen ist meine Freizeit – gleichzeitig lerne ich dadurch und dank der Kommentare doch auch immer wieder etwas Neues, auch über meine Arbeit, und es feuert mich an, mich in manche Themen mehr hineinzuversetzen. Man könnte sagen, die beiden Sachen wirken positiv aufeinander ein.

Pharmama

Am Montag ist offiziell dein erstes Buch erschienen. Wie fühlt sich das an?

Sehr gut! Tatsächlich ist es etwas früher erschienen, als ursprünglich geplant war … aber viel länger hätte ich nur mit Mühe warten können :-) Die ersten Rezensionen treffen ein und ich bin immer noch sehr gespannt, wie mein „neues Baby“ ankommt.

In deinem Buch erzählst du Anekdoten aus deinem Berufsalltag als Apothekerin, genauso wie in deinem Blog. Wo besteht zwischen beiden der Unterschied?

Mal abgesehen davon, dass ich für das Buch einen eigenen Lektor hatte, der auch noch die letzten Schreibfehler eliminierte und meine „Schweizerismen“ eingedeutscht hat, bin ich mir sicher, dass sich das Buch um einiges professioneller liest. Außerdem stelle ich im Buch erstmals meine Kolleginnen vor – die sind bisher im Blog nur am Rande erschienen. Dann finden sich im Buch neben bekannten auch viele neue, noch nie gelesene Geschichten aus der Apotheke und es wird ausführlicher auf ein paar Kunden(typen) eingegangen.

Hat dir dein Blog beim Schreiben geholfen?

Mein Blog machte mir das Schreiben einfacher – immerhin habe ich durch ihn einen Stil gefunden, der offenbar auch ankommt.

Du arbeitest als Apothekerin, bist Mama, Autorin eines bekannten Blogs und nun auch eines Buches. Wie schaffst du es, alles erfolgreich unter einen Hut zu bringen?

Hmmm – bin ich darin erfolgreich? Okay. Wenn ich arbeite, arbeite ich, da kann / darf ich mich nicht ablenken lassen. Dementsprechend ist mein Blog bei der Arbeit tabu und auch meine Mitarbeiter wissen nichts davon. Aber die Arbeit ist mir Inspiration und liefert mir immer wieder Geschichten und Begebenheiten für das Blog – und jetzt auch Buch. Das Bloggen ist meine Freizeit – gleichzeitig lerne ich dadurch und dank der Kommentare doch auch immer wieder etwas Neues, auch über meine Arbeit, und es feuert mich an, mich in manche Themen mehr hineinzuversetzen. Man könnte sagen, die beiden Sachen wirken positiv aufeinander ein.

Das Buch sehe ich als Erweiterung des Blogs an. Ein anderes Medium, vielleicht auch die Möglichkeit, noch ein paar mehr Leute zu erreichen und für das Thema „Apotheke“ zu sensibilisieren. Meine kleine Familie gibt mir die Motivation zu arbeiten – und mein Mann hilft mir sehr im Haushalt, ansonsten könnte ich das alles auch nicht.

Welche Tipps würdest du den Bloggern geben, die ihr eigenes Buch planen (z.B. im Bezug auf Verlagssuche)?

Ich muss voranstellen: Ich hatte Glück. Durch das Blog hat man mich gefunden – ich habe nicht gesucht. Eine Literaturagentin hat mich gefragt, ob ich ein Buch schreiben wolle und mit ihrer Hilfe habe ich ein Exposé geschrieben, das dann erstaunlich schnell einen Verlag gefunden hat – ich habe die stille Vermutung, dass auch da jemand mein Blog gelesen hat.

Aber wer nicht so „entdeckt“ wird: Macht euch selber einen „Plan“ für das Buch. Schreibt ein Exposé, in dem ihr euer Buch vorstellt, es anreißt und Interesse dafür weckt … und dann schickt das Exposé an die Verlage, die Sachen veröffentlicht haben, die ähnlich sind.

Vielen Dank für den Rat, Pharmama!

Habt ihr nun weitere Fragen? Dann wendet euch vertrauensvoll an sie:

Pharmama- zu lesen einmal täglich

Ihr Buch ist nicht verschreibungspflichtig und kann in der Buchhandlung eures Vertrauens oder im Internet erworben werden:

Pharmama: Haben Sie diese Pille auch in grün? Risiken und Nebenwirkungen einer Apothekerin“. Rororo-Verlag 2013. ISBN-10: 3499630311

Wir wünschen euch viel Spaß beim Lesen und viel Glück bei eurem eigenen Buchprojekt!

Liebe Grüße

Euer OverBlog Team

Ta-DA! Haben Sie diese Pille auch in grün?

Einen Tag zu früh – der offizielle Start ist erst morgen, Montag -aber noch länger KANN ich einfach nicht warten. Fertig ge-Sneak-t! Hier ist es: Mein Buch!

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Vielleicht bist Du schon selber drauf gekommen, dass das ansteht … ich musste feststellen, dass meine Blogleser sehr findig sind! … Und es hilft auch nicht, dass der kinderdoc schon darüber bloggt :-/

Was soll ich darüber noch sagen? Ihr kennt mich und meinen Blog – mit dem Buch habt ihr jetzt die Möglichkeit, Euch ein Stück davon nach Hause zu holen …

Das schreibt der Verlag darüber:

Ältere Damen, die eine rotweiße Kapsel vorzeigen und «die gleiche in Grün» möchten oder Mütter, die Hustenbonbons mit Fieberzäpfchen verwechseln: Apotheker sind für ihre Kunden eine Mischung aus medizinischem Notdienst, wandelndem Lexikon und seelischem Mülleimer. Die Pharmama steht seit vielen Jahren hinterm Tresen und hat schon unzählige skurrile, witzige und auch sehr seltsame Geschichten in ihrer Apotheke erlebt; davon erzählt sie nun in ihrem Buch.

Einige Geschichten sind vom Blog her schon bekannt, andere sind brandneu – und neu ist auch, dass ich meine Kolleginnen vorstelle. Donna die Pharmaassistentin mit Biss, Sabine die enthusiastische Drogistin und Minnie die Azubine.

Das Buch gibt’s im Buchhandel vor Ort und auch im Internet. Und für die, die nicht das tolle „ich hab was in den Händen“-Gefühl und den Geruch (Aaahh!) eines Buches brauchen – es gibt auch eine Kindle Version.

Ich bin gespannt, wie Euch das Buch gefällt. Mir hat das Schreiben sehr viel Spass gemacht … und auch wenn ich es nicht als hochstehende Lektüre bezeichnen würde – gute Unterhaltung ist es sicher!

 

Wie stelle ich ein Rezept aus – Anno 1936 (2)

Aus dem Buch Rezeptierkunde – Leitfaden zum Verschreiben und Anfertigen von Rezepten von Prof. Dr. Med T. Gordonoff … eine kleine Einführung.

Apotheke (ἀποθήκη) bedeutet griechisch Vorratskammer; diese Bezeichnung wurde auch gebraucht für Weinkeller, Weinlager usw. Im alten Griechenland und in Rom wurden die Arzneien von den Ärzten hergestellt und abgegeben. Erst im Mittelalter wurden richtige Apotheken gegründet, was wohl mit der Einführung der medikamentösen Heilweise zusammenhing.

Prof. Dr. Med T. Gordonoff

Nett – eine kleine Einführung in die Apothekengeschichte!

Über einzelne Apotheken lesen wir aber auch schon in der alten arabischen Literatur. So soll der Kalif Almansor bereits im Jahre 754 eine Apotheke gegründet haben. Durch die Araber kam wahrscheinlich das Apothekernwesen auch nach Europa. Friedrich II von Neapel erliess das Verbot (1224) für Ärzte, eigene Apotheken zu führen und sich an der Gründung von Apotheken zu beteiligen.

Prof. Dr. Med T. Gordonoff

… Was heute zumindest in der Schweiz arg aufgeweicht wird. Man denke an die Selbstdispensations-Kantone (13 inzwischen ganz und weitere 4 teilweise) – wo die Ärzte auch dann Medikamente abgeben dürfen, wenn eine Apotheke in der Nähe ist. Und man denke auch an die von Ärzten betriebenen Versandapotheke wie die zur Rose und die Verknüpfungen – wie die Rückvergütungen die diese Versandapotheke den Ärzten gewähren, die via sie Medikamente abgeben lassen.

Übrigens – diese Medizinalordnung vom Staufenkaiser Friedrich wird auch "Edikt von Salerno" genannt und war das Vorbild der Apothekengesetzgebung in ganz Europa.

Aber offenbar war auch schon im Altertum eine Art Apothekenwesen vorhanden – denn wir finden Rezepte aus der hippokratischen Zeit -, so die Ars formulas medicas conscribendi der Römer auch schon im alten Griechenland (Pharmakographologia) bekannt war.
Die überaus grosse Arzneimittelkonsumtion, wie auch die starke Entwicklung des Apothekenwesens in unserem Jahrhundert, verlangen vom Apotheker grosse Kenntnisse in der Pharmakognosie, Pharmakochemie und Arzneiherstellung. Die Pharmazie hat sich zu einer grossen Wissenschaft entwickelt. Vom Arzt kann man gar nicht verlangen, dass er sich grössere pharmazeutische Kenntnisse aneignen soll. Hier muss die Zweiteilung richtig durchgeführt werden. Dem Kaiser was des Kaisers ist! Wir werden uns daher nur ganz kurz mit der Herstellung der Arzneien befassen …

Prof. Dr. Med T. Gordonoff

Ha – ein Plädoyer für die „Gewaltentrennung“ und für den Beruf des Apothekers! Und dabei wusste man damals noch nicht so viel wie heute und hatte auch nicht so viele verschiedene Mittel und Stoffe zur Verfügung. Pharmakognosie oder Drogenkunde ist die Lehre von den pflanzlichen oder tierischen Mitteln. Pharmakochemie ist ein bisschen ein überholter Begriff, dabei geht es um die Chemie pharmakologisch aktiver Verbindungen … das dürfte sich heute in Pharmakologie und phamazeutischer Chemie selber verstecken.

Demnächst: was ist ein Rezept eigentlich?