Medikamentenmuster, Ärztemuster

Das Thema kam im letzten Blogpost auf: Medikamentenmuster.

Was meine ich damit? So was wie die hier:

Die bekommen wir von den Vertretern mancher Pharmafirmen zum abgeben an die Kundschaft. Natürlich bekommen wir einiges mehr an Kosmetik und Körperpflege-mustern, aber es gibt sie wirklich: Medikamente in Muster-form. Oben abgebildet Muster von Medikamenten der Listen D und C. (Korrektur da: siehe Kommentare). Die Liste C darf nur in Apotheken abgegebene werden (entspricht damit wohl dem „apothekenpflichtig“ Aufdruck in Deutschland, Liste D darf in Apotheken und auch in Drogerien abgegeben werden. Darunter fallen zum Beispiel die homöopathischen Augentropfen ganz rechts.

Da das Medikamente sind, dürfen die auch nicht einfach „gestreut“ oder frei aufgelegt werden. Wir sind angehalten sie mit der nötigen Sorgfalt abzugeben – das bedeutet, wir müssen abklären, ob das Schmerzmittel (ganz rechts) sich auch mit anderen genommenen Medikamenten verträgt. Das ist ziemlich Aufwand. Trotzdem machen die Muster noch Sinn: so kann der Kunde ausprobieren, ob / wie das Medikament bei ihm wirkt, oder ob die Tablette gut schluckbar ist etc. Oder, wie der Nikotinkaugummi (Mitte) schmeckt. Ob die homöopathischen Tropfen was taugen.

Weil das aber wirkliche Medikamente sind. unterliegen die Pharmafirmen immer mehr Auflagen. Dazu gehört auch, dass in die Musterpackung seit neuerem eine Packungsbeilage gehört. Zum Glück offenbar noch nicht in allen 3 Landessprachen, wie in der offiziellen Packungsbeilage – dafür müssen sie aber vielleicht 3 Versionen davon machen: eine in deutsch, eine in französisch und eine für den italienisch-sprachigen Teil der Schweiz.

Man kann sich vorstellen, dass das immer teurer wird für die Firmen. Das ist auch einer der Gründe, warum es immer weniger Firmen gibt, die solche Muster machen. Ich in meiner Apotheke neige darum dazu solche Muster zu hamstern. Nicht alle, aber die Sachen, die wir an Lager haben. Allzu lange wird es das vielleicht auch bei uns nicht mehr geben – was ich schade finde.

Medikamentenmuster gibt es auch für Ärzte. Das sind dann allerdings meist grosse Packungen (Originalgrösse) – und auf denen steht dann „Ärztemuster„.

Auch davon gab es früher viel mehr. Von Leuten, die in Arztpraxen gearbeitet haben, weiss ich, dass es da durchaus Ärzte gab, die die Packungen (und bei den Ärzten nun in den Spitälern sind die Pharmafirmen sehr grosszügig gewesen mit der Menge) dann von diesen Ärztemuster-Klebern befreien liessen. Ab-föhnen hiess das, weil sich die Kleber mit etwas warmer Luft besser lösen. Diese Packungen wurden dann nicht nur gratis abgegeben -zum ausprobieren für den Kunden oder für Kunden, die finanziell schwach dastehen- sondern ungeniert weiterverkauft. Für etwas haben wir in der Schweiz ja die Selbstdispensation (wo die Ärzte selbst Medikamente verkaufen dürfen)!

Ich sollte vielleicht nicht ganz so laut schreien, denn solche „Ärztemuster“ lassen sich auch in der Apotheke bestellen … oder manche Pharmafirmen schicken einem das noch unaufgefordert zu. Allerdings nur bei Neueinführung eines Medikaments oder Generikums. Und nur je 1 kleine Packung davon. Wieso? …. Äh, zum anschauen, wie die Tabletten aussehen? *Hust* – Es käme natürlich niemand in der Apotheke auf die Idee, dort den Ärztemuster-Kleber abzuföhnen und die Packung an Lager zu nehmen – als „Sortiments-starter“ sozusagen …. Neeee, wirklich nicht.

Nette Sammlung!

Quelle: imgur.com

Das sind die Kugelschreiber, die ein Arzt in Amerika innert 10 Jahren von Vertretern der Pharmaindustrie bekommen hat. Kugelschreiber sind beliebte Mitbringsel – ganz offensichtlich.

Heute ist es so, dass die Vertreter den Ärzten eigentlich keine solchen Geschenke mehr machen dürfen (und die nichts mehr annehmen). Was sie noch geben dürfen ist Demo- und Anschauungsmaterial.

Auch bei uns sind die „guten Zeiten“ was Werbegeschenke angeht längst vorbei. Selbst die Muster zum abgeben an die Kunden werden inzwischen rarer – das hat einerseits mit den Beschaffungskosten zu tun, andererseits aber auch mit den gesetzlichen Vorlagen, die immer strenger werden. So brauchen selbst Muster hierzulande einen vollständigen Beipackzettel!

Wiederholen sie alles von meinem Dauerrezept! Alles? Alles!

„Wiederholen sie alles von meinem Dauerrezept!“ – das hört man noch gelegentlich.

Ich mag das nicht. Nicht die Dauerrezepte – die finde ich bis zu einem gewissen Punkt sehr sinnvoll, vor allem, wenn man wirklich regelmässig das selbe hat (Blutdruckmittel, Schilddrüsenmedikamente…), die Werte stabil sind und man zumindest ein, zwei Mal im Jahr beim Arzt vorbei geht. Ich mag einfach Anfragen wie die obige nicht, weil es oft zeigt, dass die Leute, die das sagen, wenig bis keine Ahnung haben, was genau sie da nehmen.

„Wiederholen Sie mir mein Mittel gegen Blutdruck“ – oder: „Alles gegen den Zucker!“, zeigt mir zumindest, dass Sie Sich als Patient um sich kümmern.

Da hatte ich auch schon den Fall, wo für eine Patientin Pradif auf dem Dauerrezept stand.

Pradif? Das ist Tamsulosin, ein Alpha-Rezeptoren-Blocker und er wird eingesetzt gegen Benigne Prostatahyperplasie.

Was macht das auf dem Rezept für eine Frau?

Ich ging der Sache nach und bemerkte, dass es der Frau im Spital auf dem Austrittsrezept verschrieben worden war.

Danach war sie bei ihrem Hausarzt, der das 1:1 übernommen hat. – Möglicherweise hat es die Praxisassistentin auch nur abgeschrieben von ihrem Medikamentenplan vom Spital und der Arzt hat seine Unterschrift darunter gesetzt. Und seitdem nahm sie das. Seit etwa 2 Monaten.

Sie braucht das nicht. Oder sicher nicht mehr. Möglicherweise hat sie das im Spital bekommen, weil man das (off label use) nach Nierensteinzertrümmerungen benutzt, um die Steintrümmer besser auszuscheiden. Normalerweise nimmt man da anderes (Doxazosin oder Alfuzosin), aber … das ist Entscheidung des Arztes.

Der kontrollierenden Apothekerin ist das nicht aufgefallen. Und da es eine 30er Packung war (und eine hat sie ja noch auf dem Spitalrezept gehabt …)… eben. Seit 2 Monaten. Ich habe mir dann erlaubt den Arzt anzurufen und nachzufragen, ob sie das wirklich weiter nehmen muss. Der war … nicht sehr erfreut über meine Intervention, hat aber das Mittel trotzdem vom Medikamentenplan gestrichen.

Die Patientin selber wusste übrigens nicht, warum sie das Mittel bekommen hat.

Unleserliche Rezepte – und die Folgen

Dass die „Aerzteschrift“ oder „Doktorklaue“ nicht nur etwas ist, was den Apothekern die Arbeit schwer macht, ist inzwischen bekannt. Nach Berechnungen des Institute of Medicine der National Academies of Science sterben jährlich in den USA 7000 Patienten wegen unleserlich ausgestellter Rezepte.  Dort wie hier (in der Schweiz) werden Rezepte meist noch handschriftlich ausgestellt. Rezepte wie das im Post gestern sind (immer noch) in der Minderheit.

Wenn die Aerzte sorgfältiger schreiben oder eines der Computerprogramme benutzen würden, mit denen sich Rezepte ausstellen lassen, könnten eine Menge Folge-Fehler vermieden werden.

Das Problem beginnt eigentlich schon bei der Ausbildung der Aerzte, wo dem korrekten Ausstellen eines Rezeptes gerade mal 1 Unterrichtsstunde gewidmet wird – ich weiss das, weil ich, wie die anderen Pharmaziestudenten in dersselben Stunde gesessen und zugehört habe. Dass sie bitte sauber und deutlich schreiben mögen ist in genau 1 Satz abgehandelt worden.

Man kann sich Vorstellen, was dabei alles schief gehen kann, wenn man sich ein paar Beispiele von Rezepten anschaut. Es mangelt es nicht an „schlechten Beispielen“, die ich jeden Tag sehe. Wer wissen will, was da steht, der markiere einfach die weisse Fläche unter dem Bild zwischen den Pfeilen.

Lösung: -> 1x Seretide Discus 250 (60) 2-0-2

1x Muco Mepha 600 (10) 1×1/d

1x Resyl plus Tropfen – <- Na? Erkannt? :-)

-> 1 OP Pantoprazol 40mg DS: 1-0-0 <-

-> Uhrglasverband zur Nacht

Avamys 1×2 bds für 6 Wo <-

-> Rheflumin mite 1×1 100 Stck <-

Dass derartige Rezepte trotzdem oft von Apothekern gelesen werden können liegt an verschiedenem:

1. (Jahrelange) Erfahrung und Rezepte von den gleichen Ärzten, so dass man ihre Schrift schliesslich kennt.

2. Die meisten Ärzte haben ein beschränktes „Repertoire“ an Medikamenten, die sie aufschreiben. Es sind oft die gleichen 20 – 30 Medikamente, die man mit der Zeit erkennt, selbst wenn es dann noch so dahingesudelt ist.

3. Wenn der Patient weiss, für was das Medikament ist, das er bekommt, kann man anhand der Kenntnis der normalerweise gebrauchten Medikamente ein Rezept ausführen, das man eventuell nur Ansatz- oder Auszugsweise lesen kann.

Aber auch in den Fällen kann das gefährlich sein. Immerhin handelt es sich bei den Sachen, die ich in der Apotheke abgebe um Medikamente …. mit Wirkungen und Wechselwirkungen und der Gefahr der Fehldosierung. Grundsätzlich führe ich ein Rezept nur aus, wenn ich ganz sicher bin, dass das richtige Medikament abgegeben wird. Ist trotz all oben erwähntem eine Unsicherheit vorhanden, was da aufgeschrieben ist, wird dem Arzt angerufen zur Abklärung.

Wenn der Arzt nicht gerade erreichbar ist, weil er keinen Dienst hat, muss der Patient leider bis zur Abklärung warten, bevor er das Medikament bekommt. Das kann unangenehm bis schädlich sein, darum liebe Aerzte: schreibt deutlich!!!

Und wenn Ihr ein Telefon bekommt von der Apotheke, denkt daran: wir machen das nicht zu unserem Vergnügen, also seid freundlich. Dem Arzt, der letzthin das Telefon mit einem super unfreundlichen „WAS IST?!?“ abgenommen hat, dem hätte ich gerne noch ein paar Dinge mehr gesagt, was ich wegen dem vor mir stehenden Patienten leider nicht konnte…

Unfreiwillig komisch (5)

Der Arzt hat es noch gemerkt … aber das Rezept hat mich doch zum Schmunzeln gebracht:

Für die medizinischen Laien: Es handelt sich um Antibiotika OHREN-Tropfen. Die nimmt man nicht ein, die gehören in die Ohren – und damit ist es absolut egal, ob das vor, mit oder nach dem Essen stattfindet.

Ich frage mich, ob das ein Fehler in der Rezeptsoftware ist? Ansonsten sind so gedruckte Rezepte viel angenehmer (und meist sicherer).

… mehr unfreiwillig komisches hier.