Nette Sammlung!

Quelle: imgur.com

Das sind die Kugelschreiber, die ein Arzt in Amerika innert 10 Jahren von Vertretern der Pharmaindustrie bekommen hat. Kugelschreiber sind beliebte Mitbringsel – ganz offensichtlich.

Heute ist es so, dass die Vertreter den Ärzten eigentlich keine solchen Geschenke mehr machen dürfen (und die nichts mehr annehmen). Was sie noch geben dürfen ist Demo- und Anschauungsmaterial.

Auch bei uns sind die „guten Zeiten“ was Werbegeschenke angeht längst vorbei. Selbst die Muster zum abgeben an die Kunden werden inzwischen rarer – das hat einerseits mit den Beschaffungskosten zu tun, andererseits aber auch mit den gesetzlichen Vorlagen, die immer strenger werden. So brauchen selbst Muster hierzulande einen vollständigen Beipackzettel!

Wiederholen sie alles von meinem Dauerrezept! Alles? Alles!

„Wiederholen sie alles von meinem Dauerrezept!“ – das hört man noch gelegentlich.

Ich mag das nicht. Nicht die Dauerrezepte – die finde ich bis zu einem gewissen Punkt sehr sinnvoll, vor allem, wenn man wirklich regelmässig das selbe hat (Blutdruckmittel, Schilddrüsenmedikamente…), die Werte stabil sind und man zumindest ein, zwei Mal im Jahr beim Arzt vorbei geht. Ich mag einfach Anfragen wie die obige nicht, weil es oft zeigt, dass die Leute, die das sagen, wenig bis keine Ahnung haben, was genau sie da nehmen.

„Wiederholen Sie mir mein Mittel gegen Blutdruck“ – oder: „Alles gegen den Zucker!“, zeigt mir zumindest, dass Sie Sich als Patient um sich kümmern.

Da hatte ich auch schon den Fall, wo für eine Patientin Pradif auf dem Dauerrezept stand.

Pradif? Das ist Tamsulosin, ein Alpha-Rezeptoren-Blocker und er wird eingesetzt gegen Benigne Prostatahyperplasie.

Was macht das auf dem Rezept für eine Frau?

Ich ging der Sache nach und bemerkte, dass es der Frau im Spital auf dem Austrittsrezept verschrieben worden war.

Danach war sie bei ihrem Hausarzt, der das 1:1 übernommen hat. – Möglicherweise hat es die Praxisassistentin auch nur abgeschrieben von ihrem Medikamentenplan vom Spital und der Arzt hat seine Unterschrift darunter gesetzt. Und seitdem nahm sie das. Seit etwa 2 Monaten.

Sie braucht das nicht. Oder sicher nicht mehr. Möglicherweise hat sie das im Spital bekommen, weil man das (off label use) nach Nierensteinzertrümmerungen benutzt, um die Steintrümmer besser auszuscheiden. Normalerweise nimmt man da anderes (Doxazosin oder Alfuzosin), aber … das ist Entscheidung des Arztes.

Der kontrollierenden Apothekerin ist das nicht aufgefallen. Und da es eine 30er Packung war (und eine hat sie ja noch auf dem Spitalrezept gehabt …)… eben. Seit 2 Monaten. Ich habe mir dann erlaubt den Arzt anzurufen und nachzufragen, ob sie das wirklich weiter nehmen muss. Der war … nicht sehr erfreut über meine Intervention, hat aber das Mittel trotzdem vom Medikamentenplan gestrichen.

Die Patientin selber wusste übrigens nicht, warum sie das Mittel bekommen hat.

Unleserliche Rezepte – und die Folgen

Dass die „Aerzteschrift“ oder „Doktorklaue“ nicht nur etwas ist, was den Apothekern die Arbeit schwer macht, ist inzwischen bekannt. Nach Berechnungen des Institute of Medicine der National Academies of Science sterben jährlich in den USA 7000 Patienten wegen unleserlich ausgestellter Rezepte.  Dort wie hier (in der Schweiz) werden Rezepte meist noch handschriftlich ausgestellt. Rezepte wie das im Post gestern sind (immer noch) in der Minderheit.

Wenn die Aerzte sorgfältiger schreiben oder eines der Computerprogramme benutzen würden, mit denen sich Rezepte ausstellen lassen, könnten eine Menge Folge-Fehler vermieden werden.

Das Problem beginnt eigentlich schon bei der Ausbildung der Aerzte, wo dem korrekten Ausstellen eines Rezeptes gerade mal 1 Unterrichtsstunde gewidmet wird – ich weiss das, weil ich, wie die anderen Pharmaziestudenten in dersselben Stunde gesessen und zugehört habe. Dass sie bitte sauber und deutlich schreiben mögen ist in genau 1 Satz abgehandelt worden.

Man kann sich Vorstellen, was dabei alles schief gehen kann, wenn man sich ein paar Beispiele von Rezepten anschaut. Es mangelt es nicht an „schlechten Beispielen“, die ich jeden Tag sehe. Wer wissen will, was da steht, der markiere einfach die weisse Fläche unter dem Bild zwischen den Pfeilen.

Lösung: -> 1x Seretide Discus 250 (60) 2-0-2

1x Muco Mepha 600 (10) 1×1/d

1x Resyl plus Tropfen – <- Na? Erkannt? :-)

-> 1 OP Pantoprazol 40mg DS: 1-0-0 <-

-> Uhrglasverband zur Nacht

Avamys 1×2 bds für 6 Wo <-

-> Rheflumin mite 1×1 100 Stck <-

Dass derartige Rezepte trotzdem oft von Apothekern gelesen werden können liegt an verschiedenem:

1. (Jahrelange) Erfahrung und Rezepte von den gleichen Ärzten, so dass man ihre Schrift schliesslich kennt.

2. Die meisten Ärzte haben ein beschränktes „Repertoire“ an Medikamenten, die sie aufschreiben. Es sind oft die gleichen 20 – 30 Medikamente, die man mit der Zeit erkennt, selbst wenn es dann noch so dahingesudelt ist.

3. Wenn der Patient weiss, für was das Medikament ist, das er bekommt, kann man anhand der Kenntnis der normalerweise gebrauchten Medikamente ein Rezept ausführen, das man eventuell nur Ansatz- oder Auszugsweise lesen kann.

Aber auch in den Fällen kann das gefährlich sein. Immerhin handelt es sich bei den Sachen, die ich in der Apotheke abgebe um Medikamente …. mit Wirkungen und Wechselwirkungen und der Gefahr der Fehldosierung. Grundsätzlich führe ich ein Rezept nur aus, wenn ich ganz sicher bin, dass das richtige Medikament abgegeben wird. Ist trotz all oben erwähntem eine Unsicherheit vorhanden, was da aufgeschrieben ist, wird dem Arzt angerufen zur Abklärung.

Wenn der Arzt nicht gerade erreichbar ist, weil er keinen Dienst hat, muss der Patient leider bis zur Abklärung warten, bevor er das Medikament bekommt. Das kann unangenehm bis schädlich sein, darum liebe Aerzte: schreibt deutlich!!!

Und wenn Ihr ein Telefon bekommt von der Apotheke, denkt daran: wir machen das nicht zu unserem Vergnügen, also seid freundlich. Dem Arzt, der letzthin das Telefon mit einem super unfreundlichen „WAS IST?!?“ abgenommen hat, dem hätte ich gerne noch ein paar Dinge mehr gesagt, was ich wegen dem vor mir stehenden Patienten leider nicht konnte…

Unfreiwillig komisch (5)

Der Arzt hat es noch gemerkt … aber das Rezept hat mich doch zum Schmunzeln gebracht:

Für die medizinischen Laien: Es handelt sich um Antibiotika OHREN-Tropfen. Die nimmt man nicht ein, die gehören in die Ohren – und damit ist es absolut egal, ob das vor, mit oder nach dem Essen stattfindet.

Ich frage mich, ob das ein Fehler in der Rezeptsoftware ist? Ansonsten sind so gedruckte Rezepte viel angenehmer (und meist sicherer).

… mehr unfreiwillig komisches hier.

Das hätte schiefgehen können

Der Stammkunde legt uns ein neues Rezept aus dem Spital hin und sagt: „Ich komme morgen wieder, ich weiss, dass sie etwas bestellen müssen.“

Auf dem Rezept:

1 OP Krebsmedikament

1 OP Oxycontin

Letzteres ist ein starkes Schmerzmittel und fällt unter das Betäubungsmittelgesetz, das bedeutet, ich brauche dafür auch ein spezielles Rezept. Das hier ist keines. Ich rufe deshalb im Spital an, das das Rezept ausgestellt hat. Erfreulicherweise ist auf dem Rezept ein deutlicher Stempel des ausstellenden Arztes vorhanden, sodass ich für einmal nicht 5x weiterverbunden werden muss, sondern direkt mit der Ausstellenden Ärztin verbunden werde. Denke ich.

Denn, als ich ihr das mit dem Rezept erkläre sagt sie: „Von heute? Das habe ich nicht ausgestellt!“

Na toll. Wenn es nicht ein Stammkunde wäre, dessen medizinische Geschichte mir bekannt ist, wäre das der Zeitpunkt, wo ich extrem misstrauisch werden würde. Das Schmerzmittel wird leider auch immer wieder mal missbraucht.

Für die Ärztin scheint das Thema damit erledigt, aber für mich kann es das noch nicht sein, also hake ich nach. Immerhin steht ihr Stempel auf dem Rezept.

Pharmama: „Die Unterschrift sieht auch nicht nach ihrer aus, sondern eher nach etwas Mit A…M… – könnten Sie in ihren Unterlagen nachschauen, wer den der betreuende Arzt gewesen ist?“

Widerwillig macht sie das, aber …. Da ist nichts. Keine Unterlagen.

Gemeinsam versuchen wir es weiter … entziffern, wer könnte das sein … am Schluss lande ich bei der richtigen Stelle.

Der Arzt ist noch nicht dazu gekommen das zu dokumentieren. Er hat den Stempel verwechselt. Er wusste nicht, dass man für das ein Betäubungsmittelrezept braucht. (Der Kunde hatte es schon beim Hausarzt und es verlangt bei ihm, weil der Arzt in den Ferien ist). Aber er ist bereit uns ein Betäubungsmittel-Rezept dafür zu schicken.

Das hätte schief gehen können. Für das Wohlbefinden des Patienten ist das Schmerzmittel hier essentiell.

Nachtrag 2 Tage später: Im Moment scheint es im Spital wirklich nicht gerade rund zu laufen. Das Betäubungsmittel-Rezept, das sie uns geschickt haben hatte keinen Stempel drauf und ging grad wieder retour.

Oh, und dann rufen sie an, warum wir vom Krebsmittel (eine Spritze) nur eine Packung mitgegeben hätten.

Pharmama: „Weil nur eine Packung verschrieben war?“

Arzt: „Er muss das wöchentlich bekommen.“

Pharmama: „Er hatte dieses Mittel noch nicht, aber – wenn sie das auf das Rezept drauf schreiben, dann ist das kein Problem. Schreiben sie ein neues Rezept? Und: soll ich gleich noch eine Packung bestellen?“

Arzt: „Drei, bitte.“