Jetzt weiss ich’s!

ein sehr junger Mann, maximal 14 Jahre alt, offensichtlich ohne Mama an der Theke.

Er, ziemlich nervös: „Mein Arzt sollte ein Rezept faxen.“

Pharmama: „Für wen?“

Junger Mann: „Mich.“

Okay … es ist wahrscheinlich das erster Mal …

Pharmama: „Und der Name ist ….?“

Junger Mann: „Tobias.“

Pharmama: „Und der Nachname?“

Junger Mann: „Meierlein“

Ich schaue nach – es wurde noch nichts gefaxt.

Pharmama: „Bis jetzt haben wir noch nichts bekommen. Ich kann aber den Arzt anrufen und fragen, wo das bleibt.“

Ich versuche seinen vielleicht ersten eigenen Apothekenbesuch trotz Schwierigkeiten so einfach wie möglich zu gestalten.

Junger Mann: „Okay!“

Pharmama: „Und wie heisst der Arzt?“

Junger Mann (verlegen): „Das weiss ich nicht mehr …“

Pharmama: „Ist es einer in der Nähe?“

Junger Mann: „Ja, In der Mühlebach-Strasse!“

… die ist unglücklicherweise ziemlich lange und hat diverse Praxen.

Ich fange an, die Ärzte entlang der Strasse aufzuzählen.

Nach dem 4. Arzt fällt dem jungen Mann etwas ein. Er strahlt mich an und sagt: „Jetzt weiss ich´s Dr. Med!“

Ich habe mir ernsthaft überlegt auch kurz mit der Pharmaassistentin im Labor zu verschwinden, weil sie einen „Hustenanfall“ bekam …

Arzneimittel für Kinder …

ich bin gerade dabei, mich durch ein anderes Fehlermeldesystem (für Ärzte) durchzuarbeiten: CIRSmedical. Auch gut, leider nicht so übersichtlich.

Dabei bin ich auf diesen Fall gestossen:

Was ist passiert?
Bei einem Hausbesuch in einer nicht-deutschsprachigen Familie mit Säugling fiel auf, dass die Mutter des Säuglings bei dem Kind Salben verwendet, die nicht für Säuglinge zugelassen und sinnvoll sind (Antimykotika, Kortikoidhaltige Externa).
Auf die explizite Nachfrage, warum sie dies verwende, sagte Sie – auf die Packungsbeilage zeigend: Hier steht „Arzneimittel für Kinder“.
Dort stand: „Arzenimittel für Kinder unzugänglich aufbewahren“ – die Worte unzugänglich und aufbewahren hat die Mutter ganz offensichtlich nicht verstanden.

Was war das Ergebnis?
Das Ergebnis war, die Mittel wurden nicht mehr verwendet – aber die Mutter berichtete, dass alle Ihre Freundinnen, dies so verstehen würden.

Wo sehen Sie Gründe für dieses Ereignis und wie könnte es in Zukunft vermieden werden?
Die Reihenfolge des Textes sollte geändert werden: „Arzneimittel unzugänglich aufbewahren“ würde evtl. ausreichen? oder „Arzenimittel nicht für Kinder! – Unzugänglich aufbewahren“

Ich wäre niemals auf den Gedanken gekommen, könnte mir aber vorstellen, dass dies häufiger geschieht als wir glauben!

Uff. Aber: In der Apotheke haben die wohl auch nicht nachgefragt, ob das für Kinder geht? Und umgekehrt: die Apotheke, für wen die Mittel denn sind? Gut, die Sprachbarriere … aber sowas ist wichtig!

sine prospectu

Da war diese herzige ältere Frau, eine Stammkundin von uns mit mehreren Dauermedikamenten.

Ihr Arzt hat uns einmal unmissverständlich klar gemacht, dass wir bei ihr alle Packungsbeilagen aus den Medikamenten zu entfernen hatten. Auf Rezept liest sich das als „sine prospectu“.

Ich empfinde das zwar als ziemlichen Eingriff in die Selbstbestimmung des Patienten, aber … manchmal kann das wirklich Sinn machen.

Warum wir das tun mussten, war spätestens dann klar, als sie nach dem Erhalt eines Medikamentes reklamieren kam, dass sie uns verklagen würde, „wenn das Medikament ihrem Fötus schaden würde!“

Oh. Offenbar hat jemand die Packungsbeilage nicht entfernt … oder sie hat die Info woanders nachgelesen. (Das ist heute wirklich kein Ding der Unmöglichkeit.)

Man muss aber im Hinterkopf behalten, dass die Dame weit über 80 war.

Wir haben ihr dann erklärt, was ein Fötus ist –und dass sie sicher jetzt keinen habe – das Medikament also auch nicht schaden würde.

Patientengeheimnis und Arztbesuch

Die Leute beklagen sich gelegentlich über fehlende Privatsphäre und mangelhaftes Halten des Patientengeheimnisses in der Apotheke. Aber was ich letztens beim Arzt mitbekommen habe war auch toll. Ich musste Blut geben und dann warten, bis der Arzt wieder vom Tee zurückkam (oder so). Das bedeutet ich sitze im Labor neben dem Blutdruckmessgerät.

Gleich daneben die Station der Praxisassistentin. Mit Telefon.

Das Telefon klingelt.

Sie nimmt ab.

Praxisassistentin: „Praxis … am Telefon.“

„Guten Tag Frau Mieschle Sie rufen an wegen ihren Testergebnissen? Moment ….“

(Sie sucht in den Dossiers)

„Ja, ich habe sie hier. Sie haben tatsächlich ...(Zensiert)…kommen Sie doch nächsten Montag um 10 Uhr vorbei, damit sie das auch mit dem Arzt anschauen können.“

Ich bekomme das alles mit und bin wirklich baff.

Name und Diagnose grad mit.

Und das scheint normal gewesen zu sein. Kein Gedanke, dass ich da warte und die Testergebnisse und Diagnose irgendwelcher Personen mitbekomme.

Äh … hallo?

Nicht mein Problem

Kundin: „Ich brauche mein Medikament, der Name ist Ochsner.“

Ich suche oben und unten: in den Bestellschubladen, neben dem Wareneingang, im Computer, was es sein könnte …

Pharmama: „Was brauchen sie denn?“

Kundin: „Das Euthyrox“

Nochmals Blick in den Computer.

Pharmama: „Sie haben kein Rezept mehr dafür – und ihnen wurde das letzte Mal schon ein Vorbezug dafür gemacht. Sie müssen ein neues Rezept beim Arzt verlangen.“

Kundin: „Nein! Das ist schon das dritte Mal, dass ich hier bin und Sie haben noch nichts gemacht.“

Ich nehme das Blatt mit dem Vorbezug hervor – daran hängen in dem Fall die restlichen Unterlagen von dem „Fall“. Vorbezüge lassen wir übrigens unterschreiben. Als Beweis, dass es bezogen wurde.

Pharmama: „Nun, nach meinen Unterlagen haben wir ihrem Arzt gefaxt – tatsächlich schon zwei Mal , ihm  3 Mal angerufen, ihm einen Brief geschickt, Zwei Brieftauben und mindestens einmal haben wir es mittels Rauchsignal versucht .. (Okay – letzteres stimmt so nicht ganz, aber … wir haben gemacht, was möglich war). Er hat sich nicht zurückgemeldet. Haben Sie schon versucht, ihn anzurufen?“

Kundin: „Nein, denn das sollten Sie machen! Das ist die schlechteste Apotheke überhaupt!“

Sie stürmt raus – nur um am nächsten Tag wiederzukommen … und das selbe erzählt zu bekommen. Wir haben getan, was wir konnten. Jetzt liegt es an ihr. Ist ja auch ihre Gesundheit.

Ei-gen-ver-ant-wor-tung Leute!

Betäubungsmittel-Rezept-Kummer

Es ist bei uns zwar nicht ganz so übel wie in Deutschland, wo die Krankenkasse sich erlaubt für nicht gaaaanz korrekt ausgefüllte Betäubungsmittel-Rezepte einfach das Geld für den Bezug nicht zu bezahlen – aber: auch bei uns gibt es Vorschriften, wie so ein Rezept auszusehen hat.

Das Betäubungsmittelrezept muss enthalten:

Name, Adresse, Unterschrift und Stempel der verschreibenden Ärztin oder des verschreibenden Arztes;
Name, Vorname, Geburtsdatum und Adresse der Patientin oder des Patienten;
Ausstellungsdatum;
Bezeichnung des Arzneimittels mit kontrollierten Substanzen, seine Darreichungsform und Dosierung;
Menge;
Anwendungsanweisung.

Die Verschreibung von Betäubungsmittel ist vom verordnenden Arzt eigenhändig zu visieren und der entsprechende Beleg ist in der Krankengeschichte des Patienten aufzubewahren.

Es kommt als weisses Rezept mit 2 Durchschlägen: Blau = Kopie für Arzt/Ärztin; Rosa = Kopie an Krankenkasse, Weiss = Kopie an die Apotheke;

Ich habe schon Rezepte an den Arzt zur Korrektur zurückgeschickt, weil der Stempel fehlte, oder die Unterschrift – obwohl ich im Normalfall das Mittel abgebe, nachdem ich mich versichert habe, dass das Rezept rechtens ist (mit einem Anruf an den Arzt).

Gelegentlich kommt ein Patient, der nicht weiss, dass wir beide Teile (weiss und rosa) brauchen. Wenn der Patient in der Apotheke selber bezahlt, bekommt er den rosa Teil wieder zurück. Wenn wir das der Kasse abrechnen – nicht. Mit mir zu diskutieren bringt da gar nichts. Wenn Sie wirklich etwas für die Unterlagen brauchen, mache ich ihnen eine Kopie, und auf die Kopie einen grossen Stempel und den Vermerk „Kopie“.

Letztens hatte ich auch einen Arzt, der nicht wusste, dass wir beide Teile brauchen – da ist der rosa Teil einfach in der Praxis geblieben. O-Ton Arzt: „Oh, das wusste ich nicht …. ich stelle nicht oft Betäubungsmittelrezepte aus …“ – Das hätte wohl eher „noch nie“ heissen sollen. Ich habe ihm dann gesagt, auf was er dringend sonst noch achten muss.

Der rosa (und das blaue) Teil ist ein Durchschlag – das bedeutet, was man auf den weissen Teil schreibt, drückt sich durch.  Das kann aber auch noch nach dem Arztbesuch passieren …

Zum Beispiel das BG-Rezept das vom Arzt zum Patienten kommt und von ihm zur Spitex. Dort gerät es auf dem Schreibtisch unter andere Papiere, die beschrieben werden, und bis das Rezept bei uns ist zeigt der rosa Durchschlag noch viele Spuren der täglichen Spitex-Arbeit. Zum Glück bleibt das weisse Original in unserer Buchhaltung und über den roten Durchschlag darf sich die KK freuen.  :-)

Und letztens haben wir eine wahre Baustelle von einem BG-Rezept bekommen.

Das hier: (blauer Stift: das waren wir, der Rest ist Original)

bgrp
Ich meine: SO schwer ist das wirklich nicht – da steht ja alles drauf, was genau draufgehört und wo.

Es gibt aber immer noch genug, was man schief machen kann.

Zum Beispiel: Durogesic / Fentanyl …. faktisch dasselbe. Durogesic das Original und Fentanyl das Generikum. Mir ist es eigentlich egal, was der Arzt jetzt aufschreibt (ich darf das hier ja durch ein Generikum ersetzen) aber durchstreichen, neu schreiben, nochmals durchstreichen ist auf einem BG Rezept ein dickes „No-No“.

In Deutschland würde die Kasse jetzt wohl einen Aufstand machen wegen den „3d“ – das müsste, wenn ich das richtig mitbekommen habe ausgeschrieben sein als: „Alle 72 Stunden wechseln“

Aber ich habe noch ein Problem: 150 Mikrogramm – die Dosierung gibt es nicht. Es gibt 100 und es gibt 50 … und dann muss der Arzt das bitte als je eine Packung aufschreiben. Das darf er mit den neuen BG Rezepten auch auf dem selben Rezept.

Ähnliches Problem auch beim Oxynorm: es gibt kein 50 mg (pro was?) – es gibt 10mg/ml – also will er wohl, dass der Patient 5 ml nimmt – maximal alle Stunde.

Für das habe ich grad ein ganz neues Rezept verlangt beim Arzt. Ich finde das auch ziemlich schlampig, den Patienten mit so einem Rezept zu entlassen. Zum Glück darf ich das hierzulande aber so abgeben, auch wenn ich das neue Rezept noch nicht in der Hand halte – ist auch besser so. Das hier sind starke Schmerzmittel, die der Patient braucht … ansonsten leidet er. Toll auch, weil das natürlich vor einem Wochenende reinkam.