Sicherheit im Labor

Es ist mal wieder soweit und ich muss die jährliche Weiterbildung der Mitarbeiter in Punkto Sicherheit durchführen.

Neben dem Verhalten bei Feuer und Überfällen gehört dazu auch der Punkt Sicherheit im Labor. Das hier wird eine der Fragen: „Du musst Leichtbenzin abfüllen. Welche der beiden Trichter nimmst Du?“

Und? Zusatzpunkte wenn man weiss, was ausser den bunten Etiketten noch auf die Flasche gehört.

Bussgeld für unordentliche Apotheke

Nein, nicht bei meiner! Aber in Deutschland musste ein Apotheker laut apotheke-adhoc eine Strafe bezahlen:

Berlin  –  Weil das Labor unsauber, die Fachliteratur veraltet und verschiedene Arzneimittel bereits das Verfallsdatum überschritten hatten, muss ein Apotheker eine Geldstrafe von insgesamt 2200 Euro zahlen. Davon entfielen 1500 Euro auf einen Verstoß gegen die Berufsordnung.

Autsch. Und das nach einer vorangekündeten Inspektion.

Aber was würden sie wohl bei dieser Apotheke hier sagen?

Hier habe ich noch mehr Bilder gefunden: es ist wirklich eine Apotheke! – aber da sie nicht in Europa ist, wird vielleicht auch nicht so streng kontrolliert.

Eine Verfalldatenkontrolle würde ich da ja nicht durchführen wollen …

Monsterpackungen

Eine Entwicklung, die ich jetzt schon eine Zeitlang mitverfolge ist dass es bei den Medikamenten immer grössere Packungen gibt. Und ich meine hier nicht die Anzahl der Tabletten, sondern die Verpackung derselben. Die wird grösser und grösser.

Früher haben die Pharmafirmen bei der Entwicklung noch daran gedacht, dass ihre Medikamente ja in der Apotheke in die Schublade kommen – und dementsprechend eine gewisse Grösse nicht überschreiten sollten: Ihr wisst schon: Mindestens die Höhe der Schublade und Breite der Schublade sollten die Packungsgrösse limitieren. Dem ist jetzt wohl nicht mehr so.

Ein paar Beispiele: Während ich die alte Calcimagon D3 wunderbar in der Schublade versorgen kann, liegt die neue Calcimagon D3 forte Packung, weil sie 1 – 2 mm zu hoch ist schräg drin und riskiert bei jedem Öffnen aufgerissen zu werden.
Die neue Desomedine Augentropfen in Einzeldosen dasselbe. Ich weiss, dass Einzeldosen etwas voluminöser sind, aber das (siehe Bild) ist lächerlich. Das sind nur 10 Plastikfläschchen zu 0.6 ml!


Oder die Competact Tabletten zur Behandlung von Diabetes. Hier die Packung neben den Diamicron. In der Diamicron – die genau die Länge der Schubladenbreite hat – sind übrigens mehr Tabletten drin….


Die Liste ginge weiter.
Bitte liebe Pharmaindustrie: bei der Entwicklung der Packungen solltet ihr berücksichtigen, dass sie sowohl in der Apotheke als auch beim Patienten zuhause gelagert werden – in der Apotheke haben wir die Schubladen, die da die Grösse limitieren sollten und auch der Patient hat wohl nicht wirklich Freude an so Monsterpackungen  – die sehen auch wirklich gfürchig aus!

Warum es Apotheker braucht

Hier nur drei Beispiele von Rezepten, die ich hatte und die so nicht ausgeführt werden dürfen / sollen:

Rezept 1

1 OP Crestor 10mg 0-0-1
1 OP Euthyrox 25mg 1-0-0
1 OP Maltofer Tbl 1-0-0

Na, wenn der Kunde das so einnimmt, kann er die letzten beiden Medikamente auch grad weglassen. Zusammen geschluckt bilden das Schilddrüsenmedikament und das Eisen nämlich unlösliche Verbindungen im Magen und werden nicht in den Körper aufgenommen. Also wirken sie auch nicht.

Lösung: Euthyrox morgens nüchtern nehmen, Eisenpräparat vor dem Mittagessen. Tel an den Arzt um ihm das zu sagen.

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Rezept 2
Patientin mit Asthma, chronischen Schmerzen und bekannter Penicillinallergie:

1 OP Augmentin 1g

1-0-1 für 6 Tage

Oh, oh. Der Wirkstoff von Augmentin ist Clavulansäure und Amoxicillin – und da besteht eine Kreuzallergie zu Penicillin. Das kann sie also auf gar keinen Fall nehmen, sonst droht im Schlimmsten Fall ein allergischer Schock.

Lösung: Telefon an den Arzt („Oh, das wusste ich, hab ich nicht mehr dran gedacht.“) und ein anderes Antibiotikum suchen.

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Rezept 3
Patient mit Dauermedikation Sortis und Aspirin cardio war wegen akuter Beschwerden im Spital, wo ihm gegen seine Infektion folgendes verschrieben wurde:

1 OP Klacid one 7 Stück,

1-0-0

Nimmt der Patient gleichzeitig den Cholesterinsenker und das Antibiotikum Klacid riskiert er Muskelschäden und Nierenversagen.

Lösung: Sortis kurzfristig absetzen bis Antibiotika Therapie vorbei. Arzt informieren.

Ich schreibe das hier jetzt nicht um die Ärzte anzugreifen. Ich möchte einfach zeigen, dass das Gesundheitssystem ein „Teamsport“ ist. Ärzte, Apotheker, Krankenschwestern, Pharmaassistentinnen, Spitex … wir müssen zusammenarbeiten für die Gesundheit des Kunden.

Fehler passieren gelegentlich, man kann nicht alles wissen – wer weiss, ob der Patient mit dem Cholesterinsenker daran gedacht hat, zu erwähnen, dass er das nimmt? 4 Augen sehen jedenfalls mehr als 2.

Chemikalienetiketten

Nicht mehr ganz so aktuell: das „neue“ Chemikalienrecht und die Vorschriften, was alles auf der Etikette zu stehen hat.

Die Kennzeichnung von Chemikalien muss nach Chemikalienverordnung folgende Angaben aufweisen:

1. Der offizielle Name des Stoffes oder der Zubereitung

2. Die EG-Nr. (für Stoffe)

3. Die gefährlichen Inhaltsstoffe (bei Zubereitungen)

4. Die entsprechenden Gefahrensymbole und die Gefahrenbezeichnungen.

5. Die entsprechenden R- und die S-Sätze.

6. Die Füllmenge.

7. Den Namen, die Adresse und die Telefonnummer der Herstellerin (d.h. in der Regel der Abfüllerin und der ursprünglichen Herstellerin).

Die Kennzeichnung muss in mindestens zwei Amtssprachen formuliert sein (- das wurde inzwischen vereinfacht: bei Spezialabfüllungen für einzelne Kunden in Apotheken und Drogerien genügt eine Amtssprache).

So steht z.B. auf dem Leichtbenzin:

(EG) Nr. 1907/2006

Kleber F (Brennbar), N (Umweltgefährdend) Xn (Gesundheitsschädlich)

R: Leichtentzündlich/Reizt die Haut/ Gesundheitsschädlich: kann beim Verschlucken Lungenschäden verursachen / Giftig für Wasserorganismen, kann in Gewässern längerfristig schädliche Wirkungen haben

S: Behälter an einem gut gelüfteten Ort aufbewahren / von Zündquellen fernhalten- nicht rauchen / Berührung mit der Haut vermeiden / Massnahmen gegen elektrostatische Aufladung treffen / Zum Löschen Sand, Löschpulver oder alkoholbeständigen Schaum verwenden

plus: es braucht einen tastbaren Hinweis (ein Dreieck) und einen Kindersicheren Verschluss.

Das Ganze bitte auf einer 50ml Flasche … man sieht, wo das Problem liegt.

Und dann wundert man sich, warum immer weniger Drogerien und Apotheken einen Auffüllservice anbieten. – Mal abgesehen vom Problem des Wiederauffüllens.

P.S. für Wundbenzin genügt eine Etikette gemäss Arzneimittellrecht, weil das als Medizinalprodukt gilt – dabei ist praktisch dasselbe drin. Dann steht nur die drauf:

Wundbenzin, X ml, Chargennummer, Verfalldatum, NICHT EINNEHMEN!

LOA, Kostenstabilisierungsbeitrag, Preissenkungen und Margenreduktion: Sparen an der Apotheke

Schon bis jetzt ist es „dank“ der LOA so gewesen, dass die Einnahmen der Apotheke seit 2001 etwa gleich geblieben sind. Gleich bedeutet aber auch: keine Zunahme! Alles ringsum wird teurer, die Lohnkosten und die Miete steigen, die Einnahmen von Spitälern, Ärzten und Pharmafirmen sind in den letzten Jahren kontinuierlich gestiegen (was sich auch in den Krankenkassenprämien wiederspiegelt), nur wir stagnieren.

Dank LOA wurden bisher etwa 1 Milliarde Franken eingespart. (Stand 2010 – inzwischen wesentlich mehr)

Ausserdem: Von den Medikamenten-Kosten*, die von der Apotheke direkt via Krankenkasse abgerechnet werden, werden nochmals 2% abgezogen als Kostenstabilisierungsbeitrag – noch ein Zeichen der Apotheker.

Und jetzt:

Am Montag habe ich den ganzen Tag zusammen mit der Pharmaassistentin damit verbracht, hunderte Preisetiketten ab den Medikamenten zu knübeln. Der Grund: die neuste grosse Preisabschlagrunde. Das BAG hat die Preise sämtlicher zwischen 1996 und 2006 auf den Markt gekommener Medikamente* – etwa 2000 nach unten angepasst – was die Firmen, die ja die Preise sonst machen. natürlich an die Apotheken weitergeben.

Das ist schön für die Krankenkassen – und letztlich die Kunden -, spart es doch voraussichtlich 400 Millionen Franken ein, bedeutet aber wieder mehr eine finanzielle Belastung für die Apotheke. Denn den Lagerverlust bekommt man nicht ersetzt.

Und das ist noch nicht alles. Gleichzeitig ist von der Wirtschaft beschlossen worden, die eh schon niedrige Apothekermarge nochmals um 3 % zu senken.

Das heisst 50 Millionen weniger Umsatz im Jahr für die Apotheken.

Kein Wunder boomen Ketten mit genügend finanziellem Hintergrund. Sagt „tschüss“ zur individuellen Quartierapotheke – die ist bald nicht mehr finanziell tragbar.

Für die, die sagen: „Es gibt eh‘ zu viele Apotheken“ – ja, in manchen Städten hat man an einer Strasse auf 200 m 4 Apotheken, aber: schaut die mal an: Amavita (Kette), Rotpunkt (Vereinigung), Feelgood (Vereinigung), …. und vielleicht eine unabhängige – die wahrscheinlich zuerst da war und jetzt auch zuerst verschwindet.

So. Fertig gejammert. Zurück an die Arbeit!

*wir reden hier von den rezeptpflichtigen Medikamenten – denen , die via Krankenkasse abgerechnet werden.